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	<title>Marlene Streeruwitz &#187; Werkverzeichnis</title>
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	<description>Autorin &#124; Regisseurin &#124; Wien &#124; Berlin &#124; London &#124; New York</description>
	<lastBuildDate>Mon, 26 Jul 2010 06:43:41 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Salzburger Festspiele. Weil die auch nie aufhören.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Salzburger Buhlschaft in: Der Standard, 24. Juli 2010 Wann darf sie gehen. Wann darf sie weg. Wann darf die Buhlschaft von der Bühne und so aus ihrer doppelten Sexarbeit wieder ins Privatleben zurück. Hoffmannsthal regelt ihren Auftritt im „Jedermann“. Von der Bühne holt er die Buhlschaft nicht mehr. Dem Text folgend, kann sie auf Seite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Salzburger Buhlschaft</p>
<p>in: Der Standard, 24. Juli 2010</p>
<p>Wann darf sie gehen. Wann darf sie weg. Wann darf die Buhlschaft von der Bühne und so aus ihrer doppelten Sexarbeit wieder ins Privatleben zurück. Hoffmannsthal regelt ihren Auftritt im „Jedermann“. Von der Bühne holt er die Buhlschaft nicht mehr. Dem Text <span id="more-3010"></span>folgend, kann sie auf Seite 40 abtreten, wenn es heißt „Es flüchten viele.“ Sie kann sich bis Seite 52 Zeit lassen und mit den letzten davonlaufen, die sich noch an der Tafel gütlich tun. Sie könnte auch bis zum Schluß bleiben und dem Jedermann zusehen, wie er so freundlich von zwei anderen Frauen begleitet ins Grab steigt. Sexarbeiterinnen können nämlich keine Antworten auf die „endgültigen Fragen“ geben. Sexarbeiterinnen erfüllen ihre Aufgabe und dann können sie vergessen werden. Das ist der deal.</p>
<p>Denn. Das ganze ist ein deal. Der ganze „Jedermann“ ist geschäftlich zu denken. Jede Struktur ist ein Handel gegen eine andere Struktur. Jede Figur bringt eine kleine Summe von Sinneinheiten auf die Bühne, die in der Gesamtrechnung der Jedermannfigur verbucht wird. Das  geht vollkommen mechanistisch vor sich. Alle Nebenfiguren zusammen ergeben in einer einfachen Buchhaltung von Gut und Böse die Hauptfigur. Dieses Gut und Böse tritt in Figuren auf, die von Schauspielern und Schauspielerinnen den Körper erhalten und es sind ausschließlich diese Körper der realen Schauspieler und Schauspielerinnen, die einen Sinnzusammenhang herstellen. Herstellen können. Die Körper der Schauspieler und Schauspielerinnen schaffen eine Quasi-Realität, die dem Text überhaupt erst Bedeutungsmacht erteilt.</p>
<p>Dieses Leihen des Körpers. Das ist die Arbeit des Schauspielers und der Schauspielerin. Immer ist es die Anwesenheit der Person hinter der dargestellten Figur, die die Realität herstellt. Das Spielen einer Figur. Das ist gewollte Lüge. Gewollte Täuschung. Das ist ein vereinbarter Vorgang. Das Theater Lessings betritt diese Vereinbarung in dem Wunsch, über diese gespielte Auseinandersetzung zwischen Figuren, die gerade vorliegenden Verhältnisse von Macht und Ohnmacht zu untersuchen. Das Theater Lessings dringt auf immer individualisiertere Figuren, an denen diese Verhältnisse je realistischer nachgestellt und damit gesellschaftliche Konflikte offengelegt werden können. Es sind bestimmte Figuren in bestimmten Zusammenhängen, die dann die bestimmte Schlußfolgerung ermöglichen. So geht Aufklärung.</p>
<p>Im „Jedermann“. In der Personifikation von „menschlichen“ Eigenschaften geht der Autor vor das Theater Lessings zurück. Der Rückgriff aufs Mittelalter verdeckt den Rückschritt weit vor die Aufklärung. Für die Aufführung bedeutet das, daß der Schauspieler und die Schauspielerin als sie selber auftreten müssen und wie mittelalterliche Schausteller die jeweilige Eigenschaft vertreten. Das ist eine andere Form des Sich Leihens. Es gibt nicht das Spiel mit der Figur und einer Wiederaufführung von Leben. Im „Jedermann“ wird zur Schau gestellt und der Körper ist die Landschaft dieser Ausstellung. Der Körper des Schauspielers und der Schauspielerin wird für die Darstellung in Geiselhaft genommen. Eine hölzerne und ritualisierte Aufführungspraxis tut dann ein Weiteres dazu. Es liegt darin ein planes Ausbeutungsverhältnis vor, das die totale Unterwerfung unter den Text verlangt und keinerlei Eigenanteil zuläßt. ( Das knallende Furzen des einen Teufels gegen das eher verhaltene Gasentweichen der nächsten Teufelsdarstellung zählt da nicht.) Weil das in Salzburg sehr gut bezahlt wird, muß es nicht als solches wahrgenommen werden. Und. Weil alle mittlerweile in solchen Arbeitsverhältnissen leben, in denen sie keine Gestaltungsräume mehr vorfinden, sondern sich nach den Codes von Markteroberungsstrategien und Effizienz bewegen müssen. Weil das Mittelalterliche in den, die Personen insgesamt erfassenden Abhängigkeitsverhältnissen des Arbeitsmarkts so offenkundig ist. Die Uraufführung des „Jedermann“ im Zirkus Neumann 1911 bestätigt dieses feudale Arbeitsverhältnis in der Aufführung. Zirkus. Das ist die sprachlose  Schaustellung der grotesken Möglichkeiten der Körper von Menschen und Tieren gegen Bezahlung. Im „Jedermann“ wird das zum Zirkus des Tods und der Rettung.</p>
<p>Es müßte also nicht ums Geld gehen, um im „Jedermann“ das Zentralstück einer hochkapitalistischen Volksmission zu erkennen. Die Ebene des Texts und die intendierte Aufführung dieses Texts. Die Strukturen dieses Theatertexts selber fungieren als Insrumente der Ausbeutung.</p>
<p>Abhängigkeitsverhältnisse stellen sich über Spiegelungen dar. Die Herrschaft des Jedermann zeigt sich an der Abhängigkeit des armen Nachbarn oder des Schuldknechts. Die kapitalistische Herrschaft wird in der quasimittelalterlichen Spracherfindung von Hoffmannsthal schön anmetaphorisiert und gleichzeitig stramm argumentiert.</p>
<p>Jedermann:</p>
<p><em>„Geld ist wie eine andere War,</em></p>
<p><em>Das sind Verträg und Rechte klar.“</em></p>
<p>Der Gesell sekundiert:</p>
<p><em>„Wär schimpflich um die Welt bestellt,</em></p>
<p><em>Wenns anders herging in der Welt.“</em></p>
<p>Die Knechte wissen es immer noch ein bißchen genauer als die Herrn und der Schuldknecht hat sich eben verspekuliert. Der Schuldknecht muß seine Medizin nehmen. Das ist der deal. Der Schuldknecht argumentiert ja auch nur im System und pocht auf Barmherzigkeit und nicht auf Veränderung. Oder gar Grundrechte.</p>
<p>In diesem Kosmos des Besitzs wird der Gebrauch an anderen in der Übertragung von Besitz ausgedrückt. Wenn wir gleich zu Beginn erfahren, daß die Buhlschaft einen Lustgarten zum Geschenk bekommen soll, dann freuen wir uns. Die Buhlschaft wird so vielleicht zu einer Versorgung kommen. Sie kann den Garten ja immerhin wieder verkaufen und so ihr Leben bestreiten, nachdem sich der Herr Jedermann zu einer Heirat nicht bequemt. Vielleicht will die Buhlschaft ihn auch gar nicht. Wir wissen ja nicht, welche Angebote noch vorliegen. Zwar wird der Jedermann als der Reichste weit und breit beschrieben, aber das wird von liebedienerischen Angestellten gesagt und gilt damit nur in der inneren Logik dieser Unterwerfungen.</p>
