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	<title>Marlene Streeruwitz &#187; Text interdisz.</title>
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	<description>Autorin &#124; Regisseurin &#124; Wien &#124; Berlin &#124; London &#124; New York</description>
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		<title>Verleihung des Peter-Rosegger-Preises des Landes Steiermark &#8211; Dankesworte der Preisträgerin.</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 19:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Online lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Vorlesung/Vortrag]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist Kultur. So schwierig eine theoretische Festlegung des Begriffs wäre. Ganz sicherlich ist das, was wir hier tun, Kultur. Eine unabhängige Jury trifft eine Auswahl aus kulturellen Leistungen. In unserem Fall ist das die Literatur. Die Politik übernimmt die Auswahl der Jury und verleiht dann den Preis, der aus den Steuern der Bevölkerung bezahlt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist Kultur.<br />
So schwierig eine theoretische Festlegung des Begriffs wäre. Ganz sicherlich ist das, was wir hier tun, Kultur. Eine unabhängige Jury trifft eine Auswahl aus kulturellen Leistungen. In unserem Fall ist das die Literatur. Die Politik übernimmt die Auswahl der Jury und verleiht dann den Preis, der aus den Steuern der Bevölkerung bezahlt wird. Die Geschichte von Preisen ist durch die Preisgeschichten von Thomas Bernhard wieder ins Gerede gekommen. Die Geschichte von Preisen in Österreich ist eine höchst politische Geschichte. An ihr lassen sich Aufgeschlossenheit und Enge des Kulturellen ablesen. Viele Reaktionen auf viele Preise haben uns die Reagierenden beschrieben.<br />
Wozu brauchen wir Kultur.<br />
Eigentlich müssen wir sagen, wozu wurde diese Kultur gebraucht. Ein Preis in dieser Form ist schon die Erinnerung an eine Kultur, die längst zu Ende ist. Ein Preis in dieser Form ist ein Ergebnis des Ringens um die Wahrheit. In der launischen und mittlerweile folkloristischen Rezeption der bernhardschen Preisgeschichten wird gerne vergessen, daß es um die Frage ging, wer wie vergangenheitsbelastet Preise von wem zugesprochen bekam. Es war die Frage, welche Interpretation der Geschichte die gesellschaftliche Erzählung bestreiten durfte. Erst in den 70er Jahren begann die kritische Wegbewegung und es wurde nicht mehr ganz einfach selbstverständlich, daß Autoren &#8211; es waren doch immer Männer und eine Gertrud Fussenegger &#8211; im Austrofaschismus ausgezeichnet wurden. Dann im Nationalsozialismus. Und dann in  der Zweiten Republik. Die kritische Diskussion und die Widerstände in den 70er Jahren führten zu den unabhängigen Jurys, die der offiziellen Kulturpolitik die Entscheidung über die Sprechmacht entziehen sollten. Die österreichische Literatur in ihrer Vielfalt und Qualität beruht auf diesem Rückzug der Politik. Wenn nun auch die Benennung von Preisen nicht verändert wurde, die Form der Vergabe wurde das. Und. Das war eine kulturelle Leistung. Bewegung und Risiko wurden dadurch eine geförderte Qualität der Literatur. Eine Distanz zur Politik war geschaffen worden, die der Literatur die Arbeit abnahm, sich ununterbrochen und unmittelbar mit den Eingriffen von Politik durch eine rein politische Preisvergabe auseinandersetzen zu müssen. Die Spannung zwischen Politik und deren Beobachtung in der literarischen Versprachlichung steht dem Autor und der Autorin zur Verfügung, zwingt sich aber nicht auf.<br />
Seit dem Jahr 2000 ist diese Spannung zwischen Politik und Literatur neu verdichtet. Die Politik benutzt die neoliberale Globalisierung, die Rahmenbedingungen von Kunstschaffen in Österreich ganz allgemein so zu verändern, daß die Kunstschaffenden selber zu Selbstfürsorge und Selbstvorsorge  gezwungen, ihre Arbeitsweise verändern mußten. Das bedeutet, daß die Personen selber verändert wurden. Das wiederum wird bedeuten, daß die Kunst verändert werden wird. Nun muß die Kunst, sonst wäre sie es nicht, auf die allgemeinen Veränderungen reagieren. Dadurch, daß die reagieren Sollenden selbst sich an die Verhältnisse anpassen müssen, um überhaupt überleben zu können, entsteht eine Überlagerung der Ansprüche, die zu einer Verminderung führen muß. Das aber wiederum bedeutet, daß die Gesellschaft nicht mehr erfahren kann, was ihr Jetzt bestimmt. Die Wahrheit der Gegenwart bleibt ungehoben.<br />
Am Ende einer Kultur. Und wir sind am Ende einer Kultur. Am Ende einer Kultur steht eine Gesellschaft vor ungeheuren Aufgaben. Wenn  wir bedenken, daß im September diesen Jahres die Arbeitslosenzahl nur wenig unter der des Jahres 1929 liegen wird. Wenn wir bedenken, daß wir ein Parlament haben, in dem nicht einmal ein Konsens über die Geschichte danach erreichbar ist. Wenn wir zugeben müssen, daß wir keine gesellschaftsstiftenden Sinneinheiten entwickeln konnten und uns zufriedengeben müssen, daß keine gesellschaftsaufhebenden Sinneinheiten offen dominant sein dürfen. Es ist zu sehen, daß wir eine Parallelzeit erleben zu damals. Es wird zu sehen sein, ob wir die Prüfung bestehen können und einen anderen Weg gehen können als damals. Eine Hilfe in Zeiten nach dem Ende einer Kultur ist die Erinnerung. Es ist die Frage zu stellen, wie das war, als es die Kultur noch gab. Die Erinnerung wird dann zur Grundlinie, von der aus der Neuentwurf versucht werden kann. Ohne eine solche Grundlinie wird das nicht möglich sein. Ein solcher Preis, wie der Peter Rosegger Preis. Daß es so etwas gegeben haben wird, wird eine kleine Möglichkeit schaffen, sich Kultur vorzustellen. Wir müssen mittlerweile eigentlich falsche Sinneinheiten erhalten, um überhaupt eine Erinnerung an Kultur bewahren zu können. Die Literatur. Sie könnte nach dem schwedischen Modell etwa gesichert werden. Da das aber nicht zu erwarten ist, müssen wenigstens die Preise erhalten bleiben.<br />
Wenn wir uns aber nun an die Preise schon jetzt als etwas erinnern, das eine ganz andere Zeit und ganz andere und hohe Absichten beschreibt, in denen die Suche nach der Wahrheit etwas selbstverständlicher genommen wurde, weil die Wirtschaftsbedingungen gerade einmal ganz gut waren . Dann sollten die Preise so lange es irgend geht ernst genommen werden, als eine Rettung dieser Wahrheitssuche. Und dann bitte ich, an die Erinnerung zu denken und wie sie aussehen soll. Die gesellschaftliche Arbeit, die im Rahmen eines solchen Preises geleistet wird, muß in postneoliberalen Zusammenhängen abgegolten werden. Und zwar so, daß die Steuer nicht gleich alles wegfrißt. Spesen können heute nicht mehr selbst getragen werden. Dafür hat seit dem Jahr 2000 eine stete Verwandlung aller Kulturschaffenden in armselige Unternehmer und Unternehmerinnen mit Zwangseinweisung in die Wirtschaftskammer gesorgt. Und wenn einer oder eine eine solche Leistung erbringt, dann sollte nicht erwartet werden, daß die eigene Jause ausgepackt werden soll. Es handelt sich bei der Fahrt zu einer Jurysitzung nach Graz nicht um einen Schulausflug, obwohl die von allen Jurymitgliedern geschilderte Behandlung darauf schließen ließe.<br />
Kultur. Das sind auch die allgemein bekannten Bedingungen. Gastfreundschaft als Grundlage von Kommunikation und Zusammenarbeit gehört da immer noch dazu. Wenn es aber darum ging, Juroren und Jurorinnen dazu zu bringen, sicher nie wieder einer Jury anzugehören, weil das dann eine negative Erfahrung ist und die postneoliberale Person negative Erfahrungen allein zu bearbeiten hat. Dann wäre das ein Handeln gegen jene Kultur, an die wir uns erinnern müssen. Es gibt ja keine andere. Zensur hat viele Erscheinungsweisen und ist in den letzten 10 Jahren sehr persönlich geworden. Wenn das so gemeint war, dann nehme ich diesen Preis als Letzte einer kritischen Tradition. Kultur kann doch zum Gesellschaftlichen nur beitragen, wenn der Widerspruch abgelöst wird und darin im Wert anerkannt wird. Auch ganz praktisch. Und mit Geld. Vielen Dank.</p>
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		<title>Das Geschlecht der Krise</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 13:13:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[von der Redaktion Der Spiegel in Auftrag gegeben und bezahlt aber nicht erschienen. Das Geschlecht der Krise. Unlängst in London. Bradford &#38; Bingley war noch gar nicht verstaatlicht. Der entlassene junge Banker schaut in sein Bierglas. Er habe es nicht verdient, entlassen zu werden. Da hätte es viel Schlimmere gegeben als ihn. Sein noch nicht [...]]]></description>
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<p><!--[if gte mso 10]><br />
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<p><!--[endif]--><span style="font-size: 12pt; font-family: Arial;">von der Redaktion Der Spiegel in Auftrag gegeben und bezahlt aber nicht erschienen.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt; font-family: Arial;">Das Geschlecht der Krise.</span></p>
<p>Unlängst in London. Bradford &amp; Bingley war noch gar nicht verstaatlicht. Der entlassene junge Banker schaut in sein Bierglas. Er habe es nicht verdient, entlassen zu werden. Da hätte es viel Schlimmere gegeben als ihn. Sein noch nicht entlassener Kollege hebt seinen Whisky. Er sei eben der girlie type, sagt er zum Entlassenen. Da bräuchte er sich nicht zu wundern. Die kämen immer als erste dran. Er sagt das freundlich grinsend. Er muß nicht einmal mehr Verachtung aufwenden. Die Sache ist ja erledigt.<br />
Erledigt war die Sache über das Geschlecht. Company Culture. Das war eine über Aufnahmverfahren und Unternehmenskultur sorgfältig gepflegte Hegemonie eines Männlichen der alten Eliten. Familie, Schule und soziales Umfeld. Da mußte man nur einen „objektiven&#8221; Selektionsprozess behaupten und die richtigen Männer konnten unter sich bleiben. Es wurden ja auch die nicht richtigen Männer ausdifferenziert. So „objektiv&#8221; lief das ab.<br />
