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	<title>Marlene Streeruwitz &#187; Salzburger Festspiele</title>
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	<description>Autorin &#124; Regisseurin &#124; Wien &#124; Berlin &#124; London &#124; New York</description>
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		<title>Salzburger Festspiele. Weil die auch nie aufhören.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Salzburger Buhlschaft in: Der Standard, 24. Juli 2010 Wann darf sie gehen. Wann darf sie weg. Wann darf die Buhlschaft von der Bühne und so aus ihrer doppelten Sexarbeit wieder ins Privatleben zurück. Hoffmannsthal regelt ihren Auftritt im „Jedermann“. Von der Bühne holt er die Buhlschaft nicht mehr. Dem Text folgend, kann sie auf Seite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Salzburger Buhlschaft</p>
<p>in: Der Standard, 24. Juli 2010</p>
<p>Wann darf sie gehen. Wann darf sie weg. Wann darf die Buhlschaft von der Bühne und so aus ihrer doppelten Sexarbeit wieder ins Privatleben zurück. Hoffmannsthal regelt ihren Auftritt im „Jedermann“. Von der Bühne holt er die Buhlschaft nicht mehr. Dem Text <span id="more-3010"></span>folgend, kann sie auf Seite 40 abtreten, wenn es heißt „Es flüchten viele.“ Sie kann sich bis Seite 52 Zeit lassen und mit den letzten davonlaufen, die sich noch an der Tafel gütlich tun. Sie könnte auch bis zum Schluß bleiben und dem Jedermann zusehen, wie er so freundlich von zwei anderen Frauen begleitet ins Grab steigt. Sexarbeiterinnen können nämlich keine Antworten auf die „endgültigen Fragen“ geben. Sexarbeiterinnen erfüllen ihre Aufgabe und dann können sie vergessen werden. Das ist der deal.</p>
<p>Denn. Das ganze ist ein deal. Der ganze „Jedermann“ ist geschäftlich zu denken. Jede Struktur ist ein Handel gegen eine andere Struktur. Jede Figur bringt eine kleine Summe von Sinneinheiten auf die Bühne, die in der Gesamtrechnung der Jedermannfigur verbucht wird. Das  geht vollkommen mechanistisch vor sich. Alle Nebenfiguren zusammen ergeben in einer einfachen Buchhaltung von Gut und Böse die Hauptfigur. Dieses Gut und Böse tritt in Figuren auf, die von Schauspielern und Schauspielerinnen den Körper erhalten und es sind ausschließlich diese Körper der realen Schauspieler und Schauspielerinnen, die einen Sinnzusammenhang herstellen. Herstellen können. Die Körper der Schauspieler und Schauspielerinnen schaffen eine Quasi-Realität, die dem Text überhaupt erst Bedeutungsmacht erteilt.</p>
<p>Dieses Leihen des Körpers. Das ist die Arbeit des Schauspielers und der Schauspielerin. Immer ist es die Anwesenheit der Person hinter der dargestellten Figur, die die Realität herstellt. Das Spielen einer Figur. Das ist gewollte Lüge. Gewollte Täuschung. Das ist ein vereinbarter Vorgang. Das Theater Lessings betritt diese Vereinbarung in dem Wunsch, über diese gespielte Auseinandersetzung zwischen Figuren, die gerade vorliegenden Verhältnisse von Macht und Ohnmacht zu untersuchen. Das Theater Lessings dringt auf immer individualisiertere Figuren, an denen diese Verhältnisse je realistischer nachgestellt und damit gesellschaftliche Konflikte offengelegt werden können. Es sind bestimmte Figuren in bestimmten Zusammenhängen, die dann die bestimmte Schlußfolgerung ermöglichen. So geht Aufklärung.</p>
<p>Im „Jedermann“. In der Personifikation von „menschlichen“ Eigenschaften geht der Autor vor das Theater Lessings zurück. Der Rückgriff aufs Mittelalter verdeckt den Rückschritt weit vor die Aufklärung. Für die Aufführung bedeutet das, daß der Schauspieler und die Schauspielerin als sie selber auftreten müssen und wie mittelalterliche Schausteller die jeweilige Eigenschaft vertreten. Das ist eine andere Form des Sich Leihens. Es gibt nicht das Spiel mit der Figur und einer Wiederaufführung von Leben. Im „Jedermann“ wird zur Schau gestellt und der Körper ist die Landschaft dieser Ausstellung. Der Körper des Schauspielers und der Schauspielerin wird für die Darstellung in Geiselhaft genommen. Eine hölzerne und ritualisierte Aufführungspraxis tut dann ein Weiteres dazu. Es liegt darin ein planes Ausbeutungsverhältnis vor, das die totale Unterwerfung unter den Text verlangt und keinerlei Eigenanteil zuläßt. ( Das knallende Furzen des einen Teufels gegen das eher verhaltene Gasentweichen der nächsten Teufelsdarstellung zählt da nicht.) Weil das in Salzburg sehr gut bezahlt wird, muß es nicht als solches wahrgenommen werden. Und. Weil alle mittlerweile in solchen Arbeitsverhältnissen leben, in denen sie keine Gestaltungsräume mehr vorfinden, sondern sich nach den Codes von Markteroberungsstrategien und Effizienz bewegen müssen. Weil das Mittelalterliche in den, die Personen insgesamt erfassenden Abhängigkeitsverhältnissen des Arbeitsmarkts so offenkundig ist. Die Uraufführung des „Jedermann“ im Zirkus Neumann 1911 bestätigt dieses feudale Arbeitsverhältnis in der Aufführung. Zirkus. Das ist die sprachlose  Schaustellung der grotesken Möglichkeiten der Körper von Menschen und Tieren gegen Bezahlung. Im „Jedermann“ wird das zum Zirkus des Tods und der Rettung.</p>
<p>Es müßte also nicht ums Geld gehen, um im „Jedermann“ das Zentralstück einer hochkapitalistischen Volksmission zu erkennen. Die Ebene des Texts und die intendierte Aufführung dieses Texts. Die Strukturen dieses Theatertexts selber fungieren als Insrumente der Ausbeutung.</p>
<p>Abhängigkeitsverhältnisse stellen sich über Spiegelungen dar. Die Herrschaft des Jedermann zeigt sich an der Abhängigkeit des armen Nachbarn oder des Schuldknechts. Die kapitalistische Herrschaft wird in der quasimittelalterlichen Spracherfindung von Hoffmannsthal schön anmetaphorisiert und gleichzeitig stramm argumentiert.</p>
<p>Jedermann:</p>
<p><em>„Geld ist wie eine andere War,</em></p>
<p><em>Das sind Verträg und Rechte klar.“</em></p>
<p>Der Gesell sekundiert:</p>
<p><em>„Wär schimpflich um die Welt bestellt,</em></p>
<p><em>Wenns anders herging in der Welt.“</em></p>
<p>Die Knechte wissen es immer noch ein bißchen genauer als die Herrn und der Schuldknecht hat sich eben verspekuliert. Der Schuldknecht muß seine Medizin nehmen. Das ist der deal. Der Schuldknecht argumentiert ja auch nur im System und pocht auf Barmherzigkeit und nicht auf Veränderung. Oder gar Grundrechte.</p>
<p>In diesem Kosmos des Besitzs wird der Gebrauch an anderen in der Übertragung von Besitz ausgedrückt. Wenn wir gleich zu Beginn erfahren, daß die Buhlschaft einen Lustgarten zum Geschenk bekommen soll, dann freuen wir uns. Die Buhlschaft wird so vielleicht zu einer Versorgung kommen. Sie kann den Garten ja immerhin wieder verkaufen und so ihr Leben bestreiten, nachdem sich der Herr Jedermann zu einer Heirat nicht bequemt. Vielleicht will die Buhlschaft ihn auch gar nicht. Wir wissen ja nicht, welche Angebote noch vorliegen. Zwar wird der Jedermann als der Reichste weit und breit beschrieben, aber das wird von liebedienerischen Angestellten gesagt und gilt damit nur in der inneren Logik dieser Unterwerfungen.</p>
<p>Die Buhlschaft bekommt gerade so viel Raum in diesem Stück, daß das Publikum ihrer gewahr werden kann. Sie ist das blühende Leben gegen die Blässe des Tods. Es ist ja ihr Fest. Sie bringt die Musiker mit und die Begleitung. Wie jede geübte Hostess beruhigt sie den, ob des Altersunterschieds unsicheren Jedermann und lobt seine „milden Hände und seinen steten Sinn“. Immerhin kann sie sich nicht auf seine feurigen Lenden beziehen. Das fiel dem Autor nicht ein. Es ist ein eher laues Getändel, das da abläuft. Aber es geht ja nicht um eine leidenschaftliche Wirklichkeit. Es geht ja eigentlich nur darum, daß Jedermann nicht verheiratet ist. Die Buhlschaft stellt also imgrund nur den ledigen Jedermann dar. Es geht nicht um einen heißblütigen Platzhirschen. Es geht nicht um einen Buhlen, der seiner Lust ungehinderten Lauf verschafft. Nein. Die Mutter Jedermanns beklagt es. Es geht um den Unruhefaktor „lediger Mann“. Das immerhin ist wirklich mittelalterliche Katholizität. Der lange Weg der Zivilisierung des Mannes erfolgte über die Monogamisierung und deren Verrechtlichung in den kirchlichen Ehegesetzen. Das beschreibt auch den langen Weg der Zivilisierung in den europäischen Kapitalismus. Die Versammlung des Vermögens auf rechtlich anerkannte Erben von einer jeweils einzigen Frau und der Ausschluß der Priester aus einer solchen Erbmöglichkeit durch das Zölibat. Es hat das alles zu den Jedermanns geführt. Eine Buhlschaft ist da die reine Illustration des Wildlaufens eines solchen Burschen. Am Ende ist das ja auch die einzige vorführbare Sünde. Hätte Jedermann rechtzeitig und standesgemäßt geheiratet, es wäre uns seine Bekanntschaft erspart geblieben. Dem Gott des Anfangs ärgert ja nur die Tatsache, daß die Jedermanns „schmählicher hinleben als das Getier“ und sich in den Buhlschaften ihre Lust verschaffen, ohne die katholische Uraufgabe des Kinderzeugens in der Monogamie zu erfüllen.</p>
