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	<title>Marlene Streeruwitz &#187; Ausstellung &#8211; Die Zeit danach</title>
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	<description>Autorin &#124; Regisseurin &#124; Wien &#124; Berlin &#124; London &#124; New York</description>
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		<title>13. Jänner 2010.</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 11:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[13.1.2010 Wir hatten recht, und wir machten es richtig. In der Rückschau. Das Jahr 2000 in der österreichischen Politik war der Beginn einer Verwandlung, in die wir gezwungen wurden. Diesem Zwang ganz einfach davonzugehen war die richtige Antwort. Und die einzige. Im Jahr 2000 wurden wir mithilfe der Effizienzideologie in eine postmaterialistische Welt eingewiesen, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13.1.2010</p>
<p>Wir hatten recht, und wir machten es richtig. In der Rückschau. Das Jahr 2000 in der österreichischen Politik war der Beginn einer Verwandlung, in die wir gezwungen wurden. Diesem Zwang ganz einfach davonzugehen war die richtige Antwort. Und die einzige.</p>
<p>Im Jahr 2000 wurden wir mithilfe der Effizienzideologie in eine postmaterialistische Welt eingewiesen, in der die Globalisierung und der Kapitalismus einander ergänzend die Hierarchien horizontal ausbreiten konnten. Seit 2000 müssen wir täglich lernen, dass allein der Zugang zu Ressourcen über die Möglichkeiten bestimmt. Demokratie kann daraus nicht geschaffen werden. Demokratie verkümmert bei dieser Art der Gliederung. Es wäre ja darum gegangen, die Hierarchien abzubauen und nicht nur im Raum zu drehen.</p>
<p>Der mit 2000 eröffnete öffentliche Marktplatz, der nicht demokratisch organisiert ist, sondern wieder nur über den Besitz von Ressourcen betretbar wurde. Dieser öffentliche Marktplatz stellt eine Mittelalterlichkeit in der Struktur nach und benutzt gleichzeitig metaphysische Motive zur Selbstdarstellung. So kamen die Burschenschaften wieder in ei- ne Selbstverständlichkeit. Gewalt wurde wieder männliche Domäne und gleichzeitig entstaatlicht. Christlicher Glaube bietet sich als Coaching-Instrument an. Der Kardinal sagt, daß die Kirche eine Tankstelle der Seele sei. Und während wir alle auf Haider starrten, übernahm Raiffeisen die Nachfolgestaaten des Warschauer Pakts, die schon in der Monarchie zu Wien gehörten, und die Außenpolitik unterstützte deren Eintritt in die EU. Globalisierung ging plötzlich von Österreich aus. Bündepolitik. Verwirtschaftlichung der Bildung. Zwangseingemeindung der „freien Geister“ in die Kammer der gewerblichen Wirtschaft. Der Terror der Bürokratie als tägliches Erlebnis.</p>
<p>Da fällt es einer nicht schwer, sich das Treiben auf einem mittelalterlichen Marktplatz vorzustellen. Mit den Monopolen der Zünfte. Mit all den Steuern der verschiedenen Bünde. Mit den Wegelagerern, die sich den Rest holen wollen. Und am Ende steht dann unsereine selber da und muß betteln.</p>
<p>Allein dafür war es gut, diese Stadt Wien auf allen Straßen zu begehen. Wir haben einander kennengelernt. Wir wissen heute, daß es damals viele waren, und wir können erwarten, daß wir einander wieder treffen. Wir haben einander geachtet. Beim Gehen. Wir haben sogar mit der Polizei ein Auskommen gefunden und damit dem staatlichen Gewaltmonopol unsere Reverenz erwiesen und uns an die demokratischen Spielregeln für die Gewalt gehalten. Wir wissen, daß wir sehr Verschiedene sind.</p>
<p>Heute. Wir sind alle andere geworden. Wir mußten andere werden. Wir werden uns aber miteinander immer auf diese luftige Freiheit der Bewegung einigen können, wenn der Wandertag beim Volksgarten hinten auf den Ring einbiegt.</p>
<p>Wenn die Politik und die Hochkultur die Selbsthilfegruppen der Eliten sind. Dann waren die Donnerstagswandertage die Selbsthilfemaßnahme der Anti-Eliten. Immerhin wissen nun alle, daß es diese Personen auch gibt. Irgendwann wird sich das dann sogar bezahlt machen. Schauen wir halt. ■</p>
<p>Erschienen am 23.1.2010 in Die Presse</p>
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		<title>Sätze. Leicht hingesagt. Öffentlich.</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 11:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[20.5.2003 Wie das so geht. Die Trennung von Politik und Ethik. „&#8230;.Ich sagte, die Volkspartei muß eine laute Stimme gegen Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus in der Welt sein. Und wir haben in der Bewahrung der Kinderrechte, in den Strafbestimmungen auch international, Internetmißbrauch, all diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden, nur um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>20.5.2003</p>
<p>Wie das so geht. Die Trennung von Politik und Ethik.</p>
<p>„&#8230;.Ich sagte, die Volkspartei muß eine laute Stimme gegen Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus in der Welt sein. Und wir haben in der Bewahrung der Kinderrechte, in den Strafbestimmungen auch international, Internetmißbrauch, all diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden, nur um die Lüste von einigen Erwachsenen befriedigen zu wollen&#8230;..“</p>
<p>So steht das auf Seite 7 von 15 der Parteitagsrede von Wolfgang Schüssel.</p>
<p>Wenn frau im Internet den Suchbegriff „Schüssel“ eingibt, dann bekommt frau zuerst ein Foto zu sehen. Wolfgang Schüssel spricht mit einer Frau. Er steht mit dem Rücken zur Kamera. Schräg seitlich. Die Frau steht ihm gegenüber. Sie schaut ihn an. Schaut ihm in die Augen. Sie trägt ein Oberteil mit Spaghettiträgern. Ihre helle Haut zieht den Blick auf sich. Nach den Vorschriften am Hof von Maria Theresia hätte ihr Ausschnitt zwar nur als kleine Decolletee gegolten. Aber der Gegensatz ist deutlich. Der Mann im Anzug. Gekleidet. Von der Frau die Haut. Entkleidet. Man nimmt die Dynamik aus einem solchen Gegensatz durchaus mit. Ein Mann spricht mit einer Frau und die Rollen sind in der Kleidung schon abzulesen.</p>
<p>Auf dieser Seite der ÖVP homepage gibt es dann noch weitere Fotos zum Herunterladen. Aber gleich unter dem schon angebotenen Foto wird frau eingeladen, die Parteitagsrede von Wolfgang Schüssel anzuklicken. Frau kann diese Rede hören. In der vollen Länge. Ca. eineinhalb Stunden. Oder lesen. Im vollen Wortlaut. Frau klickt diesen Text an und druckt aus. 15 Seiten sind das. Es ist viel applaudiert worden, um diese 15 Seiten auf eineinhalb Stunden auszudehnen.</p>
<p>„Ich sagte, die Volkspartei muß eine laute Stimme gegen Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus. Extremismus in der Welt sein.“</p>
<p>Immer muß bei diesem Zitieren die Stimme des Redners mitgedacht werden. Die Stimme des Redners sagt also, „Ich sagte,&#8230;“ und daß die Volkspartei eine laute Stimme in der Welt sein muß. Die Stimme des Redners verlangt von der Partei eine Stimme zu sein. Die Stimme des Redners fordert die „laute Stimme“.</p>
<p>Bis dahin hat der Redner die ÖVP eine Stimme für die Familie sein lassen. Eine Stimme für Kinder. Eine Stimme für einen starken Staat. Eine starke Stimme für den Mittelstand. Eine Stimme für den sozialen Zusammenhalt. Eine starke Stimme für Natur und Heimat. Eine starke Stimme für Steuerzahler. Die Stimme für den sozialen Zusammenhalt, für das Ganze, die will der Redner wieder selber sein.</p>
<p>Die ÖVP ist also Stimme und spricht in vielen Stimmen. Im Zitat aus der Schriftfassung der Rede ist die Stimme schon die Forderung. Wie in allen anderen Stimmformen auch, ist die Stimme schon das politische Programm. „Ich sagte, die Volkspartei muß eine laute Stimme gegen Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus in der Welt sein.“ Es wird nicht gesagt, was die Stimme da so stark sagen soll. Das wird den Stimmen nie gesagt. Die Stimme soll nur erhoben werden. Die Stimmen sollen nur tönen. Im Fall der Gewalt in Stärke. Und dagegen. Gegen Gewalt und Radikalisierung. Aber wie sie da erhoben werden soll. Und mit welchen Argumenten. Was da gerufen werden kann. Das bleibt offen. Die Stimme. Die Stimmen sie sind nur sie selbst. Der Inhalt bleibt zu Disposition. Die Stimmen werden als Instrumente bereitgestellt. Mehr wird nicht preisgegeben.</p>