Diese Unternehmenskultur war ein Teil der Deregulierung. Das wurde als Freiheit des Unternehmens gesehen. Genau betrachtet, waren das Entstaatlichungen, die alle Bemühungen  der Gleichstellung der Geschlechter außer Kraft setzten. Inseln ungehemmter Dominanz der alten Eliten, die wiederum stilbildend über die Medien auf die Gesellschaft zurückwirkten. Wer führte welche Gruppe wohin und eroberte welches Unternehmensterritorium. Wer konnte sich dann was leisten und wie paßte die jeweilige Frau des mächtigen Mannes zur Mode. Darin war London wiederum Vorbild für die kontinentale Bankenwelt. In Wien standen im BAWAG-Prozess um die verzockten 330 Millionen Euro nur Männer vor Gericht, die die richtigen Schuhe und diese gewissen Sakkos mit dem netten Knick in der Taille trugen, an dem man sehen kann, daß es sich um Maßarbeit handelt. Die Liebe zur Uniform ist dem Offizier teuer. Und schon bei diesem &#8211; mittlerweile herzig erscheinenden Skandal &#8211; mußte der Staat herhalten und die Beutespielerei einer inkompetenten Seilschaft den Steuerzahler bezahlen lassen.<br />
Der vielzitierte Steuerzahler ist ja auch die Steuerzahlerin. Geschlecht mag ein Hindernis bei Einstieg und Aufstieg sein. Bei den Abgaben ist die Gleichwertigkeit unbestritten. Die nichtgeförderten und ohnehin weiterhin deutlich weniger verdienenden Frauen sind also nun Mitbesitzerinnen der verstaatlichten Bankkalamitäten. Und weil Frauen schon bisher deutlich weniger verdienten, werden sie von den Kollateralschäden gleich auch noch deutlicher betroffen sein.<br />
Während Macht und Geld hermetisch elitärer Männlichkeit vorbehalten blieb, war westliche Armut den alleinerziehenden Müttern und Migranten und Migrantinnen zugeordnet. Die alleinerziehenden Mütter und ihre Kinder werden in einer Wirtschaftsdepression noch weniger Chancen haben. Die nichtgeförderten Frauen werden in ihren Dienstleistungsberufen keine Stellen finden, weil sich niemand mehr so etwas leisten können wird. Die besonders hart betroffenen hoch ausgebildeten Akademikerinnen, die jetzt schon 30 % weniger als ihre Kollegen verdienen, werden ihre halben Stellen eingespart sehen müssen. Der Rest der Frauen wird in die Küche geschickt werden. Und wer da nicht hin will, weil kein Mann zu bekochen ist, die hat sich halt verrechnet. Wie sich überhaupt jede Person verrechnet hat, die einen demokratischen Lebensweg eingeschlagen hat.<br />
Die Wirtschaftsfachleute möchten das so gerne differenziert ausgedrückt sehen. „Objektiv&#8221; sollte das ganze Krisengeschehen gesehen werden und keine raschen Schlüsse daraus. Das wäre falsch, ist da zu hören. Aber. Die hier verlangte „Objektivität&#8221; ist ganz dieselbe, wie sie schon bei den Einstellungskriterien der Investmentbanker der Londoner City zum Einsatz kam. Dieselbe „Objektivität&#8221;, die die hegemoniale Männergruppe immer neu rekonstruieren half. Eine solche „Objektivität&#8221; war schon immer Grundlage der Aufnahmekriterien in Kader gewesen. In London hat sich das mit Konventionen viktorianischer Geschlechtersegregation und anaristokratisierten Attitüden faconniert. Beim Militär wird eine solche „Objektivität&#8221; nur noch mit körperlicher Qualifikation ergänzt. Und. Die Frauen dürfen heute überall mitmachen, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, die dann einfach einer „objektiven&#8221; Beurteilung unterzogen werden müssen.<br />
Da nun das, was wir mit den Fachleuten Krise nennen sollen und was sich wie eine Niederlage nach einem Krieg anfühlt. Da nun dieser Zustand eines mutwillig Vertanen offenkundig unsere Realität ist und uns nichts anderes übrig bleiben wird, als &#8211; wie schon immer &#8211; die Suppe der Eliten wegzuschütten. Könnte dieser Augenblick dann nicht wenigstens dazu benutzt werden, diese fatale Geschlechterfrage zu klären. Es stellt sich doch gerade in aller Deutlichkeit heraus, daß Macht sich über Geschlecht definiert. Das könnte man oder frau schon lange wissen. Aber. Die „Objektivität&#8221; hatte sich mit einem nett passiven Wohlbefinden gepaart und es schien sich alles irgendwie auszugehen. Das tut es jetzt nicht mehr. Das wiederum heißt, daß wir, nicht an der durch diese „Objektivität&#8221; hergestellten Macht beteiligten Geschlechter, uns nicht mehr mit dieser Herumrederei über Gleichberechtigtheit begnügen dürfen. Der Kampf um die Definition, wie Macht und Geschlecht zusammenhängen. Dieser Kampf darf sich nicht mehr mit ein paar Ikonen zugelassener Machtlosigkeit begnügen, die in den Medien dann ohnehin nur über sich selbst sprechen.<br />
Aber. Im grund haben wir alle in Bezug auf das Geschlecht das getan, was jeder Investmentbanker beim Eintritt in ein Unternehmen unterschrieb. Unterschreiben mußte. Diese Personen unterschrieben, daß sie auf alle arbeitsrechtlichen Ansprüche verzichten. Daß sie jederzeit gekündigt werden können. Daß sie keinen Schutz im Fall einer Krankheit in Anspruch nehmen können. Sie haben unterschrieben, daß sie immer funktionieren werden. Genauso, wie wir Tag für Tag als Geschlechtspersonen funktionieren und keinen Schutz durchsetzten. Keines der anderen Geschlechter als diese „objektiv&#8221; hergestellte dominante Männlichkeit hat auf seinen Rechten bestanden.<br />
So haben wir etwa als friedfertige Frauen uns bemüht, dem Geschlechterargument aus dem Weg zu gehen, um in Ruhe arbeiten zu können. So haben wir nicht laut genug gesagt, daß die „Objektivität&#8221; eine Konstruktion ist, die das Geschlecht der Macht herstellt. Es wäre anders auch wirkungslos gewesen. Die Hegemonien waren in den letzten 10 Jahren zu gefestigt, als daß der öffentliche Kampf überhaupt zugelassen worden wäre. Jetzt aber. Jetzt wo wir alle, die nicht an dieser Hegemonie teilhatten, Trümmerfrauen sind. Männer wie Frauen. Jetzt sollte die Diskussion neu begonnen werden. Das Geschlecht der Machtlosigkeit wird zu teuer ein Verzicht.</p>
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		<title>Geschlechtsneutrales schreiben.</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Sep 2008 16:10:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Selbst dem Selbst verbergen DER STANDARD, Print, 6./7.9. 2008 Geschlechtsneutral. Das ist ein Wort, das klingt nach Wissenschaftlichkeit. Nach Vernunft. Und nach Entkommen in etwas Höheres. Geschlechtsneutral. Das scheint einen Ort zu beschreiben, an dem es diese &#8220;Probleme&#8221; mit dem Geschlecht nicht geben muß, die in einer christlich grundierten Kultur ja doch für alles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Selbst dem Selbst verbergen</h3>
<p>DER STANDARD, Print, 6./7.9. 2008</p>
<p>Geschlechtsneutral. Das ist ein Wort, das klingt nach Wissenschaftlichkeit. Nach Vernunft. Und nach Entkommen in etwas Höheres. Geschlechtsneutral. Das scheint einen Ort zu beschreiben, an dem es diese &#8220;Probleme&#8221; mit dem Geschlecht nicht geben muß, die in einer christlich grundierten Kultur ja doch für alles Chaos stehen. Geschlechtsneutral. Da eröffnet sich anscheinend die Möglichkeit, den Beschränkungen einer, immer noch aus der Spätromantik hergeleiteten Hegemonie eines postnationalistisch Männlichen zu entkommen. Wenigstens im Geschlechtsneutralen erscheinen die überkommenen Vorherrschaften überwindbar. Geschlechtsneutralität. Dahin kann scheinbar aufgestiegen und abgestiegen werden. Die Aufgabe des Geschlechts wird dann traditionellerweise für Frauen als Aufstieg interpretierbar. Männer können ins Geschlechtsneutrale ausweichen und sich so die ödipale Geste ersparen. Geschlechtsneutral. Das wirkt entlastend. Das enthebt auch das Lesen auf eine Ebene, in der vom eigenen Geschlecht noch einmal abgesehen werden kann. Das Vortäuschen eines Goldenen Zeitalters kann im Geschlechtsneutralen oberflächlich gelingen. Well written literature. Das ist der Wunschtraum des abgestiegenen deutschsprachigen Feuilletons. An den Preisträgerinnen der vergangenen Jahre wurden auch im deutschen Sprachraum die anlakonisierte Stilistik der well written literature zum Ideal erkoren. Dabei wurde und wird verschwiegen, daß US-amerikanische Literatur, aus der dieses Ideal importiert wird. Daß US-amerikanische Literatur ein anderes Geschlecht hat. US-amerikanische Literatur ist nationalistisch. Geschlechtsneutralität im nationalistisch Selbstverständlichen dieses Imports ist nur die Preisgabe des Geschlechts ans Nationalistische. So, wie das im 19. Jahrhundert gewesen war. Die Nation kommt vor allem anderen. In dieser Haltung wurden die Literatursprachen erobert. Die deutsche Literatur versammelt männliches Bewußtsein im Nationalen, das alle anderen Geschlechter überschießt. Der Bürger wird erzählt und erzählt sich in der einen möglichen Sprache. Das Geschlecht des Kanon dieser Literatur ist national und darin männlich. Diese Männlichkeit ist so selbstverständlich die Grundlage dieses Sprechens und Schreibens, daß sie das Sprechen und Schreiben selbst wird. Ein anderes Geschlecht als das nationale &#8211; und damit ein Männliches &#8211; ist nicht vorstellbar. Die Einordnung in dieses Sprechen und Schreiben ist Bedingung des Äußerns. Nichteinordnen. Das bedeutet Schweigen und Verstummen. Andere Geschlechter. Frauen. Schwule. Lesben. Sprachminderheiten. Religionsminderheiten. Behinderte. Arbeitslose. Prekäre. Kinder. Jugendliche. Alte. Unreligiöse. Ungebildete. Also alle, die in Wirklichkeiten leben, die im Kanon dieses Sprechens und Schreibens nicht vorkommen. Die lernen diesen Kanon als eine Fremdsprache, die nichts über sie selber sagt. Sagen kann. Das bedeutet, alle diese anderen leben in einer Fremdsprache. Das geschlechtsneutrale Sprechen und Schreiben, das ja in unserer Kultur als richtiger Ausdruck des Allgemeinen gilt. Das geschlechtsneutrale Sprechen und Schreiben verbirgt alle anderen Geschlechter sich selber. Die Lebenswirklichkeit wird von der Sprachwirklichkeit getrennt und läßt kein wahrhaftiges Sprechen von sich selbst zu.</p>
<p><strong>Alte Mächte</strong></p>