<p>Die Buhlschaft bekommt gerade so viel Raum in diesem Stück, daß das Publikum ihrer gewahr werden kann. Sie ist das blühende Leben gegen die Blässe des Tods. Es ist ja ihr Fest. Sie bringt die Musiker mit und die Begleitung. Wie jede geübte Hostess beruhigt sie den, ob des Altersunterschieds unsicheren Jedermann und lobt seine „milden Hände und seinen steten Sinn“. Immerhin kann sie sich nicht auf seine feurigen Lenden beziehen. Das fiel dem Autor nicht ein. Es ist ein eher laues Getändel, das da abläuft. Aber es geht ja nicht um eine leidenschaftliche Wirklichkeit. Es geht ja eigentlich nur darum, daß Jedermann nicht verheiratet ist. Die Buhlschaft stellt also imgrund nur den ledigen Jedermann dar. Es geht nicht um einen heißblütigen Platzhirschen. Es geht nicht um einen Buhlen, der seiner Lust ungehinderten Lauf verschafft. Nein. Die Mutter Jedermanns beklagt es. Es geht um den Unruhefaktor „lediger Mann“. Das immerhin ist wirklich mittelalterliche Katholizität. Der lange Weg der Zivilisierung des Mannes erfolgte über die Monogamisierung und deren Verrechtlichung in den kirchlichen Ehegesetzen. Das beschreibt auch den langen Weg der Zivilisierung in den europäischen Kapitalismus. Die Versammlung des Vermögens auf rechtlich anerkannte Erben von einer jeweils einzigen Frau und der Ausschluß der Priester aus einer solchen Erbmöglichkeit durch das Zölibat. Es hat das alles zu den Jedermanns geführt. Eine Buhlschaft ist da die reine Illustration des Wildlaufens eines solchen Burschen. Am Ende ist das ja auch die einzige vorführbare Sünde. Hätte Jedermann rechtzeitig und standesgemäßt geheiratet, es wäre uns seine Bekanntschaft erspart geblieben. Dem Gott des Anfangs ärgert ja nur die Tatsache, daß die Jedermanns „schmählicher hinleben als das Getier“ und sich in den Buhlschaften ihre Lust verschaffen, ohne die katholische Uraufgabe des Kinderzeugens in der Monogamie zu erfüllen.</p>
<p>Die Buhlschaft ist so eine Art Dekoration von Jedermanns Burschenleben, der sich trotz Hab und Gut nicht in die Gesellschaft einordnet. Sie wird von Jedermann beim Bankett gefragt, ob sie ihn bis ins Grab hinein begleiten würde und die Buhlschaft gibt sehr vernünftige Antworten. Was der Autor als ihre Minderwertigkeit beschreiben will. Als die Oberflächlichkeit einer minderen und dazu noch weiblich minderen Person, das lesen wir heute als sehr vernünftiges Verhalten in einer schlimmen Abhängigkeitssituation. Die Sexarbeiterin hat ihr Honorar zu bekommen. Schlimm genug, das das offenkundig von der Gestimmtheit des Herrn Jedermann abhängig ist und wir atmen erleichtert auf, daß sie ihm so nett schmeichelt, wenn sie die jungen Liebhaber so beseite schiebt. Eine professionelle Haltung zeigt sich in dieser Buhlschaft, die ja keine Eigenschaft darstellt, sondern ganz in der Logik der Anlage des Stücks ein Objekt ist.</p>
<p>Alle Frauen in diesem Text sind Objekte Jedermanns. Die Buhlschaft ist das erste Objekt seines Begehrens, das über den Lustgarten beschrieben wird, den sie zum Geschenk bekommen soll.</p>
<p><em>„In diesem Gärtlein köstlich und mild</em></p>
<p><em>Ihr eigen abgespiegelt Bild.</em></p>
<p><em>Die allezit liebreich mich ergetzt,</em></p>
<p><em>Mit Hitz und Schattenkühl mich letzt</em></p>
<p><em>Und einem verschlossenen Gärtlein gleich</em></p>
<p><em>Den Gärner selig macht und reich.“</em></p>
<p>Das sagt Jedermann zum Gesellen, der den Garten kaufen gehen soll. Jedermann ist durch das Moralisieren seiner Mutter die Lust vergangen. Die Mutter hat aber auch gar zu viel vom Sterben gesprochen. In einem Theaterschauspiel würden wir vermuten, daß die Mutter einen Todeswunsch hat, der ihren Sohn miteinschließt und wir könnten sehr interessante Schlüsse auf die Figur ziehen. In diesem Zirkus der Verkörperungen erübrigen sich so feinfühlige Fragen. In einem solchen Stück werden Auftritte erfüllt.</p>
<p>Und die arme Buhlschaft. Sie wird durch die weiblichen Objekte eines spirituellen Begehrens ersetzt. Die Werke und der Glaube. Beide Begriffe werden durch Frauen verkörpert. Die Personifikation der Werke werden ja durch Jedermann zum Leben erweckt. Die Werke sind ein spiritueller Filter und es bleiben nur gute Werke im Sinn der ankatholisierten Spiritualität dieses Stücks hängen. Die weibliche Häßlichkeit und Schwäche der Personifizierung der Werke auf der Bühne ist ein Spiegel Jedermanns. Wir müssen daraus schließen, daß Moralität weiblich ist und die Buhlschaft der amoralische Kontrapunkt dazu. Die alte Geschichte von der Heiligen und der Hure wird da nachvollzogen. Oder besser. Diese alte Geschichte wird vorausvollzogen. Denn. Durch die Anlage in einem ungefähren Mittelalter wird ja alles, was da so gesagt wird, als in sehr viel früheren Zeiten Gesagtes behauptet. Ein geschlecherstiftender Mythos, wie der von der Huren und der Heiligen. Der wird damit neuerlich als vergeschichtlicht behauptet und bekommt so eine nette und neuerliche Erfrischung aus dieser behaupteten Geschichtlichkeit. Diese Behauptung wird ja in der Theateraufführung in die vorgelebte und unmittelbare Realität dieser Aufführung zur Wirklichkeit gemacht. So war das, wird dem Publikum vermittelt.  Das ist Ideologisierung vom Allerbesten. Ein Idealtypus von Ideologisierung ist das.</p>
<p>Der Kapitalist Jedermann bleibt dem folgend  auch in seinem Tod allen kapitalistischen Prinzipien treu. Darin natürlich kümmert ihn die Buhlschaft nicht mehr. Die Buhlschaft findet nicht eimal mehr in den Bühnenanweisungen Platz genug, von der Bühne geholt zu werden.</p>
<p>Jedermann versucht es erst konventionell und verlangt von seinen Abhängigen die Begleitung ins Grab hinein. Die Idee, daß diese Frau wie eine indische Witwe mit ihm ins Grab soll, diese Idee scheitert an der Verachtung von dieser Frau. Oder besser. Diese Idee scheitert an der Selbstverachtung des Männlichen, das die Verstärkung durch Männliches zu seiner Sicherheit benötigt. Nachdem die Gesellen und Vettern abgesagt haben und das Geld die Machtverhältnisse umbenannt hat, kapitalisiert Jedermann seine Verfehlungen. Obwohl. Wir wissen ja von keiner größeren Verfehlung. Der Teufel zählt zwar einige auf, aber konkrete Kunde bekommen wir davon nicht.</p>
<p>(„Konkrete Kunde.“ Dieser tümelnde Kauderwelsch an Sprachvermutungen Hoffmannsthals färbt sofort auf den Leser und die Leserin in unsäglicher Weise ab und führt zu solchen Formulierungen.)</p>
<p>Wir hören keine konkrekte Anklage Jedermanns. Es gibt kein ordentliches Gerichtsverfahren. Die Gewalten sind nicht voneinander getrennt. Jedermann ist lange vor der französischen Revolution situiert und kann in Geständnisse zerfließen. In diesen Geständnissen vollführt Jedermann die von ihm verlangte Einordnung. Jedermann fügt sich in die verlangte Unterwerfung und die beiden Frauen und seine Mutter freuen sich. Jedermann bringt seine Unterwerfung in den Tauschhandel ein und befriedet damit den Gott des Eingangsmonologs, der ziemlich grantig eine Art spiritueller Steuerprüfung abhalten will, weil man nicht so lebt, wie es ihm gefällt. Ein recht lächerlicher Gott ist das. Ein Zirkusgott halt.</p>
<p>Die Buhlschaft. Eine Schauspielerin wird immer nach ihrem Körper gemessen. Diese Messung wird sexistisch sein. Es gibt ja keine andere Sichtweise des weiblichen Körpers in der Öffentlichkeit als die Messung von attraktiv und nicht attraktiv. Attraktivität setzt voraus, daß Begehren aufgerufen werden kann. Sexuelles Begehren wird durch die jugendlichen sekundären Geschlechtsmerkmale angeregt. Deshalb muß die Buhlschaft ihren Busen so weit wie möglich entblößen. Und sie muß jung sein. Die Buhlschaft muß nämlich fotografiert werden und mit dem Bild der jeweiligen Schauspielerin als Darstellerin der Buhlschaft die Verbreitung der Bilder von einem solchen Stück betrieben werden. Die Attraktivität der Schauspielerin wird in der Darstellung der Buhlschaft zur Attraktivität dieses Ereignisses gesteigert. Wir könnten auch sagen, daß diese Attraktivität wieder die Personifikation dieses Ereignisses darstellt und damit in einem doppelten Bogen die Darstellung der Sexarbeiterin Buhlschaft im Foto der Darstellerin der Buhlschaft  eingesetzt wird. Je nach Blickwinkel wird ein solcher Einsatz Karriere genannt werden können. Oder ganz einfach sexistisch.</p>