<p>Die Buhlschaft ist so eine Art Dekoration von Jedermanns Burschenleben, der sich trotz Hab und Gut nicht in die Gesellschaft einordnet. Sie wird von Jedermann beim Bankett gefragt, ob sie ihn bis ins Grab hinein begleiten würde und die Buhlschaft gibt sehr vernünftige Antworten. Was der Autor als ihre Minderwertigkeit beschreiben will. Als die Oberflächlichkeit einer minderen und dazu noch weiblich minderen Person, das lesen wir heute als sehr vernünftiges Verhalten in einer schlimmen Abhängigkeitssituation. Die Sexarbeiterin hat ihr Honorar zu bekommen. Schlimm genug, das das offenkundig von der Gestimmtheit des Herrn Jedermann abhängig ist und wir atmen erleichtert auf, daß sie ihm so nett schmeichelt, wenn sie die jungen Liebhaber so beseite schiebt. Eine professionelle Haltung zeigt sich in dieser Buhlschaft, die ja keine Eigenschaft darstellt, sondern ganz in der Logik der Anlage des Stücks ein Objekt ist.</p>
<p>Alle Frauen in diesem Text sind Objekte Jedermanns. Die Buhlschaft ist das erste Objekt seines Begehrens, das über den Lustgarten beschrieben wird, den sie zum Geschenk bekommen soll.</p>
<p><em>„In diesem Gärtlein köstlich und mild</em></p>
<p><em>Ihr eigen abgespiegelt Bild.</em></p>
<p><em>Die allezit liebreich mich ergetzt,</em></p>
<p><em>Mit Hitz und Schattenkühl mich letzt</em></p>
<p><em>Und einem verschlossenen Gärtlein gleich</em></p>
<p><em>Den Gärner selig macht und reich.“</em></p>
<p>Das sagt Jedermann zum Gesellen, der den Garten kaufen gehen soll. Jedermann ist durch das Moralisieren seiner Mutter die Lust vergangen. Die Mutter hat aber auch gar zu viel vom Sterben gesprochen. In einem Theaterschauspiel würden wir vermuten, daß die Mutter einen Todeswunsch hat, der ihren Sohn miteinschließt und wir könnten sehr interessante Schlüsse auf die Figur ziehen. In diesem Zirkus der Verkörperungen erübrigen sich so feinfühlige Fragen. In einem solchen Stück werden Auftritte erfüllt.</p>
<p>Und die arme Buhlschaft. Sie wird durch die weiblichen Objekte eines spirituellen Begehrens ersetzt. Die Werke und der Glaube. Beide Begriffe werden durch Frauen verkörpert. Die Personifikation der Werke werden ja durch Jedermann zum Leben erweckt. Die Werke sind ein spiritueller Filter und es bleiben nur gute Werke im Sinn der ankatholisierten Spiritualität dieses Stücks hängen. Die weibliche Häßlichkeit und Schwäche der Personifizierung der Werke auf der Bühne ist ein Spiegel Jedermanns. Wir müssen daraus schließen, daß Moralität weiblich ist und die Buhlschaft der amoralische Kontrapunkt dazu. Die alte Geschichte von der Heiligen und der Hure wird da nachvollzogen. Oder besser. Diese alte Geschichte wird vorausvollzogen. Denn. Durch die Anlage in einem ungefähren Mittelalter wird ja alles, was da so gesagt wird, als in sehr viel früheren Zeiten Gesagtes behauptet. Ein geschlecherstiftender Mythos, wie der von der Huren und der Heiligen. Der wird damit neuerlich als vergeschichtlicht behauptet und bekommt so eine nette und neuerliche Erfrischung aus dieser behaupteten Geschichtlichkeit. Diese Behauptung wird ja in der Theateraufführung in die vorgelebte und unmittelbare Realität dieser Aufführung zur Wirklichkeit gemacht. So war das, wird dem Publikum vermittelt.  Das ist Ideologisierung vom Allerbesten. Ein Idealtypus von Ideologisierung ist das.</p>
<p>Der Kapitalist Jedermann bleibt dem folgend  auch in seinem Tod allen kapitalistischen Prinzipien treu. Darin natürlich kümmert ihn die Buhlschaft nicht mehr. Die Buhlschaft findet nicht eimal mehr in den Bühnenanweisungen Platz genug, von der Bühne geholt zu werden.</p>
<p>Jedermann versucht es erst konventionell und verlangt von seinen Abhängigen die Begleitung ins Grab hinein. Die Idee, daß diese Frau wie eine indische Witwe mit ihm ins Grab soll, diese Idee scheitert an der Verachtung von dieser Frau. Oder besser. Diese Idee scheitert an der Selbstverachtung des Männlichen, das die Verstärkung durch Männliches zu seiner Sicherheit benötigt. Nachdem die Gesellen und Vettern abgesagt haben und das Geld die Machtverhältnisse umbenannt hat, kapitalisiert Jedermann seine Verfehlungen. Obwohl. Wir wissen ja von keiner größeren Verfehlung. Der Teufel zählt zwar einige auf, aber konkrete Kunde bekommen wir davon nicht.</p>
<p>(„Konkrete Kunde.“ Dieser tümelnde Kauderwelsch an Sprachvermutungen Hoffmannsthals färbt sofort auf den Leser und die Leserin in unsäglicher Weise ab und führt zu solchen Formulierungen.)</p>
<p>Wir hören keine konkrekte Anklage Jedermanns. Es gibt kein ordentliches Gerichtsverfahren. Die Gewalten sind nicht voneinander getrennt. Jedermann ist lange vor der französischen Revolution situiert und kann in Geständnisse zerfließen. In diesen Geständnissen vollführt Jedermann die von ihm verlangte Einordnung. Jedermann fügt sich in die verlangte Unterwerfung und die beiden Frauen und seine Mutter freuen sich. Jedermann bringt seine Unterwerfung in den Tauschhandel ein und befriedet damit den Gott des Eingangsmonologs, der ziemlich grantig eine Art spiritueller Steuerprüfung abhalten will, weil man nicht so lebt, wie es ihm gefällt. Ein recht lächerlicher Gott ist das. Ein Zirkusgott halt.</p>
<p>Die Buhlschaft. Eine Schauspielerin wird immer nach ihrem Körper gemessen. Diese Messung wird sexistisch sein. Es gibt ja keine andere Sichtweise des weiblichen Körpers in der Öffentlichkeit als die Messung von attraktiv und nicht attraktiv. Attraktivität setzt voraus, daß Begehren aufgerufen werden kann. Sexuelles Begehren wird durch die jugendlichen sekundären Geschlechtsmerkmale angeregt. Deshalb muß die Buhlschaft ihren Busen so weit wie möglich entblößen. Und sie muß jung sein. Die Buhlschaft muß nämlich fotografiert werden und mit dem Bild der jeweiligen Schauspielerin als Darstellerin der Buhlschaft die Verbreitung der Bilder von einem solchen Stück betrieben werden. Die Attraktivität der Schauspielerin wird in der Darstellung der Buhlschaft zur Attraktivität dieses Ereignisses gesteigert. Wir könnten auch sagen, daß diese Attraktivität wieder die Personifikation dieses Ereignisses darstellt und damit in einem doppelten Bogen die Darstellung der Sexarbeiterin Buhlschaft im Foto der Darstellerin der Buhlschaft  eingesetzt wird. Je nach Blickwinkel wird ein solcher Einsatz Karriere genannt werden können. Oder ganz einfach sexistisch.</p>
<p>Die Wahrheit ist, daß Karrieren wahrscheinlich nur sexistisch zu machen sind. Je nach Geschlecht und der damit verbundenen, kulturell fixierten Attraktivität.  Deshalb hoffe ich, daß die Buhlschaft eine höhere Gage bekommt als der Darsteller des Jedermann. Die Buhlschaft muß sich schließlich in einer ganz anderen Weise zu Verfügung stellen. Das kann sie nur eine begrenzte Zeit. Die Darstellung von Geschlecht ist auf Jugendlichkeit beschränkt. Ich hoffe auch, daß die Buhlschaft so früh wie möglich von der Bühne kann und in aller Ruhe ein kühles Bier trinken. Oder was auch immer.</p>