<p>Nun leben wir ja in der Postmoderne. Das Nationalistische ist eine Konstruktion des Nostalgischen geworden, das aber seine Geltung behaupten konnte. Es wurde ja im Jahr 1945 keine neue Sprache eingeführt. Die Geschichtlichkeit des Deutschen. Also alle tief eingelassenen Aufträge an die Sprechenden, die eine Sprache in ihren grammatikalischen Möglichkeiten bereithält. Und erinnern wir uns. Diese Sprache konnte Krieg und Holocaust sprechen. Diese grammatikalischen Möglichkeiten wurden unverändert an uns weitergegeben. Ja. Das Curriculum des Literaturunterrichts wurde verstärkt an das 19. Jahrhundert gebunden, um das 20. vermeiden zu können. Wir sind also literarisch genauso ausgebildet, wie unsere Großväter und Urgroßväter. Die haben in Geschlechtsneutralität geschwelgt, weil es eben aus sprachnationalistischen Hegemonieansprüchen gar keine andere Überlegung gab. Und erinnern wir uns noch weiter, daß die deutsche Sprache im Österreichischen zwar umstritten, aber immer neben dem Deutsch- nationalen auch Ausdruck des Hegemonieanspruchs der Monarchie war. Wir haben neben dem deutschnational heldischen Kanon auch noch die österreichische Sprachhegemonie als Grundlage eines Geschlechtsneutralen. Aristokratie, Monarchie und absolutistischer Anspruch sind ein anderes, mögliches Geschlecht der Sprache, das sich in Geschlechtsneutralität ausdrückt, weil es das männlich Hegemoniale des Feudalen wieder als Selbstverständlichkeit nicht weiter ausdrücken muß.</p>
<p>All das bedeutet, daß Geschlechtsneutralität in der Sprache und im Schreiben immer die Erinnerung an alte Mächte behält, die alte Männlichkeitsvorstellungen bedingen. Das wiederum heißt, daß ein Mann heute seine Lebenswirklichkeit ganz genau so nicht sprechen kann, wie das für alle anderen Geschlechter der Fall ist.</p>
<p>Geschlechtsneutralität ist eines jener Mittel, das die Person von sich selbst und ihrem Leben trennt. Das wiederum bedeutet, daß die Person den heute an sie gestellten Anspruch der Selbstführung mit einer Sprache erledigen muß, in der sich die Person selber nicht kennen kann. Geschlechtsneutrales Schreiben und Sprechen, das aus seiner Entwicklung her immer ein nostalgisch Männliches ist, ist eine politische Verfehlung. Geschlechtsneutrales Schreiben und Sprechen wird zum Tourismus in vorgegebenen Geschichten, ohne die eigene überhaupt benennen zu können. Geschlechtsneutrales Schreiben ist darin dann eine ästhetische Verfehlung. Für jedes Geschlecht. Übrigens. In der Verleugnung ist die Gleichunberechtigung ja erreicht.</p>
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		<title>Konditorei Lehmann. Abgesang auf eine Institution.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2008/07/12/von-macht-und-mieten/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2008 18:08:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Schlagwort hinzufügen]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Macht und Mieten. Die Konditorei Lehmann am Wiener Graben. Die gab es für mich schon immer. Für mich war das ein Ort, an dem ich ein Wienerisch-Sein beigebracht bekam. Am 15. Juli schließt sie für immer. So ist das Leben? Nein, so ist der Markt! Aus: Die Presse Spectrum, 12. Juli 2008 Am 15. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Von Macht und Mieten.</h2>
<p><span class="documentDescription">Die Konditorei Lehmann am Wiener Graben. Die gab es für mich schon immer. Für mich war das ein Ort, an dem ich ein Wienerisch-Sein beigebracht bekam. Am 15. Juli schließt sie für immer. So ist das Leben? Nein, so ist der Markt!</span></p>
<div class="wysiwig-plain">
<p>Aus: Die Presse Spectrum, 12. Juli 2008</p>
<p><span id="more-335"></span>Am 15. Juli wird in Wien die Konditorei Lehmann am Graben schließen. Schließen müssen. Diese Schließung ist ein weiteres Ergebnis einer hausgemachten Globalisierung mit einer Mietrechtsreform, die sich ausschließlich an den Kriterien eines Markts orientiert, der das Konkurrenzprinzip zur Begründung von Monopolen nutzt. Ökonomen zucken zu solchen Fällen mit den Achseln. &#8220;So ist das Leben!&#8221; heißt es dann.</p>
<p>Die korrekte Aussage lautet natürlich &#8220;So ist der Markt!&#8221;. Denn. Der Begriff &#8220;Leben&#8221; kann für Markt als Bedeutung eingesetzt werden. Der umgekehrte Vorgang, das Leben als Markt bezeichnen zu wollen. Dieser Vorgang bedarf der Umwandlung in eine Metapher. Der Sprachgebrauch selber gibt so Auskunft darüber, wie die Wertigkeiten zu denken sind.</p>
<p>Die Sprechmacht, die sich eines Satzes bedienen kann, der da lautet, &#8220;So ist das Leben!&#8221;, die damit aber das eigene Funktionieren meinen darf. Eine solche Macht kann in dieser bedeutungsändernden Operation der Umwandlung eines Begriffs in eine Metapher dem eigenen Begehren Ausdruck verschaffen. Im Sprechen eines solchen Satzes bestätigt und erfrischt sich die Macht jeweils neu. Und. Die Beschreibung erfolgt heute ja nicht mehr in einer Verschleierung der Machtverhältnisse. Im Gegenteil. Der Vorgang der Bedeutungsänderung wird offengelegt und wäre jedem und jeder zur Interpretation zugänglich. Der Verlust an Sinneinheiten bei der Benutzung des Lebens als Metapher für den Markt wird durchaus enthüllt. Um diese Enthüllung aber sehen zu können, müßte jeder und jede nur des Gebrauchs der Grammatik sicher sein. Das aber ist nicht der Fall. Eine Sprachbildung, die nicht die Erfassung der Wörtlichkeit zum Ziel hat, sondern einen Variationenreichtum strategischen Nichtwissens verfolgt. Erkenntnisverhinderung also. Eine solche Sprachbildung kann nur zu einem Sprechen und Denken führen, das sich erkenntnishindernd zwischen die denkende oder sprechenden Person und die zu erfassende Wirklichkeit drängt.</p>
<p>Die Konditorei Lehmann. Die gab es für mich nun schon immer. Das war ein Kleinbetrieb des Konditorenhandwerks, in dem ein ganz spezifischer Stil entwickelt war. Es wäre immer klar gewesen, welche Cremeschnitte vom Lehmann gewesen wäre und welche vom Heiner, vom Demel oder vom Sluka. Eine Erinnerung an den Ringstraßenstil beeinflußte den Stil der Dekoration. Für uns waren die Prager Rollen das Objekt der Begierde. Aus der &#8220;Stadt&#8221; wurden Prager Rollen vom Lehmann mitgebracht. Die wieder konnten mit den Prager Rollen vom Zauner in Bad Ischl verglichen werden. Bis heute blieb  es ein Akt der Aufmerksamkeit und Zuwendung, bei Besuchen Prager Rollen mitzubringen. Die Prager Rollen gehörten zu den Dingen, die sich nicht veränderten und an denen die eigene Zeit abgerechnet werden kann. Wann wie  Prager Rollen übergeben wurden. Die Erinnerungen werden diskutiert und in einer Art Familienforschung in  den Zeitabschnitten ihrer Geschichtlichkeit zugewiesen. Das war damals, da haben wir meinen Teddybären fast im Park vergessen. Und das dann damals. Da haben wir gerade begonnen, als Gruftis in der Innenstadt herumzulungern. Nein. Es ist zu peinlich. Und. Immer war die winzige Kontinuität der Prager Rollen aus der Konditorei Lehmann zur Hand gegen den Fluß der Zeit gehalten zu werden und in ihrer Unveränderbarkeit das Kontingente in Schach zu halten. So ist Erinnerung. So kann das Leben sein.</p>
<p>Natürlich können wir uns weiterhin an die Konditorei Lehmann erinnern. Wir können allerdings diese Erinnerung nicht mehr verorten. Der verschwundene Ort bedarf einer anderen Anstrengung des Erinnerns. Wir werden das Verschwinden durcharbeiten müssen. Wir werden den Satz &#8220;So ist der Markt!&#8221; untersuchen müssen. Wir werden unsere Rolle in diesem Zusammenhang überlegen müssen. Mit dem Verlust eines solchen Orts wird eine Trauer einhergehen. Eine Trauer, die sehr uns selber meinen wird. Und wenn wir es nicht schaffen, diese Trauer sprachlich zu heben. Eine solche Trauer über Verluste dieser Art. Eine solche Trauer wandelt sich unversprachlicht in Aggression. Je nach Person wird diese Aggression in Depression gegen sich selbst oder in alle möglichen Vorwürfe nach außen gerichtet. Rassismus kann ein schönes Depot für solch ungerichtete Aggressionen sein. Hingabe an die Notwendigkeit kann affirmierend, die affirmierende Person vor den Ängsten schützen, die aus den aggressiven Impulsen aufsteigen.</p>
<p>Es wird also selbst für einen nicht wirklich weltbewegenden Vorgang, wie es der Verlust der Erzeugung von Prager Rollen sicherlich ist, notwendig werden, erkennen zu wollen, welche Bedeutung diesem Vorgang im Rahmen des eigenen Lebens zukommt. Ja. Gerade die offenkundige Unbedeutendheit eines solchen Vorgangs verlangt nach Deutung. Geht es doch um den Nachweis, daß das Leben nicht wie der Markt funktioniert. Es geht um die Erhaltung eines Persönlichen, das, wäre der Markt das Leben, keinen Platz mehr hätte und ausgetrieben werden müßte, um das marktgerechte Funktionieren nicht durch sentimentale persönliche Erinnerungen zu behindern. Es geht also um die Frage von Erkenntnis und wie diese in die – vom Markt verlangte – Selbstführung eingreift.</p>
<p>Wird Erkenntnis zugelassen, um der Person in der Selbstführung Entscheidung zu ermöglichen. Oder. Wird Erkenntnis durch hegemoniale Sprechmächte verhindert, um über die Selbstführung die Person einzugliedern. Und. Diese Eingliederung erfolgt ganz im Stil des Nationalstaats des Endes des 19. Jahrhunderts. Die Person wird sich selbst zur Ordnungsmacht und vollzieht den Arbeitszwang und Triebverzicht an sich selbst. Ohne Erkenntnisbegehren wird der Person das klaglos gelingen. Aber. Alle Fragen, die sich aus der Endlichkeit des Lebens ergeben, werden unbeantwortet oder fremdbeantwortet bleiben. Mit den Folgen der Abspaltung, die das 20. Jahrhundert beschreiben kann.</p>
<p>Nun war es bisher ja schon nicht so weit mit dem Erkenntnisbegehren. Es geht ja in einem Bildungsweg weiterhin um die Überwindung der jeweils kulturell vermittelten Erkenntnisverhinderung. Das ist ein Vorgang, der in die jeweilige Kultur eingelassen, den Blick auf sich selbst verhindert. Das Ziel dieser Verhinderung wiederum erschließt sich aus der Kultur selber. Ziele, die nicht aus dieser Kultur stammen, müssen sich immer dieser spezifisch verhindernden Sprechweisen bedienen, um ihr Ziel durchsetzen zu können.</p>
<p>Vorigen Mittwoch. Ein Freund kommt aus Frankfurt nach Wien. Beim Abendessen erzählt er von seinem Sitznachbarn im flugzueg. Auch einem Deutschen. Der käme nach Wien geflogen, um dem Herrn Gusenbauer gute Ratschläge zu geben, wie er seine Position verbessern oder festigen könnte. Es werden also die sagenhaften spin doctors wirklich geholt. Ich dächte ja, daß es professioneller wäre, einen solchen Job nicht im Flugzeug mit Wildfremden zu besprechen und noch dazu die Höhe des Honorars anzudeuten. Aber nichts destotrotz. Dieser Mann wird nur erfolgreich sein können, wenn er unsere spezifisch wienerisch österreichische Erkenntnisverhinderungssprache so einsetzen kann, daß wir selbst das Argument richtig finden müssen. Wenn ich den Katalog der Bildzeitung darüber nehme, warum die Ösis Dösis wären, dann hoffe ich, daß der spin doctor aus dem Flug von Frankfurt nach Wien eine gediegen analysierte Person ist, die sich zum Beispiel nationaler Einschlüsse in der Verhinderung des Blicks auf sich selbst entledigen konnte und damit den Blick freibekommen hat, andere ohne Veranderung betrachten zu können. So benutzt bekommt sogar Erkenntnis eine profitsteigernde Funktion. Allerdings muß das Erkenntnisbegehren auf den zu untersuchenden Fall eingegrenzt bleiben.</p>