<p>Gewalt und Radikalisierung sind die Gegner. Gegen Gewalt und Radikalisierung wird die Volkspartei eine starke Stimme sein. Welche Gewalt. Welche Radikalisierung. Welcher Radikalismus. Welcher Extremismus. Von welchem Standpunkt aus. In welche Richtung gedacht. Mit diesen allgemeinsten Bezeichnungen stellt der Redner Gewalt und Radikalisierung zuerst einmal her. Gewalt und Radikalismus existieren hier grammatikalisch nur dazu, die Stimme dagegen sein zu können. Gewalt und Radikalisierung werden so zur Existenzbedingung der Volkspartei. Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus. Das ist grammatikalische Gegnerschaft in einem dunkel gewalttätigen Bedeutungspanorama. Es handelt sich um die Gewalt. Die Radikalisierung. Die Gegnerschaft des Bösen in den Sonntagspredigten kann einem oder einer da einfallen. Und die quälende Frage, wo dieses Böse sich aufhalte. Ob es etwa schon Besitz genommen habe von der eigenen Seele. Auch das Böse der Predigtkultur der 50er und 60er Jahre lauerte so absolut überall. Damals war nur die Flucht unter den Schutzmantel de katholischen Kirche möglich. Nur das Unterkriechen konnte retten. Nur die totale Befolgung der Regeln konnte schützen. Und gleichzeitig gab es die gesellschaftliche Abmachung, daß das alles nicht so ernst zu nehmen sei. Erwachsen werden hieß, diese Abmachung zur Doppelmoral zu begreifen und zu befolgen. Und so hatte das Böse in der Kirche mit nichts in der Realität zu tun. Durfte das auch nicht. Wie hätte diese Gesellschaft sonst funktioniert, hätte sie das Gesagte in die Wirklichkeit entworfen und sich danach gerichtet. Das Böse in der Kirche war so gesehen reine Konstruktion. Und genauso konstruiert die Stimme, die gegen Gewalt und Radikalisierung laut sein muß, diese Gewalt und Radikalisierung, um existieren zu können. Wie die Kirche dieses allgemeine Böse, um in der Predigt auftreten zu können. Gewalt und Radikalisierung müssen herbeizitiert werden. Gewalt und Radikalisierung werden so herbeigeschrieen. Mit der lauten Stimme.</p>
<p>Und diese laute Stimme, die die Existenz dieser Gewalt und dieser Radikalisierung bedingt, die wiederum verweist auf alle die anderen Stimmen, die so gerne erhoben werden. Da waren die Stimmen des Volkes und des Blutes und der Heimat. Die Stimme des Herrn. Die Stimme der Vernunft. Und allen diesen Stimmen ist gemeinsam, daß die Lauterzeugung für den Inhalt steht. Anstelle des Textes steht die Verlautlichung des Texts. Die rhetorische Form ersetzt den Inhalt. Immer sind diese Stimmen mit Mächtigkeit verbunden. Die Stimme soll ja über-reden. Nieder reden. Die Stimme soll ja laut sein. Stark. Gewalt und Radikalisierung sollen unter dieser Stimme verschwinden. Oder hinter dieser lauten Stimme. Oder in der Stimme untergehen. Gewalt und Radikalität sollen mit der Stimme überwältigt werden. Der Sieg der himmlischen Heerscharen über das Böse. Ein solcher Sieg wäre das Mindeste.</p>
<p>Wohl bekamen „Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus“ einen Ort. Aber diese Gewalt und Radikalisierung. So wie sie kein bestimmtes Erscheinungsbild besitzen. So wie sie keine sie bestimmende Zuweisung von Eigenschaften bekommen haben. So bleibt auch der Ort offen. Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus, sie sind in der Welt. Sie sind also diesseitige Gewalt und Radikalisierung. Die laute Stimme muß dann aber auch in der ganzen Welt zu hören sein. Das klingt umfassend. Das klingt alles einschließend. Das klingt tröstlich. Die rhetorische Figur ist schon der Trost. Die rhetorische Figur ist Ort des Trosts in der Verdrängung der Gewalt und Radikalisierung durch die laute Stimme, die dagegen sein wird. Das ungenaue Allgemeine ist Kalkül. Genaue Beschreibungen. Präzise Absichten. Begründungen. Politisches Programm also. Das könnte diesen Trost nicht spenden. In dieser Genauigkeit. In der Verschwommenheit dieser Ritter Georg gegen den Drachen Sätze liegen die notwendigen Wirkungen. Die Ankündigung von Stärke und die Schutzversprechen, die davon abgeleitet werden können. Und die Möglichkeit mit dem Gefühl des Trosts und der Sicherheit auch gleich die Realität wieder verdrängen zu können. Wie damals in der Kirche. Das Böse wurde rhetorisch herbeizitiert, die Rettung davon angeboten und in der Rettung war die Amnesie schon eingebaut. Niemand mußte sich in der Kirche an seinen Alltag erinnern und die Verfehlungen nachrechnen. Und die so Geretteten waren ein Chor der Erwählten. Der Chor der Erwählten konnte mit reiner Stimme singen. Das Böse war ja in der Rettung besiegt worden und konnte vergessen werden. Mußte vergessen werden. Das Vergessen war Gebot, um wieder das Kind Jesu und reinen Herzens zu sein.</p>
<p>Das war damals Entpolitisierung. Das war damals gezielte Entpolitisierung. Das war jene Entpolitisierung, die uns heute als der besondere österreichische Weg verkauft wird. Gesellschaftliche Amnesie. Das war immer die Herstellung einer geschlossenen Binnensituation. Das war immer die Herstellung eines Innen der Kirche, das das Außen verstieß. Und so funktioniert das Bild von der lauten Stimme auch bei einem Parteitag der ÖVP noch. Diese laute Stimme. Die wird das erledigen. Wie die Kirche das mit dem Bösen erledigt hat, wenn man sich nur ihr überließ. Und so überläßt sich der Kampf gegen Gewalt und Radikalisierung, Radikalismus, Extremismus der lauten Stimme, die von der Stimme des Redners erhoben wird.</p>
<p>Diese laute Stimme gegen Gewalt. Diese Stimme kann auch nichts anderes. Der Redner stattet sie nicht mit einem Gesicht aus, wie die anderen Stimmen. Alle anderen Stimmen erhalten nämlich ein Gesicht. Die jeweilige Spitzenfunktionäre und Spitzenfunktionärinnen werden der „Stimme Volkspartei“ zugewiesen. Die Gesichter werden zu Organen dieser Stimme. Sprachrohre. Gegen Gewalt und Radikalismus wird die Stimme nicht in ein Gesicht konkretisiert. Es gibt da kein menschliches Korrelat zur allgemeinsten Verkündigung. Damit können Extremismen wie opus dei oder die FPÖ sicher sein, daß die Stimme im Allgemeinen verhallen wird.</p>
<p>Die FPÖ. Die muß ohnehin immer mitgedacht werden. Bei dieser Rede. Die Stimmen, die da erhoben werden. Die erhalten in keinem Fall einen konkreten Text. Nur die allerallgemeinsten Floskeln werden diesen Stimmen zugestanden. Wie eben gegen Gewalt. Und in diesem Gesang über die Stimmen vereint, sitzen die Guten im Saal. Sie können sich in diesem Gesang entschuldet wissen. Der Politik entschuldet. Sie werden umfassend gut sein. Dann draußen. Das Allgemeine vertritt den alten kirchlichen Allanspruch der Welt gegenüber. Dieses Allgemeine ist die erlösende Grundformel. Und jetzt sitzen sie drinnen und sind die Guten. Und die FPÖ. Die erledigt alles andere. Damit muß die ÖVP sich jetzt einmal nicht belasten. Und später kommt dann der Alltag. Der politische Alltag und da wird man handeln. Da wird man schon handeln. Jetzt einmal wollen alle sich die frommen Kinder fühlen.</p>
<p>Aber die Erde geht weiter. Der Redner hebt die Stimme und sagt: „Und wir haben in der Bewahrung der Kinderrechte, in den Strafbestimmungen auch international, Internetmißbrauch, all diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden, nur um die Lüste von einigen Erwachsenen befriedigen zu wollen.“ Und dann Applaus.</p>
<p>„Und wir haben in der Bewahrung der Kinderrechte,&#8230;“ und „all diese grauenhaften Dinge&#8230;“. Das „wir“ hat das Objekt „all diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden&#8230;“. Ein Prädikat gibt es nicht. Das Prädikat fehlt. So, wie die Stimme nur laut sein mußte gegen Gewalt und Radikalisierung, also eine Eigenschaft an den Tag legen mußte und keine Handlung zugewiesen bekam. So bleibt die Bewahrung der Kinderrechte ein Zustand der Kinderrechte. Es erfolgt aber keine Auskunft, was durch diese Bewahrung erreicht worden ist. Erreicht werden sollte. Was mit dieser Bewahrung überhaupt geschehen soll oder sollte. Wobei die Bewahrung von Rechten darauf schließen läßt, daß es diese Rechte schon immer gibt und daß sie eben bewahrt werden, und nicht, daß die Jugendgerichtsbarkeit abgeschafft und der Diskurs über die Rechte von Kindern und Jugendlichen gar nicht geführt worden ist.</p>