<p>Die Buhlschaft kann auch aus dem Stück gestrichen werden. Sie taucht in dieser Männerwelt ohnehin wie eine pflichterfüllende Beifügung auf. Es genügte, es würde über ihre Bezahlung geredet. Dann müßte sie nicht gesehen werden. Die Gage sollte sie trotzdem bekommen und offizielle Fotos werden im Rollkragenpullover gemacht. Dann könnte uns diese unsägliche Veranstaltung des Jedermann vielleicht einen Schritt weiterbringen. Einen winzigen. Eine Bewußtmachung. Und die schöne junge Schauspielerin könnte eine ganz andere Rolle in aller Ruhe studieren. Oder eine Umschulung machen. Wie alle Sexarbeiterinnen und ihre Darstellerinnen hat sie das Recht auf Bildung.</p>
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		<title>SALZBURGER FESTSPIELE.  Für heuer zum letzten Mal und ein Wiederkritisieren im nächsten Jahr.</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 10:34:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Was der ORF im Fernsehen nicht zeigen wollte. Am 24. Juli 2009 wurde ein Interview mit Marlene Streeruwitz vom ORF-Fernsehen aufgenommen, das für den Kulturmontag am 27. Juli 2009 gedacht war, der die Salzburger Festspiele zum Thema hatte. Das Interview wurde dann in der Sendung nicht ausgestrahlt. Die Frage, ob die Salzburger Festspiele notwendig sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was der ORF im Fernsehen nicht zeigen wollte.</p>
<p>Am 24. Juli 2009 wurde ein Interview mit Marlene Streeruwitz vom ORF-Fernsehen aufgenommen, das für den Kulturmontag am 27. Juli 2009 gedacht war, der die Salzburger Festspiele zum Thema hatte. Das Interview wurde dann in der Sendung nicht ausgestrahlt.</p>
<p><em>Die Frage, ob die Salzburger Festspiele notwendig sind oder ein notwendiges Übel zu nennen wären.</em></p>
<p>Die Antwort: Also ich glaube, daß jetzt die Zeit wirklich gekommen ist sich zu fragen was notwendig ist und was nicht und da würde ich die Salzburger Festsiele zu den absolut nicht notwendigen Dingen zählen. Es geht doch darum was wollen wir wem bezahlen und den Eliten ihre Selbstdarstellung zu bezahlen ist vielleicht gerade nicht die Zeit wenn die Eliten so versagt haben wie sie das jetzt haben.</p>
<p><em>Die Frage, was denn eine gültige kulturelle Elite darstellte</em></p>
<p>Die Antwort: Also für mich ging es immer darum, Kunst zu machen die demokratisch einen Sinn macht und nie die Selbstbestätigung von Gruppen betreibt, was ja hier ganz eindeutig der Fall ist. Ich glaube sogar innen, nach innen, die Personen die da arbeiten stellen natürlich eine Art innere Politik her, die sich selbst bestätigen muß. Das hat aber mit der Qualität garnichts zu tun, die gelingt manchmal, meistens nicht.</p>
<p><em>Die Frage, ob in Salzburg noch in irgendeiner Form, kritische Wahrheitssuche der Kunst stattfinden kann und ob das überhaupt je stattgefunden hat</em>.</p>
<p>Die Antwort: Also ich glaube schon die Gründung verbietet das, weil es ja die Selbstbestätigung einer Gruppe sein sollte. Wenn Reinhardt sagt oder Hofmannsthal, er wolle sein Weimar machen, dann ist Weimar ja nun wirklich keine demokratische Umgebung gewesen. Das ist eine Fürstenresidenz in der ein deutscher Dichter als Intendant gearbeitet hat. So einfach kann man das sehen. Der ja dann auch wegen der Lieblingsschauspielerin des Fürsten abtreten mußte. Es ist eine ganz einfache Geschichte die sich im Nachhinein verklärt hat. Aber das erfolgt jetzt indirekt. Über den Zugriff auf das Budget, bildet sich eine politische Elite, die über die Verteilung der Mittel an Kulturschaffende diesen Kulturschaffenden signalisiert eine Elite zu sein. Und diese zwei Eliten bestätigen einander und Personen die dazugehören wollen kaufen sich Karten um dort hineinzugehen. Das ist im grundgenommen eine Selbsthilfegruppe, die halt das Geld und die Macht hat sich eine teure Selbsthilfegruppe zu leisten und wir bezahlen’s.</p>
<p><em>Die Frage, ob die Salzburger Festspiele ihre identitätsstiftende Wirkung heute noch ausüben können.</em></p>
<p>Die Antwort: Das war doch der sicher eigenartige Versuch, ein österreichisches Weltbürgertum herzustellen die in dem eine Art vorsichtiger Intellektualität mit Nostalgie verbunden wurde, die aber sehr so das militaristische Österreich des monarchistischen Offiziers betroffen hat. Hofmannsthal war da auch ganz sicher federführend in der Beschreibung einer nostalgischen österreichischen Identität, die aber immer vergangenheitsbezogen war. Und der Versuch gleich einmal in die Welt zu springen, um sich das Österreichersein zu ersparen, was nicht zu machen war. War ja auch nicht zu machen. Wir sehen heute, daß das einzig Identitätsstiftende der österreichischen Identität der Antisemitismus ist, nach wie vor, die einzige durchgeführte Linie, alles andere wurde zerstört oder verhindert und so gesehen ist das ja auch etwas, was von der Demokratiekultur her angegriffen werden müßte und notwendigerweise anzugreifen ist. Das man sagt, warum werden hier dieser Elitenbildung gegen die Anderen Fördermittel gegeben. Weil es ist ja ein klarer Einschluß, ich gehöre zu den Festspielteilnehmern und ich glaube, die Teilnehmerinnen zählen sich als Teilnehmer, und in der heutigen Kultur ist das ja geradezu kontraproduktiv.</p>
<p><em>Die Frage, ob so etwas wie die Salzburger Festspiele eine typisch österreichische Geschichte darstellten.</em></p>
<p>Die Antwort:  Ich glaube, daß Bayreuth Ähnlichkeiten hat. Nur Bayreuth war ganz deutlich als deutschnationalstiftend gedacht. Dieses österreichische Weltbürgertum hat sich ja nicht durchziehen lassen, hat sich ja nicht erobern lassen durch das nach-dem-ersten-Weltkrieg-Österreich und ist ja dem Faschismus und Nationalsozialismus vollkommen anheim gefallen bzw. war offen zur Okkupation. Das ist auch nur ein Territorium. So ein Festspiel ist auch nur ein Territorium und wird sich immer den Mächtigen geben, wann immer es notwendig ist, weil es ums Geld geht und nicht um die Kunst. Und wenn das anders wäre, wären die Salzburger Festspiele nicht das was sie sind. Und deswegen finde ich, daß wirklich zu besprechen wäre, wer das bezahlen soll. Alles. Im Übrigen gibt es ja auch etwas zu sagen zur Umwegrentabilität. Das größte Märchen der Wirtschaft ist die Umwegrentabilität, weil da tragen Leute ein, was angeblich den Umweg beschreibt und das ist dann reine Fiktion. Das ist die wahre Erzählung und ich würde das sehr genau darauf anschauen, wer sich da hineinreklamiert in die Umwegrentabilität und davon etwas hat. Es ist weder Kunst, es ist sicher nicht Kultur es ist nicht gesellschaftstiftend und es ist in der Abgrenzung gegen die Anderen wahrscheinlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Faschistoid" target="_blank">faschistoid</a>.</p>
<p><em>Die Frage, ob frau, wenn sie bei diesen Salzburger Festspielen etwas mitzureden hätte, erstens mitreden wollte und zweitens, wie sie mitreden würde?</em></p>
<p>Die Antwort: Also ganz sicher gibt es da keine Möglichkeit, etwas zu machen für mich, weder in der Form, daß ein Text von mir da aufgeführt würde noch daß ich da selbst etwas tue. Sie würden sich ja einreihen in eine Jagdgesellschaft, die zwar behauptet auf der Jagd nach Kultur zu sein, die aber gleichzeitig qualitative Standards schafft, die den Blick auf Kunst und Kultur vollkommen verstellen und es nicht mehr aushaltbar machen, daß etwas nicht so perfekt ist. Und das ist aber genau das was Kunst immer aufweisen muß, daß es um die Suche nach dem Nichtperfekten geht, weil dort die Probleme sind und dort die Wahrheit liegt. Und diese eindeutige Wahrheit einer perfekten Opernaufführung, das ist die wahre Lüge. Das ist lächerlich, an dem Abend zu glauben, daß in dem symphonischen Seufzer der dem Publikum ermöglicht wird, etwas anderes ist als die Bestätigung des Kapitalismus, den wir jetzt gerade kurz begraben haben.</p>
<p><em>Die Frage, ob es ein notwendiger Anspruch an sich selbst ist, mit den Salzburger Festspielen nichts zu tun zu haben.</em></p>
<p>Die Antwort:  Ich hab das Erlebnis, daß in den Salzburger Nachrichten, weil mich dieser Vorgang interessiert, wie die Antidemokratie performiert wird in solchen Zusammenhängen, eine Kolumne, die sich fast nur damit beschäftigte, was Öffentlichkeit und Kunst miteinander zu tun haben, die wurde mir nach der siebenten Folge vom Chefredakteur der Salzburger  Nachrichten abgestellt, weil ich mich mit den Sponsor Nestlé beschäftigt habe und nur den Satz geschrieben habe „Darüber könnte man auch anders denken“. Und genau das ist der Punkt, warum es nicht akzeptabel ist, weil, wenn ich nicht mehr anders denken darf, ist die Möglichkeit auf Kunst verschlossen.</p>