<p>Alle Formen der Vermittlung von mainstream müssen sich zu ihrem Erfolg dieser Verhinderung einordnen. Populismus ist die klarste Form dieses Verstellens des Zugangs zu einem Blick auf sich selbst. Sexualisierung, wie wir sie in unserer Kultur in so extremer und aggressiver Weise in der Werbung antreffen, übernimmt alle jene Sinneinheiten, die vormals in metaphysischen Versprechen von Religion und anderen Utopien formuliert wurden. Alles Begehren, sich im eigenen Leben begreifen zu können, wird in der durch Bildung gelernten Erkenntnisverhinderung ununterbrochen frustriert. Jedoch. Nie waren die Grenzen sogar unserer Kultur dicht genug, die Erinnerung an dieses Erkenntnisbegehren auszulöschen. In der Sexualisierung des öffentlichen Raums durch die Werbung wird dieser Erinnerung Rechnung getragen. Die Trauer, daß es nun nie dazu kommen wird, sich selbst das eigene Leben erzählen zu können und damit gelebt haben, weil eine Wahrheit in Erinnerung bleiben kann. Diese traurige Wahrheit gilt es zu übertünchen. Wir können gespannt darauf warten, wie der deutsche spin doctor sich dieser spezifisch kulturellen Konstellation anthropologisch invarianter Sinneinheiten bedienen wird. Wird der immer noch etwas zaghafte Populismus des Kanzlers ins Breitere vergrößert werden. Oder wird die Kontur der Männlichkeit der Person des Kanzlers verschärft werden und damit ansexualisiert ein Hinweis auf Führungsqualitäten gegeben. Nun. Wir werden ja sehen, welche Leseanleitungen wir hier um ein beachtliches Honorar vorgelegt bekommen werden. In jedem Fall werden wir den spin doctor über diese Leseanleitungen kennen lernen und herausfinden, ob er unsere Kultur hinreichend studiert hat und uns mit uns selbst übervorteilen kann.</p>
<p>Aber. Lassen Sie uns zurück zur Konditorei Lehmann gehen.Für mich war das ein Ort, an dem ich ein Wienerisch Sein begebracht bekam. Meine Schwiegermutter, die 1904 in Wien geboren worden war, unternahm eine sehr taktvolle Unterweisung der jungen Frau aus der Provinz, indem sie mit mir alle Orte ihrer Geschichte aufsuchte. Der Lehmann war für sie der Ort, an dem man ein kleines Mittagessen nahm. Das Huhn in der Muschel war die Kleinigkeit, die für einen Ausflug in die Innenstadt selbst genehmigt wurde. Das Huhn in der Muschel enthält ein Stückchen Fleisch von jedem Teil des gebratenen Huhns auf französischem Salat. Unter dem schmückenden Salatblättchen oben auf dem kleinen Hühergebirge war ein Tupfen Mayonaise versteckt, der als pikante Abrundung den Genuß noch weiter trieb. Da saßen wir also. Meine Schwiegermutter und ich und aßen mit Vorspeißenbesteck das elegante kleine Mittagessen. Und dann wurde mir eine von diesen Geschichten erzählt, wie das war. Irgendwann im langen Leben dieser Frau. Ironisch vorsichtig und immer alle schonend wurde das erzählt. Vorwurfslos. Die Kontinuität des Ortes eröffnete einen anderen Raum, in dem das Auf Sich Selbst Zurückschauen in einiger Freundlichkeit möglich war. Vorwürfe wurden nur durch ein verächtliches Kräuseln des Munds geäußert und ein Zurücklehnen, an einem Ort, der halbwegs sich selbst noch glich. Der Ort machte die Übergabe dieser Geschichten leichter. Ja. Vielleicht überhaupt möglich. Meine Aufnahme in das Wissen über die vor mir. Vor uns. Sie fand auch da statt. Darin ist dieser Ort für mich nicht verlierbar.</p>
<p>Aber. Was dieses Beispiel zeigt. Wir müssen nicht migrieren, um derartige reale Verluste zu erfahren. Mit einem solchen Beispiel läßt sich beschreiben, wie die Vorgänge durchaus gleich sind und daß es die Versprachlichung ist, die die Zuweisungen unternimmt. Tragisch wird das jedesmal dann, wenn mit den Veränderungen der Verdacht auf Abstieg nicht niederzuringen ist, aber aus diesem Gefühl nicht ein Wissen um die Parallelität der Schicksale ersteht, sondern die Abgrenzung emotional notwendig wird.</p>
<p>Kulturell vermittelte Erkenntnisbehinderung ist der Grund für die doppelte Mühsal der Migration. Wenn die eigene Kultur keine Möglichkeit zugelassen hat, einen Raum zu schaffen, aus dem herauszutreten ein Blick auf sich selber möglich wird. Wenn also die Widersprüche und Strategien der eigenen Kultur nicht bekannt sind. Wie soll die andere Kultur erfahren werden, die nun ihrerseits widersprüchlich und erkenntnisverhindernd auftritt. Das, was gemeinhin Integration genannt wird, meint ja letzten Endes doch nur die endgültige Auslieferung an die neue Kultur, ohne, daß diese Kultur sich selbst beschreiben muß. Ohne, daß ein analytischer Zugang geschaffen wird, der die Unterschiede und Parallelen zu der zu verlassenden Kultur offenlegen würde. Blindes Lernen von Sprachen wird da abverlangt. Das Sprechen wird vom Besprochenen getrennt. Muß getrennt werden. Emotion und Bezeichnetes fallen auseinander. Ein solcher Vorgang führt nicht einmal zu einer annehmbaren Hilfskraftzurichtung. Eine Untersuchung an polnischen Putzfrauen, die in österreichischen Haushalten tätig waren, würde eine entsetzliche Bilanz der Zerstörung dieser Personen zutage bringen. Sie mußten, wie das dann eben der Fall ist, ein magisches Denken auf ihre Situation anwenden. Mit allen Folgen davon.</p>
<p>Erkenntnisbegehren ist in der österreichischen Kultur nicht zugelassen. Antisemitismus und eine indolente Hegemonie einer ganz spezifisch geistfeindlichen Männerkonstruktion lassen ein solches Begehren gar nicht zur Erscheinung kommen. Bildung ist daher hierzulande Ausbildung, bei aktivem Aufrechterhalten des wiederum spezifisch österreichisch wienerischen magischen Denkens des Postnationalen. Wenn nun ein Bildungsbegriff zum Tragen kommen soll, der ein Erkenntnisbegehren heben wollte und darin die erforderliche Kompetenz zur Selbstführung herstellen, dann können wir davon ausgehen, daß Migranten/Migrantinnen und Österreicher/Österreicherinnen von sehr ähnlichen Voraussetzungen ausgehen können. Der Unterschied zu den Migranten/Migrantinnen, der sich durch das Österreichisch Sein herstellt. Dieser Unterschied müßte im Vergleich und Durcharbeiten der anderen Kulturen mit der österreichischen erfolgen und darin die Voraussetzung für Entscheidungen schaffen, wie sich die Personen in der Selbstführung positionieren. Voraussetzung für diese Auseinandersetzung wiederum wäre die Gründung eines Instituts, das sich der Untersuchung des eigenen So Seins widmet. A critical study of Austrianess müßte das sein. Eine Bündelung des intellektuellen Begehrens könnte das sein, diese Kultur zu deuten und in ihren Strukturen erklärbar zu machen. Am Ende ginge es doch nur darum, klar machen zu können, warum der Satz &#8220;So ist das Leben!&#8221; den Angestellten der Konditorei Lehmann gesagt werden kann, ohne daß irgendjemand sich wundert, weil es ja nur der Markt ist, der hier funktioniert. Im grund geht es um eine komplexe Studie des spezifisch österreichischen Einsatzes der Metapher als Medium der Macht und ihrer Internalisierung.</p></div>
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		<title>Reading Beauvoir.</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Mar 2008 17:24:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Transform 2/2008 The young woman, who wants to write an essay on Beauvoir tells me, she would not enjoy reading her. &#8220;It really gets you down,&#8221; she says. She looks at the table and pushes the microphone back and forth. She says this sullenly. A bit defiantly. And hurt. First of all, we have to [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.transform-network.net/en/home/journal-transformeurope/display-journal-transform/browse/2/article/20/Reading-Beauvoir.html">Transform 2/2008</a></p>
<p>The young woman, who wants to write an essay on Beauvoir tells me, she would not enjoy reading her. &#8220;It really gets you down,&#8221; she says. She looks at the table and pushes the microphone back and forth. She says this sullenly. A bit defiantly. And hurt.</p>
<p><span id="more-756"></span>First of all, we have to ask how it is that a text written in 1949 still is able to provoke this level of resistance today. This resistance itself confirms the validity of &#8220;The second Sex&#8221;. It is clear that this text confronts the young woman with truths she does not, or cannot, acknowledge. Otherwise she could have historicized this text and shut it away within itself. She could analyze the text instead of finding herself analyzed by it.</p>
<p>And then again. I have sympathy with the resistance of this young woman. Consider the effort needed to work through and come up with a halfway secure point of view on the complex connections of epochs and cultures brought together in words like &#8220;women&#8221;, &#8220;women&#8217;s movement&#8221; or &#8220;feminism&#8221;. Then a young woman has to do the hard work of registering the historical reality of mysogyny and then she has to learn to relate this to herself. To this is added the problem that truths about women is not part of the obvious curriculum. The truth about the history of women is being transmitted in special spaces. Feminist studies or gender studies. The universality of mysogyny is unbearably condensed into this split between women&#8217;s and general history. The history of one&#8217;s own gender in this condensation then has to be processed as trauma. Resisting this process is all too understandable.</p>
<p>At this point precisely the complexity of the interconnections conditioning the situation itself begins to take effect in a new way. The question is in what environment will a young woman do this work of learning. With what aids. With what ipediments. Is this work accomplished with others or in isolation. The culture in which the young woman lives always has either a strengthening or a weakening effect. The efforts of the young woman have to be measured against that.</p>
