Werk.

29.9.2026 · Rede.

Es geht nicht um Siegen. I. Isomorphien des Politischen.

29.9.2026

Rede zum 3. WILPF Frauenfriedenskongress Kein Frieden ohne Frauen*

Wenn ich diese Kriege gerade verfolge, dann fallen mir die Strukturen auf, die die Hausvaternschaft im Kosmos des Öffentlichen etablieren, während sie im Kosmos der Pflege zumindest gesetzlich abgeschafft sind.

Erinnern wir uns. 1811 wurde in der Habsburg Monarchie mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch der Hausvater erfunden. Der Ehemann sollte alle Macht im Kosmos der Pflege über die Frau und die Kinder haben, damit dieser selbe Mann im Staat seine Rolle als subaltern Gedachter ohne revolutionäre Hintergedanken erfülle. Damit sicherten sich der Kaiser und die, ihn umgebenden Aristokraten den Erhalt ihrer Elitenposition. Der Hausvater überstand als Institution dann aber die Abschaffung der Monarchie, die Erste Republik, den nationalsozialistischen Anschluss an das Deutsche Reich und die Zweite Republik. Die Familienrechtsreform 1975 holte die rechtliche Gleichstellung der Frau erst nach. Bis dahin bestand ja immer dieser, in den Familien zu lebende Widerspruch von demokratischen Grundrechten für alle und für die Frau, aber die vollkommene Unterwerfung unter den Mann im Familienrecht.

In der Demokratie. Der Mann war nicht mehr der subaltern gedachte Untertan. Er war der selbstbestimmte, demokratisch berechtigte Mann, der dann im Haus die Macht über die eigentlich demokratisch selbstberechtigte Frau ausübte. Dieser Widerspruch blieb kulturell erhalten. Die Männer bestanden auf der privaten Ausübung ihrer Hausvaternschaft und das auf allen Ebenen. Durchaus bis heute.

Damals. Etwa. Es stand eine Frau zum Beispiel beim Einstellungsgespräch einem Mann des Kosmos des Öffentlichen gegenüber. Gleichzeitig konnte dieser Mann aber auf seine Berechtigtheit auf Sexualität im Kosmos der Pflege zurückgreifen und sich der Frau auf dieser Ebene zumuten. Erst mit #metoo wurde dieser Widerspruch breit sichtbar gemacht. Bewältigt nicht. Und. Es gibt vor allem in den USA mit der New Right eine Männerbewegung, die sich das Recht der Dominanz über die Frau herausnimmt und noch vor die anthropologische Periode des Langhauses zurückgehen will. Gynokratie wird da bekämpft. Ahistorisch so. Und. Die Hausvaternschaft brauchte nicht die Übertragung des code civil aus Frankreich in die Gesetzgebung der Habsburg Monarchie. Die Christlichkeit reichte aus, die Frauen subaltern oder sogar als Feindin zu denken. Jedenfalls als Ursprung allen Übels.

Ich greife gern auf die Geschichte meiner Großmutter väterlicherseits zurück. Sie riss mit 14 Jahren aus ihrem Zuhause in Bielitz-Biala aus. Das war 1910. Sie ging nach Wien. Arbeitete als Verkäuferin. 1917 kam ihre Tochter auf die Welt. Unehelich. Der Offizier heiratete sie nicht. Oder konnte sie nicht heiraten. Es war Krieg und ein Leutnant musste dem Staat 60.000 Kronen zahlen, um heiraten zu dürfen. Das war als Versorgung der Ehefrau gedacht. Der Staat übernahm da nichts. Sexualität mußte einer sich leisen können.

Die Großmutter. Sie erhielt sich und das Kind mit Granatenstopfen in Wöllersdorf. Der Offizier ließ sie nach Wiener Neustadt ins Lazarett kommen. 1918. Er war verwundet worden. Er würde sie jetzt heiraten, sagte er ihr. Sie sagte nein. Sie heiratete einen Kriegsheimkehrer. Hatte 3 Söhne mit dem. Der Kriegsheimkehrer war im Krieg gegen Italien verschüttet worden. Er war bis zu seinem Tod 1950 arbeitsunfähig. Die Großmutter erhielt die Familie. Sie hatte sich entschieden, sich auf sich selbst zu verlassen und selbst zu arbeiten. Weil sie nicht ausgebildet war. Sie war ja mit 14 in die Welt gezogen. Sie arbeitete als Putzfrau. Aber. Sie war selbstständig und unabhängig. Sie war Mitglied der sozialistischen Partei. Sie musste mit niemandem über ihren Unterhalt verhandeln. Über ihr Weiterkommen. Ihren Kindern ermöglichte sie Bildung. Ausbildung. Mein Vater war dann ja Akademiker. Diese Großmutter lebte ein Leben, wie wir es dann erst ab 1975 gesetzlich durchzusetzen begannen. Ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit. In der Biestigkeit des kulturellen Erhalts der Hausvaternschaft blieb das die einzige wirksame Strategie. Die Männer hätten sich ja wie wir das taten, neu erfinden können und perfekte Partner werden.