<p><em>Die Frage, warum es die Salzburger Festspiele bräuchte oder ob es sich nur um Selbstbeweihräucherung da handle.</em></p>
<p>Die Antwort: Es ist ja jetzt eine indirekte Zensur. Sie werden eingeladen, in einer Gruppe mitzumachen, die ein bestimmtes Ziel hat, es ist nichts anderes, als ein Konzernziel. Sie sind einer corporate identity unterworfen, die ihnen vorschreibt, daß Sie hier das Beste zu geben haben. Das ist Zirkus. Da ist ja kein Versuch mehr möglich. Da ist kein Suchen möglich. Das heißt, Sie müssen mit einem perfekten Konzept dort einkrachen und die perfekteste Zirkusgeschichte hinlegen und Orchestermusik Oper  &#8211; Schauspiel vielleicht noch am wenigsten. Aber auch der geprobte Abend ist auch nichts anderes als ein militärischer Akt des Wiederexerzierens von Dingen. Und das ist alles für Personen, die wie wir heute leben, angewiesen darauf sind, ihre Identität jeden Tag neu zusammenzustellen und das aber in einer demokratischen Form, ohne anderer Leute ihren Platz so zu kosten, daß die keine Luft mehr bekommen. Dafür ist das alles nicht das Vorbild, das ist nichteinmal praktisch. Das gibt nichteinmalmehr die Möglichkeit, das nächste Frühstück unter einem bestimmten Blickwinkel zu organisieren und zu essen. Also, es ist wirklich nur nostalgischer Seufzer und es ist auch langweilig. Also, wer will sein Leben mit so etwas zubringen. Und ich glaube, das Geld, das da verdient wird &#8211; mittlerweile ist das auch nicht mehr so toll &#8211; gewährleistet das persönliche Glück auch nur in Maßen, wie wir heute sehen, wenn wir die Wetterentwicklungen anschauen. Und so gesehen, kann man gleich auch drauf verzichten.</p>
<p><em>Die Frage, ob Repräsentationskunst überhaupt die Möglichkeit böte, widerständig und kritisch zu sein, oder ob repräsentative Kunst in jedem Fall den Eliten und Machtstrukturen zuarbeite.</em></p>
<p>Die Antwort: Nein, es ist doch die Frage, ob sie aus den Hegemonien ausscheren. Die Hegemonien bedeuten doch, daß in dem Augenblick, in dem sie sich einordnen oder unterwerfen, alles was sie tun werden, eben eingeordnet und unterworfen sein wird. Es geht doch darum, daß jeder Schritt in die Arbeit mit den Hegemonien. Und wenn sie vor Hegemonien und für Hegemonien etwas arbeiten, dann liefern sie nur das Material für die Erfrischung dieser Eliten. Es gibt keine Möglichkeit eine Arbeit vorzulegen, die den Widerstand für sich behalten könnte. Im Gegenteil, der in einer Arbeit aufgehobene Widerstand wird besonders dazu beitragen, die Hegemonie zu erfrischen.</p>
<p><em>Die Frage, Sloterdijk habe ja die Salzburger Festspiele auch seziert und unter anderem von einer Selbstfeier der Inaktualität gesprochen. Würden Sie dem zustimmen?</em></p>
<p>Die Antwort; Ja. Das ist das, was ich altmodisch und langweilig nenne.</p>
<p><em>Die Frage ist, welche Aufgabe Sie den Salzburger Festspielen zuschreiben könnten.</em></p>
<p>Die Antwort: Die Salzburger Festspiele sind eine Permanenz des Gedankens der Kulturhauptstadt und wir sehen an den Kulturhauptstädten wie wenig daraus für die jeweilige Stadt zu gewinnen ist, vor allem für die Bewohner und die Bewohnerinnen. Die Salzburger Festspiele waren von Anfang an Kolonialisierung, nie hat eine Salzburger Person etwas dazu gesagt oder sagen können. Es ist immer eine Art Besatzung gewesen und ist das geblieben. Und daß die Salzburger und Salzburgerinnen sich daran gewöhnt haben, ist etwas anderes als daß es richtig ist. Und ich weiß, daß der Salzburger Bürgermeister mir einmal gesagt hat, daß er das ganz gern hat das es die gibt, obwohl er ja ein Sozialdemokrat ist und ein bestimmtes Verständnis von Kultur dadurch eigentlich zu erwarten wäre. Und er hat es aber so erklärt, daß dann die Lokale länger offen haben und daß dann eine schöne Zeit in Salzburg ist. Also, wenn es darum geht, daß die Lokale länger offen haben und die Salzburger eine schöne Zeit haben, vielleicht ist das genug, ich weiß es nicht, ich glaube nicht.</p>
<p>Wobei ich glaube, daß die Geschichte mit Thomas Bernard ‚72 mit „Der Intrigant und der Wahnsinnige“ ein Bruchpunkt war, in dem auch deutlich zu sehen ist ,wie ein österreichischer Autor eigentlich die Geschichte der Salzburger Festspiele sehr genau, sehr schön verschlüsselt vorlegt. Wie über die Inbesitznahme durch den deutschen Regisseur Peymann die Inszenierung in etwas gerät, das die Fassbarkeit des Textes reduziert, die Aufführung aber ästhetisiert – ein Vorgang der Oper- und wie dann die Reaktion des Festspielpräsidenten dazu führt, daß letzten Endes mit Hilfe dieser sehr widerständigen Anlage von Thomas Bernhard, mit Hilfe der sehr widerständigen, aber auf Provokation ausgelegten Umsetzung von Peymann, letzten Endes die Salzburger Festspiele strahlend ausgestiegen sind und sagen konnten, wir haben es ja versucht „modern“ zu sein und das ist uns nicht gelungen, weil es hat ja gar keinen Sinn. Und da ist etwas passiert, das bis heute wirkt. Und das ist die Veraltstrumpfung der Salzburger Festspiele und es gehen eben die Altstrümpfe hin und das muß so sein, da muß man sie unter sich lassen.</p>
<p><em>Die Frage, wenn die Salzburger Festspiele nicht dem Bereich der Kunst und Kultur zugehören unter welchen label würden die Salzburger Festspiele dann laufen.</em></p>
<p>Die Antwort: Ich glaube, den Salzburger Festspielen würde es sehr gut tun, endgültig unter Tourismus zu laufen, dann könnten die verschiedenen Strukturebenen auch anders besprochen werden. Es könnten zum Beispiel Einsparungen gemacht werden, daß der Jedermann nur mehr als Großvideoanlage gezeigt wird. Den Touristen wäre es gleichgültig. Es ist ja auch eine Selbsterhaltung von eigenartigen Format zu behaupten, das müßte nun life aufgeführt werden. Auf der anderen Seite ist der Jedermann auch das Kernstück des Kapitalismus. Wenn sie den Jedermann genau lesen, sehen sie: der Schuldner ist am Anfang der Grund warum das Treffen mit der Frau des Schuldners und seinen Kindern zu diesen ganzen Entwicklungen führt. Also die dramatische Entwicklung wird über den Schuldner und seine Frau gemacht. Am Ende aber wird der reiche Mann von wiederum drei Frauen ins Grab begleitet, und es wird ihm alles ganz leicht gemacht, und der Schuldner ist vergessen und sitzt nach wie vor im Schuldturm. Das wird nicht so richtig herausgearbeitet, letzten Endes erfahren wir eine Wahrheit, in der wir täglich leben, nämlich daß die Lasten vergesellschaftet werden und der Nutzen für die kleinen Wenigen aufbewahrt wird. Das zum Beispiel könnte ein Tourismusminister viel besser besprechen, ob man da nun der Zeit einen Platz einräumen sollte vielleicht den Schuldner von einem Hollywood Schauspieler spielen lassen und die Sache aktualisieren. Ich glaube, Gesellschaftskritik ist in der Form ja sowieso nicht mehr möglich, da kann man es auch gleich bestätigen aber dann klar und deutlich. Und mit den richtigen Formen. Und dann wirklich das Spiel der Tölpel auf dem Domplatz und nicht der ästhetisierte Herumtuerei als wäre es was Besonderes. In Wirklichkeit ist es die Bestätigung einer Kultur des Nehmens und nie etwas Gebens.<em><br />
</em></p>
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		<title>Salzburger Festendspiele</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2007 18:11:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz über das unschöne Ende ihrer Kolumne in den &#8220;Salzburger Nachrichten&#8221;. profil, 11. September 2007.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/profil-100907.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-346" title="Salzburger Festendspiele" src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/profil-100907-150x205.jpg" alt="Salzburger Festendspiele" width="150" height="205" /></a></p>
<p><span class="documentDescription">Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz über das unschöne Ende ihrer Kolumne in den &#8220;Salzburger Nachrichten&#8221;.</span></p>
