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	<title>Marlene Streeruwitz &#187; Wahlkampfroman 2006</title>
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	<description>Autorin &#124; Regisseurin &#124; Wien &#124; Berlin &#124; London &#124; New York</description>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge achtzehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:52:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wahlkampfroman 2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Nadine war dann doch in London gewesen. Mitfahrgelegenheiten und Ryan Air hatten diesen Ausflug erlaubt. Sie war für 16 Stunden da gewesen und am nächsten Morgen wieder zurück. Eigentlich war sie nur über London geflogen und dann in Stanstead geblieben. Nach London war sie gar nicht gekommen. Sie hatten sich nur ein Zimmer in einem [...]]]></description>
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<p><span class="textblock">Nadine war dann doch in London gewesen. Mitfahrgelegenheiten und Ryan Air hatten diesen Ausflug erlaubt. Sie war für 16 Stunden da gewesen und am nächsten Morgen wieder zurück. Eigentlich war sie nur über London geflogen und dann in Stanstead geblieben.</span></p>
<p><span class="textblock">Nach London war sie gar nicht gekommen. Sie hatten sich nur ein Zimmer in einem B+B gleich beim Flughafen leisten können. Die Fahrt nach London hinein hätte zu viel gekostet. Im Zimmer in der Pension gab es nur das Doppelbett und ein Regal an der Wand. Oben auf dem Regal standen Holzelefanten in einer langen Reihe. Von einem ganz kleinen zu einem teddybärgroßen. Nadine wollte den kleinen Elefanten anschauen. Die Elefanten waren an das Regal angenagelt oder geklebt. Nadine legte nichts in das Regal. Aber sie hatte auch nur eine große Tasche mit. Nadine war gesagt worden, daß sie im März eine Ausbildungsstelle bekommen könne. Wahrscheinlich. Sie hatte das dem Vladi erzählen wollen. Aber sie würde nur 1.000 Euro verdienen und 90 Stunden Arbeitszeit haben. Für viele Jahre würde das so gehen. Der Vladi fragte sie, was das für ein Leben sein sollte. Aber sie hätten ja beide keine Zeit, ein Geld auszugeben und sie müßten eben ein Leben lang von Pizza und Actimel leben. Der Valdi hatte einen security job als Nachtwächter in einer Lagerhalle. Er war mit videoüberwacht und durfte sich nicht einmal hinsetzen. Ein Kollege war sofort entlassen worden, als auf dem Video der Nacht zu sehen war, daß er sich hingesetzt und seine Beine hochgelegt hatte.</span></p>
<p><span class="textblock">Sie hatten dann fast nur geschlafen. Sie hatten einander in den Armen gehalten und erschöpft geschlafen. Nadine war immer wieder aufgewacht und hatte versucht, sich Vladis Wärme einzuprägen, damit sie sich daran erinnern konnte.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine mußte dann um 6 Uhr am Schalter von Ryan Air angestellt stehen. Vladi bestand darauf, mit ihr dahin zu gehen. Vladi schlief mit 5 anderen Polen in einer Garage. Nadine hatte gewollt, daß der Vladi eine Nacht lang dieser Schlafuntebrechungsfolter entkommen sollte, in der sie alle lebten. Der Vladi war noch schweigsamer geworden und er hatte diese großzügige ruhe verloren, die er am Anfang gehabt hatte. Er sah noch besser aus. Er hatte abgenommen und war noch kantiger und verschlossen. Nadine liebte ihn gleich noch mehr dafür, daß er sie zum Flughafen begleitete. Sie gingen durch die noch dunklen Straßen der Industriegegend rund um den Flughafen. Sie hatten das Zimmer im voraus bezahlen müssen und niemanden mehr gesehen. Das Frühstück hatten sie mitbezahlt, obwohl es erst um 7 Uhr zu haben war. &#8220;We are fucked. Totally fucked.&#8221; hatte Vladi gesagt und hatte nicht einmal mehr die Hände in einer Geste der Abwehr gehoben.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine liefen dann im Flugzeug die Tränen über die Wangen. Sie saß allein ganz hinten. Da, wo niemand sich hinsetzen wollte. Sie schluchzte nicht, aber die Tränen rannen ihr aus den Augen und sie konnte nichts dagegen tun. In der Tasche vor ihrem Sitz steckte ein Kurier aus Wien. Sie las die Zeitung, um sich abzulenken. Der noch immer Bundeskanzler Schüssel hatte die Koalitionsgespräche abgebrochen. Nadine hatte das Bild eines Reiters vor Augen, der sein Pferd mit seinem Schenkeldruck nicht mehr in jede Richtung zwängen konnte, die er bestimmte und der deshalb beleidigt abgestiegen war und nun sagte, daß das Pferd nichts tauge. &#8220;We are fucked. Totally fucked.&#8221; dachte Nadine. Sie mußte jetzt beim Weinen auch noch schluchzen. Ihr waren alle Versprechungen gebrochen worden. Es hatte geheißen, daß es ihr gut gehen würde, wenn sie studierte. Sie hatte länger zum Studieren gebraucht, weil sie immer daneben arbeiten hatte müssen. Sie stand deshalb schlechter da, als die, denen die Eltern alles zahlen hatten können. Ihre Eltern hatten gewollt, daß es ihr besser ginge und waren deshalb diese Risiken eingegangen. Aber sie hatte heute nicht einmal die Möglichkeit, eine Familie zu gründen. Nicht, wenn sie verantwortungsvoll sein wollte. Die Ausländergesetze hatten sie den Mann gekostet, den sie liebte. Sie lebte wie in einem von diesem Romanen aus den frühen Zeiten des Kalten Kriegs, in denen Leute über ihre Papiere erpreßbar waren. Sie war in einen bürokratischen Albtraum geraten mit dem Vladi. Obwohl die zur EU gehörten. Sie war gezwungen, sich zwischen Heimat und Liebe zu entscheiden. Und in Österreich. Schüssel war die österreichische Maggie Thatcher, und die wäre mit einem Verhältniswahlrecht auch nie wegzubringen gewesen. Aber im Machtwillen und in der Kälte. Da waren die gleich. Nur in England war das schon vorbei und es war nur noch das Ergebnis zu sehen. In Österreich mußte man dem Abstieg gerade noch zuschauen. Und dem Aufstieg der wenigen, die nicht hinausgevotet worden waren.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine überlegte, wie sie das mit der Wohnung in der Gumpendorferstraße machen sollte. Sie mußte sich bei der Mieterschutzvereinigung erkundigen. Sie wollte noch nicht alles in Wien aufgeben. Aber sie hatte hier keine Chance. Es war sinnlos da. Wenn sie ein Problem erklären wollte, dann sagte man ihr, daß sie nicht jammern solle und daß das Leben eben so sei. Nadine weinte bis zur Landung in Wien.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge siebzehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:52:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wahlkampfroman 2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Barbara hatte dann doch nicht das Projekt mit den Koalitionsfotos für ihr Diplom eingereicht. Die Gruppenfotos vor den Verhandlungen zeigten eine Abfolge von hierarchischen Geschwistersituationen, in denen Schüssel darauf bestand, den kleinen Wahlerfolg der Linken in eine Demütigung zu verwandeln. Das war die einfache Situation des abwesenden Vaters, für den die Söhne in Stellung gingen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Barbara hatte dann doch nicht das Projekt mit den Koalitionsfotos für ihr Diplom eingereicht. Die Gruppenfotos vor den Verhandlungen zeigten eine Abfolge von hierarchischen Geschwistersituationen, in denen Schüssel darauf bestand, den kleinen Wahlerfolg der Linken in eine Demütigung zu verwandeln.</span></p>
<p><span class="textblock">Das war die einfache Situation des abwesenden Vaters, für den die Söhne in Stellung gingen, sich als die jeweils Besseren zu präsentieren. Barbara konnte sich keine Möglichkeit vorstellen, diesen abwesenden Vater zu vermitteln, der eine Mischung aus Gott, Kaiser und austrofaschistischem Trachtenanzug war. Barbara hatte herausgefunden, daß es 1936 ein Gesetz gegeben hatte, das den Trachtenanzug in Salzburg als Beamtenuniform vorschrieb. Das Gesetz war dann weit bis in die 70er Jahre in Kraft geblieben. Dieser Trachtenanzug war wie alle Uniformen zu einem Teil eine Vorstellung von Tradition und zum anderen eine Neuerfindung. Trotzdem wurde der Trachtenanzug nach wie vor als aus alten Zeiten überkommene Tracht Bestandteil einer Identität. Barbara hatte nämlich bei einer Trachtenhochzeit fotografiert.</span></p>