Nun war der Weg aus der Versorgungsehe dieser Hausvaternschaft nicht einfach. Dieses Gesetz war 164 Jahre in Geltung. So ein Gesetz. Das stellt die Personen her. Das macht die Personen, die in diesem Gesetz leben müssen. Der mächtige Mann. Die abhängige Frau. Wir kämpfen weiterhin um die volle Befreitheit aus dieser Erbschaft.

Aber. Die jungen Frauen nun der 4. und 5. Generation Frauenbewegung. Sie denken sich unabhängig. Sie nehmen ihren Beruf ernst und führen ihr Weiterkommen im Beruf an erster Stelle an. Und. Weil mit den Nachfolgern der Hausväter Liebe nicht möglich ist. Denn. So lange ein solcher Mann sich überlegen fühlen kann, kann er nicht lieben. Und. Begehren allein reicht nicht für eine erfreuliche Beziehung. Und unsere Kulturen. Die lassen ihn seine Überlegenheit weiterhin auf allen Ebenen glauben. Und. Wenn das eine Überlegenheit ist, die sich wieder aus der Familiensituation weiterschreibt, in der die Mutter dieser mittlerweile immerhin diskreten Abwertung ausgesetzt war. All die Pflichten und Zuwendungen im Kosmos der Pflege. Zumindest die Lieferung der Gefühle wird schematisch der Frau zugewiesen geblieben sein. Jedenfalls ist fast sicher anzunehmen, dass Hausvaternschaftsreste eine Rolle gespielt haben und der junge Mann sich als berechtigt ansieht. Und deswegen. Die junge Frau wird sich abwenden. Sie hat keine Zeit für diese Aushandlung einer Beziehung. Das wäre ja deshalb so mühevoll, weil die Asymmetrie der Situationen zuerst beschrieben und dann bearbeitet werden müsste. Es müsste jedes Paar eigentlich eine Analyse der politischen Erbschaften und der Folgen in den jeweiligen Biographien machen, um danach erst zu den persönlichen Umständen und Erscheinungsweisen kommen zu können. Da ginge es dann vor allem um die Männergeschichte und wie ein Geschlecht sich über das andere gestellt hat. Da würde das Christentum zu besprechen sein und wie da die Frau als Trägerin der Sünde nicht nur für die Ausweisung aus dem Paradies verantwortlich gemacht wurde. Da müssten die Naturwissenschaften durchgearbeitet und herausgefunden werden, in welch basaler Wirkung die christliche Abwertung der Frau die Wissenschaften beeinträchtigten. Ja. Verfälschten. Wie das in den Künsten der Fall war und ist. Wie das in der Literatur neuerlich wieder so einfach geworden ist. Die ganze Welt müsste auf den Kopf gestellt werden, der jungen Frau den gleichberechtigten Platz in einer Beziehung mit einem Mann zu erarbeiten. Ein bisschen Gender Studies wird da nicht reichen. Es ginge um eine Kulturrevolution, die vom Biografischen ausgeht. Und dann. Es könnte eine demokratische Männerkonstruktion daraus entstehen, die dann in der Beziehung verhandeln könnte und nicht auf die alten Dominanzen zurückgreifen müsste.