<div class="wysiwig-plain">
<p>profil, 11. September 2007.</p></div>
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		<title>Modischorange.</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Sep 2007 18:20:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorweg: Der folgende Text sollte ebenfalls in der Kolumnenreihe der Salzburger Nachrichten erscheinen, fiel aber der Zensur zum Opfer! In der Hauspostille der Salzburger Festspiele &#8220;Daily&#8221; finden sich dann die Beweise. Ganz ungeniert. Ja. Treuherzig selbstverständlich erzählt da die Macht von sich und stellt sich als Familienereignis vor. &#8220;Hochzeit mit Nestlé.&#8221; steht da geschrieben und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock"><a href="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/profil-1009071.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-351" title="Modischorange." src="http://eliZZZa.net/mstr/wp-content/uploads/2009/05/profil-1009071-150x205.jpg" alt="Modischorange." width="150" height="205" /></a>Vorweg: Der folgende Text sollte ebenfalls in der Kolumnenreihe der Salzburger Nachrichten erscheinen, fiel aber der Zensur zum Opfer!</span></p>
<div class="rahmen-textblock">
<p><span class="textblock">In der Hauspostille der Salzburger Festspiele &#8220;Daily&#8221; finden sich dann die Beweise. Ganz ungeniert. Ja. Treuherzig selbstverständlich erzählt da die Macht von sich und stellt sich als Familienereignis vor.</span></p>
<p><span class="textblock">&#8220;Hochzeit mit Nestlé.&#8221; steht da geschrieben und dann wird die Liste der Anwesenden angeführt. Hochzeit. Das ist das familiärste Ereignis, das möglich ist. Zwei Familien werden über die Vereinigung des Paares zusammengeführt und beschließen, die Kinder dieses Paares als zur Familie gehörig anzuerkennen. Eine Erbgemeinschaft wird eingegangen. Hochzeit hat bei uns immer noch weitreichende rechtliche Folgen, die alle, den beiden Familien Zugehörigen betreffen. Und. Es gibt Geschenke. Das Ereignis des Beginns einer neuen Familie wird von einer Flut von Geschenken begleitet.</span></p>
<p><span class="textblock">Was bedeutet es also, wenn die Salzburger Festspiele &#8220;Hochzeit mit Nestlé.&#8221; zu ihrem Hauptsponsor verkünden. Zuerst einmal erinnern wir uns wieder einmal daran, daß die Salzburger Festspiele aus Steuergeldern finanziert sind. Sponsoren setzen sich auf diese Basis. Und. Sponsoren berechnen ihre Investition aufs Genaueste. Und. Sponsoren wollen einen persönlichen Gewinn beziehen. Deshalb lädt der Präsident von Nestlé zum Empfang vor dem Opernabend ein und die Salzburger Festspiele nennen das dann &#8220;Hochzeit&#8221;. Eine innige Verbindung wird damit beschrieben. Eine Verbindung der Personen ist das. Und ein langer Zeitraum wird mit diesem Begriff angedeutet.</span></p>
<p><span class="textblock">Selbstverständlich hat das alles mit Kultur nichts mehr zu tun. Hier wird in aller Deutlichkeit offenkundig, daß die Festspielbesucher sich selbst inszenieren. In der barocken Kulisse wird neofeudal Gesellschaft gespielt. Das Geld stellt hier die Verwandtschaften her. Diese Inbesitznahme eines symbolischen Raums, der aus Geschichte und der historisierenden Reproduktion von Kulturereignissen hergestellt wird. Da sind die Inbesitznahme und der symbolische Raum nicht nur nicht demokratisch. Dieser Vorgang ist antidemokratisch. Und selbst wenn Nestlé oder Credit Suisse oder wer immer die gesamten Festspiele finanzierte. Es wäre immer noch öffentlicher Raum, der besetzt wäre. Und in einer globalisierten Welt bliebe die Frage zu stellen, woher das Geld des Sponsorings letzten Endes wirklich herkäme. Das Geld von Nestlé. Da gibt es reichlich Nachtseiten.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Daß es nicht um Kultur geht. Das beweist dann der letzte Programmpunkt der &#8220;Hochzeit mit Nestlé&#8221;. Am Ende des Hochzeitsempfangs mit Promis aus Wirtschaft und Politik tritt dann der Intendant Flimm auf und gibt eine Einführung in Mozarts Meisterwerk. Nun hat ein Mann, der alles, also auch Opern inszeniert, sicherlich eine Meinung zu Mozart und dessen Meisterwerken. Aber das ist eine Meinung. Aber. Das ist dann auch schon alles, wofür eine solche Sponsorgemeinschaft sich interessieren mag. Hier wird konsequent der unerträgliche Dilettantismus des Mozartjahrs weitergeführt. Es wird nicht jemand eingeladen, der oder die zu Mozart forscht. Fachpersonen, deren Auskunft auf der wissenschaftlichen Suche nach Wahrheit beruhte. Es wäre zu erwarten, daß man sich nur die Besten herbeiholte und so die Grundlage des &#8220;Kunstgenusses&#8221; aufs luxuriöseste aufbaute. Nein. Eine solche Privilegierung will man sich bei der Hochzeit mit Nestlé nicht leisten. Wie der Clown bei der Kinderjause tritt einer auf und erzählt, was er sich halt so denkt, wenn er eine Mozartoper im Auto hört. Ja. Das ist tief. Das ist grandios. Das ist doch unübertroffen. Ein unwissentlicher Universalismus des Geniekults kann so aufrechterhalten werden. Das tut allen nach dem Champagnercocktail gut. Nur nichts Schwieriges. Aber dafür Sentimentales. Und alle können sich selber tief und grandios und unübertroffen fühlen. Alle halt, die sich einladen und die sich dieses Salzburg kaufen. Die, die gekauft werden, die müssen einen Beitrag leisten. Wie so eine Einführung. Aber auch das entspricht dem Ritual der Kinderjause. Das ärmste Kind muß beim Karaoke am schönsten singen.</span></div>
</div>
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		<title>Neonrosagoldglänzend.</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Aug 2007 17:22:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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		<description><![CDATA[In: Salzburger Nachrichten August 2007 Der Höhepunkt der Kinderjause ist erreicht. Nachdem die aus Steuergeld und Sponsormitteln bezahlten Canapés und der Prosecco oder Champagner der Eröffnungen von den Unterhaltungsvermittlern wie Intendanten, Festspielpräsidenten, Dirigenten und Regisseuren mit den, das Steuergeld verwaltenden Politikern und den Sponsoren verzehrt und getrunken wurden, treten nun die Protagonisten auf. Die weibliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">In: Salzburger Nachrichten August 2007</span></p>
<p><span class="textblock">Der Höhepunkt der Kinderjause ist erreicht. Nachdem die aus Steuergeld und Sponsormitteln bezahlten Canapés und der Prosecco oder Champagner der Eröffnungen von den Unterhaltungsvermittlern wie Intendanten, Festspielpräsidenten, Dirigenten und Regisseuren mit den, das Steuergeld verwaltenden Politikern und den Sponsoren verzehrt und getrunken wurden, treten nun die Protagonisten auf.</span></p>
<p><span class="textblock">Die weibliche Form können wir uns hier ersparen. Die Salzburger Festspiele sind Dienst für die sich zulassenden Zugelassenen. Der Zutritt wird durch politische Macht oder Bedeutung durch Geld oder durch allgemeine Zustimmung zu beidem erworben. Die, die da teilnehmen. Die spielen mit. Mittlerweile ist das wörtlich zu nehmen. Und wenn Geschlecht gespielt wird, dann ist das auch nur noch eine der vielen Rollen.</span></p>
<p><span class="textblock">Das hat auch damit zu tun, daß alle Grenzen aufgehoben werden, die Kultur herstellen könnte. Der erweiterte Kunstbegriff, der einmal eine Demokratisierung der Kunst herbeiführen hätte sollen. Dieser erweiterte Kunstbegriff wird von denselben Personen, die ihn einmal ausriefen, heute auf die Zugelassenen beschränkt. Es handelt sich um einen eingegrenzt erweiterten Kunstbegriff. Also auch nur um eine Spielform des Elitären, das bewußt auf eine Gruppe bezogen wird. Das kennen wir aus der Geschichte so.</span></p>