<p><span class="textblock">Eine Kundin von Nadine aus dem Nagelstudio hatte dringend jemanden für diesen Job gesucht. Der Vater der Braut hatte sich geweigert, den teuren professionellen Hochzeitsfotografen zu bezahlen, der 1500 Euro für eine komplette Serie verlangt hatte. Der Vater der Braut hatte insgesamt die Kosten für diese Hochzeit nicht verstehen können. Er war aber ein Gemeinderat in einer der kleinen Städte bei Wien und konnte es sich deshalb nicht leisten, die ganze Hochzeit umzuorganisieren. Seine Frau drohte mit einer Zeitungskampagne im Bezirksblatt. Sie hätte offenlegen wollen, daß ihr Mann ihr das Wirtschaftsgeld jeden Tag beim Frühstück Groschen für Groschen ausbezahlte und daß er nun 27 Jahre jeden Abend von ihr verlangt hatte, sich über den nachgemachten Barocksessel im Schlafzimmer zu bücken und sich nachher mit &#8220;Das war sehr schön, das hat mich sehr gefreut, Majestät&#8221; zu bedanken. Vorher hätte sie nicht schlafen gehen dürfen. Diese Frau hatte Nadine gesagt, daß sie noch die Hochzeit ihrer Tochter abwarten wollte. Danach wollte sie weg. Aber die Hochzeit mußte unter allen Umständen großartig werden. Das wenigstens hatte diese Frau für ihre Tochter herausschlagen wollen. Bei der Hochzeit waren alle in Tracht gewesen. Das hatte der Vater verlangt, damit man seine Verbundenheit mit seinem Wahlkreis so richtig sehen könne. Der Bräutigam hatte deshalb einen Trachtenanzug anhaben müssen, wie er 36 in Salzburg erfunden worden war. Grünes Paspoil an den Ärmeln unten. Breite grüne Lampassen an den Hosen seitlich. Und ein grüner Spiegel am Kragen. Die Braut hatte sich dem Dirndl mit Hilfe eines cremefarbenen Miederkleids entzogen. Alle anderen Frauen hatten lange Dirndln an und die Männer diese Trachtenanzüge. Barbara beschloß, etwas über die Kleidung zu machen. Es war doch erstaunlich, daß offenkundig in all diesen Kleiderkästen Dirndl hingen. Oder Trachtenanzüge. Bei welchen Leuten hing das. Und waren das dieselben, die dann ab einem bestimmten Alter diese Hüte aufhatten, die man aber nur noch in Geschäften außerhalb des Gürtels bekommen konnte. Barbara überlegte, ein Projekt über diese Hutmenschen zu machen.</span></p>
<p><span class="textblock">Seit sie auf der Welt war, gab es immer unbestimmt ältere Personen, die diese Hüte trugen. Es mußten also immer wieder Personen dieses Huttragen aufnehmen und in einer Art Staffettenlauf das Huttragen für die zu alten oder verstorbenen Hutträger weiterführen. In welcher Sprache wurden Hüte und Dirndl oder Trachtenanzüge gekauft und was bedeutete das Tragen dieser Kleidung. Vertrugen sich Hutträger und Trägerinnen miteinander. Bildeten sie eine Gruppe, die in einer besonderen Sprache miteinander verkehrten und sich von den anderen absonderten. Barbara hatte in der U-Bahn nichts davon bemerkt. Manche ältere Leute mit Hut äußerten sich gegen Ausländer. Manchmal durchaus lautstark. Andere mit Hut standen schweigend daneben und schienen diese Äußerungen nicht unterstützen zu wollen. War es ein anderes soziales Merkmal, das diese Personen verband. War es ganz einfach eine Sehnsucht nach Schutz und Behütetheit. Barbara belegte einen Kurs für Interviewtechnik bei einem interdisziplinären Projekt von Geschichte und Soziologie am zeitgeschichtlichen Institut. Auch Nadine fand das toll und sagte, sie wollte, sie könne so etwas Sinnvolles machen. Aber im Nagelstudio führe sie eigentlich ein Aufnahmegespräch nach dem anderen mit den Kundinnen. Nadine ging es aber nicht so gut.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Mama war bei der Tante Pauli gut untergebracht. Der Vater war in die ReHa geschickt worden. Es war dann doch ein kleiner Herzinfarkt gewesen. Nadine und Barbara befürchteten, daß die Mutter ihn zurücknehmen würde, weil er jetzt ein Pflegefall war und weil sie nicht wollte, daß das Haus an die Irmi Kramreiter fiele. Aber der Vladi hatte sich nun schon zwei Wochen nicht mehr gemeldet und Nadine wußte nichts mehr von ihm. Der Vladi war einfach verschwunden. Nadine sagte, daß er in Österreich so schikanös behandelt worden war, daß sie verstehen müsse, daß er sie nicht mehr wolle. Die Tante Pauli sagte, daß sie dann nicht traurig sein solle. Die Tante Pauli sagte, daß man traurig sein sollte, weil alle diese Leute, die schon die ganze Zeit alles falsch gemacht hatten, daß die jetzt von der ÖVP die Koalitionsverhandlungen führten. Nadine und Barbara fanden die Tante Pauli da übertrieben. Die Geschichte mit dem Vladi war der Nadine schon wichtiger, als diese Ministerin. Der einzige Trost für Nadine war weiterhin, daß sie sich ausschlafen konnte. Nadine überlegte, ob das reichen konnte. War das alles, was sie im Leben erreichen würde können, daß sie ihr Recht auf Schlaf verteidigen hatte können.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge sechzehn</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:51:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nadines Vater war es dann ganz plötzlich sehr schlecht gegangen und er hatte sie alle noch einmal sehen wollen. Die Mutter beschwor Nadine, ihm den Abschied nicht zu verweigern. Nadine rief dann die Tante Pauli an und die sagte auch, daß sie besser kommen sollte. Sie solle sich keine Vorwürfe machen müssen, wenn sie dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Nadines Vater war es dann ganz plötzlich sehr schlecht gegangen und er hatte sie alle noch einmal sehen wollen. Die Mutter beschwor Nadine, ihm den Abschied nicht zu verweigern.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine rief dann die Tante Pauli an und die sagte auch, daß sie besser kommen sollte. Sie solle sich keine Vorwürfe machen müssen, wenn sie dann den Vater doch nicht mehr ein letztes Mal gesprochen hätte.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine rief in der Praxis an und wollte Dr. Handtler um einen freien Tag bitte. Sie wollte noch gleich am Donnerstag vom Nagestudio weg zum Bahnhof. Mit dem Nachtzug ersparte sie sich die Hotelkosten, wenn sie noch am Abend wieder zurückfuhr. In der Ordination konnte sie nur die Schwester Elfi erreichen. Die sagte, daß Nadine am Samstag zu ihrem Vater fahren solle. Nadine sagte, daß es dann zu spät sein konnte und daß sie gleich fahren mußte. Darauf antwortete die Schwester Elfi, daß Nadine sich dann gleich die Kosten für die Fahrt ersparen könnte und Nadine solle nur ja am Freitag zur Arbeit in die Praxis kommen. Die Schwester Elfi konnte nicht einsehen, warum sie die ganze Arbeit machen solle. Und im übrigen bräuchte Nadine schließlich noch die Bescheinigung über ihre Ordinationsmitarbeit. Da müßten nur ein paar Daten nicht eingetragen werden und Nadine könne schauen, wie sie zu ihrer Bescheinigung käme. Und der Dr. Handtler. Der wäre so überlastet. Der könnte sich sicherlich nicht erinnern, wann Nadine da gewesen war und wann der Horst. Nadine konnte das nicht glauben. Ihr wurde schlecht und sie mußte sich auf dem Clo vom &#8220;House of Nails&#8221; verstecken. Sie konnte das alles Kim und Agnieszka gar nicht erzählen. Nadine genierte sich, in was für einer Gesellschaft sie lebte, in der es besser war, der Vater starb schnell und sie ersparte sich eine Bahnfahrt Wien-Innsbruck.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Tante Pauli rief dann an und sagte Nadine, daß es dem Vater wieder gut ginge und daß er einfach an Panikattacken litt. Die Tante Pauli dachte, daß er so sein schlechtes Gewissen besser aushalten würde. Der Vater hatte das Bergbauernhaus der Großmutter ohne einen der anderen Erben zu fragen an einen Makler verkauft. Der Makler hatte das schöne uralte Holzhaus abgetragen und es war in Kitzbühel wieder aufgestellt worden. Eine Industriellentochter hatte es für ihren jüngeren Mann zum Trost gekauft, damit der sich nicht kränkte, wenn er nicht wieder Finanzminister werden sollte, weil er zwischen alle Stühle geraten war. Der Makler hatte aber dem Vater dann erst einmal nur eine kleine Anzahlung gegeben und war jetzt nicht mehr zu finden. Es hatte sich herausgestellt, daß der Vater nur eine email Adresse dieses Mannes hatte und die Industriellentochter konnte einen gültigen Kaufvertrag mit einer Immobilientreuhandfirma vorlegen. Der Vater mußte aber noch die Erbschaftsteuer und die Miterben bezahlen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine konnte am besagten Freitag in der Ordination auftauchen. Sie hatte sich die Formulare für die Bescheinigung ihrer Ausbildung in der Ordination Dr. Handtler in der Drucksortenabteilung der Ärztekammer besorgt. Sie legte Dr. Handtler alle Formulare zur Unterschrift vor. Dr. Handtler unterschrieb und sagte, daß es ihm leid tun werde, wenn Nadine nicht mehr bei ihm arbeite. Nadine sei jetzt schon eine sehr gute Ärztin und ihre Mitarbeit werde ihm fehlen. Nadine freute sich sehr über die Anerkennung. Die Schwester Elfi wollte ihr dann erklären, daß das alles nicht so gemeint gewesen war und daß es ihr schließlich nur um das Funktionieren der Ordination ginge und daß schließlich alles an ihr hinge. Nadine schaffte es, nicht auf den selbstmitleidig vorwurfsvollen Ton dieser Frau einzugehen und in einer sachlichen Art weiterzuarbeiten.</span></p>