<p>In der Stimme des Redners sind die Kinderrechte also in der Bewahrung. Wie diese Kinderrechte aussehen. Wie schon bei Gewalt und Radikalisierung und wie bei allen anderen Stichworten. Der Begriff bleibt in seiner Allgemeinstheit schwebend. Wie bei Gewalt und Radikalisierung und bei allen anderen Stichworten verweist das Zeichen nicht auf ein Bezeichnetes. Losgelöst von Beschriebenem wird mit einer solchen Trennung von Zeichen und Bezeichneten politisches Träumen möglich. Wie das religiöse Tagträumen in der Kirche. „Wir müssen das Böse in uns bekämpfen.“ „Ja“, nickte das brave Mädchen und war in eine vage Vorstellung versetzt, die immer auch heroisch gemeint war. Es ging nie darum, einen wirklichen Alltag auf dieses Böse zu befragen. Es ging immer um ein großes Böses, das den Laien klein erscheinen ließ und dazu zwang, die Arbeit gegen das Böse dem Priester zu überlassen. Nur ein Abglanz von dessen Heroik war zu erhaschen. In der Entfernung von Laie und heiligem Mann, der ja der Welt abgeschworen hatte und in Askese mehr wußte, als die den irdischen Gelüsten ausgelieferten Kirchgänger. Die Kinderrechte sind in der Bewahrung des Redners und der Partei. Die Spitzenpolitiker sind dem Parteivolk ähnlich weit entfernt, wie der Priester vom Laien. Auch der Spitzenpolitiker muß durch Anfechtungen und Qualen gehen. Der Redner erwähnt das am Anfang. Niemand wüßte, was da auszuhalten gewesen wäre, in den letzten 3 Jahren. Welcher Druck von innen und außen. Durch diese Erfahrungen über die anderen erhoben. Herausgehoben. Herausgehoben auch, weil der Redner es mit der FPÖ halten mußte. „Drei Jahre schwierigste Zeit in der Koalition mit den Freiheitlichen.“ In den politischen Predigtträumen erhebt das alle im Saal mit dem Redner. Auf jeden Fall erhebt das über die FPÖ. Die FPÖ ist einmal mehr das Andere. Das Draußen, gegen das man sich gut fühlen will. Gut fühlt. Die FPÖ als Koalitionspartner läßt solch Politphantasieren das Eigene ins Edelste steigern. Richtig gut und richtig wird da alles, auf der Folie dieses Partners.</p>
<p>Die Kinderrechte. Sie werden „in den Strafbestimmungen auch international“. Die Kinderrechte werden wohl auch da bewahrt werden. Aber Strafbestimmungen können keine subjektiven Rechte formulieren. Im Familienrecht, da finden sich einige Kinderrechtsbestimmungen, aber eine Rechtsformulierung der besonderen Situation des Kindes und der Stellung des Kindes in unserer Gesellschaft. Die gibt es so gar nicht. Oder ist es der § &#8230;  , der hier in Bewahrung ist. „Internetmißbrauch“ wird hinzugefügt. Die Sinneinheiten „Bewahrung der Kinderrechte“, „Strafbestimmungen, auch international“ und „Internetmißbrauch“ werden aneinandergereiht. Ein düsteres Szenario der Bedrohung des Kindes wird skizziert. Verletzlichkeit. Gefährdung. Die kindliche Unschuld. Sie ist in Gefahr. Und daran schließt die Phrase, „all diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden, nur um die Lüste von einigen Erwachsenen befriedigen zu wollen.“</p>
<p>„All diese grauenhaften Dinge, die Kindern heute angetan werden,..“ Wieder soll kein konkretes Bild entstehen. Weil niemand sich wirklich etwas Genaueres unter Internetmißbrauch vorstellen kann, außer er oder sie betreibt ihn selber, kann die Bezeichnung verwendet werden. Das Bezeichnete ist hinlänglich obskur. Würde zum Beispiel gesagt, daß es um das Herunterladen von Kinderpornos geht. Von Fotos oder von Videos von Mißbrauch von Kindern. Dann würde der Saal in eine antwortende Reaktion gezwungen und eine Aktion könnte sich aus dieser Reaktion herauslösen. Es geht aber bei einer Parteitagsrede darum, die Anwesenden zu keiner anderen Emotion zu führen, als zu geschlossener Begeisterung. Ein gemeinsames Sich Hochfühlen ist das Ziel. In der Kirche war das die Rührung und das Entsetzen über die Existenz des Bösen und die Dankbarkeit, daß die Kirche einen von dem Kampf dagegen entlastete. Beim Parteitag darf es säkularer zugehen. Es ist ja des Kaisers, was des Kaisers ist. Da darf es fröhlicher sein. Der Redner beschreibt das am Ende seiner Rede, „Als ich 95 am Parteitag gewählt wurde, habe ich mir angeschaut, waren viele alte Gesichter, langjährige graue, müde, bitter gewordene. Schaut euch heute um, wir haben eine tolle Mischung, Jung und Alt, Mann und Frau und fröhliche Gesichter. Ich habe damals gesagt „If you can’t smile, don’t open the shop“- chinesisches Sprichwort.“</p>
<p>Eine Konkretisierung des Begriffs „Internetmißbrauch“. Das würde das Hochgefühl und das gemeinsame daran in jeweils Einzelbilder der Zuhörer und Zuhörerinnen zerbrechen lassen. Der Zusammenhalt im Saal wäre aufgelöst. Und so wird einmal der genaue Begriff eingesetzt, weil er ungenau genug ist. „Internetmißbrauch“. Der Kindesmißbrauch dagegen. Der muß in 3 Gliedsätze verteilt werden. „All diese grauenhaften Dinge“. Die Wirklichkeit wird hinter die Bewertung verschoben. Viktorianische Vermeidungshaltung ist das. Emotionalisierung. Die konkrete Tat wird zu grauenhaften Dingen. Die konkrete Tat wird zu grauenhaften Dingen, die angetan werden. Der Täter verschwindet vollends hinter den grauenhaften Dingen, die angetan werden. Es sind ja nur Dinge, die angetan werden. Es sind keine Taten von Tätern, die Kinder in Opfer verwandeln. Es sind Dinge, die angetan werden. Und sie werden „heute“ angetan. Kindesmißbrauch wird entgeschichtlicht. In diesem „heute“ wird der Diskurs der letzten 30 Jahre weggewischt. In diesem „heute“ wird Geschichte vernichtet. Es wird der Kindesmißbrauch zu einem modernen Phänomen stilisiert. Das nostalgische Gestern wird durch das „heute“ gerettet. Die Welt, die nostalgisch gedacht werden muß, um die Ermächtigung der Volkspartei in der Zukunft zu gewährleisten. Die wird in diesem „heute“ geschützt. Und damit die nostalgisch begründete Ermächtigung der Volkspartei aus ihrer Konservativität. Neumodisch ist das. Der Kindsmißbrauch. Grauenhaft, aber nur heute.</p>
<p>Und getan wird das, „nur um die Lüste von einigen Erwachsenen befriedigen zu wollen,..“. Die grauenhaften Dinge, die werden angetan, um befriedigen zu wollen. Und da wieder nur einige Erwachsene. Aber es sind die Lüste, die Täter sind. Die Lüste wollen sich befriedigen lassen und dazu werden diese grauenhaften Dinge den Kindern angetan. Diese Lüste sind durch das heute ebenfalls einer Geschichtlichkeit entzogen. Eine Zeitlichkeit ist eingetragen, die auf eine Begrenzung des Phänomens schließen läßt. Und es sind nur einige Erwachsene. Das Phänomen wird so zeitlich und mengenmäßig begrenzt. Wieder werden der Hörer und die Hörerin geschont. Das Böse wird so beschrieben, daß es niemanden betreffen kann. Betreffen soll. Und in dieser Schonung nimmt der Redner sich die Kompetenz zu handeln. Aber auch dieses Handeln bleibt offen. Eine Form von katholischer Abstraktion wird hier eingeführt. Der Redner lastet sich im Reden die Übernahme der Lasten auf. Er entlastet die Hörenden, indem er in der Ungenauigkeit diese Schonung walten läßt. Dafür erhält er die Macht. Und er erhält die Macht in der gleichen Ungenauigkeit. Die Hörenden verlangen keine genauen Erklärungen von ihm. Keine Absichten. So, wie er sie geschont hat, so schonen sie ihn.</p>
<p>Die Reihe der Gliedsätze über die Kinder und ihre Gefährdung und die Begrenzung dieser Gefährdung in ein diffuses heute und durch die Lüste weniger Erwachsener. Diese Formulierung. Die erlaubt auch noch eine andere Lesart. Gerade in diesem heute und dem Bezug auf die Lüste, der vom Täter so vollkommen ablenkt. Gerade in dieser Wahl der Formulierung könnte auch der Hinweis gelesen werden, daß der Diskurs um den Kindsmißbrauch begrenzt zu denken ist. Daß dieser Diskurs vorbei ist und daß die Personengruppen, die diesen Diskurs als gesellschaftliches Problem definierten. Daß diese Wortmeldungen nicht mehr gültig sind. Von solcher Gesellschaftsbeschreibung ist man befreit. Täter im Privaten. Die gibt es nicht. In der Sehnsucht nach dem Athen der Antike, die der Redner zur Sprache bringt. In dieser Sehnsucht könnte auch die Sehnsucht nach den privaten Machtverhältnissen der sentimentalen Familie gelesen werden. Das Bild auf der homepage unterstützt diese Lesart. Und dann wäre es ja auch vielleicht leichter, „Den Mut zum Kind“ wieder an den Tag zu legen, den der Redner immer wieder fordert. Der Redner will keine Kinder, er will „den Mut zum Kind“. Auch hier wieder ein Entzug von Wirklichkeit in der Beschreibung von politischen Absichten. Ausweichen in Verkündigung. Es muß ja nur die Stimme laut sein und ein Morgen verkünden im Gegensatz zum heute eines solchen Satzes. Und tätärätää. Alles ist gut.</p>