<p>Die Wahrheit ist, daß Karrieren wahrscheinlich nur sexistisch zu machen sind. Je nach Geschlecht und der damit verbundenen, kulturell fixierten Attraktivität.  Deshalb hoffe ich, daß die Buhlschaft eine höhere Gage bekommt als der Darsteller des Jedermann. Die Buhlschaft muß sich schließlich in einer ganz anderen Weise zu Verfügung stellen. Das kann sie nur eine begrenzte Zeit. Die Darstellung von Geschlecht ist auf Jugendlichkeit beschränkt. Ich hoffe auch, daß die Buhlschaft so früh wie möglich von der Bühne kann und in aller Ruhe ein kühles Bier trinken. Oder was auch immer.</p>
<p>Die Buhlschaft kann auch aus dem Stück gestrichen werden. Sie taucht in dieser Männerwelt ohnehin wie eine pflichterfüllende Beifügung auf. Es genügte, es würde über ihre Bezahlung geredet. Dann müßte sie nicht gesehen werden. Die Gage sollte sie trotzdem bekommen und offizielle Fotos werden im Rollkragenpullover gemacht. Dann könnte uns diese unsägliche Veranstaltung des Jedermann vielleicht einen Schritt weiterbringen. Einen winzigen. Eine Bewußtmachung. Und die schöne junge Schauspielerin könnte eine ganz andere Rolle in aller Ruhe studieren. Oder eine Umschulung machen. Wie alle Sexarbeiterinnen und ihre Darstellerinnen hat sie das Recht auf Bildung.</p>
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		<title>Verachtung.</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 08:15:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Institute for Critical Studies of Austrianess]]></category>
		<category><![CDATA[Vorlesung/Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Eröffnungsrede, Tagung zum weiblichen Part in Kunst und Kultur. 10. Juni 2010 in Graz Unlängst. In Wien. Es waren nur Frauen eingeladen. Juristinnen. Ärztinnen. Therapeutinnen. Managerinnen. Künstlerinnen. Ein Frauenabend also. Die Gästinnenliste selbst war schon eine wunderbare Bestätigung, was der, aus den Sozialreformen der 70er Jahre stammende, freie Zugang zu Bildung hergestellt hat. Zugleich muß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eröffnungsrede, Tagung zum weiblichen Part in Kunst und Kultur.<br />
10. Juni 2010 in Graz</p>
<p>Unlängst.  In Wien. Es waren nur Frauen eingeladen. Juristinnen. Ärztinnen. Therapeutinnen. Managerinnen. Künstlerinnen. Ein Frauenabend also.</p>
<p>Die Gästinnenliste selbst war schon eine wunderbare Bestätigung, was der, aus den Sozialreformen der 70er Jahre stammende, freie Zugang zu Bildung hergestellt hat. Zugleich muß gesehen werden, daß soziale Techniken notwendig sind, die es ermöglichen, die Bildung dann auch in Karrieren umzumünzen. In der Gruppe dieser Frauen waren einige, die diese Techniken über ihre Familienzugehörigkeit mitbekamen. Aber. Es waren durchaus auch Personen darunter, die diese Techniken erwarben und so ihren Aufstieg noch um eines mehr sich selber zu verdanken haben. Der Abend war ganz absichtlich als networking Gelegenheit gedacht. Wir sollen – und wollten – einander kennenlernen und aus diesen Bekanntschaften Beziehungen entwickeln. Der weibliche Part daran war sicherlich, daß diese Beziehungen über Sympathie und Empathie hergestellt  und nicht einem rein ökonomischen Utilitarismus abgerungen werden sollten. Eine Verwendungsfähigkeit der anderen Person, bei der zuerst die Frage gestellt wird, ob diese Person in der eigenen Aufstiegsgeschichte von Nutzen sein kann oder nicht. Und erst wenn diese Frage positiv beantwortet werden kann, kommt die Möglichkeit des Beziehens auf. Weiblicherweise finden wir einander erst nett und fragen uns dann, ob das auch ökonomischen Sinn macht. Das ist am Ende dann nur eine andere Technik. Denn. Das Funktionieren in den ökonomisierten Zusammenhängen wird einfach abgefordert. Die weibliche Form des networking wird in der Personalentwicklung etwa durchaus theoretisch als die richtige Methode anerkannt. Deshalb sind aber eben trotzdem nicht alle Personalchefs Frauen. Vielleicht sind sie weiblich.</p>
<p>Zurück zum Frauenabend.</p>
<p>Es wurde geplaudert. Aperitive. Der Spargel lag zum Kochen bereit. Es wurde über das Essen und wieviel und wann und wie schafft es frau, sich gesund zu ernähren. Das Wetter. Dieser Abend lag noch in diesem unendlich verlängerten Winter dieses Jahres. Die Beziehungen. Und weil wir einander nich alle gekannt hatten, wurden die privaten Situationen kurz geschildert. Verliebt. Verlobt. Verheiratet. Vier Frauen lebten in Beziehungen. Vier Frauen lebten allein. Es wurde die Beziehung von Beruf und Lebensalltag besprochen und was sich verändert hatte. Die Bühnenbildnerin hatte eine neue Liebe gefunden. Nach einer Scheidung und über 50 ist das ein seltens Ereignis. Alle wandten sich ihr zu. Freundlich und bestätigend. Ja. Sie habe eine schreckliche Ehe hinter sich und habe die Scheidung 10 Jahre nicht wirklich bewältigt gehabt und nun dieses Glück. Und dann sagte sie. Ich zitiere wörtlich: „Die Ehe. Das war ja einmal Was. Das hat ja einmal etwas bedeutet und dann ist die Frauenbewegung gekommen und die jungen Leute haben jetzt überhaupt keine Werte mehr.“</p>
<p>Als Beobachterinnen unserer Kultur wissen Sie, daß es sich hier um eine Form der assoziativen Deklaration des zutiefst unsere Kultur bedingenden Reaktionären handelt. Diese Frau hat noch vor dieser Aussage ihre Ehe als Katastrophe der Unterdrückung beschrieben. Ihre eigene Erfahrung dient aber nicht als Bezug zu ihrer Weltbeschreibung. Sie selbst ist aus dieser Weltbeschreibung dann ausgeschlossen, wenn sie die Ehe als etwas beschreibt, was einmal etwas bedeutet hat, obwohl sie selbst und offenkundig am eigenen Leib diese Bedeutung kennengelernt hat. Sie kann sich offenkundig nicht als Teil der von ihr beschriebenen Welt begreifen. Die Dinge außerhalb sind nicht auf sie selbst beziehbar. Eine soziale Veränderung, wie sie die Frauenbewegung symbolisiert, muß bei einer solchen Abspaltung bedrohlich gesehen werden. Der Verlust der Norm bleibt als Angriff in Erinnerung, um damit die Norm in Erinnerung behalten zu können. Diese eine Veränderung. Die Auflösung der Ehe, die in ihren Augen stattfand, nachdem die Frauenbewegung „gekommen“ war, führt in eine Auflösung von Norm insgesamt. Die jungen Menschen haben keine Werte mehr. Die Unruhefaktoren Frau und junge Männer werden in einen einzigen Satz zusammengepfercht.</p>
<p>Nachdem die Bühnenbildnerin das gesagt hatte, schaute sie sich zustimmungheischend um. Es herrschte Schweigen. Dann vorsichtiges Gemurmel. Die Frauen hätten doch damals alle Gründe gehabt, sich zu wehren. Es wäre doch immer noch nicht sooo rosig. Dann sahen alle mich an.</p>
<p>Zu meinem Glück läutete mein handy. Der Computer hatte schneller gerechnet und ich konnte mit dem Schnitt an einem Videoessay für die 35 Jahresfeier der AUF Zeitung weiterschneiden. Ich entschuldigte mich und flüchtete. Ich halte den „Idiot’s guide to feminism“ oder Feminismus 1 nicht mehr.</p>
<p>Aber. Das ist das, was ist. Ich erzähle Ihnen diese Episode nicht, um mich über irgendeine Tussi lustig zu machen. Ich wiederhole diese Aussage, weil sie das ist, worin wir alle handeln. Und worin wir alle ganz besonderen Anforderungen der Vermittlung ausgesetzt werden. Als Künstlerinnen ebenso wie als Vermittlerinnen.</p>