Wenn ich aber nun die Weltsituation gerade ansehe. Es ist der 29. Juli 2026. Ich könnte postulieren, dass die Hausvaternschaft nun des US-Empires der Gegenstand all der Konflikte ist. Im Postkolonialem wird diese Dominanz des Dollars von den Kolonialisierten in Frage gestellt. Das US-Empire als Erbe all der Kolonien der europäischen Kolonialreiche. Und die, die waren die Hausvaternschaft auf die Staaten angewandt, wenn Könige und Kaiser sich die Herrschaft zumuteten. Erinnern wir uns. Im Reich der Habsburger wurde noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts absolut regiert. Die Rechte, die dem Hausvater im Kosmos der Pflege zugewiesen wurden, beanspruchte der Kaiser gegenüber dem Volk. Staatsbürger waren da die Männer ja nicht einmal. Und die ständische Hierarchie half, diese Macht zu stärken. Aber immer blieb den Männern im Kosmos der Pflege diese absolute Macht.

Die Kolonialisierung als wirtschaftlicher Gewinn der Kolonialisierenden? Da ging es nur um die Aufteilung dieses Gewinns. Die Kolonialisierer? Die waren in Militär, Bürokratie und Wirtschaft eingeordnete Hausväter, die gehorchen mussten oder ihren Gewinn einlösen konnten. Die Kolonien? Die Ressourcen da? Die Personen? Sie waren zeitgemäß politisch weiblich gedacht. Zu Penetrierende waren das. Zu Überwältigende. Sexismen sind die Quellen der Rassismen. Und das, weil die Kolonialisierer sich herausnahmen, den Wert der Personen zu bestimmen. Wir könnten jetzt feststellen, dass die Umstände der Kolonialisierer schon auf der Ausbeutung all der subaltern gedachten Schichten zu Hause beruhte. Da waren die Frauen immer schon. Die Industrialisierung verschärfte diese Subalternität in der Bedürftigkeit der Männersituation. Die Geschichte meiner Großmutter ist ja kein Einzelfall. Die Frauen arbeiteten selbstverständlich. Die Frauen arbeiteten immer schon. Nur konnte der Hausvater über das, von ihnen verdiente Geld disponieren. Ein eigenes Konto konnte eine Frau in Österreich erst 1957 eröffnen. Deshalb aber. Wir bekommen den Eindruck vermittelt, nur die Männer hätten gearbeitet. Aber da war die Heimarbeit der Frauen. Die Industriearbeit. Landarbeit. Und Sexarbeit. Die Verfügung über das Geld war das Problem. Und das ist nun das gleiche Problem in der Welt. Die USA kämpfen darum, die Verfügung über den Dollar zu behalten und mit dem Dollar die Weltwirtschaft weiter zu dominieren. Nun geht es bei diesem Kampf eigentlich um den Erhalt der Billionärsklasse und es ist nicht zu verstehen, dass die Bürger und Bürgerinnen sich für diesen Erhalt einsetzen sollten. Aber das beruht auf den Verführungskünsten von Donald J. Trump. Wie der scheuen Braut werden ja vor Wahlen Versprechungen gemacht, die dann in den 4 Jahren der Quasi Ehe der Legislaturperiode nicht eingehalten werden. Wie das meistens so war. Die scheue Braut wird als nichts rechtsfähig eingestuft. So ein Verführer. Da gehen wir und lesen die Epstein Files. So ein Verführer. Und dazu können wir die österreichische Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts lesen. So ein Verführer verspricht und verspricht. Aber nie wird die Verführte auf Einhaltung so eines Versprechens klagen können. Die zu Verführende. Die junge Frau zum Beispiel. Der Verführer muss mit keiner rechtlichen Folge seiner Lügen rechnen. Erst wenn nachweisbarer Schaden entstanden ist, geht das. Die junge Frau war und ist rechtlich unberechtigt gedacht. „Ach. Das habe ich da so gesagt. Ja. Aber das war damals.“ kann einer sagen. Das Patriarchale befreit schnell von Selbstverantwortung.

Die USA macht das nun im Großen. Da wird mit dem Iran verhandelt und während die Sitzungen stattfinden, der Krieg begonnen. Die Führungsschicht wird ermordet. Verführung ist eben Täuschung.