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		<title>Warum ich nicht mehr einschalten werde. Beim philosophischen Quartett.</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 11:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[24.1.2002 Ein bißchen hat es mich an diese talk show erinnert. Vor nun fast genau 2 Jahren. Als Böhme und Giordano und andere ehrwürdige Oldies Jörg Haider hierher kommen ließen. Nach Berlin. Und ihn vorführen wollten. Und es dann ganz anders kam. Damals redeten nachher alle davon, wie Jörg Haider als Sieger ausstieg. Diesmal ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24.1.2002</p>
<p>Ein bißchen hat es mich an diese talk show erinnert. Vor nun fast genau 2 Jahren. Als Böhme und Giordano und andere ehrwürdige Oldies Jörg Haider hierher kommen ließen. Nach Berlin. Und ihn vorführen wollten. Und es dann ganz anders kam. Damals redeten nachher alle davon, wie Jörg Haider als Sieger ausstieg. Diesmal ist es Reinhold Messner, über den so geredet wird.</p>
<p>Reinhold Messner. Durchaus ein weltanschaulicher Cousin von Jörg Haider. Der habe sich noch am klarsten geäußert. Der habe sich klar durchgesetzt. Gegen die Philosophen im philosophischen Quartett.</p>
<p>Das ist nicht verwunderlich. Im Ringen um gnostische Formulierungen sind handfeste Berichte aus der Männerunmittelbarkeit allemal das Griffigste. Bei Haider war das die entleerte Sprache populistischer Metaphernklitterung. Bei Messner ist das der Späher-Bericht von Jenseits der Grenze. Angebote an Überwindungsphantasien sind das. Verlockungen in das Sprechen von der Schlacht.</p>
<p>Das ist nicht verwunderlich in einem Land, das Krieg führt ohne das zu merken. Ohne das merken zu müssen. Beim Cocktail erklärt mir eine bekannte deutsche Autorin, der Krieg in Afghanistan müsse geführt werden. Sie wolle sich nicht wehrlos fühlen müssen. Wir stehen da. Mit Punsch vom Ka-de-We. Und petit fours von Le Notre. Und diese Frau ist für die Bomben auf Afghanistan, damit sie den Punsch ohne das Gefühl von Wehrlosigkeit trinken kann.</p>
<p>Eine  Wehrlosigkeit, die Krieg braucht, die muß zu Sprache kommen. Die muß den Krieg in Sprache entwerfen. Folgerichtig bemüht sich ein philosophisches Quartett in einer solchen Zeit um Metaphysik. Spricht von Gott. Holt sich einen Mann vom Berg, der sich selbst als Metapher anbietet. Der als Metapher sein Geld verdient. Als Metapher für unbeschädigte Männlichkeit.</p>
<p>Und es ist nicht verwunderlich, daß diese Metapher dann besser darzustellen ist. Es geht hier um Unterhaltungstext. Talk show. Männer, die  für etwas Außersprachliches stehen. Die als Metapher dieses Außersprachlichen auftreten, die kommen da besser. Sportler. Schauspieler. Politiker.  Da ist die Metapher immer nur die Leseanleitung für den Zuseher. Im Träger der Metapher können sich alle Wünsche des Zusehers bündeln. So sieht Führerideologie auf den Unterhaltungstext umgeschrieben aus. Auch nur noch Unterhaltungstext.</p>
<p>Aber.  Mit der Bezeichnung „philosophisches“ vor dem „Quartett“ werden alle angesprochenen Sinneinheiten auf die Ebene von hoher Sprache gehoben. Als hätte es die letzten 80  Jahre philosophischer Kritik der Macht und ihrer Sprachen nicht gegeben, wird vollkommen naiv hoher Text behauptet. Gott. Die Angst. Die Wehrlosigkeit. Grenzerfahrungen. Überschreitungen. Und die Ermächtigungen, die sich daraus konstruieren lassen. Das ist der ewige patriarchale Text der Religion.</p>
<p>Aber es ist zu sehen. Mit dem Blick der Kamera über ein solches Gespräch, ist es zu sehen. Mit der Kamera wird die Bemühung um Unmittelbarkeit sichtbar. Belauschbar. Wird zur life show. Dann vielleicht doch besser ein Schispringen. Oder ein 100 Meterlauf.</p>
<p>Diese 4 Männer, die sich vor der Kamera räkeln. Sie dürfen sich mit der Sprache räkeln. Sie müssen sich nicht ausziehen, wie die Susannas 2 oder 3 Kanäle weiter. Da haben diese Männer die strukturelle Gewalt auf ihrer Seite. Aber mehr ist es dann auch nicht. Die Sprache für die Verdinglichung, die 2 oder 3 Kanäle exemplarisch vorgeführt wird. Auch nur die andere Seite davon.</p>
<p>Ich dachte, es ginge darum, das zu überwinden. Aber. Eine Gesellschaft, die Krieg führt. In der herrscht Krieg. Da wird der Begriff Philosophie dem Fundametalismus preisgegeben.</p>
<p>Erschienen in DU, Januar 2002</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Da darf man sich nicht wundern.</title>
		<link>http://www.marlenestreeruwitz.at/2010/02/25/da-darf-man-sich-nicht-wundern/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 11:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[1.8.2001 Verachtung ist der erste Schritt der Ausschließung. Achtung. Das ist Rücksicht, Wertschätzung, Anerkennung. Achtung. Das muß in Österreich durch aktive Teilnahme an der Gesellschaft verdient werden. Bei uns erwirbt sich Achtung mit Anpassung. Aktive Anpassung muß das sein. Die österreichische Person muß ihren Willen zur Teilnahme nachweisen. Weil es aber nun nichts Österreichisches gibt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1.8.2001</p>
<p>Verachtung ist der erste Schritt der Ausschließung. Achtung. Das ist Rücksicht, Wertschätzung, Anerkennung. Achtung. Das muß in Österreich durch aktive Teilnahme an der Gesellschaft verdient werden. Bei uns erwirbt sich Achtung mit Anpassung. Aktive Anpassung muß das sein. Die österreichische Person muß ihren Willen zur Teilnahme nachweisen. Weil es aber nun nichts Österreichisches gibt. Österreich als Nationalstaat hat es ja nie gegeben. Die mühseligen Versuche des Austrofaschismus, Beamte in Tracht zu stecken und damit richtige Österreicher aus ihnen zu machen. Das sind ja da nur die herzigeren Beispiele. Weil es also nichts Österreichisches vor 1918 gibt, muß die Geschichte danach stilbildend herhalten. Man und frau kann also das faschistisch-nationalsozialistisch belastete Dirndl anziehen. Trachten. Das wird als Bemühung zur Teilnahme positiv ausgelegt werden. Man und frau in Österreich kann gegen Fremde sein. Gegen Juden. Und das wird als Teilnahme an der Gesellschaft zu buche schlagen. Also. Gegen die Osterweiterung wegen der Fremdarbeiter zu sein, ist ein Ausdruck von Österreichbewußtsein. Das ist gar nicht gegen Personen gerichtet gemeint. Das ist der oft verzweifelte Versuch, an etwas teilzunehmen, was es gar nicht gibt. Nämlich an einer österreichischen Gesellschaft. Aber. Auch diese Form der Achtung ist, aus der österreichischen Geschichte bezogen, faschistisch-nationalsozialistisch belastet. Wir sind alle wissentlich und unwissentlich durch das Vorhandensein dieser kurzen österreichischen Geschichte in Sadismus trainiert. Das Geschichtliche an der Verachtung und ihren Folgen ist jedem und jeder bekannt. Allein die Erzählung davon löst sadistische Phantasien aus. Muß sie auslösen. Wir alle sind der Knabe bei Freud, der der Züchtigung des Klassenkameraden zusehen muß und der sich sein Entkommen dieser Züchtigung mit einer Identifikation mit dem Züchtiger sichert. Wenn also heute gefragt wird, ob endlich ein Schlußstrich unter die Nazizeit gezogen werden kann, so ist die Antwort, ob endlich über die Nazizeit geredet werden kann. Und nicht in einer steten Folge von Wiederholungen in Bildern die Folgen auf die Personen wiederholt und konserviert werden. Aber weil das alles so war und ist, ist Verachtung in dieser Gesellschaft die andere Möglichkeit. Wer nicht in der Achtung ist, wird ausgeschlossen. Ein Unbehelligtes Dasein gibt es in unserer Gesellschaft nicht. Darin liegt schon einmal die eine Hälfte eines Polizeistaats vor. Es gibt nicht die geringste Toleranz für andere Lebensformen. Andere Entscheidungen. Anderes muß aus dieser ererbtgelernten Verachtung heraus verfolgt werden. Vormoderne, ja mittelalterliche Stadtgesellschaft in Kleinfamilienformat ist das.</p>