<p><span class="textblock">Am Wochenende fuhren Nadine und Barbara dann in die Wachau und gingen in den Weinbergen über der Donau spazieren. Das Weinlaub leuchtete grüngold in der Herbstsonne. Sie besprachen Barbaras Projekt für ihr Diplom an der Akademie. Barbara wollte etwas mit den verschiedenen Gruppenfotos der Koalitionsverhandlungen machen. Nadine war froh über die Ablenkung. Der Vladi hatte eine Woche lang nicht angerufen. Nadine mußte die ganze Zeit daran denken, daß ihm etwas Schreckliches passiert sein könnte. Oder daß er eine andere gefunden hatte und sie nie wieder von ihm hören würde.</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge fünfzehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nadine hatte dann doch die Angebote in Schweden und in England genauer angesehen. Sie hatte bei Goldener&#8217;s aufgehört. In der Wahlnacht hatten sie noch gefeiert, nachdem die Gäste dann endlich draußen waren. Der Freddi hatte sich zu Nadine gesetzt und gesagt, daß er es toll fände, wie rasch sie sich eingearbeitet habe und daß er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Nadine hatte dann doch die Angebote in Schweden und in England genauer angesehen. Sie hatte bei Goldener&#8217;s aufgehört. In der Wahlnacht hatten sie noch gefeiert, nachdem die Gäste dann endlich draußen waren.</span></p>
<p><span class="textblock">Der Freddi hatte sich zu Nadine gesetzt und gesagt, daß er es toll fände, wie rasch sie sich eingearbeitet habe und daß er sehr froh sei, ihr die Bar mittlerweile auch allein überlassen zu können. Nadine hatte sich gefreut und gesagt, daß das nun doch der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft sein könnte. Sie hatte gar nicht gleich ans Trinkgeld gedacht, sondern an eine Aufteilung der schwächeren Wochentage. Bis zum Donnerstag genügte eine Kraft hinter der Bar und sie hätte gerne einen oder zwei Abende ganz übernommen und dann vielleicht noch am Wochenende einen. Sie wollte nicht mehr jeden Abend in der Bar arbeiten. Die langen Nächte in der rauchigen Luft kosteten sehr viel Kraft und Nadine wollte wieder Zeit für Kultur haben und in ein Konzert gehen. Oder etwas lesen. Oder nur zu Hause sitzen. Jetzt, wo die Mama nicht mehr in der Wohnung war und die Barbara wieder in ihrer WG wohnte, hatte sie wenigstens den Raum, über ihr Leben nachzudenken. Der Freddi beugte sich über den Tisch und fragte sie, was sie damit meine. Mit einer Partnerschaft. Nadine sagte, daß das doch ganz einfach sei. Wenn sie die Arbeit gleich gut mache wie er. Und das habe er ihr schließlich gerade gesagt. Dann müßte sie doch auch die gleiche Position bekommen. Das wäre doch logisch so. Nadine hatte da noch gar nicht bemerkt gehabt, wie aggressiv der Freddi schon war. Sie lächelte den Freddi an und meinte, daß es doch hier nicht um einen Beziehungskonflikt ginge, sondern um eine coole Geschäftssache. Der Freddi hatte sich dann noch weiter zu ihr herüber gebeugt und sie angeblitzt. Das müsse sie schon ihm überlassen, wie er das mit den Trinkgeldern entscheide und der Fredl, der Kellner im Lokal, sagte zu ihr, daß sie doch froh sein solle, wenn sie diese Arbeit machen könne. Der Fredl durfte kassieren und war natürlich an den Trinkgeldern beteiligt.</span></p>
<p><span class="textblock">Er kam oft zu spät und er war zweimal gar nicht aufgetaucht und Nadine hatte seine Arbeit übernehmen müssen. Nadine sagte das. Und daß das doch nicht korrekt sei. Da beugten sich beide Männer über sie. Wie sie auf die Idee komme, eine Beteiligung zu verlangen. Man wäre sehr zufrieden, wie sie das mache und es wäre den beiden auch eine Beruhigung, daß eine Ärztin da arbeite. Falls ein Gast einmal ein Problem haben sollte. Da wäre es sehr beruhigend, daß sie diese Ausbildung habe. Aber sonst solle sie sich zurückhalten und es sei die Sache der beiden Männer, ihr eine Beteiligung anzutragen. Verlangen könne man so etwas nicht. Dann holte der Fredl für den Freddi noch ein Bier. Die Freundinnen von den beiden Männern hatten die ganze Zeit zugehört und grinsten Nadine schadenfroh an. Nadine nahm ihre Tasche und ging. Es war von Anfang an so eine Stimmung gewesen. Als müßte sie sich dafür bedanken, den Zigarettenrauch dieser beiden Männer einatmen zu dürfen. Nadine wünschte sich ein OECD Schiedsrichterteam, das wie beim Fußball bei so einem Gespräch die Fouls pfiff. Dabei gehörte die Bar gar nicht dem Freddi oder dem Fredl, obwohl die beiden so taten. Nadine ging gleich noch in der Nacht wieder in das Internet Café und druckte sich die Formulare für die Arbeit in England oder in der Schweiz aus. Schweden konnte sich Nadine nicht vorstellen. Sie dachte zwar, daß es da sehr fair zugehen würde, aber sie konne sich nicht vorstellen, noch eine Sprache zu erlernen. Wenn sie sich das vorstellte, dann hatte sie das Gefühl, keinen Atem für neue Worte zu haben.</span></p>
<p><span class="textblock">Im Haus in der Gumpendorferstraße hatte es eine Revolution gegeben. Der Sektionschef hatte die Hausverwaltung an eine Hausverwaltungsfirma übergeben und die hatte zuerst einmal von jedem Mieter 200 Euro für die Hausverwaltung abkassiert. Dann waren Forderungen für Nachzahlungen gekommen. Die Parteien im vierten und im fünften Stock waren dann am Morgen nach der Wahl vor die Tür vom Sektionschef gezogen und hatten gegen den Lärm protestiert. Der Sektionschef hatte dann gleich seine Hausverwaltung angerufen und der Direktor war dann aufgetaucht. Der hatte ausgesehen wie ein richtig feister Putto mit weißgewordenen Locken. Er stand im grauen Anzug den Hausbewohnern in ihren Morgenmänteln und Pyjamas gegenüber. Im Dachgeschoß ratterten die Preßlufthämmer und die Flex kreischte. Man habe eine Genehmigung, behauptete der Mann von der Hausverwaltung. Er sei nun schon Jahrzehnte Direktor im Hausverwaltungsgewerbe und so etwas habe er noch nicht erlebt. Eine solche Umkehr der Verhältnisse. Da waren dann aber alle sehr sauer geworden. Man wolle diese Genehmigung sehen, war verlangt worden. Wie man zu so einer Genehmigung überhaupt kommen könne. Da handle es sich doch wieder um eine von diesen Freunderlwirtschaften. Die Genehmigung war dann nicht produziert worden und der Sektionschef und sein Hausverwalter hatten zugeben müssen, daß alles, was sie da machten, ungesetzlich war und daß die Baugenehmigung noch gar nicht erteilt worden war. Der Direktor von der Hausverwaltung hatte dann flehentlich gebeten, nichts zu unternehmen. Diese Ausländer. Die, die da Arbeit hätten. Denen wollte doch niemand von den Mietern schaden. Nadine war da doch recht sprachlos gewesen. Es war sehr interessant zuzusehen, wie dieser Mann ihnen etwas vorspielte. Sie war erstaunt, wie wenig es dieser Person wichtig war, ernst genommen zu werden. Diesem Mann ging es nur um die Erreichung seiner Ziele. Was von ihm gedacht wurde, das war ihm vollkommen gleichgültig. Und dann war es doch atemberaubend, daß die Ausländer nun als Argument für den Sektionschef herhalten mußten und daß es am Ende darum ging, bei einer rechten Koalition dann schon mit dem Umbau fertig zu sein, damit die Ausländer in aller Ruhe ausgeschafft werden konnten. Nadine war aber dann über den Kompromiß froh. Die lauten Bauarbeiten sollten in Zukunft erst um acht Uhr beginnen. Nadine war nach Monaten wieder ausgeschlafen.</span></p>