<p>And then. This process of working through history on the role of gender. This process should be a mutual effort of all genders. But that is precisely what the young woman cannot count on. It is left up to the women to learn to bear the burden of their history. This is a necessary process. Without a knowledge of this history it is neither possible to imagine a future nor to shape a present. Without historical knowledge there is no supposition of freedom. But the burden is double for women, for they have already had to let themselves be culturally derived in every single definition by the man. No hegemonic religion and hardly any sociology offers a definition of woman per se. Even this young woman has to see herself as the other in order to be able to explain her situation. Added to the derivation from man in the description of woman&#8217;s existence in the present is the historical derivation as victim. So the attempt to brush aside the burden of this realization. This attempt is all too understandable. Men, as the subject of history, are allowed the tool of suppression in this case. Woman as the double object of her past and present. It is then not surprising that someone reacts with wounded feelings. The wounds suffered are real and painful. Beauvoir then is made responsible as the messenger of truth for the pain of truth. &#8211; The history of the liberation of women as the history of their unfreedom is marked by cultural differences and an all displacing asynchronicity.</p>
<p>&#8220;Well. It is a game and everyone clearly knows the rules.&#8221; This sentence occurs in a 1932 work of English light fiction. It refers to the fashion of this period which reverts to the emphatically feminine of the late 19th century. People danced in clothes which were disguises. The young women in evening dress, with trains and bodices, are in the view of the novel&#8217;s author not in danger of wanting to give up their newly won independence through this fashion. The English author Dorothy Sayers can, in her depiction of English society, rely on young women being aware of their situation and having already opted for independence and finding their happiness in so doing. In English light belle lettres, such a thing can casually be supposed as self-evident.</p>
<p>In respect to French society Simone de Beauvoir takes a wholly different view. In 1949 she describes exatly the opposite in The Second Sex. The rules of the game are not known to women. They cannot be known by women. They are communicated to women unconsciously. Women&#8217;s dependencies are inserted into culture in an unrecognizable way and can only be unearthed by a conscious act of questioning. Beauvoir assumes that women are trained to stay girls in the form of a narcisist dependency to which they then adhere all theirs lives. Prey and the wifely construct the poles between a woman&#8217;s life spent in a continuous present. A construction of the self as a positing of freedom is possible and desirable for a woman. Under the given circumstances success cannot be promised. Happiness plays no role in this concept.</p>
<p>The possibility for a woman to conceptualize herself ist determined by her culture and her place in it. In 1932 the Englishwoman Dorothy Sayers is able to watch in a relaxed fashion young women making their own independent life&#8217;s solutions.And let us remember. Since the 18th century English literature has taught us how capitalism affects gender. The first thing that is decisive for a person is how much she possesses. Gender decides the fashion of expression. In this literature we read endless considerations of who can marry whom, on the basis of who possesses what. Morality only governs the way the genders deal with each other. Unions will be decided by possession. These societal rules form everyone&#8217;s point of reference and are the construction underlying the societal narrative. The rules are known. Self-positing may take place.</p>
<p>In 1949 Catholic bourgeois France. In this society Simone de Beauvoir can only locate women as the derived other. Though there is a separation of church and state, the church reigns in the private realm and formulates gender first as sons and daughters. Before consciousness can be developed metaphysical illusion has invaded the future. Women themselves pass on their own hollowness in the raising of hteir daughters. The mother&#8217;s instruction &#8220;be like me&#8221; is the first commendment of the perdition of bourgeois Catholic daughters. Societal conventions complete what families begin. The temptation to rise through being the accomplice of the man is always there, undermining a woman&#8217;s refusal to be the other. A woman&#8217;s &#8220;we&#8221; never emerges within a conscious knowledge of the situation. Why then should a woman resist the temptation of subservience. Especially if she has borne children and so fell into an additional dependency.</p>
<p>If we then turn towards the historic model of our own culture and look at Austria in the year 2007 in order to explain the resentment of the young woman who wants to do the interview about Simone de Beauvoir, our analysis will bring to light that we have no rules at all, because there is nothing we could call the societal and therefore there actually should be no men. Where there is no society, there is no culture and therefore no narrative of rules. Men also do not know the rules. Therefore if men in this country turn up again in tail coats and know exactly how to tie a bow tie, we should worry that they may once again become cavaliers and fall back into 19th century chivalry. This could mean that one won&#8217;t get a door gleefully slammed in one&#8217;s face, because many an Austrian man believes impolite behaviour would be an act of liberating women.</p>
<p>Never could a work of light fiction be able to leave the objects of its observation, in such a friendly way, to their own devices as in the English example. However, how is it that there are men, although there is no society that can generate a culture in which one can find a description of what a man is, how a man should be. What expectations and desires describe a man. Austrian history after 1918 has never led to a commonly shared self-conception. The emergence of a self-image was always impeded by the struggle over the power of definition of what society should be. Society was at best confused with class nostalgia. But, if there is no positive description of a signifying unit such as &#8220;man&#8221;, then the definition in a Catholic tradition can always be based on the negative description of the other. This is always the first step in racism, as is well known. The lack of societal description of man is in this country compensated in a double way by the othering of woman. The European, Western, Christian negatively derived description of woman is what creates the definition of man in the first place and is in turn, through a reflexive process, applied, with new force, to woman.</p>
<p>The young austrian womn is right to look at this in a defiant way. Reading Beauvoir opens up to her a societal view of woman&#8217;s tragedy in a decadent, but firmly constituted society. From this analysis the young Austrian woman has to draw her own conclusions about her post-fascist, hollowed out society, a part of whose elite continues today to press for implementation of the fascist mission of turning back the clock to a time before the French Revolution. However, the small possibility that exists for this young woman to posit her transcendence lies precisely in deriving her civil rights from this revolution. Only on the basis of the definition of the rights of the person to liberty is the subject thinkable in the first place, the subject that &#8220;concretely posits herself, through conceptualization, as a transcendence.&#8221; If the young woman arrives at this point in working through her emancipation, then the English example comes into play again, this time as the grand narrative of neoliberalism, behind wihich the fascist opposistion to the Enlightment can take on a new life. This opposition feeds on neoliberal globalization&#8217;s need to declare war on autonomous thinking and working. This narrative asserts a universality of rules, as in the 1932 example. The rules of the game referred to there are asserted globally but are only applicable locally and so are not transferable. A dense net of such rules veils neoliberal society&#8217;s emptiness. The attempts at copying Academy Awards evenings for example are painful exhibits of this emptiness.</p>
<p>Most profoundly, these apparent transfers of rules encroach on the defintion of gender. Meanwhile, in the finishing processes of neoliberal schooling pragmativ half-knowledge and precarious work conditions completely destroy the possibility of individualistic self-positing.</p>
<p>The young woman would have to socialize the results of her personal cultural work without being able to relate this to the societal. She then has to submit these results to some sort of community to wrest a remnant of freedom for herself. But first of all we would like to see this young woman in a secure situation through a paid job and then, and only then, we can ask the question of how her transcendence as a woman might look.</p>
<p>The world has seen no social progress, only transformations. Radical transformations and through them radical restrictions. Precisely for this reason, reading Beauvoir&#8217;s work is indispensable. So the introduction to The Second Sex represents something like a baseline for an indispensable conceptualization. It is a luxurious conceptualization that nowadays could no longer be thought in the same way. And precisely because so much has changed and because autonomous thinking has been impoverished through a violent framework and the impossibility of earning one&#8217;s living. Precisely for this reason we need to turn to the richness of her conceptualization. Nothing can replace experiencing the resonance of Beauvoir&#8217;svoice in one&#8217;s own thinking. Nothing can be more precious than the sensing of the congruence of epistemological interests. Nothing is more inspiring than listening to this rigorous and stern voice.</p>