<p>Illustration:</p>
<p>Touristen fragen einen Polizisten von der Wega auf dem Judenplatz an einem Donnerstag, wer da demonstriere. „Lauter Deppate.“ ist die Antwort des Polizisten.</p>
<p>Eine Frau, die viel im Widerstand gemacht hat. „Aber. Ein paar Steinderln werden sie schon geschossen haben. Die vom Volxtheater.“</p>
<p>Ein Polizist geht am Rand der Donnerstagswandertagsgruppe. „Am Donnerstag kommen nur die Schiachsten z’samm:“ sagt er zu einer Kollegin. Beide grinsen.</p>
<p>Die Außenministerin ist sofort mit dem Vergleich mit der Spritzpistole beim Bankraub zur Hand.</p>
<p>Aus solchen, zuerst gar nicht so schlimm klingenden Bemerkungen. – Wir sind hierzulande in der täglichen Beleidigung geübt. Personenwürde, das ist hier noch nicht gesehen worden. – Aus diesen Bemerkungen stellt sich die Verachtung von Personen her. Und daraus die Akzeptanz von Übergriffen. Aus dem Satz „Aber ein paar Steinderln &#8230;. „ und dem von der Spritzpistole und dem nie ausgesprochenen „Da darf man sich nicht wundern.“ Und alle diese Sätze werden in reizendstem Salonton vorgetragen. Aus diesem Schatzkistchen steter Vorverurteilungen konstruiert sich eine Berechtigung für Verhaftung und Folter. Weil das. Das wird dann wieder nicht so schlimm gewesen sein. In dieser ideologisierten Sprechwelt hat jeder Satz nur 2 Interpretationsmöglichkeiten. Achtung. Oder Verachtung. Wie können in dieser österreichischen Sprechwelt Personenrechte so gesprochen werden, daß sie dann auch wirklich existieren. Daß sie dann anwendbar existieren. Also wirklich?</p>
<p>Erschienen am 1. August 2001 in Der Standard</p>
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		<title>Die Poetik des Widerstands.</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 11:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[30.1.2001 &#8220;Wichtig ist, daß wir die Diagnosen, wo der autoritäre Charakter in unserer Kultur archiviert wird, noch deutlicher, noch öfter stellen müssen.&#8221; Marlene Streeruwitz im Gespräch mit Walter Baier. Du schreibst: &#8220;Das Patriarchat wird heute durch das Geld repräsentiert. Und wenn wir nicht vom Patriarchat wegkommen, werden wir nirgends hinkommen.&#8221; Aber wie kommt man vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>30.1.2001</p>
<p>&#8220;Wichtig ist, daß wir die Diagnosen, wo der autoritäre Charakter in unserer Kultur archiviert wird, noch deutlicher, noch öfter stellen müssen.&#8221; Marlene Streeruwitz im Gespräch mit Walter Baier.</p>
<p>Du schreibst: &#8220;Das Patriarchat wird heute durch das Geld repräsentiert. Und wenn wir nicht vom Patriarchat wegkommen, werden wir nirgends hinkommen.&#8221; Aber wie kommt man vom Patriarchat weg?</p>
<p>Ja das ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Wie entkommt man dem Täter,  ohne das vom Täter beschriebene Opfer zu sein; wie das ja in unserer Kultur der Fall ist?</p>
<p>Meine Antwort darauf ist weggehen, dem Patriarchat den Rücken kehren und weggehen. Für mich sind  die Wiener Donnerstagswandertage absolut so eine Form von weggehen. Für mich ist das Geld der Realausdruck des Patriarchats. Als Tauschmittel, das alles bestimmt. Freunde von mir in New York erzählen, daß wieder andere Freunde ein Baby gekauft haben. Eine Prozedur, die weniger kostet als ein Kleinwagen, und die Leihmutter ist sicher eine nicht überprivilegierte Person in New York, wahrscheinlich eine Russin oder Latina. Das patriarchale Geld kann Unbezahlbares bezahlbar machen. Das Unbezahlbare bekommt dadurch einen meßbaren Wert und kann dann gleich auch unwert werden. Und das ist für mich der Grund, dieser Sache den Kampf anzusagen. Einfach auch unter dem Hinweis, Unbezahlbares muß unbezahlbar bleiben. Das heißt, solche Unternehmungen müssen Menschen sich anders ausmachen. Der Kauf solcher Dienstleistungen stellt ja völlig neue Besitzverhältnisse aneinander her. An diesem Beispiel wird Sklaverei wieder offenkundig.</p>
<p>Einerseits sagst Du, daß das Geld das heutige Patriarchat ist, andererseits beschreibst Du den Sieg des Geldes über die patriarchalen Mythen. Ist der Fortschritt nicht eine traurige Angelegenheit?</p>
<p>Ich bedaure, daß jeder Fortschritt wegen des Geldes sich sofort in reaktionäre Muster kehrt. Nehmen wir das Beispiel der Leihmutter. Im Grunde genommen ist die Eroberung dieser medizinischen Technologie etwas, was Schicksale verbessern könnte, Chancen darstellt, und Gott ein Stück toter macht, wogegen ich gar nichts habe. Was aber passieren wird &#8211; über das Geld &#8211; ist, daß die Leihmutter gekauft werden kann und wird, sind einfach neue Schreckensräume mit Zuhälterei und Prostitution. Ich möchte die Kernfamilie nicht rückinstalliert sehen. Gegen Transplantationschwangerschaften zu sein, hieße aber auch gegen Schwangerschaftsabbruch zu sein. Das ist nicht akzeptabel, aber besonders unakzeptabel ist, daß die Freiheit, die in diesen Schritten durchaus verborgen sein könnte oder durchaus enthalten sein könnte, einfach vom Geld immer umgewertet wird, als wären wir immer noch in den griechischen Sagen.</p>
<p>Also alle Chancen, die der Fortschritt durchaus in sich hat, werden über das Geld einfach in die uralten Muster zurück geführt. Die Zerstörung von Vorrechten des Patriarchats wie das der Zeugung werden zwar aufgelöst, aber das führt zu keiner Verkleinerung des Patriarchats, weil das Geld diese Muster braucht, um seinen Wert zu erhalten.</p>
<p>Haben die Menschen nicht auch Sehnsucht nach Ordnung, gibt es ein Recht auf Ordnung? Ist Ordnung untrennbar verbunden mit Patriarchat?</p>
<p>Patriarchat hat noch nie Ordnung hergestellt. Die Bedürfnisse nach Ordnung, nach Identität -was möglicherweise manche Leute auch als durchaus berechtigt bezeichnen können &#8211; , werden aber nicht befriedigt. Patriarchat behauptet in seiner Unordnung die einzige Ordnung zu sein. Es ist aber nichts weiter als die Summe des Geldes, die vorhanden ist, sonst gibt es keine Geordnetheit. Und die ist auch nur eine Benennung. Das einzige was hier gemacht wird, ist rein ideologisch, so daß von den Personen, in denen das Bedürfnis nach dieser Ordnung hergestellt wird, das Ertragen des eigenen Soseins als Unordnung empfunden wird, sich daher die Personen selbst nicht ertragen können und nach außen hin delegieren müssen, obwohl außen das gleiche Chaos herrscht wie innen. Würde man nun lernen mit Chaos umzugehen, könnte man sich selber auch ganz gut aushalten.</p>
<p>Bist Du eine Revolutionärin?</p>
<p>Sicher nicht im Sinn einer Revolution als ödipaler Gegenschlag gegen eine vorhandene Situation.</p>
<p>Was folgt daraus für die jetzige politische Situation in Österreich?</p>
<p>Vieles, was wir an der jetzigen Regierung kritisieren, wurde ja vor dem Februar 2000 eingeleitet.</p>
<p>Es kommt darauf an, daß man oder frau sich nicht aus der Ruhe bringen läßt. Wichtig ist, daß wir die Diagnosen, wo der autoritäre Charakter in unserer Kultur archiviert wird, in welchen Formen, in welchen Sätzen, in welchen Strukturen, noch deutlicher, noch öfter beschreiben müssen.  Es wird die Suche nach einer neuen Sprache beschleunigt werden müssen. Wobei ich als Grundlage dieser neuen Sprache dieses sprachlose Gehen am Donnerstag sehe, aus dem heraus sich irgendwann einmal etwas entwickeln wird. Nicht direkt und nicht gleich und nicht übermorgen, aber das halte ich für eines der wichtigsten auch künstlerischen Unternehmungen, die möglich sind. Und deswegen darf das unter keinen Umständen irgendwie von Alphatieren oder Alphatexten überdeckt werden. Dadurch schaut das alles vielleicht klein und ein bißchen mickrig aus, aber ich glaube, das ist eben die Geschichte, die ertragen werden muß, daß es wahrscheinlich klein und mickrig ausschaut, wenn man sich als Individuum entkolonialisiert hat. Die Vorstellung von Großem und Totalem ist eben aufzugeben. Das ist die Grundentscheidung und das wird man halt aushalten müssen.</p>