<p>Beschäftigen wir uns einmal damit, was es bedeutet, daß die Formulierung lautet, „und dann ist die Frauenbewegung gekommen“. Es wird hier die Frauenbewegung zum Satzsubjekt gemacht, das sich selbst bewegt. Die Frauenbewegung wird zu einem Ding gedacht, das sich als Ganzes bewegt. Die Frauenbewegung wird von außen versiegelt. Sie wird „etwas“, das gekommen ist. Naturhaftigkeit wird da suggeriert. Die Bewegung selbst steht innerhalb dieses Temporalsatzes zur Disposition. Kommen beschreibt ja nur die Ankunft von woanders her. In den Zustand, in dem die Ehe einen hohen Wert darstellte, kommt die Frauenbewegung. Sie kommt aus einem anderen Bereich. Die Frauenbewegung wird hier so eingesetzt, wie über Migranten und Migrantinnen gesprochen wird, die von woanders her kommen und dann da sind und in diesem Da Sein schon die Störung begründet ist. Es muß nicht noch ein – von der Kronenzeitung vermutetes &#8211; Verbrechen begangen werden. Im Von Wo Anders Gekommen Sein ist das Verbrechen schon mitgedacht. Die Frauenbewegung stört also den Zustand, in dem die Ehe noch etwas wert war und nachdem die Frauenbewegung gekommen ist, haben die jungen Leute keine Werte mehr. Die Frauenbewegung saugt in dieser Satzkettte dem ersten Subjekt, der Ehe und im letzten Subjekt, den jungen Leuten den Wert auf. Die Frauenbewegung ist grammatikalisch so positioniert, daß vor ihr und nach ihr kein Wert mehr existiert. Der Vampirismus der Frauenbewegung ist in die Grammatik selbst eingesenkt. Die Frauenbewegung wird gleichzeitig im Temporalsatz zeitlich eingefrohren. Die Frauenbewegung wird zu einer einzigen, in der Zeit eingefangenen Bewegung, die zwar ihre Zerstörung in der Zeit ausübt, selbst aber in der Zeit eingeschlossen bleibt. Der Vampirismus in den Sarg gebannt, aber jederzeit eine Gefahr. Das wissen wir aus den Vampirfilmen der allerletzten Zeit.</p>
<p>Eine solche Satzkonstruktion kommt aus dem Predigt-Österreichisch, in dem wir alle unbewußt darin geschult werden, das Satzsubjekt zu substituieren und in diesem rein technisch grammatikalischen Akt die Sinnzusammenhänge herzustellen. In der Predigt ist die Gegenstellung Jesus/Nicht Jesus die Grenzziehung, der entlang über Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit entschieden wird. Die Kategorien, die diese Linie entlang einander gegenübergestellt werden, sind totale und unhintergehbare Setzung. Es gibt keine Verhandlung über diese Grenze hinweg. Damit wird Veränderung verunmöglicht. Alle Veränderung muß als Zerstörung aufgefaßt werden. Alles, was als grammatikalisches Subjekt nicht mit Jesus ersetzt werden kann, ist jene Gewalt, gegen die die Welt sich untertan zu machen ist. Die Bühnenbildnerin hat in diesem einen Satz der Frauenbewegung den Krieg erklären können, ohne es sagen zu müssen. Die Frauenbewegung wurde zur naturhaften Katastrophe, die alle hohen Werte gekostet hat. Die Frauenbewegung ist auch darin naturhafte Katastrophe wie etwa eine Überflutung oder ein Waldbrand, indem sie durch ihr Kommen den Raum des Werts besetzt hat. Der Gegner des Christlich-Katholischen muß immer in ein Territorium umgedacht werden, das es zu besetzen gilt. Das wird dann Mission genannt und speist den weiterhin aggressiven Arm der katholischen Weltkirche.</p>
<p>Hier. In unserer postkatholischen Kultur. Wir sehen, wie sich dieses Predigt-Österreichisch als Sprache der Macht in den Dienst der neoliberalen Umgestaltung der Spätmoderne stellt. Denn. Die Bühnenbildnerin lebt selbstverständlich das nette, fragmentierte Leben dieser Spätmoderne. Sie spricht kulturell katholisch, sie arbeitet selbstverständlich und gleichberechtigt ganz gegen dieses Sprechen, denn da müßte sie ja noch ihre eigene Ehe, die doch einmal etwas bedeutet hat, leben und eine künstlerische Arbeit steht diesem Ideal diametral entgegen. Die Frau der Ehe, die noch etwas bedeutet hat, die widmet sich dieser Ehe und stabilisiert dieses System. Das ist ihre Aufgabe. Dazu kommt. Und auch das halte ich für kulturell. Die Bühnenbildnerin hat Geld geerbt. Sie muß also nicht für ihr Leben sorgen. Sie kann in ihrem Leben dilettieren. Es wird nie jene Grenze erreicht werden, die die Bedrohung prekärer Arbeitsverhältnisse konstituiert. Und Künstlerinnen. Die leben da und ständig. Dieser Hintergrund illustriert nur die alte Koalition von Geld und Katholischem. In unserer Kultur war Geld immer eine kirchliche Tugend. In der spätmodernen Verfügbarkeit über alle diese Sinneinheiten verbirgt sich diese Koalition immer in neuen Konstellationen.</p>
<p>Aber. Diese Spaltung von Sprechen und Leben und Arbeiten ist die geltende Anordnung von Leben. Im Fall der Bühnenbildnerin läßt sich der Widerspruch leicht herausarbeiten. Eine solche Analyse muß aber auf alles Sprechen angewandt werden. Es muß aufgefunden werden, aus welchen Sprachen und den, durch sie gesprochenen Machtansprüchen, sich das Sprechen herleitet.</p>
<p>Das ist eine Aufgabe der Kunst. Der Künste. Den Weg in die Systeme voranzugehen. Expeditionen sind das, die aber nicht territorial gedacht werden dürfen. Es müssen Wege gefunden werden, die das räumliche Denken der Macht enthüllen, aber in diesem Nach-Denken schon eine nichträumliche Form der Betrachtung entwickeln und damit den Krieg nicht weiterführen, der in dem räumlichen Denken schon geführt worden ist.</p>
<p>Geführt worden ist.</p>
<p>Wir sind in diese Kriegsführung verstrickt. Wir sind in diese Kriegsführung verstrickt worden. Die neoliberalen Techniken des Umbaus des Gesellschaftlichen lassen keine andere Möglichkeit.  Unabhängigkeit ist ein Umstand des Materiellen.  Deshalb ist der Satz der Bühnenbildnerin auch nicht anders als die ewige Kriegserklärung der Reaktion zu interpretieren, weil sie ja die Möglichkeit hätte, aus einer materiellen Unabhängigkeit heraus, sich auch unabhängig zu verhalten. Das Geld nimmt die je zur Verfügung stehende Macht zur Symbiose. In unserer Kultur ist das das kulturell vermittelte Katholische, das ja dann zugleich auch das Österreichische ist in Ermangelung einer Nationenbeschreibung. Und statt diese Leerstelle als Freiraum zu benutzen, wird das Postkirchliche zur Stabilisierung eingesetzt. Stabilisiert wird heute die neoliberale Umverteilung „nach oben“.</p>
<p>Nun ist es eins, in Gesellschaft einem solchen Satz gegenüberzusitzen. Obwohl. Wir wissen, was das bedeutet. Wir müssen annehmen, daß in den weitesten Bereichen die Frau höchstens über die ökonomischen Überlegungen emanzipiert wurde. Daß also die Arbeitsteiligkeit von den 60er Jahren an die Benutzung der weiblichen Arbeitskraft benötigte und daß der Rückgang dieser intransitiven Emanzipation damit zu tun hat, daß der Anschub aus diesem Einbau dazu geführt hat, daß nun diese Arbeit weggedacht werden kann. Ich denke auch, daß wir uns darüber klar werden müssen, welcher Wert dieser Frauenarbeit gelassen wird und ob nicht dadurch, daß diese Emanzipation weitgehend intransitiv, also aufgetragen und nicht selbst erobert ist, der Beitrag einer Frau durch ihr Geschlecht entwertbar geblieben ist. Eine Entwertung ist das, die in dem Satz unserer Bühnenbildnerin in den Begriff Frauenbewegung aufgehoben in Mitwirkung gesetzt wird.</p>
<p>Damit sind wir auch schon beim Orchestralen unserer Lebensbedingungen. Dadurch, daß die Hegemonien selber die Entwertung der Norm vornehmen und dadurch den kritischen Bezug darauf verhindern. Dadurch, daß ein Leben als Kulturarbeiterin nicht mehr anders als prekär zu leben ist. Prekär leben heißt wiederum für sich selber die staatlichen Dinge persönlich zu regeln und als Unternehmerin im Selbst die Regierung zu vollziehen.  Prekär leben bedeutet also eine Verflechtung in die Macht. Prekär leben heißt die Unschuld der Machtlosigkeit durch erforderte Teilnahme zu verlieren. Gewonnen wird dadurch aber nur gerade wieder das Leben. Die Fragmentierung der Kulturarbeit in Projekte bedeutet nicht nur die Fragmentierung der Arbeit, sondern auch jeweils wechselnde Einbindungen in immer wieder andere Koalitionen und manchmal auch Komplizinnenschaften, die wiederum zurückführen in die Räume des Satzes der Bühnenbildnerin. Prozessuales Arbeiten wiederum läßt Erkenntnisse erst im Lauf der Arbeit erstehen und die kommen dann manchmal zu spät.</p>