<p>No theme has more dominated the last 30 years&#8217; discussion than that of the women&#8217;s movement. And while the discussion was carried on tempestuously it redundantly did not progress or even lead backwards.</p>
<p>When today I take a specific brand of pantyhose out of its package, I find the firm&#8217;s product image. In a brief visual history I am told how a woman is determined. A large picture shows the woman&#8217;s upper body clothed in a bodystocking. From the picture she looks at the observer. Challenging. A small image shows her with a bustier. The woman gazes out from the picture invitingly to the left. In a still larger photo a white body and a sulky glance toward the right. The penultimate picture is small and the woman is crouched on a step with her buttocks prominently featured. Her face is in shadows and she looks searchingly behind her. In the last picture it is only the lower body that is shown. The straight leg up to the hip on high heels. The pray is laid out for the hunter&#8217;s gratification.</p>
<p>These pictures are intended for women. It is always breathtaking how much the internalized gaze of the man within the woman can be counted on as a matter of course. One of those guys who are so comfortable holding forth on all subjects would say that we don&#8217;t have to take this seriously. But. For the young woman this is a self-evident part of what she is to understand as culture. And. In its self-evident nature, advertismement is the true successor of the Catholic church, and in this the rules remain within the unknown unconscious. This would be good grounds for moblizing all of our vigilance and strength to insist that deprecation cannot be communicated in so self-evident a way.</p>
<p>Men? They need to read Beauvoir. With neoliberalism&#8217;s dissolution of societal relations, they will not be able to be differentiated from women. In neoliberalism there is once again first money and then gender. The middle class of the 1932 example has long ago been sacrificed. This crosses with the present non-societal struggle of the different camps and with neoliberalism&#8217;s disintegration of the subject. At the intersection of this vacuum the male will also be dissolved. The cute athletic chaps in the frozen-food ads, mirroring an underwear ad with naked women. These cute chaps are merely the avant-garde, covered by now only with swimming trunks, of an evolution which by now next to money only recognizes the beautiful naked body as currency. This is reminiscent of the education of women to become the eternal nacissistic girl. And what does this mean? Look it up in Beauvoir.</p>
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		<title>Turkish Delight.</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 16:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Text interdisz.]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Spricht sie. Will sie sprechen. Kann sie sprechen. Denkt sie. Kann sie denken. Soll sie denken. Will sie. Kann sie wollen. Darf sie wollen. Soll sie. Wir wissen es nicht, wenn wir ihr gegenüberstehen. Wir müssen es an ihr für uns beschließen. An den je uns zu Verfügung stehenden Möglichkeiten werden wir das an ihr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock"><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2007/12/turkish-delight.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-169" title="Turkish Delight." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2007/12/turkish-delight-150x224.jpg" alt="Turkish Delight." width="150" height="224" /></a>Spricht sie.<br />
Will sie sprechen.<br />
Kann sie sprechen.<br />
Denkt sie.<br />
Kann sie denken.<br />
Soll sie denken.<br />
Will sie.<br />
Kann  sie wollen.<br />
Darf sie wollen.<br />
Soll sie.</span></p>
<p><span class="textblock"><span id="more-167"></span>Wir wissen es nicht, wenn wir ihr gegenüberstehen. Wir  müssen es an ihr für uns beschließen. An den je uns zu Verfügung stehenden  Möglichkeiten werden wir das an ihr für uns beschließen müssen. Dem  zeitgenössischen Blick wird diese Entscheidung an ihr abgerungen. Dafür sorgt  das Kopftuch. Das Tuch um den Kopf und wie es im Nacken geknotet ist. Dieses  Tuch fordert eine Entscheidung. Dieses Tuch verhüllt ihre Haare und ihren Hals.  Und enthüllt in dieser Verhüllung die Politik des zeitgenössischen Blicks auf  die Frau.</span></p>
<p>Sie ist nackt. Sie steht da. Gespannt. In sich gespannt und ein  wenig abwartend. Ohne Geste steht sie. Die Arme hängend. Die Beine  nebeneinander. Kein Bein vorgeschoben, ein Spiel der Muskeln auszulösen. Kein  Arm gehoben, die Rundung des Busens vorzuführen. Sie kommt uns nicht entgegen.  Stellt sich uns nicht. Macht sich uns lieblich. Sie steht nur da. Eine nackte  Frau, die ein Kopftuch trägt.</p>
<p>Sie ist eine schöne Frau. Die Bronzefigur  ist das Abbild einer schönen Frau. Einer bestimmten Frau. Keine Idealisierung  fügt sie in die Reihe der Verführerinnen, die gemacht wurden, ihnen die  Verführung vorwerfen zu können. Kein allegorischer Name hebt sie über die  irdische Schönheit hinaus und gibt so den sich selbst nicht erkennenden gierigen  Blick auf sie frei. Jenen Besitzerblick am allegorisierten weiblichen Körper,  der sich selber nicht wissen muß, deshalb immer in Kraft bleibt, aber ohnehin  nur das eigene Begehren inszeniert und sie nicht sieht.</p>
<p>Diese Frau ist  eine Bestimmte. Eine Besondere. Und ich wollte ihren Namen wissen. Wenn wir ihre  Besonderheit in einen Namen fassen könnten. Wir könnten uns mit der technischen  Meisterschaft befassen, mit der die Stofflichkeiten der Haut und des Kopftuchs  gearbeitet sind. Wie das Gemachte des Stoffs sich gegen das Gewachsene der Haut  abhebt. Wie die grün patinierte Bronze das Gemachte verstärkt und gegen das  Gewachsene abhebt. Wie Gemachtes und Gewachsenes in der Darstellung in sich  gesteigert den Gegensatz noch einmal deutlicher machen.</p>
<p>Die Haut und das  Kopftuch. Die nackte Figur und der verhüllte Kopf. Wenn wir der Bronzefigur mit  einem Namen begegnen könnten, wir könnten diesen Gegensatz auf sie zurückführen.  Sie wäre diese und diese Person, die sich nackt abbilden ließ und das Kopftuch  aufbehielt. Wir müßten diese Darstellung nicht allein auf den Künstler  zurückführen. Wir könnten in der Hoffnung auf eine Autonomie der Person, die wir  durch den Namen kennenlernen könnten. Wir könnten sie an der Entscheidung  beteiligen, so dargestellt zu werden. Wir könnten ihr Autonomie zudenken, damit  wir ihr dann auch ein wenig Verantwortung zuschieben können. Der zeitgenössische  Blick. Durch eine Benennung der dargestellten Frau würde der zeitgenössische  Blick entlastet werden. Eine Geschichte wäre vorstellbar. Eine Person mit Namen  stünde während unseres Ansehens der Figur in unserer Phantasie Modell. Durch  eine Aufnahme des Namens des Modells oder auch nur irgendeinen konkreten Namen.  Und hieße sie Eva. Die Figur würde uns in Konkretheit entrückt. Sie würde sich  selber näher und uns entfernter. Ein Name gäbe ihr eine eigene Wahrnehmung und  entzöge uns etwas von der Verantwortung beim Schauen.</p>
<p>Der Künstler hat  aber eine andere Entscheidung getroffen. In den vielen Entscheidungen, die in  der künstlerischen Formulierung gebündelt ihre Erscheinung finden, wird uns ein  konkreter Name entzogen. Die besondere Frau, die nackt dasteht und ein Kopftuch  trägt. Wir können uns nicht mit dem territorialen Entwurf der benannten Person  unserem eigenen Blick ersparen und die Geschichte ihres Dastehens ihr zudenkend  uns verkleinern. Das Seltsame der Konstellation. Die nackte Frau mit dem  verhüllten Kopf. Es bleibt unsere Erzählung. Unsere Erzählung, die unsere Sicht  auf diese nackte Frau mit dem Kopftuch enthüllt. Unsere Erzählung, die alle  Meinungen zu Frauen mit Kopftüchern und zur Darstellungen des Frauenkörpers  berühren wird.</p>
<p>Spricht sie.<br />
Will sie sprechen.<br />
Kann sie sprechen.<br />
Denkt sie.<br />
Kann sie denken.<br />
Soll sie denken.<br />
Will sie.<br />
Kann  sie wollen.<br />
Darf sie wollen.<br />
Soll sie.</p>
<p>Der Legende nach rief ein  türkischer Sultan des 18. Jahrhunderts die besten Zuckerbäcker des Landes  zusammen und gebot ihnen, eine einmalige Süßigkeit zu erfinden. Im Harem des  Sultans herrschte Unzufriedenheit. Mit der neuen Süßigkeit sollte im Harem  wieder Ruhe einziehen. &#8220;Lokum&#8221;, türkischer Honig, bedeutet im Arabischen  &#8220;Zufriedenheit der Kehle&#8221; und im otomanischen Türkisch &#8220;ein Stück  Zufriedenheit&#8221;.</p>
<p>Turkish delight wird aus Stärke und Zucker gemacht und  mit Rosenwasser aromatisiert. Turkish delight ist blaßrosa und durchsichtig.  Weich und klebrig. Und vor allem süß. Als Geschenk wurde turkish delight in  Spitzentücher verpackt.</p>
<p>Weiß. Rosa. Durchsichtig. Weich. Spitzenumrahmt.  Süß. Das alles ist die Bronzefigur der nackten Frau mit dem Kopftuch nicht. Wen  nun meint das &#8220;Stück Zufriedenheit&#8221;. Wessen Kehle soll erfüllt werden. Sollen  wir daran erinnert werden, daß es einen anderen Blick gibt als den eurozentrisch  weißen, der die sich die Nacktheit der Frau immer erlaubte aus der religiösen  Zuschreibung der Frau in die Natur und der sich die Nacktheit neuerlich über die  Freiheit der Äußerung zurückholte. Ein Blick, dessen europäische Doppelbödigkeit  sich über das Kopftuch zu erkennen gibt. Und ein wieder religiöser Blick, der  die Nacktheit verbietend nur das Kopftuch richtig finden kann. Und alle Blicke  schneiden sich am Rand des Kopftuchs. Da, wo die nackte Haut zum Vorschein  kommt. Da schneiden sich nicht nur das gemachte Material und das natürlich  Gewachsene. Da schneiden sich die Blicke, die Natur behaupten und Kultur  konstruieren.</p>
<p>Spricht sie.<br />
Will sie sprechen.<br />
Kann sie sprechen.<br />
Denkt sie.<br />
Kann sie denken.<br />
Soll sie denken.<br />
Will sie.<br />
Kann  sie wollen.<br />
Darf sie wollen.<br />
Soll sie.</p>