<p>Ein Schritt, der bei jeder Form von Aufklärung die Grenze ist und der oft nicht überschritten wird, ist die Aufgabe von Altem und da das Neue noch nicht vorhanden ist, entsteht eine Leere, die Angst macht und zur Rückkehr in das Alte als Neues verführt. Die nicht in den politischen Strukturen des Patriarchats durchgeführten Dinge, wie eben das Gehen am Donnerstag, sind erste Schritte zu einer neuen Sprache. Ein Bild dafür ist das von Achilles. Die Wunden die er mit seinem Schwert schlug, konnten nur wieder mit der Berührung dieses Schwerts geheilt werden. Das ist etwas, was das Patriarchat immer macht. Daß wenn man Opfer geworden ist, verletzt worden ist, Heilung nur von den Urhebern kommen kann. Und da denke ich mir, gibt es eine Chance für jetzt, daß man sich dieser Heilung einfach entzieht.</p>
<p>Was bedeutet das für die Auseinandersetzung mit der vorhandenen praktischen, strukturellen Gewalt in der Gesellschaft? Was folgt daraus auf der Ebene der politischen Macht? Gibt es auch politische Strategien außer der, den Verhältnissen den Rücken zu kehren?</p>
<p>Ja, die guten alten Zusammenschlüsse gibt es doch, aber man kann das System ausweiten. Wahrscheinlich braucht es informelle rasche Zusammenschlüsse, die die Möglichkeiten vergrößern. Die Plattform für jeden einzelnen müßte erweitert werden, und zwar ohne, daß neue Apparate entstehen. Ich glaube, daß die Möglichkeiten wie etwa das Internet sie schafft, dazu führen, daß sich neue Solidaritätsmodelle einspielen.</p>
<p>Akzeptierst Du für diese neue Solidarisierung den Begriff &#8220;politisches Projekt&#8221;?</p>
<p>Ja, politisches Projekt, aber außerhalb der normalen Politstrukturen. Also im Grunde ein unpolitisches Projekt, ein politisches Unpolitprojekt. Ein politisches Unpolitprojekt, ja so müßte das sein. Also politisch in einem sehr brutalen Sinn, sehr persönlichen Sinn, mit einer selbstverständlich scharfen Analyse gesellschaftlicher, wirtschaftlicher Umstände, die aber dann nie den Anspruch erheben, wiederum große Regenschirme zu werden, wo gleich schon der kleinste gemeinsame Nenner sehr klein wird. Ein Ziel könnte es sein, daß es in drei Jahren Organisationsformen gibt, die das selbstverständlich widerspiegeln, wo es nicht mehr die fixen Hierarchien gibt, sondern Positionen, die wechseln, so wie wir bei den drei Weisinnen gesagt haben, ich bin jetzt eine Woche da und dann sucht ihr die Nächste aus, weil ich dann weg bin, so entsteht eine Form von selbstverständlicher gegenseitiger Vertretung. Ich glaube, daß der Traum, daß jeder Schritt in ein Unterfangen des Größeren zu stellen ist, immer wieder die Gefahr des Zurückfalls in patriarchale Grundstrukturen in sich trägt. Also das ist sicher eine Art Zellenvorstellung, wie wir sie schon oft in der Geschichte hatten, aber ich denke, man müßte bei den Zellen bleiben und sich zu Begriffen wie Delegieren und Vertreten neue Vorstellungen machen.</p>
<p>Erschienen in der Volksstimme am 30. 1. 2001</p>
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		<title>Mein Jahr auf der Straße.</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 11:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[24.1.2001 Es war nur ein halbes Jahr Donnerstage auf der Straße in Wien. Das andere halbe Jahr war ich in Chicago. Da gab es einen kleinen, von der Polizei verteidigten Kukluxclanaufmarsch. Und dann waren da natürlich die republikanischen Proteste für George Bush gegen Al Gore vor dessen Residenz in Washington und vor den jeweiligen Gerichtsgebäuden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24.1.2001</p>
<p>Es war nur ein halbes Jahr Donnerstage auf der Straße in Wien. Das andere halbe Jahr war ich in Chicago. Da gab es einen kleinen, von der Polizei verteidigten Kukluxclanaufmarsch. Und dann waren da natürlich die republikanischen Proteste für George Bush gegen Al Gore vor dessen Residenz in Washington und vor den jeweiligen Gerichtsgebäuden. Wo halt gerade über den Präsidenten entschieden wurde, da waren die Bush-Anhänger.</p>
<p>Diese Demonstrationen waren Medienereignisse. Die Demonstranten wurden in Bussen herangekarrt. Auch die Kukluxclanburschen kletterten in ihren weißen Nachthemden aus klimatisierten Bussen. Dann nahm man Aufstellung und hielt die Fäuste und Sprüche in die Kameras.  Sprechchöre wurden geschrieen. Gegen Al Gore flogen Cola Dosen.  Das sah gefährlich aus, aber bei Kameraschwenks  war dann zu erkennen, daß das ziemlich kleine Ansammlungen waren. Busladungen eben. Trotzdem war gleich von „Unmut in der Bevölkerung“ und einer „öffentlichen Meinung“ die Rede.</p>
<p>Diese Demonstrationen wurden von den Medien benützt. Ohne sie hätten überhaupt nur Gerichtsgebäude und die Verhandlungen darin gezeigt werden können. Der ganze Vorgang dieser Nachwahlauseinandersetzung wurde von den Fernsehjournalisten eher gereizt behandelt. Ungeduldig. Als wäre dieser Vorgang eine einzige Zumutung. Da war es nett, empörte Bürger vorführen zu können. Zumal die ja auch das Passende schrieen. Bush wurde von allen Nachrichtenkanälen als der rechtmäßige Sieger angesehen. Böse Zungen behaupteten, die Journalistenstars wollten so rasch wie möglich die von Bush versprochene Steuersenkung  für hohe Einkommen in Kraft sehen. Pro Bush Demonstranten paßten jedenfalls. Ins  Bild und in die Strategie.</p>
<p>Angesichts der 2 dünnen Reihen dieser instrumentalisierten Demonstranten stieg schon Sehnsucht nach den Donnerstagswandertagen auf. Da ist es nämlich Selbstbestimmung, die am Donnerstag nach 7 Uhr am Abend den Schritt des Spaziergängers oder der Spaziergängerin in Richtung Ballhausplatz lenkt. Keine Busanlieferung. Jeder und jede kommt einzeln. Freiwillig und ungezwungen. Nur der eigene Beschluß liegt vor. Und ganz locker kann man oder frau auch wegbleiben. Diesmal nicht hingehen. Es geht um Zwanglosigkeit. Es geht um die Freiheit von all den Zwänglichkeiten, wie sie die Ich-Schwächen des Rassismus benötigen. Es gibt also keine vorgeschriebenen Regelmäßigkeiten. Keine vorgeschriebenen Sprechchöre. Keine vorgeschriebenen Transparente. Keine vorgeschriebene Kleidung. Keinen vorgeschriebenen Text. Manchmal versucht eine junge Frau mit rotem Schal, Ordnung zu machen. Sie scheitert aber jedesmal. Niemand will Ordnung am Donnerstag und niemand will Unordnung.</p>
<p>Weil es um die Suche nach einem neuen politischen Ausdruck geht. Weil es um die Darstellung von Antirassismus geht, der hierzulande keine Sprache hat, muß diese Suche in einer Nicht-Ordnung stattfinden. Denn. Würde marschiert werden. Wäre also das Donnerstagsgehen in eine Ordnung gepreßt. In eine Marschordnung. Dann könnte die Gangart nicht gehen oder wandern genannt werden. Sie hieße marschieren. Geordnet, choreografiert und einexerziert gehen. Sie wäre damit die Erinnerung an die Bewegung in all den Formationen, die immer nur das nächste Gegenteil herstellen konnten in der ewigen Folge von Gewalt und Gegengewalt. Geriete die Donnerstagsdemo aber in Unordnung, dann verlöre sie sich ins Unsichtbare. Sie müßte nicht mehr wahrgenommen werden. Ein Grüppchen da. Ein Grüppchen dort. Die einen um 7. Die anderen um 8. Auflösung.</p>
<p>Eine solche Nicht-Ordnung ist schwierig. Jeder und jede muß sich selbst den eigenen Antirassismus ausdenken. Das ist mühselig und die Belohnung. Es gibt dann kein Dogma, sondern tausende Modelle, die dann auch auf die tausenden Wirklichkeiten anzuwenden sind, in denen Antirassismus gebraucht wird. Das ist Praxis. Das ist gebastelte Praxis. Aber. Über die Anwendbarkeit von Dogmen und die Folgen davon. Darüber haben uns die letzen 2 Jahrhunderte doch einiges gelehrt.</p>
<p>Warum überhaupt gehen. Es könnte ja reichen, sich das Richtige zu denken und dann manchmal auch zu tun. Wozu diese, vom Standard „ niedlich“ genannten Prozessionen?  Rassismus ist Masse. Die Konstruktion eines feindlich Anderen stellt diese Masse her und umfängt sie. Gerade wird die Masse „Negerdrogenhändlerverfolger“ hergestellt. Mit wenigen Formeln wird in der  Beschreibung der Drogenhändler jeder einzelne verängstigbare Verängstigte in diese Drogenhändlerverfolgermasse eingegrenzt. Ist in dieser Masse aufgehoben, die dann bei den Gemeinderatswahlen in der Wahl der Drogenhändlerverfolgerpartei erst sichtbar werden soll. Bis dahin bleibt diese Masse geheim, passiv und unauffällig. Bis dahin sitzt jedes Massenteilchen vor Fernseher und Kronenzeitung. &#8211; Aufmärsche wären vielleicht ja auch nicht so günstig. Es soll doch dabei bleiben, daß alles demokratisch zugeht.</p>