<p><span class="textblock">Am besten lief es für Nadine im Nagelstudio. Ihre Leistungen wurden da anerkannt und es gab klare Abmachungen mit den Kolleginnen. Der Vladi hatte wieder angerufen. Es lief nicht so gut für ihn in London wie er sich das vorgestellt hatte, aber Nadine sollte einmal kommen und sich umsehen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine ging oft zu Barbara. Barbara war aus Deutschland voller Energie und tatkräftiger Wut zurückgekommen. Nadine hoffte, sich mit dieser Tatkraft anzustecken wie mit einer ansteckenden Krankheit.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Tante Pauli sagte, daß die Roten jetzt ein historische Chance hätten, diesem Land einen Kulturumschwung zu verpassen. Aber die linken Männer hätten so eine Tendenz zum melancholischen Brüten und sie sollten endliche diese kleinbürgerlichen Aufsteigerbelastungen hinter sich lassen.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Mutter blieb jetzt einmal bei der Tante Pauli. Der Vater war im Krankenhaus und wußte nicht, wie er in sein Haus zurückkommen sollte. Die Irmi Kramreiter hatte ihren Bruder in das Haus der Eltern geholt und alle Schlösser waren ausgewechselt.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge vierzehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:51:11 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Wahlkampfroman 2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Barbara war dann mit Franz nach Duisburg mitgefahren. Die alte Frau hatte ihr ihren Motorradhelm geborgt und ihnen nachgewinkt. Sie stand in der Tür. Der spitze Filzhut stieß ob am Türrahmen an. Deshalb ist der Hut oben eingedrückt, dachte Barbara. Franz hatte dann eine Pause in einer Autobahnraststättegemacht. &#8220;Da hast du meine Mutter jetzt richtig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Barbara war dann mit Franz nach Duisburg mitgefahren. Die alte Frau hatte ihr ihren Motorradhelm geborgt und ihnen nachgewinkt. Sie stand in der Tür. Der spitze Filzhut stieß ob am Türrahmen an.</span></p>
<p><span class="textblock">Deshalb ist der Hut oben eingedrückt, dachte Barbara. Franz hatte dann eine Pause in einer Autobahnraststättegemacht. &#8220;Da hast du meine Mutter jetzt richtig glücklich gemacht.&#8221; hatte er zu Barbara gesagt und sie gefragt, ob Barbara bei ihm und seinem Partner Ali-Alex ein paar Tage bleiben wollte.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara war mitgekommen. Sie hatte kein gutes Gefühl gehabt, wegen der Mutter vom Franz. Sie hatte gleich gewußt, daß sie dann das Telefon abheben mußte und der Mutter eine Liebesgeschichte vorspielen. Aber an dem Nachmittag war sie so kaputt gewesen, daß sie froh war, irgendwo unterkriechen zu können und der Ali war richtig nett. Franz und Ali hatten eine schöne Wohnung und Barbara bekam ein winziges Gästezimmer für sich. Sie mußte nicht auf der Couch in der Wohnküche schlafen wie in Köln. Ali war Geschäftsführer in einem Frisiersalon. Er klagte über den Geschäftsrückgang und überlegte, sich mit einem Billigladen nur für Haarschnitt selbstständig zu machen. Sein Können würde von den Damen im Salon ohnehin nicht anerkannt werden und dann könnte er wenigstens so schneiden, wie er sich das vorstellte. Aber er würde dann weniger haben. Jedenfalls in der ersten Zeit würde er nicht so viel zum Monatsbudget beitragen können und wenn Franz die Stelle an der Universität verlor, dann konnten sie die Wohnung gar nicht mehr bezahlen. Barbara solle so lange bleiben, wie sie wolle. So lange sie die Wohnung hätten, sollte sie benutzt werden, sagten sie. Barbara mußte jeden Tag mit der Mutter von Franz telefonieren. Die alte Frau rief immer am Nachmittag an und machte mit Barbara einen telefonischen Kaffeetratsch.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara ging jeden Tag ins Museum. Im Lehmbruckmuseum war gerade eine Ausstellung über die Plastik der letzten 100 Jahre. Dann setzte sie sich in das Café im Park gegenüber vom Museum, trank einen Capuccino und schaute von außen auf das Museum, in dem die letzten 100 Jahre der Bildhauerei eingefangen waren. Es waren nur Männer, deren Arbeiten da standen und am vierten Tag konnte Barbara nicht mehr in dieses Museum hineingehen. Sei verstand das alles plötzlich nicht mehr und hatte nur noch ein Gefühl der ausweglosen Bedrängnis, daß das nun das Ergebnis all dieser Männerleben gewesen sein sollte. Nur der Iglu von Mario Merz hätte sie noch interessiert, aber der war mit dicken roten Kordeln abgesperrt. Barbara leistete sich für die 7 Euro, die der Eintritt gekostet hätte ein Mittagessen. Sie aß Canneloni und mußte über die Symbolik lachen. Sie wollte selber wieder etwas machen. Sie fühlte sich wieder stark und mußte nicht mehr an den Kurator von dem Museum Wilhelm in Köln und an den Direktor da denken. Sie nahm sich vor, die herablassende Behandlung da in ein Projekt umzuwandeln. Irgendwann würde sie diese Geschichte verwenden, wenn ihre Wut über die Demütigung verschwunden war und sie kühl den Vorgang anschauen konnte. Jetzt einmal wollte sie ein Projekt machen, das die Lähmung beschrieb, die eine solche Ausstellung wie die da im Lehmbruckmuseum auslöste. So eine Ausstellung bildete. Da konnte man die höchsten Ansprüche erlernen. Aber konnte man dann noch selber etwas machen oder mußte nicht jeder und jede, die da durch gingen, vollkommen überwältigt jedes eigene Tun aufgeben. Erschlugen einen diese Werke nicht in ein stilles Schauen. Sie jedenfalls machte das so nervös, daß sie dieses strenge Haus gar nicht mehr betreten konnte.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara wollte wieder selber arbeiten und sie SMSte Nadine, wie es nun mit der Wohnung in Wien wäre. Das letzte Mal war Nadine da ganz allein gewesen. Sie hatte aber vom Kommen abgeraten, weil der Baulärm vom Dachausbau unerträglich geworden sei. Barbara dachte, daß sie das nicht so stören würde.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine schrieb zurück, daß Barbara unter allen Umständen kommen solle. Bei den Wahlen wären die Sozialdemokraten wieder die stärkste Partei geworden. Österreich wäre zwar nach wie vor ein rechtes Land, aber diese Mehrheit lasse sie hoffen. Jedenfalls bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen könne man ein bißchen freier atmen. Nadine schrieb, daß sie nun nicht gleich auswandern müsse, wenngleich es doch sehr komisch sei, daß nun alles wieder wie im Jahr 2000 wäre. Dieselben Politiker mit denselben Voraussetzungen. Nur der Haider, der wäre verschwunden. Nadine wünschte sich einen Neuanfang mit neuen Personen und der Vladi habe sich aus London gemeldet.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara suchte eine Zugverbindung im Internet heraus. Sie lud Franz und Ali-Alex nach Wien ein. Wenn die Nadine den Vladi in London besuchte und sie wieder in ihre alte WG zurückkonnte, dann stand die Gumpendorferstraße ja leer. Barbara war den beiden Männern sehr dankbar. Sie mußten beim Abschied alle weinen und Barbara mußte versprechen, wieder einmal zur Mutter von Franz zu Besuch zu kommen. Die alte Frau hatte ihr beim Abschied am Telefon gesagt, daß sie ohnehin alles wüßte, aber daß ihr der Abschied von ihren Vorstellungen so schwer falle, wenn sie in ihrem Häuschen mit dem komatosen alten Vater über sich in der Dachkammer da sitze.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara fuhr traurig von Duisburg weg, aber sie war voller Pläne für ihre nächsten Arbeiten. In Wien fuhr sie zu Nadines Wohnung und klingelte. Niemand machte auf.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge dreizehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:50:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nadine hatte dann nichts gemacht. Sie hatte diesem Quereinsteiger den Drink ohne Glaubersalz serviert und sich nicht mehr um ihn gekümmert. Sie schrieb Barbara gleich noch eine SMS, daß Barbara sich keine Sorgen machen solle. Sie würde nun nicht aus Verzweilfung strafffällig werden. Nadine hatte länger nichts von der Mutter gehört. Aber die wollte der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Nadine hatte dann nichts gemacht. Sie hatte diesem Quereinsteiger den Drink ohne Glaubersalz serviert und sich nicht mehr um ihn gekümmert. Sie schrieb Barbara gleich noch eine SMS, daß Barbara sich keine Sorgen machen solle.</span></p>