<p>Die privilegierte  europäische Feministin. Sie muß quer zu all den historisierenden  zeitgenössischen Blicken in dieser Figur die Subalterne sehen. Nicht eine  Schwächere. Nicht eine Wertlosere. Aber eine Unbenannte, deren Ich sich nicht  zeigt. Nicht gezeigt wird. Eine, die nicht spricht. Eine, in einem Zustand, aus  dem die Feministin sich in einen anderen Zustand geredet hat. Eine, in einem  Zustand, den es aber gibt. Ein Zustand, der durch den Titel der Arbeit und die  Nacktheit des Frauenkörpers und die Verhüllung durch das Kopftuch umgrenzt ist.  Ein Zustand, über den nichts weiter bekannt ist. Die Figur steht ja nur da. Sie  könnte gleich weggehen. Sie könnte das Kopftuch abnehmen. Sie könnte sich fertig  anziehen. Und wäre das ein Fertig Anziehen. Oder wäre das eine Einordnung. Und  wenn sie das Kopftuch abnähme. Wäre das dann eine Freiheit.</p>
<p>Wir wissen  nichts darüber. Wir bekommen nichts gesagt dazu. Wir müssen alles, was nicht  gesagt wird, selbst einfügen. Und die Feministin. Sie muß erkennen. Einmal mehr.  Einmal deutlicher. Daß der Satz &#8220;Mache es mir gleich.&#8221; Daß der Satz &#8220;Werde wie  ich.&#8221; Daß diese Sätze nur bedeuten, daß die Feminstin das hegemoniale Denken so  weit gelernt hat, um um sich selbst wissen zu können. Daß ihr aber ihr Wissen um  diesen Weg klar machen muß, daß sie nichts von der Frau mit dem Kopftuch weiß.  So, wie die Frau mit dem Kopftuch nichts von ihr weiß. Und daß es um die  Erzählungen ginge. Daß die Zeit in die Erzählung aufgelöst die Fragen in Stimmen  faßte und die Körper einander zu hören.</p>
<p>Spricht sie.<br />
Will sie  sprechen.<br />
Kann sie sprechen.<br />
Denkt sie.<br />
Kann sie denken.<br />
Soll  sie denken.<br />
Will sie.<br />
Kann sie wollen.<br />
Darf sie wollen.<br />
Soll  sie.</p></div>
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		<title>Kriegsberichterstattung.</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Nov 2007 16:15:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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		<description><![CDATA[du. Nr.10, November 2007 Vor ein paar Jahren sagte ein damals erfolgreicher Manager zu mir, ich solle mich doch nicht gegen die Zeit stellen. Er sagte mir allen Ernstes, &#8220;Go with the flow, don&#8217;t fight the storm.&#8221;  Das war, als gerade die ersten Anzeichen der Veränderungen bemerkbar wurden. Es wurde gespart und mit dem Sparargument [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h6><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr10-november2007-s80.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-172" title="Kriegsberichterstattung." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr10-november2007-s80-150x106.jpg" alt="Kriegsberichterstattung." width="150" height="106" /></a><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr10-november2007-s81.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-173" title="Kriegsberichterstattung." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr10-november2007-s81-150x97.jpg" alt="Kriegsberichterstattung." width="150" height="97" /></a>du. Nr.10, November 2007</h6>
<p>Vor ein paar Jahren sagte ein damals erfolgreicher Manager zu mir, ich solle mich doch nicht gegen die Zeit stellen. Er sagte mir allen Ernstes, &#8220;Go with the flow, don&#8217;t fight the storm.&#8221;  Das war, als gerade die ersten Anzeichen der Veränderungen bemerkbar wurden. Es wurde gespart und mit dem Sparargument umstrukturiert. Es gab plötzlich keine Textaufträge mehr. Das könnte man selber machen, hieß es von den bisherigen Auftraggebern und bürdete die Arbeit jemandem im Betrieb auf. Das war, als die ersten Absolventen der Kulturmanagementkurse begannen, den Ablauf von Projekten zu bestimmen und das meiste Geld in die Vermittlung umzulenken. Das war, als die Computerprogramme die Arbeit der Grafiker und Grafikerinnen zu ersetzen begannen und die wiederum dann die ersten waren, die Umschulungen machen mußten. Das war, als die Redakteure zu Zeitungsmachern werden mußten und sich nicht mehr auf das Redakteursein konzentrieren konnten. Die einen mußten sehr viel mehr arbeiten. Die anderen verloren die Rahmenbedingungen, ein Leben außerhalb fixierter Arbeitsbedingungen zu gestalten. Was der Computer den einen an Mehrarbeit brachte, wurde für die anderen zur alles betreffenden Einschränkung. Kontrolle bedeuteten diese Arbeitsbedingungen für alle. Trotzdem gelang es einer neoliberalen Etikettenerstellung, die neuen Selbstständigen als Kategorie zu definieren, deren indirekter Sklavenstatus nicht darstellbar ist.</p>
<p>Vor einigen Tagen hat sich eine junge Frau im vierten Stock auf das Fensterbrett gestellt und ist dann auf die Straße gesprungen. In ihrem Abschiedsbrief macht sie die Verhältnisse für ihren Tod verantwortlich. Die Aussichtslosigkeit ein sinnvolles Leben führen zu können war unter den Umständen der Prekarisierung zu überwältigend.</p>
<p>Und ja. Natürlich. Es wird auch andere Probleme gegeben haben. Aber. Der Manager, der mir damals den Rat gab, mich doch bitte anzupassen. Dieser Mann steht heute vor Gericht. Es geht um den Verbleib von 300 Millionen Euro. Dieser Mann macht das System für den Verlust dieses Gelds verantwortlich. Dieser Mann sagt, daß es die Verhältnisse gewesen  wären, die ihm derartige Spekulationen geradezu abverlangt hätten. Und. Wie es in der Natur von Spekulation nun einmal läge, könnte man eben auch verlieren.</p>
<p>Die junge Frau, die aus dem vierten Stockwerk sprang. Sie hatte eine Architekturausbildung an einer Kunsthochschule. Die Hilfsjobs immer ohne Anstellung ermöglichten gerade das Überleben. Der Dreißigjährigen kamen bei den Kleinprojekten im Kulturbereich die Jüngeren zuvor, die noch weniger Geld für ihre Leistungen erwarteten. Die Umschulung zur Physiotherapeutin stellte sich als nicht finanzierbar heraus. Und ja. In einer verzweifelten Situation entsteht Verzweiflung. Diese erfolglosen jüngeren Personen sind mit ihrer Erfolglosigkeit gezeichnet. Die Lücken im Lebenslauf sind allen sichtbar. Das was einmal der körperliche Hunger erledigte. Das Sichtbarmachen der Verelendung. Das wird heute am Selbst der Personen durchgeführt. So wie der Hunger die Auszehrung, muß diese hoffnungslose Erfolglosigkeit sich an der Persönlichkeit auswirken. Und. Die Personen müssen das auch noch an sich selber vollziehen. Und wie die Auszehrung jede Person anders packt, bringt sich dieses nie in die Gesellschaft hineinfinden können je bestimmt zur Erscheinung. Bei einigen wird das die Depression verstärken. Und ja. Ein Selbstmord hat immer viele Gründe. Nur. So wie bei der Spekulation. Die Verhältnisse eröffnen die Möglichkeiten.</p>
<p>Es sagt alles über die Verhältnisse unserer Zeit, daß der Spekulant mit seiner Strategie der Schuldabwehrung vor Gericht ziemlich sicher durchkommen wird. Er wird ziemlich sicher nicht für die Folgen seiner Spekulationen zur Rechenschaft gezogen werden. Die junge Frau, die durch die Verhältnisse gar nicht die Möglichkeit bekam, sich zu entscheiden. Diese junge Frau kam nie so weit, daß sie sagen hätte können, sie wolle sich anpassen oder sich gegen den Sturm stellen. Sie war in die Verhältnissen ihrer Generation gefangen, die sehr viel mit den Verhältnissen des Spekulanten zu tun haben. Diese junge Frau ist über den share holder value jener Welt beraubt worden, in der sich ein Leben gestalten ließ, ohne gleich alle Managementregeln zu verinnerlichen und als Kleinmotor der Globalisierung zu funktionieren. Diese Möglichkeiten sind von den Generationen vor ihr verspekuliert worden. Und wissentlich so. Aber. Der Spekulant hatte das Geld als Medium des Versagens. Der jungen Frau war nur ihr Leben geblieben. Und. Dieser Zustand der Verhältnisse läßt sich dann auch nicht wegpsychologisieren, wie das jeder und jede in der allgemeinen Gültigkeit der Managementpsychologieratgeber als erste Reaktion der Abwehr von Leid tun möchte.</p>
<p>Empfindlich sein. Sich etwas überlegen wollen. Zeit haben wollen. Nicht gewinnen müssen. Etwas Eigenes denken.  Etwas Besonderes. Schaffen. Ganz einfach ein kluges und gerechtes Leben leben wollen. Kunst machen. Literatur schreiben. Musik. Und dann auch etwas wissen darüber.</p>
<p>Als ich zu schreiben begann, galt die Abmachung, daß ich nie viel Geld verdienen werde können. Daß aber das, was ich unter den selbstgewählten Umständen eines literarischen Schaffens herstellen werde. Daß das dafür geschätzt werden wird und daß ich mir darin einen sicheren Stand erwerben kann. Daß mir Achtung zusteht. Diese Abmachung ist aufgesagt. Alles, was seit dem 17. Jahrhundert aufgewandt wurde, unsere Vorstellung von Persönlichkeit und ihrer Freiheit zu formen. Alles das kann jederzeit mit Geld aufgekauft oder mit Verzweiflung abgegolten werden. In diesem Zerstörungswerk beschreibt sich ein Krieg der Kulturen. Dieser Kulturkrieg findet nicht außerhalb irgendwo statt. Dieser Krieg wird mitten durch uns selber hindurch mit unserer Hilfe geführt. Die Errungenschaft der sich selbst bestimmenden Person selbst wird gegen uns selbst benutzt. Darin sehe ich auch die entsetzliche Tragödie der jungen Frau, die in diesem Krieg sich selbst das Opfer werden mußte. Und weil wir alle in diesen Krieg hineingezogen sind, kann ein Frieden nur wiederum mit allen gemeinsam geschlossen werden. Und das wiederum bedeutet, daß alle Leben in Kunstwerke verwandelt werden müssen, um eben die Autonomie zu gewinnen, die erst einmal den Friedensschluß mit sich selbst ermöglicht und dann in andere und hoffentlich neue gesellschaftliche Zusammenschlüsse führen wird. Und. Auszugehen ist vom Bild des Managers vor Gericht und von dem toten Körper der jungen Frau auf der Straße.</p>
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		<title>Wer mit welcher?</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Oct 2007 16:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Standard, 6./7. Oktober 2007 Marlene Streeruwitz sah sich um&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h6><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/standard-6-7oktober2007-s14.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-177" title="Wer mit welcher?" src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/standard-6-7oktober2007-s14-150x107.jpg" alt="Wer mit welcher?" width="150" height="107" /></a>Der Standard, 6./7. Oktober 2007</h6>