Das, was einmal die Kolonien der europäischen Mächte waren. Die. Die europäischen Mächte löschten einander im Kampf um die Kolonien schon im Ersten Weltkrieg aus. Der trojanische Krieg wird da nachgestellt und die schöne Helena ist die Metapher für Hegemonie in Besitz. Der Zweite Weltkrieg war die Vollendung der europäischen Selbstzerstörung. Und die Kolonien. Wie die Frauen in Europa. Sie mussten auf diese Selbstzerstörung reagieren. Meine Großmutter hatte ihre Prinzipien. Aber ihr Lebensplan war sicherlich nicht gewesen, diese gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit des Granatenstopfens zu übernehmen. Das waren die Zwänge der Umstände, die sie beantworten musste. Und. Sie wollte den Offizier nicht heiraten. Wie auch immer der so war. Er wäre ihr gesellschaftlich überlegen gewesen. Die Asymmetrie in der Beziehung. Die lässt sich mit der Dominanz der Waffen im Kolonialismus vergleichen. Und heute mit der Dominanz des Dollars und der US-amerikanischen Staatsanleihen, die die Hegemonie der USA sichern.

Die Eliten, die sich dieser Hegemonie zu ihrer weiteren Bereicherung sichern. In der Logik der Grundstruktur männlich selbstverständlichen Besitzanspruchs. In der Behauptung einer Quasi Natürlichkeit davon. Die kulturelle Argumentation all dieser Ansprüche wird folgerichtig von frauenfeindlichen Männern repräsentiert. Eine offen ausgelebte Frauenfeindlichkeit ist das. Dazu müssen wir nur Donald J. Trump bei einer der Pressekonferenzen beobachten, wenn er Journalistinnen im Namen seiner Volksverführung aufs Gröbste beleidigt. Und. Diese Frauen, die diese Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Müssen sie das? Offenkundig ist eine Journalistin nicht in der Lage sich rechtlich gegen solche öffentliche Abwertung zu wehren. Es liegt dann auch das übliche Missverständnis vor, dass ein solcher Grob-Verführer durch Nichtbeachtung bestraft ist. Das ist er nicht. Der macht seine Politik der Abwertung von Frauen weiter. Der wertet nun wieder Frauen ab, die ihr Geld selbst verdienen. Das, so ist der Plan der New Right und der Evangelikalen, mit deren Hilfe Trump die Wahlen jeweils gewonnen hat. Das sollen Frauen nicht machen dürfen. Sie sollen wieder über die Versorgung in die Beugehaft der Versorgungsehe genommen werden.

Wie die Frauen leben sollen. Die Antwort auf diese Frage bildet ein zentrales Interesse solcher Männereliten. Über die Beantwortung dieser Frage versichern sich solche Eliten der Gewaltanwendung. Überwältigung, wie sie die Versorgungsehe nun einmal war und ist. Solche Überwältigung wird in die Politik im Kosmos der Pflege weitergedacht. Die Strukturen der Hausvaternschaft werden auf die Macht in der Welt weitergeführt. Die Hausvaternschaft des einzelnen Manns über die Heirat. Und heiraten. Das kann viele Formen annehmen. Das kann ein Kampf um die Frau gewesen sein. Da kann eine Frau gekauft worden sein. Da wird Verführung eine Rolle gespielt haben. Da wird einfach in Besitz genommen. Gefangennahmen. Freiwillige Auslieferung, weil keine andere Möglichkeit besteht. Die Eroberung von Kolonien verlief nicht anders. Gewalttätig. Verträge, die dann gebrochen wurden. Erinnern wir uns an die zahllosen Verträge, die in den USA zwischen den Indigenen und den Kolonialisierern geschlossen wurden. Keiner dieser Verträge wurde von der Regierung der USA je eingehalten.

Die Familienkonstruktion des Christlich-Westlichen ist auf der Asymmetrie der Macht aufgebaut und diese Asymmetrie wurde und wird in die Politik im Kosmos des Öffentlichen weitergeführt. Keinem anderen Modell der Machtverteilung wird Platz gegeben. Im Gegenteil. Die gängige Rhetorik der New Right gegen Links bedient sich der Geschlechtermachtfrage. Eine Frau, die sich selbst erhalten will, kann schnell einmal Kommunistin genannt werden.

Was tun? In der jetzigen Situation wird es als Unausweichlichkeit behauptet, dass Krieg geführt werden muss. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute. Es geht um die Frage, welches Joch so ein Staat ertragen muss. Und um die Frage, wer solches Joch auferlegt. Die Turbulenzen aus dieser Auseinandersetzung werden uns noch lange begleiten.