<p><span class="textblock">Aber. Gegenüber damals. Die Aufhebung der Grenze zwischen Bühne und Publikum wird nicht zur Erweiterung der Kritik von der Bühne ins Publikum benutzt. Das Publikum der ausgewählt Zugelassenen versetzt sich in den Besitz der Bühne und verschafft sich so ein Erlebnis. Die Verschiebung der Berichterstattung über Festspiele von der Kultur zur Gesellschaftskolumne ist dann ein logisches Ergebnis dieses Vorgangs. Das Publikum selbst ist Mitspieler. Die Festspiele werden zur Bühne dieser Selbstdarstellung. Ohne jeden kritischen Impuls in einer ewigen Weiterschreibung des nicht begriffenen Elends tanzt das dahin. Wie gesagt. Das reichste Kind bekommt den Preis. Hier ist das der Auftritt vor der Kamera. Und. Kleiderkauf und Dirigieren werden dann gleich wichtig. Und wie immer ist auch hier eine der Wahrheiten dargestellt.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Abwesenden erst machen die Festspiele selbst zur Inszenierung. Die, die nicht eingeladen wurden. Die Abwesenden machen die Festspielmacher und die Festspielteilnehmer zu Figuren, wie sie dann in &#8220;Ein Fest für Boris&#8221; auf der Bühne auftreten. Es ist also alles richtig und alles wahr und durchaus im Sinn der Gründer. Gesellschaftsberichterstattung ist ganz ernsthaft die einzige Möglichkeit über die Gesamtinszenierung zu berichten. Es muß der Kuß des, einstmals linken Intendanten der Hand der, immer wertkonservativ gewesenen Festspielpräsidentin berichtet werden. Eine ästhetische Deutung kann nur noch aus diesen Beziehungen erfolgen und nicht nach dem, was auf den Bühnen präsentiert wird.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Kultur ist das nicht. Kunst war das im 19. Jahrhundert. Das bleibt alles im Quasifamilialen. Es wird ja auch von der Festspielgemeinde gesprochen. Von der Festspielfamilie, zu der zu gehören sich in Geld ausdrückt. Haben oder verdienen. Die Protagonisten und die Unterhaltungsvermittler jedenfalls kommen gern nach Salzburg. Es heißt, in Salzburg flösse das Geld wie nirgendwo. In dieser Erzählung von den Salzburger Festspielen steigt dann endlich ein richtig schwärmerischer, spätromantischer Ton auf. Ganz nach dem Gründungskonzept.</span></div>
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		<title>Votingschrill.</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jul 2007 17:21:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das mit dem voting. Sei es bei big brother oder im Traumhaus oder bei Olympiabewerbungen. Das mit dem voting ist ein ähnliches Problem wie die Frage, ob öffentliche Geschenke überhaupt möglich sind. Die Frage ist ja, ob wir nicht insgesamt in einer einzigen großen Kinderjause leben und den Zufällen auf so einer Veranstaltung hilflos ausgeliefert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Das mit dem voting. Sei es bei big brother oder im Traumhaus oder bei Olympiabewerbungen. Das mit dem voting ist ein ähnliches Problem wie die Frage, ob öffentliche Geschenke überhaupt möglich sind.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Frage ist ja, ob wir nicht insgesamt in einer einzigen großen Kinderjause leben und den Zufällen auf so einer Veranstaltung hilflos ausgeliefert sind. Aber erinnern wir uns. Einer der Hauptsätze für die Kinderjause lautet, daß das reichste Kind immer gewinnt.</span></p>
<p><span class="textblock">Wenn nun auch Politiker und Politikerinnen ihr Dirndl und ihren Trachtenanzug angezogen haben und ausgezogen sind, die Tombola zu gewinnen. Und wenn diese Politiker feststellen müssen, daß der erste Hauptsatz der Zufälle der Kinderjause eben lautet, daß das reichste Kind immer gewinnt. Eines konnten wir bei der Übertragung aus Guatemala feststellen, auch die Politiker und Politikerinnen sind mit ihrem Verhalten auf die Votingkultur eingegangen und haben einander umarmend und tränenreich dieses Ausscheiden zu einer privaten Sache gemacht. Die Tränen des Bürgermeisters. Die Umarmungen der Landeshauptfrau. Das tapsige Tätscheln des Bundeskanzlers. Alle diese Gestik hat vorgeführt, daß diese Personen wie bei allen votingshows ihre ganz persönlichen Gefühle vorleben müssen. Daß sie keine öffentliche Person dazwischen schieben können, die zuerst einmal sie selber vor überschießender Emotionalität schützen könnte und erst in zweiter Linie diese &#8220;Menschlichkeit&#8221; vorführt. Deshalb dann die Tränen und Umarmungen. Deshalb dann diese Fassungslosigkeit, die von der Kamera getreulich festgehalten wird.</span></p>
<p><span class="textblock">Natürlich ist das dem wirklichen Leben entnommen. Die Medien spiegeln in den voting shows ja nur die Vorgänge bei der Aufnahme in die Arbeitswelt. Das Bewerbungsgespräch und das Praktikum. Die Bewertung darüber entscheidet über den Eintritt in den Gelderwerb. Das ist bei Olympia nicht anders. Auch bei Olympia versprach man sich Geld und das Prestige, das sich mit Gelderwerb einstellt. Und selbstverständlich ist diese Bewertung nie gerecht. Und nie demokratisch. Mit dem Eintritt in eine solche Bewerbung. Das lehrt uns jede kleine Pipivotingshow im tv. Mit der Teilnahme an einer solchen Bewerbung werden alle Rechte abgegeben und die Bedingungen des votings akzeptiert. Deshalb geht nie irgendjemand wütend ab. Ein bißchen gemault. Das war zu erleben. Aber das ganze in Frage gestellt. Das gab es nie.</span></p>
<p><span class="textblock">Das gibt es nicht mehr. Mit atemberaubender Selbstverständlichkeit steigen also nun demokratisch gewählte Personen mit ihrer gesamten dadurch hergestellten Verantwortung in eine solche voting show ein und lassen sich auf der Ebene dieses Vorgangs privatisieren. Das wird viele heimlich freuen. Es macht vielen Leuten sehr viel Spaß ihre Politiker und Politikerinnen aufs Menschliche zu reduzieren. In einer Vertretungsdemokratie werden dabei aber dann auch die Vertretenen reduziert.</span></p>
<p><span class="textblock">Die Frage muß doch sein, ob eine öffentliche Institution auftreten kann, wie ein privater Verein und sich benehmen, wie ein Fußballpräsident, dem das Ballglück nicht hold ist. Geht es nicht im Gegenteil darum, in einem Bereich wie Stadt oder Land eine Politik zu betreiben, die eine Identität herstellt, die die Stürme der Globalisierung überstehen kann. Wie beim Sponsoring geht es um das Erhalten und Ausbauen von Grundrechten und der Ermächtigung daraus und nicht um deren Abgabe in die Votingregeln.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Eine vermeintliche Rettung. (Übrigens wovor. ) Eine vermeintliche Rettung kann nur aus sich selber kommen. Wenn immer nur in Festspielen und Fremdenverkehr nach außen gelebt wird und der öffentliche Raum an Sponsoring abgegeben wird. Dann hat man natürlich allen Grund zu weinen. Womit können dann solch selbsthergestellte Frustrationen ausgeglichen werden. Mit der vernachlässigten Kultur des Ortes?</span></div>
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		<title>Yasminweiß.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2007/06/10/yasminweis/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2007 17:21:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Weihnachten. Ostern. Geburtstag. Muttertag. Vatertag. Jahrestag. Das sind die Gelegenheiten, zu denen wir Geschenke erwarten dürfen. Die Kinder große Geschenke. Die Erwachsenen Kleinigkeiten. Der neuerdings auch bei uns wichtige Valentinstag. Es geht um die privaten Verhältnisse. Es geht einzig und allein um die Beziehungen. Um die Familie. Immer sind die Geschenke unverdient. Sie sollen dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Weihnachten. Ostern. Geburtstag. Muttertag. Vatertag. Jahrestag. Das sind die Gelegenheiten, zu denen wir Geschenke erwarten dürfen. Die Kinder große Geschenke. Die Erwachsenen Kleinigkeiten.</span></p>
<p><span class="textblock">Der neuerdings auch bei uns wichtige Valentinstag. Es geht um die privaten Verhältnisse. Es geht einzig und allein um die Beziehungen. Um die Familie. Immer sind die Geschenke unverdient. Sie sollen dem oder der Beschenkten erzählen, wie willkommen man oder frau ist. Wie eingeschätzt. Es gibt kein Recht auf Geschenke. Es gibt Erwartungen. Hoffnungen. Befürchtungen. Die Gefühlswelt des Privaten beschreibt sich in den Geschenken.</span></p>