<p><span class="documentDescription">Marlene Streeruwitz sah sich um&#8230;</span></p>
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		<title>Diese Frau war ein Genie.</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 16:27:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frankfurter Rundschau, 4. Oktober 2007. Singend, mit sirrenden Bögen: Zum Tod der österreichischen Schriftstellerin Marianne Fritz Marianne Fritzs Werk ist spezifisch wienerisch. In ihren Texten erfüllen sich ganz andere Linien als die literarbetrieblichen Moden der letzten 50 Jahre. Theodor Kramer kommt einer in den Sinn. Anton Wildgans. Aber vor einer politischen Fehlinterpretation schützen sich diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h6><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/frankfurterrundschau-4oktober2007-s36.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-191" title="Diese Frau war ein Genie." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/frankfurterrundschau-4oktober2007-s36-150x178.jpg" alt="Diese Frau war ein Genie." width="150" height="178" /></a>Frankfurter Rundschau, 4. Oktober 2007.</h6>
<p><span class="documentDescription">Singend, mit sirrenden Bögen: Zum Tod der österreichischen Schriftstellerin Marianne Fritz</span></p>
<p>Marianne Fritzs Werk ist spezifisch wienerisch. In ihren Texten erfüllen sich ganz andere Linien als die literarbetrieblichen Moden der letzten 50 Jahre. Theodor Kramer kommt einer in den Sinn. Anton Wildgans. Aber vor einer politischen Fehlinterpretation schützen sich diese Texte einer hohen Sprache mit der Insistenz auf den kleinen Gegenstand. Die unendliche Geschichte eines Kleinbürgerlichen erzählt sich mit singend, sirrenden Bögen und fällt dann wieder in stampfend, keuchende Rhythmen. Bedeutung und Form sind in den größtmöglichen Abstand auseinander gespannt.</p>
<p>In der Lesung der Autorin gestaltete sich der Text als unentrinnbar. Die Sprache wurde zum Kerker der Bedeutungen. Unzeitiges Schreiben war das. Unzeitiger Vortrag. Darin aber war all das aufgehoben und beschrieben, was in den glatten und leergedachten Sätzen vergessen werden sollte, die rhythmuslos die Literatur letzthin beherrschten.</p>
<p>Marianne Fritz war ein Genie. Natürlich und selbstverständlich so. Aber. Vergessen wir nicht, daß Frauen in Wien schon gar nicht geniefähig sind. Und deshalb gab es so einen Umgang, der nur die Fürsorgeseite eines Geniekults hervorbrachte. Germanistikprofessoren. Verleger. Veranstalter. Rezensenten. Die Unzeitigkeit ihres Genies wurde als eine Art Bedürftigkeit ausgelegt.</p>
<p>Unseld sagte einmal, &#8220;Es schreibt aus ihr.&#8221; Aber dieser, für Unseld höchste Satz der Geniebeschreibung wurde gleich abgeschwächt. Es wäre jedoch nicht möglich, das auch abzudrucken. Das alles. Auf die vorsichtige Frage, ob diese Einschränkung etwas damit zu tun haben könnte, daß es sich um eine Autorin handle. – Es wurden einmal so klare Fragen gestellt. – Darauf antwortete Unseld, Männer machten das nicht. Männer schrieben nicht so viel. Männer könnten gar nicht so viel schreiben.</p>
<p>Wenig Platz war und ist in dieser Welt. Aber. Die Versäumnisse treffen die, die versäumen. Wenn man sich die Genies über Ressentiments erspart. Und Wien hat da ja eine besonders umfassende Tradition. Wenn man ein solches Werk zum Fürsorgefall macht. Dann hat man die Literatur, die man verdient. Marianne Fritz ist ein Genie und das wird überdauern.</p>
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		<title>Nicht eingeladen.</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Sep 2007 15:22:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[du., Nr. 8, September 2007. Unlängst. Bei einer Ausstellungseröffnung in einem der großen staatlichen Museen in Wien. Die Direktorin sitzt mit ihrem Team in der Mitte des Saals. Auf Goldstühlchen. Auf Zuruf werden Einzelne in diesen Kreis geholt. Aufgenommen. Alle anderen müssen rundum stehen. Es gibt also Eingeladene zu dieser Eröffnung und unter denen gibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h6><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr8-september2007-s76.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-182" title="Nicht eingeladen." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr8-september2007-s76-150x110.jpg" alt="Nicht eingeladen." width="150" height="110" /></a><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr8-september2007-s77.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-183" title="Nicht eingeladen." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/du-nr8-september2007-s77-150x95.jpg" alt="Nicht eingeladen." width="150" height="95" /></a>du., Nr. 8, September 2007.</h6>
<p>Unlängst. Bei einer Ausstellungseröffnung in einem der großen staatlichen Museen in Wien. Die Direktorin sitzt mit ihrem Team in der Mitte des Saals. Auf Goldstühlchen. Auf Zuruf werden Einzelne in diesen Kreis geholt. Aufgenommen. Alle anderen müssen rundum stehen.</p>
<p>Es gibt also Eingeladene zu dieser Eröffnung und unter denen gibt es dann Eingeladenere. Eine Hierarchie der Einladungen ist das, die dann eine Hierarchie der Nicht Eingeladenen spiegelt. Man oder frau kann schon zur Eröffnung nicht eingeladen sein und dann, obwohl dorthin eingeladen, nicht zum inneren Zirkel der Goldstühlchensitzer vorgelassen werden. Aufstieg wird hier gespielt. Aufstieg in ein Zentrum, das hier am Kreis der Goldstühlchen im feudal barocken Rahmen den Rückgriff auf wiederum feudale Auswahlkriterien illustriert. Es drückt sich in diesem Goldstühlchenzirkel eine Art vorstaatlicher Besitzergreifung aus, die das Recht zu diesem Zirkel aus dem eigenen Beitrag ableitet. Die Richtung der Verschiebung geht von Verwaltung staatlichen Eigentums in der Führung eines Museums, dessen Begehren das Objekt war, zu einem quasiprivaten Management mittels Sponsoring,  dessen Ziel die Selbstdarstellung des Managements und der Sponsoren vermittels der Objekte geworden ist. Die Objekte sind also dahin zurückgeführt, wo sie gedacht wurden. Den Objekten fällt wieder die Beschreibung des Aufenthalts feudaler Macht zu. Sekundär ist das. Eine Art Wirkungsrecycling ist das. Und. Der, diesen Kunstwerken abgetrotzte Eigenwert durch die Autorschaft des Künstlers wird durch solchen Gebrauch zum Verschwinden gebracht.</p>
<p>Ein solcher Vorgang ist antidemokratisch. Im Augenblick des Zurufs, einer oder eine solle sich zum Kreis der auf den Goldstühlchen Sitzenden gesellen. In diesem Augenblick wird auf einer Ebene der sozialen Gefühle die Demokratie aktiv außer Kraft gesetzt. – Erinnern wir uns, es handelt sich um ein staatliches Museum, das dann immer noch von allen miterhalten wird.</p>
<p>Bei Rousseau heißt es zur Demokratie, &#8220;daß der Reichtum keinem Staatsbürger die Möglichkeit verschafft, sich einen anderen zu kaufen und die Armut niemanden zwingt, sich verkaufen zu müssen.&#8221; Der Reichtum, um den es hier geht und der die Währung der Zulassung zur Macht geworden ist, ist die gesellschaftliche Geltung. Es ist ein lebenswichtiges Gut geworden, zu den Goldstühlchenzirkeln herangerufen zu werden. Die Politik findet da statt. Politik stellt sich über die Einladung dorthin her. Stets sich ein wenig verschiebende Gruppen national und international setzen sich auf die immer gleichen Goldstühlchen und trinken denselben Champagner und bestimmen auf allen Ebenen. Im Fließen dieser ohne Form alle Wirkung entfaltenden Eliten ist die Aufhebung der Urheberschaft zu Ende geführt. Damit muß diese Politik sich selbst gar nicht mehr sehen. Ja. Das Eingetaucht Sein in diese Zirkel löscht jedes Bewußtsein von Macht und läßt die Machtausübung als gesellschaftliche Konvention auftreten. Der Zutritt zu diesem Eintauchen Dürfen erfolgt über Einladung. Nicht eingeladen zu sein, bedeutet also etwas. Diese Nicht Einladung abzutun und nicht ernst zu nehmen, ist dann nur die andere politische Verfehlung.</p>
<p>Die Kunst heute. Literatur. Urheber. Urheberinnen. Alles Begehren auf eine Deutung des Jetzt. In dieser Privatisierung der Macht durch die Macht ist die Lebensform der eigentliche Schauplatz des Ausdrucks geworden. Und es muß mit genau der verzweifelten Komik des Am Abgrund Tanzens und Gerade Nicht In Den Abgrund Fallens genommen werden, daß das Gegensatzpaar nun Kunst und Gesellschaftsberichterstattung lautet. Die Macht tritt ja andemokratisiert auf und will sich zeigen. Gegenstand des Berichts über die Macht sind die Protagonisten des Gesellschaftlichen, wie es auf den Goldstühlchen sitzt. Die Deutung dieses Vorgangs ist allein über versprachlichende Verfahren noch möglich. In welcher künstlerischen Sprache auch immer. Und. Die Autorschaft, die sich nicht in den Goldstühlchenzirkel zitieren lassen will. Jetzt einmal ist sie unabdingbare Notwendigkeit der Selbstorientierung der deutenden Versprachlichung und wir müssen über die Autonomie des Werks wieder anders nachdenken. Wie könnte eine unheroische Autonomie gelingen, die nicht gleich selbst kanonkonform nur eine andere Ebene der Goldstühlchensitzerei einführt.</p>
<p>Das unlängst. Die Aufnahme in den Goldstühlchenkreis. Im österreichischen Kontext ist das diese schräg verschnittene Erfüllung des austrofaschistischen Auftrags, vor die Aufklärung zurück zu gehen. Das 18. Jahrhundert auszulöschen. Das führt sich dann andemokratisiert vor und muß von seiner Ableitung nichts wissen. Das wird in anderen Gesellschaften anders angeordnet auftreten. Aber wie in allen Dingen des Globalisierten sind solche Anordnungen immer kompatibel. Die Salzburger Festspiele etwa versammeln die Goldstühlcheneliten vieler Gesellschaften, die sich dann selbst als Mitspieler dieses Gesamtereignisses auftreten lassen. Die Nicht Eingeladenen werden über die society Berichterstattung in Schlüssellochperspektive zum Publikum degradiert. Zu denen, die nicht einmal eine Einladung je bekommen könnten, es sei denn es gäbe eine voting show, in der über das Verkaufen von sich selbst, der Arme in den Besitz des Guts der gesellschaftlichen Geltung kommen kann. Wir werden das erleben. Das Thing Spiel in seinem ewigen come back.</p>
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