Nun wissen wir aber als Frauen noch etwas anderes als Krieg. Wir haben miterlebt. Ich habe das jedenfalls. Wir haben miterlebt, wie die Änderungen von Gesetzen im Kosmos des Öffentlichen, die Umstände des Kosmos der Pflege betreffen. Heute. Jede Frau weiß, dass es ihr Recht ist, Hilfe vom Partner zu bekommen. Dass sie es immer noch aushandeln muss. Das liegt am Bestehen des Patriarchalen auf Dominanz wie wir das in unserer Kultur täglich erleben können. Aber trotzdem. Es gibt eine klare Linie und es liegt nicht mehr an den wiederum weiblichen Methoden, sich in dieser Erpressungssituation die Rechte zu verschaffen. Wir müssen uns nicht anpassen, um überleben zu können. Wir können es alleine. Da erfüllen sich keine Träume. Aber die Würde kann erhalten bleiben.

Unabhängigkeit muss aber in einem Rahmen von Absicherungen möglich sein. Dafür. So wissen wir aus der Geschichte des Familienrechts bei uns. Dafür müssen wir darauf bestehen und aktiv durchsetzen, wie wir leben sollen. In Bezug auf Frieden heißt das, dass politische Parteien darauf geprüft werden müssen, wie sie zum Frieden stehen. Ob sie eine kluge Politik der Verhandlung führen wollen. Oder. Ob sie kraftprotzend als Superhausvater die ganze Nation als Familie gedacht, entmachten und in einer Kriegssituation die volle absolute Macht zurückhaben wollen. Dazu gehört es, dass internationale Organisationen als friedensbildende Strukturen wieder gestärkt werden müssen und die Aufwendungen dafür aufgebracht werden müssen. Wir müssen auch auf einem politischen Stil bestehen, der sich nicht dem wütenden Hausvater vergleicht, der beim Sonntagsmittagessen der Familie lautstark erklärt, dass er eigentlich der wäre, der alles weiß. Der alles richtig machen würde, wenn man ihn nur ließe.

Und der wütend zischt, wer aller in seiner Umgebung ein Depp ist. Ein Trottel. Ein Looser. Und dass er der Einzige sein sollte. Der einzige Bestimmende.
Populismus? Das ist genau diese Situation. Der Hausvater erklärte seiner Familie, wie der Hase läuft und wer da aller an allem schuld ist. Und nur er weiß, was richtig ist.

Das machte dieser Hausvater einmal nur zu Hause am Sonntag. Am Montag ging er wieder brav in den Kosmos des Öffentlichen und spielte seine untergeordnete unterordnende Rolle. Nach Zusammenbruch der Monarchie. Ohne dieses festigende öffentliche Superego. Es steht nur noch der wütend, tobende Hausvater vor uns. Erinnern wir uns. Das Patriarchale erlaubt dem Mann nur Aggression als einzige Antwort auf alles, was auf ihn eindringt. Da gibt es keine Trauer. Oder Sehnsucht. Oder Trost. Da gibt es keine Entwirrung all der Umstände und Forderungen. Und. Der wütende, tobende Hausvater. Das ist der Faschist, der seine privaten Vorurteile zur Ideologie nimmt. Absolutistische Selbstdarstellung der Affekte ist das. Und. Diese Männerkonstruktion regiert wieder die Welt. Das stumme Dabeistehen, wenn Trump Journalistinnen beschimpft? Ich weiß. Ich bin es auch müde, schon wieder die Empörung hervorholen zu müssen. Aber. Abwertung bleibt Abwertung und wir dürfen es nicht zulassen. Deshalb hier. Wir verurteilen solches Sprechen. Wir müssen Wege finden, diesen Männern die Deutungsmacht zu entziehen. Ich kann mir Kunstprojekte vorstellen, mit denen das begonnen werden kann. Aber im Grund. Es müssen handfeste Boykotte eingesetzt werden, Maßnahmen, die umfassend solches Sprechen markieren und verurteilen und den Hausvätern die Macht entziehen. Das braucht Genauigkeit des Widerstands in all unseren Leben in jedem Augenblick. Das wird Bekenntnisse brauchen. Und Verweigerungen. Aber. In einem kaum begreifbaren Realismus geht es ums Leben. Um unsere Leben. Um die Zukunft. Und wir müssen in dieser Lebensnot eine Gemeinschaftlichkeit miteinander finden, die stark genug ist, den Frieden als Kultur dieses Gemeinschaftlichen überhaupt einmal zu phantasieren. Um diesen Entwurf handfestest durchzusetzen. Wir können miteinander hier damit beginnen.