<p><span class="textblock">Was bedeutet es nun, wenn eine Firma oder eine Bank etwas schenkt. Wenn das Geschenk ein Ausdruck des Privaten ist. Heißt das, daß die Bank, die zum Beispiel in Salzburg Kunstwerke aufstellt. Oder die Firma, die das Sponsoring eines Empfangs übernimmt. Heißt das dann nicht, daß dieses öffentliche Schenken private Beziehung nachstellt.</span></p>
<p><span class="textblock">Wenn jemand sich freut, weil ihm sein Netzbetreiber die Grundgebühr schenkt. Versetzt die Person, die sich da freut, nicht in eine Kinderposition. Die Person bekommt etwas geschenkt. Ein Geschenk ist immer unverdient. Der Beschenker möchte eine Freude machen. Können wir nun annehmen, daß der Netzbetreiber der beschenkten Person ganz einfach eine Freude machen will. Selbstverständlich nicht. Aber. Die Verpflichtung, die in der Familie im Schenken ausgedrückt wird. Die Verpflichtung der beschenkten Person. Die wird vom Netzbetreiber hergestellt. Das läuft sehr lustig ab. Da wird dann gesagt, daß das eine klasse Firma ist, weil sie die Grundgebühr verschenkt hat. Und die beschenkte Person steht zum Netzbetreiber in einem persönlichen Verhältnis. Eine Phantasie von Familie bleibt das. Aufgehobenheit. Geborgenheit. Zuwendung. Interesse. Und. Die beschenkte Person stellt alle diese Beziehungsgefühle in der Annahme des Geschenks selbst her.</span></p>
<p><span class="textblock">Wenn nun also zum Beispiel Personen auf dem Residenzplatz einer Videoübertragung einer Oper folgen. Und diese Übertragung ist von einer Firma gesponsert. Was bedeutet die Benutzung eines solchen Geschenks. Nun. Es wird ganz offensichtlich Kindergeburtstag gespielt, bei dem die lieben Kleinen unterhalten werden müssen. Die lieben Kleinen müssen dann aber auch anschauen, was ihnen vorgespielt wird. Sie sind ja eingeladen und haben keine Rechte. Die Gastgeber, die das Geschenk machen. Die müssen sehr höflich behandelt werden. Der öffentliche Ort. Er geht in den Besitz der Schenkenden über. Der Zuschauer läßt sich für die Dauer des Geschenks enteignen. Aber. Man wird sich an sie erinnern, wenn der Name fällt. Oder das Produkt angeboten wird. Dankbarkeit. Eines der privatesten Gefühle überhaupt wird hier vermarktet. Und. Im Augenblick der Geschenkannahme im öffentlichen Raum. Es werden auch noch andere Rechte aufgegeben. Das Recht der Kritik etwa. Alles muß toll und schön genannt werden. Es ist ja ein Geschenk und die Dankbarkeit dafür selbstverständlich.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Und ganz sicher findet dann keine Kultur mehr statt. Kultur kennt im Gegensatz zur Familie keine Geschenke, sondern Rechte und Verpflichtungen und die Auseinandersetzung darum. Jedenfalls soll sich keiner oder keine beim Achterl beim gesponserten Empfang mehr einreden, an Kultur teilzunehmen. Es ist alles Kinderjause. Und das reichste Kind gewinnt.</span></div>
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		<title>Muttertagspastellpfirsich.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2007/05/09/muttertagspastellpfirsich/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2007 17:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Und wieder Geschenke. Muttertag. Selbst bei größtem Widerstand gegen eine solche Nazierfindung gibt es kein Entkommen. Wie gesagt. Geschenke sind Erzählungen des Familiären. Der Mutter nun kein Geschenk dafür zu machen, kommt einer Leugnung ihrer Mutterschaft gleich. In diesem immer lauernden schlechten Gewissen, die Familie zu kurz kommen zu lassen. Da ist das schlechte Gewissen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Und wieder Geschenke. Muttertag. Selbst bei größtem Widerstand gegen eine solche Nazierfindung gibt es kein Entkommen. Wie gesagt.</span></p>
<p><span class="textblock">Geschenke sind Erzählungen des Familiären. Der Mutter nun kein Geschenk dafür zu machen, kommt einer Leugnung ihrer Mutterschaft gleich. In diesem immer lauernden schlechten Gewissen, die Familie zu kurz kommen zu lassen. Da ist das schlechte Gewissen den Müttern gegenüber führend.</span></p>
<p><span class="textblock">Und sie kommen ja auch zu kurz. Die Mütter. Diese unglaubliche Leistung der beschützten Weltvermittlung an das kleine Kind und damit die Herstellung von Welt. Und das in jedem Augenblick. Selbstverständlich und nur im Scheitern besprechbar. Und dann. Ein Geschenk im Jahr. Na gut.</span></p>
<p><span class="textblock">Eine Sprache, in der Elternschaft freundlich beschrieben werden könnte. Unbelastet. Wenn die Geschenke dann nicht symbolisch all das Unausgesprochene ablösen müßten und wirklich Geschenke sein könnten. Aber. Dann müssen es eben die Geschenke sagen. Und nicht immer muß das dann die Wahrheit sein. Und die Werbung drängt sich ja auch noch dazwischen und versucht diesen Erzählfaden aufzunehmen und diese Erzählung zu gestalten. Mittlerweile ist es mehr das Weibliche, das an den Müttern betont wird. Es sind nicht mehr die Haushaltsfunktionen, die da gefragt sind. Die Mixer und Staubsauger, die es zu früheren Muttertagen gab. Damit die &#8220;Mama&#8221; es leichter hat, hieß es da. Heute soll die &#8220;Mama&#8221; schöner werden. Mit Hilfe der Geschenke. Glamouröser.</span></p>
<p><span class="textblock">Das Frau-Sein als Erholung vom Mutter-Sein. Als Belohnung. Das betont die Person. Hoffentlich. Das führt weg von diesem schematischen Mütter-Glück und Mutter-Leid, hinter dem die einzelnen Personen verborgen werden konnten. Hoffentlich. Und. Idealerweise fände sich in der hoffentlich überall erreichten Aufteilung der Elternpflichten dann wenigstens in den Partnerschaften der Eltern eine Sprache, die jeweiligen Kinder zu besprechen. Wenn schon der Zustand selber unbeschreibbar bleibt. Und hoffentlich sind dann die Ängste und das Glück nicht mehr in die Fiktion dieser alles beinhaltenden Mutterschaft gebannt. Mit der ganzen Last, die das der Einzelnen dann aufgebürdet hat.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Ich fände es schön, wenn der Satzanfang, &#8220;Ich, als Mutter&#8221; nicht mehr diese Verteidigungsreden einleiten müßte. Und immer gleich ganze Lebensentwürfe bedeutete. Und noch schöner wäre es, würde dann die Leistung für die Gesellschaft in gesellschaftlicher Anerkennung ohne Umstufung in diese Mutter-Kategorie belohnt. In Zeiten, in denen das Eltern Werden eine Entscheidung ist, die getroffen werden muß. Es stünde der Politik einer Gesellschaft gut an, diese Entscheidung nicht zur Lebensfalle für alle werden zu lassen. Oder zur Entscheidung, wer aufsteigt und wer hinunter muß. Mich hat es immer erstaunt, mit welcher Nonchalance das Desinteresse an der Kleinkinderwelt, den Müttern und wie sie das nun bewältigen sollen, vorgeführt wird. Täglich. Weiterhin. Kein Bereich unserer Leben ist Mutter-Kind-gerecht. Eltern-Kind-gerecht. Wirklich und selbstverständlich. Als Voraussetzung. Also wird es bei den Parfums und Pflegecremen und den Wellness-Angeboten bleiben. Wieder. Die Ablösung der Beziehungsleistung im Privaten der Familie. Wieder einmal muß sie für die Nichtexistenz einer gesellschaftlichen Lösung herhalten. Mütter sollten nur privat Luxusgeschöpfe sein müssen. Oder Väter. In der Öffentlichkeit sollten alle Möglichkeiten eingeräumt sein. Und selbstverständlich so. Kein Geschenk, sondern ein Recht.</span></div>
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		<title>Frühlingsgrün.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2007/04/12/fruhlingsgrun/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2007 17:22:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Werkverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Ostern gab es eine Diskussion. Ob es zu Ostern Geschenke geben solle, wurde gefragt. Oder nur die traditionellen Osterzutaten. Gefärbte Eier. Ostersträuße. Schinken und Kren. Und alles sehr bunt und frisch. Die allgemeine Meinung war dann, daß es kleine Geschenke geben solle. Für die Kinder. Und ganz kleine für die Erwachsenen. Geschenke gehörten zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Zu Ostern gab es eine Diskussion. Ob es zu Ostern Geschenke geben solle, wurde gefragt. Oder nur die traditionellen Osterzutaten. Gefärbte Eier. Ostersträuße. Schinken und Kren.</span></p>