<p>Und immer. Immer.</p>
<p>Eine Grundierung der Erfassung wird die unversöhnliche Linie von kulturell vermittelter metaphysischer Reaktion und dem Projekt der Aufklärung sein. Unsere Kunst sollte eigentlich längst nur der Kritik dieses Projekts gewidmet sein.</p>
<p>Aber. Wie aus dem Satz der Bühnenbildnerin geschlossen werden muß. Eine hegemoniale Sichtweise beruht darauf, die Vormoderne zu betreiben und in einer nostalgischen Wendung als die Zeit zu beschreiben, in der etwas richtiger gewesen war. Es ist das christliche Paradies, das immer schon gewesen ist und mit diesem Paradies wird der Gründungsmythos der Frau eingetragen. Die dann immer mitgedacht werden könnende Erschaffung der Frau aus diesem Rippchen des Manns. Der Sündenfall der neugierigen und geil zu denkenden Frau, der alles Übel in der Welt zu danken ist. Keine Aufklärung hat das in unserer Kultur je wirklich in Frage gestellt. Die Klosterschule war allen Schichten recht, der Frau diese Minderwertigkeit vor Augen zu führen. Und das muß nicht in täglichen Sadismen vorgeführt werden. Es genügt, die Unterscheidung in die Geschlechter, um auf dieser Ebene die Wertigkeiten zu beschreiben.</p>
<p>Das wiederum bedeutet, daß wir hier und heute immer auch noch mit einer ganz spezifischen Repräsentation beschäftigt werden, die auf dieser fundamentalistischen und universalistischen Sicht aufbauend mit genau dieser Repräsentation in den neoliberalen Diskurs eingreift.</p>
<p>Das neoliberale Streben färbt diese Fundamentalismen ironisch ein und kann so auf allen Ebenen dekonstruierend wirken. Der Effekt davon ist Verunsicherung und Angst auf der symbolischen Ebene. Auf der praktischen Ebene des prekären Lebens wird eine Einschränkung nach der anderen notwendig. Das nicht nur in Bezug auf die Lebenssicherung. Auch die Kunstarbeit muß in ironischen Griffen immer mehr Sinneinheiten unbearbeitet lassen, um überhaupt zur Erscheinung kommen zu können. Das Richtige kann immer nur das gerade Richtige sein. Die Arbeit der Kunstarbeitenden besteht in der Fassung eines eigenen und inneren Zusammenhangs, der den Werkbegriff ersetzend, eher in Farbtönen zu beschreiben ist und einer Wertung immer sofort entzogen bleibt. Go with the flow heißt das. Ernsthaftigkeit ist da eine Leistung, die das Leben kosten kann. Nie war es so schwer und so verzweifelt und einsam, Erkenntnis und Freiheit in eins zu bringen und dann auch noch ins Leben zu zerren.</p>
<p>Und natürlich. Angesichts der Riesigkeit dieses Unternehmens könnten wir den Satz der Bühnenbildnerin auch ganz einfach rechts liegen lassen. Die Frage ist dann aber, ob das, was von uns gesagt wird, eine Wirkung erzielen kann, mit der wir uns irgendwie einverstanden erklären können.</p>
<p>Die Spätmoderne läßt einen solchen Konflikt mit der Vormoderne ja recht lächerlich erscheinen. Das ist aber schon eine der Vorspiegelungen, die nur in diskursiven Innenräumen Bestand behalten. Wenn die Aufgabe der Kunst von Frauen die Kritik am Projekt der Aufklärung in der Form der Spätmoderne ist, weil dieses Projekt sich über den Ausschluß von Minderheiten definiert. Wenn die Kritikerin aus ihrer Kenntnis ihrer eigenen Situation der strukturellen Minderheit Frau die Konsequenzen für alle anderen Minderheiten mitbedenkt und mitkritisiert, dann muß es sicherlich darum gehen, darin verstanden zu werden. Um ein solches Verstehen herzustellen, wird gegen die vormoderne Nichtrepräsentation dieser Minderheiten in einer Wendung auch an der Repräsentation gearbeitet werden müssen. Immer ist auch noch die Sichtbarkeit und das Sehen Können der Minderheiten herzustellen. Das ist auch darin notwendig, eine Erinnerung an sich selbst zu konstruieren. Also das herzustellen, was die Macht an Minderheiten statuiert. Über die Nichtrepräsentation oder die Mißrepräsentation wird ja auch den Mitgliedern der Minderheit selbst die Geschichtslosigkeit aufgezwungen. Das bedeutet, als Mitglied einer Minderheit wird jeder Augenblick schon im Gelebt Werden dem Vergessen übergeben und eine Erinnerung an dieses Vergessen muß dann die eigene Geschichte konstruieren.</p>
<p>Diese Erinnerung ans Vergessen. Das kennt jede Frau. In dieser Erinnerung ist auch jede Frau die Verachtete. In dieser Erinnerung transportiert jede Frau die Verachtung durch die Macht und ist gezwungen, als ja auch Teil der Mehrheit, die Minderheit in sich zu verachten. Diese schwierige Innerlichkeit scheint mir eine Strategie zu sein, die Frauen dann untereinander auf sich richten.</p>
<p>Die Bühnenbildnerin hat es sich auch darin leicht gemacht.  Sie hat die Verachtung der Frauen in die Frauenbewegung gebündelt, von der sie im übrigen nichts weiß und darin das Sich Vergessen Müssen geradezu feiert. Indem sie die bösen oder schlimmer noch, die sexualisierten Frauen der Frauenbewegung für das Böse in der Welt verantwortlich macht, spaltet sie die bösen Frauen ab und bleibt für sich auf der guten Seite, die in der Ehe noch einen Wert sieht, weil sie sich da einem Mann unterwerfen kann.</p>
<p>Wir.  Ich. Queer-feministische kritische Kunstarbeit und deren Vermittlung. Denn. Alles, was sich dieser Kritik nicht verpflichtet fühlt, fällt in den Rahmen der Stabilisierung der Hegemonie. Das ist dann die Schaffung von scheinkritischen Selbsthilfegruppen der Eliten, die  wiederum in der neoliberalen Spätmoderne immer auch  ein wenig Kritik transportieren. In diesem Transport kann der weibliche Part aber dann auch von Männern erfüllt werden und kann durchaus die Erfüllung der Liebesarbeit sein. Getroffen habe ich einen solchen Zustand in unserer Kultur nicht. Im Gegenteil. Wir finden die Frauen in den bedrängten Situationen der Institutionen als Retterinnen, die fünfmal so viel arbeiten müssen, um an sich selbst mit den Sparprogrammen zu beginnen. Das ist notwendig. Das mag notwendig sein. Die Erfüllung solcher Anforderungen kommt aber aus den Möglichkeiten der Selbstverachtung und muß darin identifiziert werden. So festgestellt und benannt, kann diese Sinneinheit wiederum eingebaut werden. Das ist schmerzhaft. Die Feststellung, daß nicht die eigene Besonderheit oder Klugheit oder meinetwegen Schönheit dazu geführt hat, daß frau an eine bestimmte Stelle gelangt ist. Daß es die Bereitschaft war, diese Selbstverachtung und die daraus mögliche Selbstausbeutung zur Verfügung zu stellen und eine unmögliche Budgetsituation zu akzeptieren und das Unmögliche zu versuchen, eine Institution umzukrempeln und am Laufen zu halten. Dann ist das auch eine Stärke. Wenn diese Stärke wiederum zur Neoliberalisierung von Institutionen führt, dann sind wir wieder zurück auf Punkt Eins und müssen zur Kenntnis nehmen, daß die Handlungsspielräume sehr enge Gegenden geworden sind und ein Spiel nicht mehr möglich.</p>
<p>Für die Überwindung dieser Selbstverachtung, die kulturell so tief verankert ist, werden aber Spielräume gebraucht. Das wiederum heißt, daß eine Künstlerin in ihrer Arbeit die Repräsentation herstellen muß, um überhaupt den Gegenstand ihrer Kritik zur Erscheinung zu bringen. Sie muß in ihrer jeweiligen Sprache den Raum schaffen, dieses Spiel in Gang zu bringen, das das Sprechen in dieser Sprache ausprobiert und erobert. Sie muß sich gegen den Satz der Bühnenbildnerin auch als Person wappnen. Die Minderheit Intellektuelle/Künstlerin setzt in unserem Raum aggressive Reaktionen frei, die sich das Vergessen Machen dieser Arbeit zur Aufgabe machten. Vernichtung des Projekts der Aufklärung ist ein immer noch kulturell verankertes Ziel und wird gern an Frauen in der Öffentlichkeit vorgeführt. Kritikerinnen dieses Projekts fallen dann in eine doppelt notwendige Vernichtung und es wäre gut, sich der hierin vorhandenen Geschichte bewußt zu sein. Von Bachmann bis Jellinek ginge da ein Einführungskurs, wie die Frauengeschichte überhaupt selbstverständlicher Bestandteil jedes Bildungswegs sein sollte. Es ist abschreckend primitiv, die Formulierung „dann ist die Frauenbewegung gekommen“ zu hören und gleichzeitig wissen zu müssen, daß die Frauenbewegung als das So Andere da gemeint ist, daß es nicht einmal beschrieben werden muß.</p>