<div class="rahmen-textblock">
<p><span class="textblock">Sie würde nun nicht aus Verzweilfung strafffällig werden. Nadine hatte länger nichts von der Mutter gehört. Aber die wollte der Tante Pauli keine Kosten verursachen und telefonierte deswegen nur selten. Das handy hatte die Mutter dem Vater überlassen. Nadine befürchtete, daß der Vater das wieder ausnützen würde. Die Mutter war aber nicht einmal von der Tante Pauli davon abzubringen. Die Mutter nannte das Liebe, wenn sie sich vom Vater ausnützen ließ. Nadine beneidete die Mutter manchmal. Die hatte kein gutes Schicksal. Aber sie hatte eines. Sie selbst. Nadine. Sie hatte bis jetzt nichts vorzuweisen. In ihrem Alter hatte ihre Mutter ein Kind gehabt und sie hatte mit dem Vater gemeinsam versucht, einen kleinen Betrieb aufzubauen. Ihre Eltern hatten alles gemacht, damit Nadine es einmal besser haben sollte. Aber Nadine hatte nicht einmal mehr ein Schicksal. Sie war wahrscheinlich besser angezogen als ihre Mutter in ihrem Alter, weil es Firmen wie H&amp;M gab. Oder Zara. Die Frauen ihrer Generation konnten ihre Armut hinter diesen schicken, billigen Klamotten verbergen. Niemand mußte sehen, daß sie kein Geld hatte. Sie mußte es nicht zeigen. Deswegen wurde sie ernst genommen und von solchen Leuten wie diesen rechten Politikern angemacht. Dabei versteckte sie ihren Abstieg in den Kleidern, die von anderen armen Leuten gemacht wurden, damit die aufsteigen konnten. Nadine hatte einen Mann aus der Wirtschaft in einer talk show gehört, der gefragt hatte, was denn schon dabei sei, wenn es Kinderarbeit gäbe. Diese Kinder könnten dann immerhin essen. Der Mann aus der Wirtschaft hatte sich sehr gut gefühlt bei diesem Satz. Das hatte man ihm ansehen können. Einer Globalisierungsgegnerin hatte er dann vorgeworfen, einfach zu empfindlich zu sein und immer etwas Schlechtes finden zu wollen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine war dann allein in der Wohnung gesessen. Sie war um drei Uhr am Morgen nach Hause gekommen. Sie hatte dann doch noch zwei Vodkas mit Freddi trinken müssen. Sie hatte auf die gute Zusammenarbeit anstoßen müssen und Freddi hatte gesagt, daß sie ihren Job bald so gut machen werde, daß er sich das mit dem Trinkgeld überlegen müsse und sie beteiligen. Es zeige sich eben, daß eine gute Ausbildung sich bezahlt mache. Er hatte das als Kompliment gemeint.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine hatte dann plötzlich das Gefühl gehabt, daß sie unter einer großen Last vergraben wurde. Diese große Last war gerade dabei, sie unter sich zu begraben. Nadine wollte schlafen. Sie wußte aber, daß um 6 Uhr die Bauarbeiten oben beginnen würden und daß das Zahnarztbohrergeräusch der Flex beim Schneiden von Metall und Stein jeden Schlaf verhindern würde. Schon bei der Vorstellung des Baulärms hätte Nadine weinen können. Nadine bekam Angst. Nadine war nicht sicher, ob sie diese Nacht gut überstehen konnte. Sie ging lieber aus der Wohnung hinaus.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine wanderte durch die Straßen. Was sollte sie tun. Was konnte sie tun. Überall wurde ihr gesagt, daß sie warten solle. Sie sollte nur noch ein wenig warten und dann würde sich alles regeln für sie. Und dann fragte man sie, was sie denn wolle. Es ginge ihr doch nicht richtig schlecht und es gäbe doch Leute, denen es richtig schlecht ginge. Nadine ging den Naschmarkt entlang. Am Ende die riesigen Plakatflächen mit den Wahlplakaten. Der Kanzler mit diesem knappen Lächeln. Der mußte nichts fühlen. Das war nicht anders als beim Vater. Der hatte auch nie etwas verstanden. Nur dem war es nicht gelungen. Aber er würde aus nichts etwas lernen können, weil die als Buben in der Sakristei sich die Hostien aus der Lade nehmen hatten können. Die mußten nichts mehr lernen, die waren eingeweiht gewesen. Die Geschichten vom Vater aus der Ministrantenzeit. Das waren seine Kriegsgeschichten. Hitler war auch Ministrant gewesen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine las die Sprüche auf den Plakaten. Warum war ihr das alles so widerlich. Es war alles so, wie es zu erwarten gewesen war. Wie immer waren die Kommunisten die einzigen mit politischen Plakaten und sozialen Themen. Alle anderen Parteien warben für Gefühle. Nadine hätte Vereinbarungen gewollt. Sie hätte klare Vereinbarungen wissen wollen und nicht über Stimmungen abstimmen wollen. Die Regierungspartei machte Tourismuswerbung. Wer sie wählte, durfte sich im eigenen Land dann wohlfühlen. Die Rechten wollten, daß man in ihren Ausländerhaßverein eintrat und bei der Wahl allen Selbsthaß in ein kleines Kreuz verwandelte. Waren diese Islamverfolger sich der Symbolik eigentlich bewußt. Die Sozialdemokraten boten sich als Vermittler an und versprachen Fairness. Ließ sich eine wild gewordene Wirtschaft mit Regeln aus dem Sport zähmen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine stand auf der Straße. Die Nacht war kühl. Hinter dem Lichtschein der Stadt waren Sterne am Himmel zu sehen. Nadine schaute hinauf. Die Last auf ihr war auch im Freien nicht geringer. Oder war sie wegen der Wahlplakate wieder so beschwert. Nadine konnte sich plötzlich nicht mehr vorstellen, wie sich etwas ändern sollte. Sie hatte plötzlich die Vorstellung, in eine riesige Lawine verstrickt zu sein, die einem Abgrund zustrebte und sie war so von dieser Lawine umgeben, daß sie kein Gefühl mehr hatte, wo sie endete und wo diese Lawine begann. Sie wußte nur, daß der Abgrund näher kam. Irgendwie war Nadine alles vertan. Sie war am Ende, obwohl sie nie etwas angefangen hatte. Jedenfalls nicht richtig. Nadine hatte bisher nie das Leben beginnen können, das sie sich für sie selbst vorgestellt hatte.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine stand vor den Wahlplakaten. Sollte sie dem Kampf für sich selber hier aufnehmen. Sollte sie sich weiter gedulden und warten oder sollte sie sich zugeben, daß man hier keinen Platz für sie hatte. Sollte sie nicht endlich zugeben, daß man sie hier nicht wollte und daß es ihr hier nie besser gehen würde, weil es ihren Eltern gerade so gut gegangen war, sich das für sie zu wünschen. Mußte sie nicht einfach zugeben, daß ohne totale Anpassung in diesem Land niemand gewollt wurde. War das Vodkatrinken mit Freddi. Waren das nicht die erniedrigenden Zulassungsrituale, ohne die es nicht ging. Wenn sie sich selber nun nicht zusehen wollte, wie sie ihrer Zurichtung wiederum mit der erwarteten Fröhlichkeit zusah, dann mußte sie weg. Nadine machte sich auf die Suche nach einem Internetcafé. Sie wußte eines in der Liniengasse, das die ganze Nacht offen hatte. Ärzte wurden in England, Schweden, Holland und der Schweiz gesucht. Sie hatte sich viel zu lange diesem Land angetragen. Sie mußte weg. Oder?<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
</div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge zwölf.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:50:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Barbara hatte nicht aufstehen können, so dicht stellte der Mann sich vor sie hin und schaute sie wütend an. Was sie da wolle, fragte er. Die alte Frau rief von oben herunter, er solle sich nicht aufregen. Diese junge Frau. Das sei eine Österreicherin. Der Mann setzte sich auf die Bank. Wie sie hierhergekommen wäre, [...]]]></description>
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<p><span class="textblock">Barbara hatte nicht aufstehen können, so dicht stellte der Mann sich vor sie hin und schaute sie wütend an. Was sie da wolle, fragte er. Die alte Frau rief von oben herunter, er solle sich nicht aufregen.</span></p>