<p><span class="textblock">Und alles sehr bunt und frisch. Die allgemeine Meinung war dann, daß es kleine Geschenke geben solle. Für die Kinder. Und ganz kleine für die Erwachsenen. Geschenke gehörten zum Weihnachtsfest, sagten die einen. Es könne nicht zu jedem Anlaß Geschenke geben, sagten die anderen. Das Schenken würde dann zu einem Normalzustand und wären nichts Besonderes mehr. Ja. Im Gegenteil. Wenn nun auch zu Ostern die Geschenkberge aufgetürmt würden, dann könnte ein Anspruch abgeleitet werden und die Geschenke wären endgültig keine mehr.</span></p>
<p><span class="textblock">Das mit den Geschenken. Jede Familie hat ihren eigenen Stil in dieser Frage. In jeder Familie haben Geschenke eine andere Funktion. Das Schenken ist eine Sprache, mit der sich die Familie selber erzählt. Ganz deutlich in unserer Ostergeschenksdiskussion war aber wieder, daß Geschenke sich auf das Familiäre beziehen. Also auch auf unsere patchwork Beziehungen. Und auf alle Personen, die wir in unsere mittlerweile selbstgemachten Familien einbeziehen. Immer aber betrifft das den privaten Bereich. Und da können Geschenke dann alle Funktionen ausüben. Freude. Willkommen. Wertschätzung. Lust. Anerkennung. Belohnung. Bannung. Friedensangebot. Friedenserhalt. Erpressung. Beurteilung. Einschätzung. Strafe. Gefühle werden ausgedrückt. Die Zustände beschrieben, in denen die Beziehungen gesehen werden. Oder in die sie kommen sollen.</span></p>
<p><span class="textblock">Was bedeutet es dann, wenn mir ein Handynetzbetreiber ein &#8220;Geschenk&#8221; machen will. Welche der angeführten Gefühle sollen mit einem solchen Geschenk ausgedrückt werden. Soll mit dem Geschenk von Gebühren etwa Freude ausgedrückt werden. Oder ein Friedensangebot übergeben werden. Oder eine Einschätzung ausgesprochen werden. Und da findet sich schon der Unterschied. Während die Geschenke des Privaten die Gefühle ausdrücken. Für die auszudrückenden Gefühle stehen. Zeichen dieser Gefühle sind. Während das Geschenk also die Erzählung der Beziehung darstellt, sollen die Geschenke des Öffentlichen Gefühle auslösen. Im Öffentlichen werden Geschenke nur als Verführung eingesetzt. Als Anreiz. Als Auslöser. Weil es die gefühlsgeladene Beziehung zwischen Schenker und Beschenktem nicht gibt, die erzählt werden könnte. Ein Handynetzbetreiber oder ein Elektrowarengroßhandel baut ja nicht erst eine persönliche Beziehung zu mir auf, bevor man mir ein Geschenk anbietet, an das ohnehin Bedingungen geknüpft sind.</span></p>
<p><span class="textblock">Nun versucht Werbung ja meist, die öffentlichen Zusammenhänge in private zu verwandeln. Die Werbung ist damit beschäftigt, uns die ganze Welt als Familie zu verkaufen. Nur so kommt eine Beschreibung der Welt zustande, die sich emotional fassen läßt. Und damit verkaufen. Wer wollte heute schon Unterwäsche kaufen, weil sie getragen werden muß. Weil Personen gekleidet sein müssen. Erst die Verschiebung des Vorgangs des Sich Kleidens in ein gefühlsaufgeladenes Beziehungsgeflecht stellt das Begehren nach dem Produkt her. Deshalb benutzt die Werbung das Geschenk, um im Vortäuschen einer Beziehung eine solche Beziehung zu behaupten. Verführung eben.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Wir haben Zurückhaltung beschlossen. Privat. Wie kann das im Öffentlichen aussehen?</span></div>
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		<title>Kirschblütenrosa.</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2007 17:23:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eliZZZa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Salzburger Festspiele]]></category>
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		<description><![CDATA[Es heißt Abschied nehmen. Endgültig Abschied. Wir haben es lange gemütlich gehabt. Mit dem öffentlich rechtlichen Fernsehen. Seit jeher war der ORF das staatlichste, was wir vorgesetzt bekamen. Das mit Auftrag Staatlichste. Der ORF war die sehr österreichische Selbstverteidigung gegen sich selbst. Mehr Politik als Medium. Aber. Darin konnten wir uns mit allen Dafürs und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wysiwig-plain">
<p><span class="textblock">Es heißt Abschied nehmen. Endgültig Abschied. Wir haben es lange gemütlich gehabt. Mit dem öffentlich rechtlichen Fernsehen. Seit jeher war der ORF das staatlichste, was wir vorgesetzt bekamen. Das mit Auftrag Staatlichste.</span></p>
<p><span class="textblock">Der ORF war die sehr österreichische Selbstverteidigung gegen sich selbst. Mehr Politik als Medium. Aber. Darin konnten wir uns mit allen Dafürs und Dagegen erkennen. Darin bändigte diese österreichische Version alles Selbstdarstellerische. Wir hatten die Barbara Karlich Show. Da war dann immer eine Fachperson zur Stelle, die Welt neben der naiv sich mit ihren Teilnehmern solidarisierenden Moderatorin auch noch professionell zu erklären. Eine Neigung zu Esoterischem auch in Willkommen Österreich. Aber das war immer einer öffentlichen Neugier unterstellt, die uns vor dem Schlimmsten bewahrte.</span></p>
<p><span class="textblock">Nun ist es mit dem Fernsehen insgesamt aus. Die Zuschauerzahlen sinken. Das kostet Werbeeinnahmen. Die Privaten merken das am deutlichsten. Deshalb produzieren sie am billigsten. Billig ist Spott und Hohn und der daraus konstruierte Humor. In Österreich tritt das Privatfernsehen gerade da auf den Plan, wenn dieses Medium mit dem Überleben zu kämpfen beginnt. Die Auseinandersetzung zwischen öffentlich rechtlichem TV und privatem wird so gleich von Anfang an auf tiefstem Niveau begonnen. Und wird zum tiefsten Niveau führen. Führen müssen.</span></p>
<p><span class="textblock">Als Marika Lichter die nackte dicke Frau aufforderte. Marika Lichter hat eine Privatfernsehanstaltsshow, in der sie jeder Person verspricht, sich so sexy fühlen zu sollen, wie sie sich selbst sexy fühlt. Als Marika Lichter die nackte dicke Teilnehmerin ihrer psychischen make over show zu einer Reihe nackter dicker anderer Frauen führte und die schluchzende Teilnehmerin aufforderte sich einzureihen. Sich an dem Platz in der Skala der Reihe der Dicken einzureihen, an dem sie sich selbst sah. Und wie sie die dicke Teilnehmerin dann von ihrem Platz wegführte und mit getragener Stimme der dicken Frau sagte, daß sie nicht zwischen diese ganz Dicken da gehörte. &#8220;Zu denen&#8221; gehörte sie nicht. Sie wäre um einiges nicht so dick wie die. Da denke ich war der Punkt, an dem der Abschied von der geschützten Landschaft der öffentlich Rechtlichkeit und ihren Mindeststandards stattfand. Endgültig. Das war Selektion. Das war esoterische Zurichtung. Das war Verachtung von allen. Von der dicken Teilnehmerin. Von den anderen dicken Teilnehmerinnen. Da wurde Herrschaft ganz altmodisch autoritär über Kleidung hergestellt. Die bekleidete Moderatorin. Die nackten spalierstehenden Frauen. Und immer der Hinweis, die dicke Frau sollte sich selber lieben.</span></p>
<p><span class="textblock">Taschenklappaltarpsychologie in der Art der billigsten amerikanischen Familienfernsehserie.</span></p>
<p><span class="textblock">Aber. Das viele Essen. Das grässliche Dick Werden. Es hat viel mit Fernsehen und dem passiven Konsum davon zu tun. So könnte diese Show dann doch ihr Gutes haben. Es wird noch einfacher werden, sich zu verabschieden und die Figur zu retten. Jedenfalls wird es an solchen Beispielen dann endgültig deutlich, daß Geld an den Sehern und Seherinnen verdient werden muß. Um jeden Preis. Würde. Persönliche Würde jedenfalls kostet es.<br />
</span></p>
<p><span class="textblock">Die Intendanten und Politiker, die uns das private Fernsehen so lange ferngehalten haben. Die haben uns um die Auseinandersetzung gebracht, die eine mediale Kultur hervorbringen hätte können. So haben wir nur die halbstaatlich verordnete kennengelernt. Aber auch das ist vorbei. Wie in so vielen Dingen haben wir uns Demokratie nicht zugemutet und müssen nun mit den dekadenten Resten leben. Aber wie gesagt. Es macht ja ohnehin nur dick.</span></div>
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