<p>Antirassismus kann nicht marschieren oder sich zusammenrotten, weil jede Masse in diesen vereinfachenden Formeln, die sie herstellen, in jedem Fall rassistisch ist. Wie also sichtbar bleiben und nicht zu Masse gerinnen.</p>
<p>Der Protest gegen FPÖVP hat sich dieser Falle von Anfang an durch Kreativität entzogen. Fröhliche Umbenennung war das Mittel. Von Anfang an wurde demonstrieren, wandern und gehen genannt. Die Demonstration wurde zum Wandertag. Schon diese Bezeichnungen lassen Raum für neue Interpretationen. Es geht letzten  darum, dem bisherigen Politischen den Rücken zu kehren. Sich wegzuwenden und neue Sprachen zu finden. Wenn es möglich war, faschistische Bedürfnisse nun so lange Zeit zu konservieren, daß sie weiterhin abrufbar bleiben, dann war ziemlich alles falsch, was die letzten 50 Jahre betrifft. Darüber muß nachgedacht werden. Darüber muß geredet werden. Und dem muß man oder frau sich entziehen.</p>
<p>Was es soll „dieses Herumdemonstrieren“ werde ich gefragt. Gönnerhaft oder spöttisch. Was es für einen Sinn haben soll. „Herzig“ wird das gesehen. Dieses Gehen. Ein bißerl naiv. Oder armselig. „Niedlich“, wie gesagt.</p>
<p>Nun. Die Lehre der letzten 15 Jahre muß doch sein, daß Politik emotional bestimmt ist. Der Charakter und dessen Möglichkeiten sind entscheidend. Was kann einer oder eine aushalten. Was kann gedacht werden. Was ist zu überlegen erlaubt. Was an Fragen verboten. Was kann gesagt werden. Was erkannt. Jedes Sachargument wird an den emotionalen Anforderungen gemessen werden. Und ganz offensichtlich ist der autoritäre Charakter nicht verschwunden,  dessen Denkmuster ängstliche Enge bestimmt.</p>
<p>Wie hätte der autoritäre Charakter auch verschwinden sollen in einer Kultur, die nie von vorne begonnen hat, sondern nach 1945 bei 1938 angeschlossen hat. Und damit nur an der regionalen Ausformung dieses Charaktertyps. Nie wurden die Vorstufen zur autoritären Gesellschaft der 30eer Jahre in Frage gestellt. Autoritäres Neobarock, das direkt in autoritär ausgelegte Postmoderne mündete.</p>
<p>Die Einübung in den autoritären Charakter ist so Grundlage der Kultur. Mittel dieser Einübung ist Angst. Sind Ängste. Ängstlichkeiten. Und ganz offensichtlich kann sich der politische Text auf solche Ängste weiterhin beziehen. Aus Überwältigungsängsten und Überwältigungswünschen gespeister Antisemitismus ist einer der Bausteine unserer Charakter. Politik. Religion. Bildung. Kunst. Kultur. Überall sind unaufgespürte Aufträge in diese Richtung.  Und manchmal sind sie mittlerweile ja auch schon ganz unverborgen offen.</p>
<p>Aber. Das geht an einem nicht vorbei. Da gibt es Einschlüsse, die unerträglich doch freigelegt werden müssen. Antisemitismus. Rassismus. Das verdeckt Leerstellen. Ist dazu da. Muß verdecken. Immer und immer wieder. Das bekommt Suchtcharakter und wird nie vollkommen anders.</p>
<p>Eine der großen Lügen unserer Kultur war und ist die Behauptung, sich vollkommen verwandeln zu können. Ein vollkommen anderer  oder eine vollkommen andere zu werden und alle Laster der alten Person abstoßen zu können. Die Erzählung von der Erlösung spricht davon. Suchtkranke wissen es anders. Es gibt keine Heilung von der eigenen Person. Und das ist gut so, denn das bedeutete nur eine andere Form von Selbstverlust. Aber. Die versteckten Aufträge bleiben versteckt. Stete Selbstbefragung wird deshalb notwendig sein.</p>
<p>So gesehen, ist es auch eine Selbsthilfegruppe, die da am Donnerstag abend immer aufbricht. Ins Gehen. Ins Weggehen. In ein den Rücken Kehren und von der Straßenmitte einen neuen Blickwinkel fassen. Und. In der Suche nach den richtigen Fragen und in der Suche nach einem neuen Ausdruck ist dieses Gehen Kunst. Politische Kunst und eine demokratische Leistung. Und in der persönlichen Darstellung der politischen Meinung überhaupt erst Demokratie.</p>
<p>Erschienen am 24.1.2001 in Profil</p>
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		<title>Als könnte von vorne begonnen werden. Beim Gehen durch Wien.</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 11:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[27.12.2000 Vom Balkon im obersten Stock des Hotel Bristol fotografiert ein Mann. Er reagiert nicht auf Winken. Er fotografiert weiter. In der Taubstummengasse drängen sich Partygäste an den Fenstern in der Belletage. Sie halten die Hände neben die Gesichter, um in die Dunkelheit hinaussehen zu können. Auf die Straße hinunter. Auf die Demo. Wir winken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>27.12.2000</p>
<p>Vom Balkon im obersten Stock des Hotel Bristol fotografiert ein Mann. Er reagiert nicht auf Winken. Er fotografiert weiter. In der Taubstummengasse drängen sich Partygäste an den Fenstern in der Belletage. Sie halten die Hände neben die Gesichter, um in die Dunkelheit hinaussehen zu können. Auf die Straße hinunter. Auf die Demo. Wir winken hinauf. Die Menschen treten zurück. Rasch. Ein Haus weiter. In einer Wohnung weit oben. Jemand dreht das Licht an und ab. Zwei Mal lang. Ein Mal kurz. Wi – der – stand. Wir pfeifen mit den Lichtsignalen mit. Zwei Mal lang. Ein Mal kurz.</p>
<p>Vorher. An der Ecke Prinz Eugenstraße und Theresianumgasse. Die Polizei hatte den Zugang zur türkischen Botschaft versperrt. Es war der zweite Tag der Überrennung der Gefängnisse durch das Militär in der Türkei. Während der Zug wegen dieser Sperre stockte und sich nicht gleich in die Theresianumgasse lenken ließ, begann der ältere Herr auf dem Gehsteig zu randalieren. Wir sollten aufhören. Er rief das wütend und entsetzt. Nasalierend im feinsten Oberschichtwienerisch beschwor er immer wieder die Rechtlosigkeit der Straße. Und daß es immer so begonnen hätte. Auf die Frage, warum ihn denn eine Demonstration so aufrege, da warf er den Kopf zurück und reißt die Arme in die Höhe. „ Ihr haltet den Verkehr auf!“ Und. Beim Autofahren. Da handle es sich ja schließlich auch um ein Recht. Und. Wir sollten uns schämen. Dann ging er davon. Angeekelt.</p>
<p>Es geht nicht immer so väterlich rügend ab. Es gab schon Kübel Wasser, die über die Demonstranten ausgeleert wurden. In den engen Gassen des 8. Bezirks ist das wirkungsvoll. Oder hinter dem Westbahnhof. Dafür wurde da auch immer freundlich zurückgewinkt. Von den Migrantenfamilien, die da wohnen. In der Lange Gasse gibt es immer eine rote Fahne aus einem Fenster. Lichtsignale. Und Hupkonzerte im Widerstandstakt. Und dann wieder einmal die brennende Zigarette heruntergeschleudert. Und „Ihr Arschlöcher“ hinterdrein. Aber das war im Sommer. Mit den offenen Fenstern und der langen Dämmerung. Die Schanigärten entlang. Ein paar setzten sich hin. Auf ein Achterl. Ein paar andere kommen mit.</p>
<p>Jetzt im Winter kommuniziert es sich nicht so leicht. Es sind auch nicht mehr so viele, die am Donnerstagabend gehen. Jedenfalls nicht mehr die 10.000e vom Februar. Beim Warten. Bei der Botschaft für besorgte Bürger. Da, wo der Ballhausplatz und der Heldenplatz zwischen Volksgarten und dem josephinischen Trakt der Hofburg zusammentreffen. Da sieht es jetzt lange so aus, als käme diesmal niemand. Und dann reicht der Zug auf dem Ring doch von der Mariahilferstraße bis zum Volksgarten zurück. Und die melancholischen Kinder ziehen wieder durch die Straßen.</p>
<p>Wir gehen. Und die Polizei riegelt den Verkehr ab. Leitet um. Hält auf. Marschiert mit oder voraus. Damit die melancholischen Kinder kein Verkehrschaos anrichten. Oder gar vor die Botschaft der USA wandern. Oder vor die türkische, wie vorige Woche. Und wie in der netten Kernfamilie wird das widerspenstige Kind an der lange Leine gehalten. Immer in der Hoffnung, das Kind fände von allein in die Ordnung zurück.</p>
<p>Darum geht es. Es geht um Ordnung. Es geht um die Ordnung außen. Um die öffentliche Ordnung. Diese Regierung ist auf demokratischem Wege zustande gekommen, heißt es da. J. Haider habe sich zurückgezogen. Alles ginge mit rechten Dingen zu. Das stimmt dann ja auch. Die Normalisierung scheint mir ziemlich abgeschlossen. Die Normalisierung, die eine Entpolitisierung ist, hat die Gegenkultur von rechts ganz selbstverständlich in den öffentlichen Text eingearbeitet. Die Medien funktionieren schon wieder wie immer. Begriffe wie Gesinnungsgemeinschaft oder Inländerfeindlichkeit oder pragmatische Abtreibungsdebatte oder Sexualtäterkastration beschreiben politischen Alltag. Und fraglos so.</p>