<p><span class="textblock">Diese junge Frau. Das sei eine Österreicherin. Der Mann setzte sich auf die Bank. Wie sie hierhergekommen wäre, fragte er Barbara. Der Mann starrte wütend auf den Tisch. Barbara dachte, daß er so um die Dreißig sein mußte und daß er die Lederjacke trug, um zu verstecken, daß er ein bißchen schmächtig war.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara sagte, daß es sie einfach hierher verschlagen hatte. Sie wolle ohnehin weiter und sie habe nur gefragt, wo ein Bahnhof sei. Der Mann schaute auf den Tisch. Es tue ihm leid. Er habe das nicht so gemeint. Aber seine Mutter. Er sprach ganz leise. Seine Mutter gäbe immer wieder Kontaktanzeigen auf. Er fände jedesmal wenn er zu Besuch käme irgendeine Person vor, die ihm seine Mutter. Er zögerte. &#8220;Sie will Sie verkuppeln?&#8221; fragte Barbara. Sie mußte lachen. Sie habe keine Eltern mehr. Aber ihre Tante Pauli. Die erzähle einem die ganze Zeit, wer im Ort was habe und frei sei. Und dabei sei ihre Tante Pauli die politischste Person, die sie kenne. Der Mann seufzte. Seine Mutter. Die wäre doch auch in Ordnung. Sie habe nur diese Vorstellung, daß er heiraten müsse. Dabei habe doch niemand gute Erfahrungen damit. Sie mußten beide lachen.</span></p>
<p><span class="textblock">Sein Name sei Franz, sagte der Mann. Und woher sie aus Österreich käme. Eigentlich aus Tirol, antwortete Barbara. Und sie heiße Barbara und normalerweise lebte sie in Wien. Nur jetzt hätte sie eigentlich ein Projekt in Köln machen sollen, aber das habe ihr wieder so ein Kurator abgesagt. Und an welcher Uni er arbeite, fragte sie. Er habe noch ein Jahr in Bochum. Danach mußte er irgendwo eine Juniorprofessur haben oder die akademische Laufbahn aufgeben. Schon deswegen könne keine Partnerschaft funktionieren. Imgrund müsse man wie so ein Handwerksbursche im Mittelalter leben und in der Welt herumziehen. Barbara nickte. Sie habe gelesen, daß der Vorstand von Siemens den Mitarbeitern einen Brief geschrieben habe, daß es immer einen Job gäbe, wenn man mobil genug war. Bis ganz Deutschland auch in einem Wohnmobil leben müsse, ergänzte der Mann. Die alte Frau rief von oben herunter, der Franz sollte der jungen Dame doch etwas zum Trinken anbieten.</span></p>
<p><span class="textblock">Der Mann verdrehte die Augen. Ob Barbara sich vorstellen könne, daß er einmal eine Asiatin im Haus vorgefunden habe. Seine Mutter habe die strikte Idee, daß ein Mann eine Frau brauch, sonst würde er gewalttätig. Aber das sei doch auch die Ansicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, rief Barbara. Die würden doch die Frauenlosigkeit der jungen Männern für deren Rechtsradikalität verantwortlich machen und damit wieder einmal den Frauen die Schuld gäben. Barbara mußte wieder lachen. Der Mann nickte. Man folge hier ganz offen einem postfaschistischem Männerideal, in dem die Männer bestimmte Voraussetzungen für ihr Funktionieren beanspruchen durften. &#8220;Ja&#8221;, sagte Barbara. &#8220;Es sind nicht mehr die Mamas, die alles falsch machen. Es sind die bösen Frauen meiner Generation, die den Männern nachweisen, wie unfähig sie sind.&#8221; Und daß das ja auch bei diesem Kurator so gewesen sein mußte. Der hatte auch keine Kritik ausgehalten.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Wie das weitergehen würde in Österreich, fragte der Mann. Sie hätten doch Wahlen. Barbara zuckte mit den Achseln. Was könne man schon erwarten. Sie habe einmal mit einem von diesen Investmentbankern über Kunstmachen diskutiert. An der Akademie hatte man versucht, junge Künstler und Künstlerinnen mit Kunstsammlern und Sponsoren zusammen zu bringen. Der Banker hatte ihr geraten, eine Aktiengesellschaft zu gründen und sich selbst ihre Kunstwerke zu verkaufen und damit die Steuer zu umgehen. &#8220;Go with the flow.&#8221; hatte er gesagt. &#8220;Don’t fight the system.&#8221; Jetzt im Rahmen dieser BAWAG Skandale hatte sie das Bild von diesem Banker immer wieder gesehen. Es war dieser Flöttl gewesen. Der, der das ganze Gewerkschaftsgeld verzockt hatte. Der hatte ihr diesen Ratschlag gegeben, der noch dazu gar nicht funktionieren konnte. Was sollte man von einer Welt erwarten, die von solchen Personen beherrscht wurde. Und ob er glaube, daß sich eine Bewegung finden könnte, die wieder eine soziale Berechtigung formuliere und nicht nur eine wirtschaftliche. Wie es in Österreich eingetreten war. Unter diesen katholischen Altachtundsechzigern, die die Träume ihrer klerikofaschistischen Großväter erfüllten. Und wie das für Deutschland zu erwarten wäre. Ob da auch die Politik nur noch die Globalisierung nach unten vermittle. Der Mann schaute vor sich hin. Für ihn als Soziologen wäre das alles natürlich sehr interessant. Er habe aber sein Motorrad draußen und er könne sie dahin bringen, wohin sie wolle.</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge elf.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:49:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nadine hatte lange mit dem schlechten Gewissen zu kämpfen gehabt. Jedesmal wenn sie zu Goldener&#8217;s ging, fürchtete sie, daß ihr jemand entgegen kommen würde und sie zu einem Verhör mitnehmen wollte. Sie hatte mit den fürcherlichsten Vorstellungen zu kämpfen, was das Glaubersalz mit den rechten Politikern angestellt hatte. Barbara hatte ihr geSMSt, daß analretentive Leute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Nadine hatte lange mit dem schlechten Gewissen zu kämpfen gehabt. Jedesmal wenn sie zu Goldener&#8217;s ging, fürchtete sie, daß ihr jemand entgegen kommen würde und sie zu einem Verhör mitnehmen wollte.</span></p>
<p><span class="textblock">Sie hatte mit den fürcherlichsten Vorstellungen zu kämpfen, was das Glaubersalz mit den rechten Politikern angestellt hatte. Barbara hatte ihr geSMSt, daß analretentive Leute solche Hilfen benötigten und daß sie das als ein konzeptuelles Kunstprojekt betrachten müsse. Das hatte Nadine kurz beruhigt. Dann aber hatte sie Angst bekommen, weil sie das alles so unverhüllt geSMSt hatte. Wenn man sie belangen wollte, dann mußten nur ihr SMS Speicher durchwühlt werden.</span></p>
<p><span class="textblock">Auf dem Weg zu Goldener&#8217;s hatte sie dann den Sohn vom Sektionschef getroffen. Sie waren einander auf der Stiege begegnet. Der Sohn hielt sie auf. Es täte ihm leid, daß die Bauarbeiten jetzt schon um 6 Uhr jeden Morgen begännen und er sei sicher, daß niemand im Haus schlafen könne. Aber diese Bauarbeiten müßten erledigt sein, bis sein Papa in die Pension ging. &#8220;In die Pension abschwirren&#8221; sagte der Sohn aus der dritten Ehe des Sektionsschefs. Nadine hatte mit der Mama zusammen gerätselt, ob nun alle drei Frauen des Sektionschefs eine Pension bekommen würden, oder ob sie die dann untereinander teilen mußten. Die Tante Pauli hatte auch gemeint, daß der Staat die Vielweiberei dieser Männergeneration aktiv unterstützen würde.</span></p>
<p><span class="textblock">Der Sohn vom Sektionschef hatte Nadine dann gefragt, ob bei ihr noch dieser Ausländer wohne und was sie so mache. Sie hatte ihm von ihren drei Jobs erzählt, damit sie nichts über den Vladi sagen mußte. Der junge Mann hatte ihr zugehört und dann gelächelt. Daß das doch großartig sei, hatte er dann gesagt. Sie habe sich dann doch wenigstens die weitere Arbeit an ihrer Ausbildung gespart. Wenn sie schon keine Chance hätte, ihren Beruf als Ärztin auszuüben, dann sollte sie auch wenigstens nicht die Arbeit haben, diesen Beruf vollends zu erlernen. Da wäre es doch gleich viel praktischer, daß sie sich auf ihre neuen Karrieren konzentrieren konnte. Dann war er nach oben gelaufen. Er müsse die Bauaufsicht beaufsichtigen, hatte er gesagt. Bei diesen billigen Ausländern, da könne man nie richtig sicher sein.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine hatte alle Kraft gebraucht, dem Mann nicht mit der Faust in sein lächelndes Gesicht zu schlagen. Sie hatte ihm sagen wollen, daß sie eine so schwierige Ausbildung nicht begonnen hatte, um sie dann nicht beenden zu dürfen. Wenigstens war sie ein Paar Tage allein gewesen und hatte in Ruhe vor sich hinheulen können. Der Vater hatte Tabletten genommen und die Mutter war zu ihm ins Landeskrankenhaus gefahren. Der Vater war sehr froh gewesen, daß sie gekommen war. Er hatte wegen einer Steuerprüfung nicht mehr weiter gewußt. Die Mutter hatte aber nicht im Haus übernachten können. Die Irmi hatte alle Schlösser auswechseln lassen und der Vater hatte der Mutter im Krankenbett gesagt, daß er sich jetzt um diese Dinge gar nicht kümmern könne. Die Mutter war dann bei der Tante Pauli geblieben. Da war die Mutter wenigstens in ihrem geliebten Tirol und die Tante Pauli würde ihr schon das richtige raten.</span></p>