<p>Das ist auch ein Bildungsproblem, das von den Institutionen ernst genommen werden sollte und in Nachziehverfahren nachgereicht. Das wäre dann endlich zivilisiert. Und ich würde vorschlagen, in einem großen Projekt die Arbeit, die Sie hier in Graz ja ganz ohne Zweifel mit viel Erfolg bereits begonnen haben. Daß sie ein Projekt schaffen, in dem Sie sich aufeinander so beziehen, daß schon durch dieses Beziehen, die Verachtungsstrukturen nicht mehr erinnert werden können.</p>
<p>Achtungsvolle Zusammenarbeit an einem Projekt der Hebung auch der jüngsten Geschichte der Arbeit der Frauen in Kunst und Kultur hier. Es geht immer darum, das gelernte Vergessen. Das dringlich abgeforderte Training des Selbstvergessens. Und. In diesem selbst herzustellenden System eines Erinnerns daran, sich nicht erinnern zu sollen, wird nun noch eine ganz andere Anordnung von Geschlecht betrieben.</p>
<p>Es geht immer darum, das gelernte Vergessen aufzuheben und alle Formen von Umschreibungen dazu zu benutzen, zumindest die Sicht auf sich zu behalten. Das könnte frau Freiheit nennen. Vielleicht. Achtungsvolle Zusammenarbeit. Und bitte lassen Sie jetzt kein kitschiges Bild von Betulichkeiten aufsteigen. Achtung ist eine ziemlich harte Sache, die viel gibt, aber genauso viel verlangen muß. Also verlassen wir jetzt und hier gemeinsam die aufsteigenden Bilder einer Frauenbewegung, die so daher kommt und nach der Verwüstung der Werte wieder vergessen werden muß. Verschaffen wir uns die Wahrheiten. Und wie gesagt. Achtungsvoll einander gegenüber. In der Technik des Einfärbens, wie das die neoliberale Spätmoderne so macht. In der Technik des Einfärbens ließe sich dann ein neuer Farbton erfinden. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir diesen Ton dann benutzen, dann wird das ja auch zu Auswirkungen führen. Gelungen können wir das dann auch Ästhetik nennen.</p>
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		<title>Zum 8. März.  Frauentag.</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 06:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Der dringende Aufruf zur Gründung einer Männerbewegung und deren Aufnahme in die Frauenbewegung zur Begründung eines genderdemocratic gendermovements. In mehreren Kulturen weltweit werden Frauen abgetrieben und durch Männer ersetzt. Die Geburt wird nur noch Söhnen zugestanden. Töchter werden vernichtet. In riesigem Ausmaß findet ein gendercide statt. Den Frauen wird das Leben genommen, bevor es überhaupt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der dringende Aufruf zur Gründung einer Männerbewegung und deren Aufnahme in die Frauenbewegung zur Begründung eines genderdemocratic gendermovements.</h3>
<p>In mehreren Kulturen weltweit werden Frauen abgetrieben und durch Männer ersetzt. Die Geburt wird nur noch Söhnen zugestanden. Töchter werden vernichtet. In riesigem Ausmaß findet ein gendercide statt. Den Frauen wird das Leben genommen, bevor es überhaupt beginnen konnte.  Den Männern wird ein Leben gegeben, in dem sie duch ihre Überzahl wertlos gemacht werden. Der Verlust der Frauen kostet die Männer ihre Bedeutung. Und. Das Leben dieser Männer wird sich nicht in einem gesellschaftlichen Zusammenhang bewegen. Sie werden sklavenähnlichen Status eingeräumt bekommen. Leben überhaupt wird so ersetzbar gemacht. Die Grundrechte dieser Männer sind in einer solchen Konstruktion von Anfang an nicht zugestanden. Männer werden endgültig Material. Krieg. Gewalt. Industrie und industrielle Landwirtschaft. Und die Bändigung dieser unfruchtbaren Männerscharen.</p>
<p>Material im Überfluß führt zu Verschwendung.. Die Verfügung über die Männerleben wird vollkommener sein als es je bisher der Fall war. Der Mehrwert an Bedeutung durch  Männlichkeit löst sich in einer reinen Männerwelt auf. Es gibt ja das Andere nicht, wenn es keine Frauen mehr gibt, gegen die die Männer sich höher einschätzen können. Die männliche Selbsttäuschung über die eigene Lage wird damit endgültig obsolet.  Die jetzt schon nicht zu übersehende Dekadenz männlicher Selbstüberschätzung führte ohne Politisierung des Geschlechtsaspekts direkt in neue Rechtlosigkeit und Unterdrückung.</p>
<p>Geschlecht entscheidet weiterhin über das Leben.</p>
<p>Wir dachten in den 60er und 70er Jahren, in der Übernahme der Selbstverantwortung könnten Frauen sich in den Besitz der Grundrechte bringen. Im Bewußtsein der privilegierten Situation unserer westlichen Kulturen wollten wir, geschützt von der Institution des Rechtsstaats und der Demokratie, den Beweis erbringen, daß wir uns dieser Rechte wert erweisen. Achtung und Würde sollten unsere damals neuen Lebensentwürfe belohnen und ein Modell vorstellen, wie Minderheiten – Frauen sind in allen Kulturen strukturelle Minderheiten, einmal minderer, ein andermal nur minder – an Demokratie teilnehmen können und gleichzeitig kein Zwang zur Anpassung angewandt wird.</p>
<p>Achtung und Würde sind Voraussetzungen für die Teilnahme an Gesellschaft. Achtung und Würde stellen jenen Raum um eine Person her, der auch politische Bewegung garantieren soll.</p>
<p>Um diesen Raum. Und. Dieser Raum soll ja jeder Person zugestanden werden.  Unabhängig von der persönlichen Wahl des Geschlechts. Um diesen Raum ist ein sehr territoriales Begehren entstanden. Von der Seite der Kunst wird mit Hilfe der Verunglimpfung dieses Raums Provokation entfacht und damit ein Widerspruch von Gesellschaft und Kultur konstruiert, der den Künstler ermächtigt, diesen Raum der Achtung und Würde invadieren zu dürfen. Wenn vor das Museumsquartier ein verstümmelter Frauenkörper gelegt wird, an dem die Amputationen der Gliedmaßen realistisch angezeigt sind. Wenn dieser Frauenkörper begehbar ist und das Innere ein Café abgibt. Wenn dieser verstümmelte Frauenrumpf die Wand für den windgeschützen Konsum von Heißgetränken bildet. Dann reißt der Künstler eine Kluft zwischen Kultur und Gesellschaft auf und behauptet, die Freiheit der Kultur müsse über die gesellschaftlich zuzustehende Achtung und Würde triumphieren.  Es ist eine sehr männlich heterosexuelle Freiheit, die sich hier dieses Frauenkörpers bemächtigt und zu diesem Konsumraum verdinglicht. *)</p>
<p>Kunst ist diese Angelegenheit einmal ohnehin nicht. Aber. Dieser kleine Triumph des Künstlers im kleinen Augenblick der Repräsentation seiner Bemächtigung. Zuerst einmal ist das Gesellschaftliche als Rahmenbedingung von Leben bei weitem ernster zu nehmen als kulturelle Phänomene. In den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden die Leben gelebt. In den kulturellen wird ihre Ausgestaltung ermöglicht. Politik ist allemal wichtiger als Kunst. Erst die Wechselwirkungen zwischen den beiden Sphären stellen überhaupt die Grundlage für Kunst her. Und selbstverständlich. Die Kunst soll sich gerade in der Untersuchung, wie diese Wechselwirkungen sich vermitteln und welche Auswirkungen sie haben, ohne Regeln ausüben. Was aber die Benutzung von Achtung und Würde betrifft. Und in diesem mutilierten Frauenkörper ist der Verweis auf die Schändung des Frauenkörpers enthalten, der wiederum durch die Benutzung als Café in eine neuerliche Schändung gedreht wird. Was aber die Benutzung von Achtung und Würde betrifft. Immer wird bei einer solchen Anordnung die Canettische Stachelmechanik ausgelöst. Canetti postuliert ja, daß jede Schändung und Beleidigung in Form eines Stachels in den Rücken gestoßen wird und von der so angestochenen Person so schnell wie möglich weitergegeben werden muß. Bei einem Projekt wie dem vor dem Museumsquartier sieht frau die Stacheln nur so in die Rücken fliegen. Die Stacheln werden aber hierarchisch weitergegeben und enden auf den Rücken der Schwächsten. Wer sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die dann zugleich die Schwächsten in unserer Kultur sind. Alle, die kein Geld haben. Alle, die keinen Job haben. Alle, die keinen Aufenthalt haben. Am Ende werden das Frauen und Fremde sein. Der Macher ist dann auch nur ein Jäger der Schwachen. Wie alle Hegemonialen halt.</p>