<p><span class="textblock">Von Vladi hatte Nadine nichts mehr gehört. Aber der Vladi hatte ihr gesagt, daß er sich aus Sicherheitsgründen nicht melden würde. Wenn er nicht existiere, dann könne er auch nicht deportiert werden. Sie solle jedenfalls nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden. Aber sie solle sich keine Sorgen machen, hatte er gesagt. Nadine machte sich nur Sorgen. Nadine schleppte sich zu Goldener&#8217;s. Sie hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil doch andere Personen diese Berufe auch ausübten. Sie wollte die Frauen im Nagelstudio oder die Serviererinnen im Goldener&#8217;s nicht diffamieren. Sie bemühte sich, nie zu sagen, daß sie das nur als Überbrückung mache. Aber den Psychiatrieposten in der Strafanstalt hatte sie wieder nicht bekommen und sie hatte langsam das Gefühl, daß sie sich für ihre Ziele genieren mußte und daß es nur noch eine Frage der Zeit war, bis sie ihre Absichten selber aufgab und sich in ihr jetziges Leben zurückfallen ließ. Nadine wußte nicht, wie lange sie noch warten konnte und sie war unglücklich jetzt allein in der Wohnung zu sein und sich ihren Schmerzen so hingeben zu können.</span></p>
<p><span class="textblock">Bei Goldener&#8217;s stand Nadine hinter der Bar und schenkte chilenischen Chardonnay ein. Sie dachte, daß sie es nun nicht einmal mehr genießen konnte, wenn irgendetwas stimmte. Während die Wohnung so überfüllt gewesen war, hatte sie sich nach Ruhe gesehnt, aber die Ruhe jetzt bedeutete nur, daß der Vladi flüchten hatte müssen und daß die Mutter weiter nicht zu ihrem Recht gekommen war.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine SMSte an Barbara, daß sie dringend kommen solle. Der ältere von den rechten Politikern wäre gerade wieder in die Bar gekommen und sie habe das Glaubersalz noch immer nicht aus der Tasche getan. Der Mann kam lächelnd an die Bar. Sie wisse doch sicher noch, was er wolle. Sie sei doch eine von diesen intelligenten jungen Frauen, die sich so etwas merkten. Nadine begann ein &#8220;Rüscherl rot&#8221; zu mischen. War das eine Aufforderung gewesen, die Mischung vom letzten Mal zu wiederholen?</span></p>
<p><span class="textblock"> Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge zehn.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:49:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Barbara hatte gleich wieder aus dem Haus hinaus laufen wollen. Sie gingen nach links in eine Stube, in der eine Eckbank und ein großer Tisch gerade Platz hatten. Ein Fernsehapparat war an der Wand hoch oben befestigt. Wie in einem von diesen kleinen Hotelzimmern. Ein Regal mit Büchern rund um die kleinen Fenster auf den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Barbara hatte gleich wieder aus dem Haus hinaus laufen wollen. Sie gingen nach links in eine Stube, in der eine Eckbank und ein großer Tisch gerade Platz hatten. Ein Fernsehapparat war an der Wand hoch oben befestigt.</span></p>
<p><span class="textblock">Wie in einem von diesen kleinen Hotelzimmern. Ein Regal mit Büchern rund um die kleinen Fenster auf den Weg zum Gartentor durch den Gemüsegarten. Eine Flinte gegen den Türrahmen gelehnt.</span></p>
<p><span class="textblock">Aber es war nicht die Enge. Es war der Geruch. Die Frau hieß Barbara, sich an den Tisch zu setzen. Und ob Barbara auch einen Kaffee haben wolle. Die Frau ging aus dem Zimmer. Barbara setzte sich auf die Eckbank und überlegte. Es roch nach Spital. Nach Lysol und Urin. Aber es war noch etwas Süßes in diesem Geruch. Barbara atmete durch den Mund. Sie wollte gerade aufstehen, die Bücher genauer anzusehen, da kam die Frau mit Kaffee und Keksen. Wie Barbara denn nun hierhergeraten wäre und wie es komme, daß sie auf der Straße dahergekommen wäre, die aus den Feldern käme. Da, wo Barbara hergekommen wäre. Da wäre ja nichts. Und Barbaras Hose hätte diesen langen Riß. Barbara solle doch erzählen, was das alles bedeute.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara schaute in den Kaffee. Was konnte sie dieser Frau erzählen. Daß sie mit einem Arschloch mitgefahren war, weil ihr ein anderes Arschloch den versprochenen Job ohne Angaben von Gründen abgesagt hatte. Daß sie eine Künstlerin war, die von allen Seiten ohnehin nur hörte, daß sie es ja nur durchstehen mußte. Daß das so war. Daß das für alle so war. Man ertrug und betrug und arbeitete sich nach oben und dann war man oben und dann konnte man sagen, daß das Leben eben so sei. Barbara sah sich um. „Ja.“ sagte die Frau. Sie hätte sich ihr Leben auch anders vorgestellt. Sie lehnte sich zurück und schaute auf die Decke hinauf. Sie hatte gedacht, daß es genügen würde, zu arbeiten. Hart zu arbeiten. Und was Barbara zum Papst sage. Barbara schaute die Frau fragend an. Sie wüßte nicht, was sie meine. Ob Barbara denn nicht gehört habe, was der Papst zum Islam gesagt habe. Und für sie, sagte die Frau. Für sie sei das alles noch einmal doppelt so schwierig. Sie sei ja nun eine Deutsche geworden. Aber daß ihr die Katholiken bis in den Ruhrpott nachschleichen würden. Das war nicht zu erwarten gewesen. Und irgendwie wäre es ja auch nicht erstaunlich, daß ein deutscher Katholik so genau wüßte, warum der Islam abzulehnen sei. Ein bayrischer.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara konnte nur nicken. Der österreichische Kardinal würde das nie so gerade heraus sagen. Da könnte man sicher sein. Meinen müßte er es aber genauso. Die Frau schüttelte den Kopf. Da wäre sie nun aus diesem Dorf in der Steiermark geflüchtet. Da hätten die älteren Frauen sich die jungen Kapläne aufgeteilt. Da wären die Frauen beim Paramentensticken gesessen und hätten nur über die Kapläne geredet und welche ihn wie. Und den Kaplänen. Die hätten sich da so durchtreiben lassen und wenn es ein Kind gegeben hatte, dann waren sie versetzt worden. Sie wäre froh gewesen, wie sie da draußen gewesen war. Und jetzt hätte man wieder diese katholische Geschichte am Hals.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara fragte, ob der Tisch und die Bank noch aus der Steiermark wären. Die Frau nickte. Barbaras handy piepste. Sie solle nur nach ihrer SMS schauen, sagte die Frau. Sie müsse ohnehin nach dem Vater sehen. Die Frau ging aus dem Zimmer und Barbara hörte sie über sich auf und ab gehen und mit jemandem sprechen.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine hatte gesimmst, daß sie einem von diesen rechten Politikern beim Servieren ein Abführmittel in den Drink gegeben hätte und daß sie jetzt ein schlechtes Gewissen habe. Aber dann auch wieder nicht. Und daß ihr das Sorgen mache. Das fehlende schlechte Gewissen. Aber es sei ja nun deren Schuld, daß der Vladi weggegangen war. Und sie sei zu erschöpft mit ihren drei Jobs, sich sehr zu grämen. Aber sie habe doch sehr abgenommen und manchmal dächte sie, sie wüßte nun genauer, wie sich ein burn out Syndrom anfühle. Und überhaupt könne man in Österreich nur in einer schlammigen Depression versinken. In den Medien würde nur darüber gestritten, ob diese Natascha Kampusch nun ein Opfer war oder doch eine Schwindlerin. Und im Grund waren alle dieser jungen Frau die öffentliche Aufmerksamkeit neidig. Und ob Barbara sich an die Wirtin vom Goldenen Reichsapfel erinnern könne. Die, die sich immer aufgeregt hatte, daß immer nur über die Holocaustopfer gesprochen worden war, wo doch bei ihnen auch das Dach gebrannt hatte. Von einer Bombe. Und Nadine mußte aufhören. Sie mußte sparen. Den Posten für Psychiatrie in der Sonderstrafanstalt hatte die Tochter von einem Magistratsbeamten bekommen. Nadine mußte ihre ärztlichen Fähigkeiten erst einmal weiterhin auf ihre Kundinnen im Nagelstudio anwenden.</span></p>