<p>Im besten Fall ist man als Künstler dann in der Jagdgesellschaft mit der Kronen-Zeitung unterwegs, die als Medium das Politische in Kultur umschreibt. Das ist ja das Fürchterliche an dieser Zeitung. Im Fall des Swingerclubs vor dem Beethovenfries der Sexession geschieht das aufs Kindischte, aber die Secession sollte sich in ein Puff umbauen. Dann müssen wir uns nichts mehr denken und der Vorstand kann als Madame endlich unternehmen, was sie sowieso immer machen. Auswahl. In einem solchen Institut wird ja sowieso immer ausgewählt. Oben zwänglich und nach selbstgefaßten Kunstkriterien. Unten je nach Angebot. Freiheit ist ja auch das nicht. Aber wenn in der Secession gefickt werden soll, dann soll man sich nicht zieren und es Kunst nennen. Auch wieder haben wir einen konstruierten Gegensatz von Kultur und Gesellschaft und Sinnlosigkeit darin.</p>
<p>Und. Während das alles vor sich hinstrampelt, verlangt der Monarch Österreichs, Herr Dichand, eine eidesstattliche Erklärung von Frau Rosenkranz, damit er wieder gut schlafen kann und seine Kolumne nicht ändern muß. Wer will Frau Rosenkranz etwas glauben und wer will dem Glauben von Herrn Dichand das dann abnehmen. Und warum sind die Frauen als Kandidatinnen für das höchste Amt im Staat immer aus der rechten Ecke und warum immer über die Frauenrolle definiert. Letzthin die Katholikin, die sich ferrerowaldnerisch schnell kirchlich scheiden ließ, um blütenweiß in die Hofburg einziehen zu können. Und nun eine Vertreterin der absichtsvollen Agentin deutschnationalsozialistischer Männlichkeit. Mit Frau Rosenkranz hätten wir ja eine Frau an der Spitze des Staates, die sich selber in der Zuträgerinnenrolle für den Mann sieht und sich selbst an zweiter Stelle denkend und hinter/neben dem Mann&#8230;.. kann sie denn da überhaupt antreten, wenn sie doch eigentlich sich da gar nicht sehen können darf. An der ersten Stelle. Oder würden wir doch Herrn Rosenkranz dann als Bundespräsidenten bekommen. Der Mann durch die Frau repräsentiert. So haben wir das nicht gedacht.  Und deshalb zurück zum Anfang.</p>
<p>* &#8220;Bikini Bar&#8221; vor dem Museumsquartier Wien</p>
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		<title>Vom Gehen. Und vom Heute.</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 14:24:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nur noch Burschen &#38; ihre Herrlichkeiten. Triptychon: 2000, 2001 und 2010 – drei Tagebuchnotate zur österreichischen „Wende“. In Die Presse, 22.Januar 2010]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur noch Burschen &amp; ihre Herrlichkeiten. Triptychon: 2000, 2001 und 2010 – drei Tagebuchnotate zur österreichischen „Wende“.</p>
<p>In Die Presse, 22.Januar 2010</p>
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		<title>Zum nationalen Integrationsplan in Österreich.</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 14:28:44 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Apa  am 21. Januar 2010 AUF eine Frauenzeitschrift 147,  am 23. Februar 2010]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Apa  am 21. Januar 2010</p>
<p>AUF eine Frauenzeitschrift 147,  am 23. Februar 2010</p>
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		<title>Mein Geschenk.</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 19:54:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschenkartikel 7 Deutschlandfunk, Kultur Heute, 1.1.2010]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Geschenkartikel 7</h4>
<p>Deutschlandfunk, Kultur Heute, 1.1.2010</p>
<h4><a title="Mein Geschenk" href="http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&amp;broadcast=57942&amp;datum=20100101&amp;playtime=1262364199&amp;fileid=2889e7fe&amp;sendung=57942&amp;beitrag=1097419&amp;/" target="_self"><span><br />
</span></a></h4>
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		<title>Die lebenlange Kritik am lebenslangen Lernen.</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 19:32:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorlesung/Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Eröffnungsrede In the year 2525 25 Jahre Weiterbildungsforschung – 25 Stunden Bildungsperspektiven. Symposion. Graz 5/6 November 2009]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Eröffnungsrede</h4>
<h4>In the year 2525</h4>
<h4>25 Jahre Weiterbildungsforschung – 25 Stunden Bildungsperspektiven.</h4>
<h4>Symposion. Graz 5/6 November 2009</h4>
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		</item>
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		<title>Erben. Erbschaften. Hinterlassenschaften.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2009/11/01/erben-erbschaften-hinterlassenschaften/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 19:13:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir alle sind in die Geiselhaft dieser Kultur des Antisemitischen geraten&#8221; in: Das Jüdische Echo Zuhause in Europa Europäisches Forum für Kultur und Politik  Vol 58 Cheschwan 5770, November 2009, Seite 58-]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir alle sind in die Geiselhaft dieser Kultur des Antisemitischen geraten&#8221;</p>
<p>in: Das Jüdische Echo</p>
<p>Zuhause in Europa</p>
<p>Europäisches Forum für Kultur und Politik  Vol 58</p>
<p>Cheschwan 5770, November 2009, Seite 58-</p>
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		<title>Revolution in Zeiten der Effizienzideologie</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2009/10/28/revolution-in-zeiten-der-effizienzideologie/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 16:30:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Institute for Critical Studies of Austrianess]]></category>
		<category><![CDATA[Vorlesung/Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Rede am 28. Oktober im besetzten Audimax der Universität Wien. Lassen Sie mich mit dem Artikel 4 der Erklärung der Menschen-und Bürgerrechte vom 26. 8. 1789 beginnen. „Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. So haben die natürlichen Rechte jedes Menschen keine anderen Grenzen als die, die den anderen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rede am 28. Oktober im besetzten Audimax der Universität Wien.</p>
<p>Lassen Sie mich mit dem Artikel 4 der Erklärung der Menschen-und Bürgerrechte vom 26. 8. 1789 beginnen.</p>