<p><span class="textblock">Barbara hörte von oben ein heftiges Poltern und einen Aufschrei. Barbara saß da und überlegte, ob sie ihre Hilfe anbieten sollte oder davon laufen. Ein Mann kam in die Stube. Wer sie sei und was sie da wolle, fragte er barsch.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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		<title>So ist das Leben &#8211; Folge neun.</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2006 17:49:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wahlkampfroman 2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Nadine hatte am Vormittag im Nagelstudio dem Mann einer ÖVP Ministerin die Maniküre machen müssen. Der Mann war eigentlich ein Kunde von Kim. Aber Kim war nicht zur Arbeit gekommen und sie hatten sich ihre Termine untereinander aufgeteilt. Das machten sie immer so, wenn eine nicht konnte. Die Besitzerin von &#8220;House of Nails&#8221; hatte 8 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Nadine hatte am Vormittag im Nagelstudio dem Mann einer ÖVP Ministerin die Maniküre machen müssen. Der Mann war eigentlich ein Kunde von Kim.</span></p>
<p><span class="textblock">Aber Kim war nicht zur Arbeit gekommen und sie hatten sich ihre Termine untereinander aufgeteilt. Das machten sie immer so, wenn eine nicht konnte. Die Besitzerin von &#8220;House of Nails&#8221; hatte 8 Filialen zu betreuen und erfuhr nie, wenn eine einmal ausgefallen war.</span></p>
<p><span class="textblock">Der Mann hatte ihr gesagt, daß sie ihm schon immer aufgefallen wäre und daß er immer schon wissen wollte, warum sie hier arbeite. Die kleinen Asiatinnen hätten doch ein Monopol auf diese Arbeit, meinte er und wie sie es angestellt habe, in dieses Monopol einzubrechen. Dann hatte er gelacht und gesagt, daß er eigentlich gar nichts wissen wolle. Denn ihm gehe es so hervorragend. Für ihn könnte immer Wahlkampf bleiben. Seine Frau wäre nur noch in diesem Wahlkampf unterwegs und er könne jeden dieser schönen Spätsommerabende mit seinen Jagdkumpels auf der Terrasse sitzen oder ins Revier fahren. Er könne ihr gar nicht schildern, was er für ein tolles Leben führe. Aber er habe es eben auch gut gemacht. Mit den Beziehungen seiner Frau habe er die wirklich guten Jagdpachtverträge mit den Bundesforsten abschließen können und Geldsorgen konnte es auch nie wieder geben. Mit so einer Politikerpension. Damit hätte man die Grundlage und irgendetwas könne er immer dazuverdienen. Irgend so einen Versicherungsvertrag. Der gelänge dann am Abend auf der Jagdhütte auch noch. Und er könne nicht verstehen, daß nicht alle Leute das Leben so sähen wie er. Er sagte &#8220;Küß die Hand&#8221; zu Nadine und vergaß auf das Trinkgeld. Kim hätte ihn daran erinnert.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine hatte dann einen Termin mit Dr. Dorfer gehabt. Die Frau hatte ihr aber nicht genau sagen können, ob die Kollegin in der Karenz bleiben wollte oder doch zurückkommen wollte. Sie hatte Nadine dann den Posten fast versprochen. Nadine würde dann in der forensischen Psychiatrie arbeiten. An einer Strafanstalt für Sexualtäter. Nadine hatte Internistin werden wollen. Allgemeinmedizinerin. Sie durfte gar nicht daran denken. Sie kam sich vor wie ein Mündel, das den Vormund gar nicht kannte. Nicht kennen durfte, der aber trotzdem über sie bestimmte. Einen Augenblick hatte sie die Vorstellung, dieser Ministergatte bestimme heimlich über sie und zwänge sie, aus Mangel an Ausbildungsplätzen in dieses Fach zu gehen. Sie hatte kein Interesse an so extremen Konstellationen und sie fühlte sich ausgesetzt. In den Zeitungen stand, daß Österreich in der Frage der Akademikerausbildung gerade noch vor der Türkei am Ende der OECD Staaten lag. Nadine mußte die Zeitung in der U-Bahn gleich wieder weglegen. Wenn sie so etwas las. Oder wenn sie lesen mußte, daß in spätestens 5 Jahren ein Ärztemangel entstanden sein würde. Und wenn sich für sie dann nie etwas änderte. Und wenn sie jetzt ohne besonderes Interesse diese Ausbildung anfangen mußte und keine Wahl mehr treffen konnte.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine wollte den Posten in der Strafanstalt mit Dr. Handtler besprechen. Aber es waren so viele Patienten in der Ordination. Es war keine Zeit und Nadine war fast nur mit Verwaltungskram für die Krankenkassen beschäftigt. Es mußte jedes verschriebene Medikament in mehrere Formulare eingetragen werden. Nadine lernte bei Dr. Handtler hauptsächlich, wie ein Arzt, der viel arbeitete, das gegenüber der Krankenkasse erklären mußte, gegenüber der Ärztekammer verteidigen. Am Ende bekam dann alles ohnehin die Steuer. Er hätte doch Chirurg werden sollen, seufzte Dr. Handtler jeden Abend und daß ein normaler Arzt es gerade nur noch so schaffe. Die Privilegien hätten nur die Bosse in den Kliniken. Und wenn es wenigstens einen fixen Steuersatz gäbe und man nicht am Ende des Jahres draufkommen müßte, daß man zu viel verdient hätte und deshalb weniger für einen übrig bliebe. Wegen des höheren Steuersatzes. Aber sollte er Patienten wegschicken. Nadine bekam bei solchen Sätzen besonders heftige Anfälle von Zukunftsangst und konnte nichts dazu sagen. Sie hatte ja nun nicht einmal irgendwelche Probleme wegen ihres eigentlichen Berufs.</span></p>
<p><span class="textblock">Nadine war es dann in der Nacht bei Goldener’s zu viel. Sie zapfte Bier und schenkte Wein ein. Zwei Männer saßen an der Bar und sprachen so laut, daß sie es hören mußte. Zuerst waren sie total gut drauf und lachten und sprachen davon, daß sie alles schaffen würden. Dann war der größere Mann weinerlich geworden. Sein Wechsel in die Politik. Das wäre ja seine Rettung. Wahrscheinlich. Aber seinen Kampf. Den hätte er nun nicht gewonnen. Er hätte es nun nicht geschafft, die Gefahr der kriminellen Supermarktkassierin zu bannen. Die kriminellen Supermarktkassierinnen könnten weiterhin mit ihren Komplizen die Supermärkte bestehlen und im grund sei man da machtlos. Der Mann bestellte das nächste Glas &#8220;Rüscherl rot&#8221;. Sie müsse das verstehen, beugte er sich Nadine zu. Das wäre das einzige Problem, das er als Billa Chef nicht lösen habe können. Das mit den klauenden Kassierinnen. Die hätten seinen Slogan ja eigentlich pervertiert. Die hätten aus dem &#8220;Ja. Natürlich.&#8221; die Berechtigung abgeleitet, die vollgefüllten Einkaufswagen an der Kassa vorbeiführen zu lassen und die Supermarktkette um Tausende zu betrügen. Um Abertausend. Alle Überwachung habe diesen Schwund nicht kleiner machen können. Nadine dachte an die Frauen an den Supermarktkassen. Wie sie die Waren über die Scanner zogen und wie man sie dann nicht mehr antraf, wenn sie die ersten Bandagen über ihre Handgelenkte oder Ellbogen tragen mußten. Und wieder neue und jüngere Frauen an ihrer Stelle saßen. Nadine mischte jedem der beiden Männer ein Löffelchen Glaubersalz in den Drink. Den Westenthaler hatte sie zuerst gar nicht erkannt. Aber auf den Wahlplakaten lächelte er so starr, als hätte er Verstopfung. Und dem Quereinsteiger aus der Wirtschaft würde eine kleine Abführung auch nicht schaden. Nadine bekam ja ohnehin nichts vom Trinkgeld in der Bar.</span></p>
<p><span class="textblock">Das Glaubersalz hatte sie für die Mutter in der Tasche gehabt. Nadine wollte, daß ihre Mutter sich durchuntersuchen und wenigstens eine Darmspiegelung machen ließ. In der Familie der Mutter waren fast alle an Darmkrebs gestorben. Die Mutter sagte, daß sie nichts machen wolle und daß eine Existenz wie die ihre doch ohnehin besser beendet werden sollte. Für Personen wie sie. Für die gäbe es in diesem Land doch ohnehin keinen Platz. Die Tante Pauli hatte sich angesagt. Nadine freute sich auf sie. Aber von Barbara hatte sie tagelang nichts gehört. Sie machte sich Sorgen. Aber Barbara hatte gesagt, zu den Wahlen nach Wien zurück zu kommen.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Fortsetzung folgt.</span></div>
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