<p><em>„Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. So haben die natürlichen Rechte jedes Menschen keine anderen Grenzen als die, die den anderen Mitgliedern der Gesellschaft den Genuß der gleichen Rechte sichern. Diese Grenzen können nur durch das Gesetz bestimmt werden.“</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Was Sie in Ihrem vorläufigen Forderungskatalog vom 25. Oktober 2009 verlangen, ist 210 Jahren immer noch das Ringen um die Möglichkeit dieser Freiheit. Sie verlangen in Ihrer Forderung nach Bildung in der Ausbildung jene Sprachen erlernen zu können, die Ihnen die Kritik an eben jener Ausbildung und deren Sprachen ermöglicht. Freiheit ist ein Zustand geworden, der mit den verinnerlichten Institutionen ausgetragen werden muß. Es genügt nicht mehr, daß irgendjemand Ihnen einen Weg weist oder ein Instrument an die Hand gibt. Als postmodern fragmentierte Personenkonstruktionen müssen Sie – und haben die Gelegenheit – Ihre eigene Freiheit in sich selbst erkämpfen. Sie müssen sich selbst bilden, um ihre Selbstbestimmtheit herstellen, im Herstellen erkennen und in der Erkenntnis kritisieren zu können. Das ist ein das Leben herstellender Prozess und nur mehr persönlich zu leisten. Das, was an Gesellschaftlichkeit von der Effizienzideologie der alles durchdringenden Verwirtschaftlichung in der Folge des endgültigen Endes des Kalten Kriegs übrig gelassen wurde, wurde das, weil es dieser Effizienz dienlich ist. Dieser Rest an Gesellschaftlichkeit stellt mit Mühe noch die Sprachen zu Verfügung, in denen Effizienz gesprochen werden kann. Die in den Geist eingewanderte Effizienz. Erinnern wir uns. Sie gehören den Generationen an, denen schon im Kindergarten diese paar Brocken Englisch beigebracht wurden, weil man schon damals begann, Ihre drohende Arbeitslosigkeit zu bearbeiten. Ihre Biographien sind aufs Engste mit der Angst verwoben, keinen Arbeitsplatz finden zu können. Der Arbeitsplatz wird dabei kongruent mit Platz in der Welt gedacht. Der Arbeitsplatz muß stellvertretend für den Platz in der Welt gedacht werden, weil sich alles über diese Einordnung und Einordenbarkeit entscheidet. Die Sichtbarkeit einer Person und ihre Möglichkeit, einen Lebenslauf überhaupt zu denken, geschweige denn zu gestalten, ist auf diese Einordnung bezogen.</p>
<p>Mit der Forderung nach Bildung in der Ausbildung wollen Sie die Grenzen sprengen, die die derzeitigen Gesetze in einem politischen Nachvollzug der wirtschaftlichen Effizienzideologie gezogen haben. Wie an der Universität des 18. Jahrhunderts sollen Staatsdiener an den Universitäten herangebildet werden. Diese Staatsdiener sollen schon effizient ausgebildet sein und die Behinderungen, die Bildung und die, von ihr aufgeworfenen Fragestellungen, keine Zeit kosten. Und kein Geld. Im Gegensatz zum 18. Jahrhundert stellt sich nicht mehr die metaphysische Frage der Ewigkeit und das geistig-seelische Wohl der Studierenden muß nicht mehr in Fürsorge in dieser Frage bedacht werden. Die postmoderne Demokratie – aber besonders die seltsam passive Quasidemokratie in Österreich – begibt sich ängstlich jeder Frage der Ethik. Erinnern wir uns, daß unsere Demokratie mit einem gediegenen Anteil von nationalsozialistischen und austrofaschistischen „Wählern“ und „Wählerinnen“ 1949 begründet wurde. Damals wurde eine Zugehörigkeit zu einem Österreichischen, also eine nationalistische Geburtszugehörigkeit  als Grundmaß des Demokratischen zur Grundlage genommen. Unser Parlament ist demzufolge mehr eine Nationalversammlung, denn ein demokratisches Parlament, für das der oben zitierte Artikel 4 der Menschen-und Bürgerrechte aus dem Jahr 1789 damit noch gar nicht zur Anwendung kommt. Die Folgen davon werden uns im Parlamentsalltag vorgeführt. Eine der Folgen ist die ängstliche Vermeidung von ethischen Fragen. Die Antworten werden in Gesetzen wie der neuen Asylverordnung inhaltlich gegeben und wieder sehen wir, daß gegen den Artikel 4 der Menschen-und Bürgerrechte des Jahres 1789  verstoßen wird. Dies aber, ohne die dahinter liegenden Vernichtungswünsche der Anderen offen mitzuteilen, die von dieser Regelung betroffen sind.</p>
<p>Erinnern wir uns dann noch, daß die österreichische Politik seit dem Jahr 2000 keine Kommunikation mit der Öffentlichkeit mehr unterhält. Die pädagogische Haltung der Regierungen Schüssel 1 und Schüssel 2 zu Demonstrationen, bei denen die Polizei den Demonstranten in einer Art Kindergartenbetreuungsfunktion an die Seite gestellt wurde und sanfte Disziplinierung ausgeübt wurde. Disziplinierung aber doch. Wenn wir uns erinnern, daß diese Haltung – übrigens eine monarchische Übung, sich in die Gemächer zurückzuziehen und den Mob draußen ins Leere laufen lassen und im schlimmsten Fall eine Reise ins Ausland unternehmen und das Kinderzimmer zuzusperren. Diese Haltung läßt nicht viel an äußeren Reaktionen erwarten. Die Medienreaktionen, die Ihnen freundlich zureden, die Ihnen aber inhaltlich nicht einen Millimeter entgegenkämen, wenn Sie in diesem Medium ein Praktikum machen wollten. Diese Medienreaktionen sind nur die andere Seite einer herablassend anpädagogisierten Haltung. „Laßt die Jungen machen. Jugend muß toben und Gott sei Dank, sie bewegen sich noch.“</p>
<p>Das, was Sie in Ihrem Forderungskatalog verlangen war verwirklicht. Das UOG 1975 hatte die Drittelparität auf allen Ebenen durchgesetzt und Ihre Forderungen nach Didaktik und Arbeitsplatz und wirtschaftlicher Sicherheit waren zumindest als Notwendigkeiten erkannt. Das Firnberg UOG wurde in der Folge von Politikern der ÖVP zu einem gesetzlichen Rahmen zurückgebaut, in dem die spitze Hierarchie den Universitätsprofessor wieder in Allmacht installierte. Gleichzeitig wirken auf diesen Universitätsprofessor und die wenigen Universtiätsprofessorinnen dieselben Zensuren der Effizienz und das Ergebnis sind Überforderungen, die nicht mehr dargestellt werden können, weil sich alles auch da nur mehr im Inneren der Personen abspielt. Der Universitätsprofessor hat dann immer noch verschiedenen Instrumente einer Abfuhr zur Hand. Aber die digitalisierte Bürokratisierung, die die Effizienzideologie umsetzen muß, läßt selbst dafür wenig Spielraum. Der Verteilungskampf wird in die Unendlichkeit von Sitzungen getragen und die Entscheidung über Qualität unterliegt einer auf ein Innen beschränkten Gruppendynamik.</p>
<p>Für Sie heißt das, daß Sie kein Ergebnis haben dürfen. Sie müssen diese Forderungen, die Sie in Ihrem Forderungskatalog aufgestellt haben, in den Jahren Ihres Studiums in jedem Augenblick zur Prüfung Ihrer Wirklichkeit erhalten. Sie müssen eine Kultur entwickeln, die sich ohne großartige Ergebnisse mit einer nachhaltigen Veränderung beschäftigen kann. Das erste Anzeichen, daß das möglich sein wird, sehe ich in der Tatsache, daß Sie sich keinen Zeitplan gesetzt haben. Schließlich ist Ihr Studium Ihr Rahmen auf der Basis der Ihnen zustehenden Freiheit. Und. Sie haben mit Ihrem Einsatz hier etwas unternommen, was nun jahrzehntelang nicht der Fall war. Nicht möglich war. Wie auch immer. Sie verteilen die Sorge um sich und das eigene Studium auf alle Studierenden. Das ist im klassischen Sinn noch nicht revolutionär. Aber in einer Kultur, wie dem Österreichischen, das der französischen Revolution und deren Ergebnissen nach wie vor feindlichst gegenübersteht. In einer solchen Kultur ist ein so sanfter Anfang wirkungsvoller und ich wünsche Ihnen persönlich und Ihnen als Menge der Studenten und Studentinnen daß es gelingt, der Ausbildung Die Bildung abzuringen, die ein gutes Leben im Rahmen einer bewußten Freiheit erst möglich macht.  Sie haben den grammatikalischen Schritt von einer Berechtigung in eine Berechtigtheit gemacht, in der Sie diese Freiheit als Ihr Recht selbstverständlich in Anspruch nehmen und verteidigen und nicht darauf warten, daß sie eine Berechtigung zugeteilt bekommen. Ich wünsche allen Erfolg.</p>
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		<title>&#8220;Wie geilen sich Banker auf?&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 14:56:05 +0000</pubDate>
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