<p>Im Wahlkampf in Wien finden sich Wahlkampfaussagen der Freiheitlichen, die das „Ausländer Raus“ nun als „Kampf  um einen Einwanderungsstop“ umformuliert, sich aber im „Kampf gegen Drogendealer“ 1000 Nigerianern machtlos gegenübersieht, das aber wiederum mit einem „Kampf um mehr Sicherheit“ bekämpfen will und deshalb der Polizei zur Verhaftung von „100 Drogendealern, der überwiegende Teil aus Schwarzafrika“ vorerst einmal gratuliert. In diesem öffentlichen Text wird nur noch von Kampf gesprochen. Als befände Wien sich in einem Belagerungszustand. Als müßten übermächtige Kräfte von außen abgewehrt werden. Von solchem Geschrei verdeckt, wird in Politik und Wirtschaft rasch vollendet, worin Österreich &#8211; waren das die Sozialpartner? – einen Schritt hinter der übrigen Welt hinterher hinkte. Unter der Überschrift Globalisierung wird Struktur bereinigt und fusioniert und immer gläubig genickt zu allen Wirtschaftsnotwendigkeiten. Das ist natürlich hier nicht anders als überall. Aber hier ist es mit diesem fahrlässigen, nie geänderten Sprachgebrauch verbunden. Da gibt es zum Beispiel eine Rechtssprache, die nie verändert weiterhin eine autoritäre Umschreibung von Wirklichkeit ermöglicht. Da ist die Sprache der Politik, die nie verändert, schlimmste Aussagen ein bißchen umformuliert, die weiter das Schlimmste meint, und niemand regt sich mehr auf. Da sind die Mediensprachen, die sich schon immer das anything goes ein Anliegen sein ließen. Da liegt ein öffentlicher Text vor, der alle Kunstgriffe jeder Avantgarde usurpiert hat und benutzt. Auch das ist hier nicht anders als überall. Aber hier wird dieses Gebrauchsdada in der Politik zur populistischen Wahrheit in aller Provinzialität.</p>
<p>In diese Ordnung soll zurückgefallen werden. Oder zurückgekehrt. Die melancholischen Donnerstagsgeher und Geherinnen sollen so lange durch die Stadt ziehen, bis sie es begriffen haben. Oder es ihnen zu blöd wird. Weil sie etwas anderes zu tun haben. Oder etwas besseres.</p>
<p>Eine besonders perfide Form der Erziehung ist das freundlich lächelnde Abwarten der Erzieher, bis der oder die zu Erziehende es selbst herausgefunden haben. In amerikanischen Fernsehserien stehen die Kinder dann vor den Eltern und gestehen, daß die Eltern recht gehabt hätten. Dann dürfen sie die Eltern umarmen. „I love you“ „I love you too“ Und wieder ist eine perfekte Demütigung ganz nebenbei gelungen. Ist das die Erwartung unseres Bundeskanzlers, vor dessen Büro sich jede Wochen ein paar 1000 Menschen versammeln und ihrer Ablehnung so Gestalt verleihen. Gibt es diesen elterlichen Tagtraum vom Eingeständnis des Kindes, es falsch gemacht zu haben, in dem die Eltern sich so schön bestätigen können. Warum nicht. Bundeskanzler zu sein, garantiert noch keine kitschfreien Tagträume.</p>
<p>Während also nun das Establishment auf diesen Augenblick der Selbstaufgabe wartet. Oder auf die Selbstauflösung  weil niemand mehr zu den Demos kommt. Oder noch besser auf einen Grund wartet, einmal durchzugreifen. Währenddessen gibt es ja auch noch den Ruf nach innerer Ordnung. Rufe nach einem Programm wurden laut. Nach Sprachregelungen. Nach Organisation. Nach Durchorganisation. Aber. Es gibt weiterhin kein Alpha Tier und es gibt keinen Alpha Text. Es gibt keine Sprachregelung. Es gibt keine Organisation. Wenn ich vom Heldenplatz am Donnerstag abend aufbreche, dann gehe ich hinter keiner Parole her. Hinter keiner Fahne. Ich ordne mich in keinen Sprechchor ein. Zwei Mal lang. Ein Mal kurz. Wi – der – stand. Der kleinste gemeinsame Nenner ist Antirassismus und das ist eine Menge in diesem Land.</p>
<p>Mein Lieblingstransparent wird von einer jungen Frau getragen. An einem Besenstiel ist der Boden einer Bananenkiste geklebt. „Gegen die tägliche Beleidigung“ steht auf dem Karton. Mit diesem Spruch geht es über den Ring am Parlament vorbei die Josefstädterstraße hinauf. Oder um den Ring zur Börse. Es wird schnell gegangen. Es wird viel geredet. Und dazwischen gepfiffen.</p>
<p>Die Straßen sehen anders aus von der Straßenmitte. Die Häuser fallen ganz anders über einen und die Alleen haben einen Himmel. Von der Straßenmitte ist der Verfall zu sehen. Die Ketten von geschlossenen Geschäften. Die Straßenzüge, die schon die Überlebensversuche mit den Sexshops hinter sich haben. Mit den 10 Schilling Läden. Den Asialäden und den Schnitzelhäusern. Die Stadt hat einen anderen Klang. Von der Straßenmitte und ohne Autoverkehr. Und jedesmal bei diesem Gehen in der Straßenmitte ist es so, als könnte von vorne begonnen werden. Als wäre ein Neuanfang möglich. Als könnte mit dem politischen Denken neu begonnen und alles gedacht werden, was bisher immer vorgesagt worden war. Diktiert. Im Gehen durch die schöneren oder schäbigeren Straßen ist der Ausdruck für ein politisches Hier und Jetzt zu finden, das sich in diesem Wust von politischem Text zumindest darstellen läßt. In diesen Gängen und Wanderungen durch die Stadt . In diesem politischen Flanieren ist eine basale politische Existenz ausgedrückt. Und zumindest Angstlosigkeit. Zuerst einmal für jeden und jede. Zwanglos. Das ist nur ein Hauch von Anarchie. Aber immerhin ein Weg aus einer weiteren Verdrängung und durchaus nicht landesüblich.</p>
<p>Erschienen am 27.12.2000, TAZ: Als könnte man noch einmal anfangen.</p>
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		<title>Was unrichtig beginnt.</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 11:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[11.9.2000 Was unrichtig beginnt, nützt immer den Falschen. Die panische Sofortreaktion der EU gegenüber der ÖVP-FPÖ Regierung hat gerade dieser Regierung eine Bühne weinerlich selbstgerechter Selbstdarstellung geschaffen. Ein 7 Monate dauerndes Ablenkungsmanöver ist das nun geworden. Große Auftritte von Beziehungswahn und Verfolgungswahn. Auf österreichisch. Dieses „Ich bin ja gegen die FPÖ in der Regierung, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>11.9.2000</p>
<p>Was unrichtig beginnt, nützt immer den Falschen. Die  panische Sofortreaktion der EU gegenüber der ÖVP-FPÖ Regierung hat gerade dieser Regierung eine Bühne weinerlich selbstgerechter Selbstdarstellung geschaffen. Ein 7 Monate dauerndes Ablenkungsmanöver ist das nun geworden. Große Auftritte von Beziehungswahn und Verfolgungswahn. Auf österreichisch. Dieses „Ich bin ja gegen die FPÖ in der Regierung, aber die EU. Das geht auch nicht.“ Das war der stärkste Motor der Normalisierung. Schadenfroh sah man dem Schulterschlußgeheische zu. Nestbeschmutzer blieben dann doch nur die, die als solche schon immer bekannt waren. Und mittlerweile sind es da auch einige weniger.</p>
<p>Aber damit ist das eigentliche Problem der österreichischen Situation schon umrissen. Mit solchen Begriffen kann Politik gemacht werden. Mit „Schulterschluß“ und „Österreichliebe“ und „Nestbeschmutzer“  wird jetzt Regierungspolitik gemacht. Nicht an der Oberfläche. Da werden Aussagen, wie letzthin, daß doch Extremismus nichts so Schlechtes sei. Eigentlich. Da werden solche Aussagen achselzuckend in die Narrenecke geschoben. Dort müssen solche Aussagen auch hin, denn sonst müßte man sich mit ihnen beschäftigen.</p>
<p>Allein die Tatsache, daß kaum ein neuer Nestbeschmutzer oder Nestbeschmutzerin auftrat, beschreibt die Wirkung all dieser aufgeladenen Begriffe. Patriotismus. Nation. Liebe zu Österreich. Sozialschmarotzer. Nestbeschmutzer.  All diese Begriffe zeigen, daß die eigentliche Auseinandersetzung auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Die geschichtliche Last dieser Begriffe unterlagert den oberflächlichen Gebrauch. Unter der Oberfläche werden dann all die Sinneinheiten wirksam, die „damals“ gemeint waren. Gerade die Medien ließen sich durch die Drohung, „unpatriotisch“ zu sein,  einschränken. Die Opposition wollte nicht „unpatriotisch“ agieren und  ließ sich einschränken. Die Gegner der Regierung konnten als „unpatriotisch“ abgetan werden. Das Wort „Vaterlandsverrat“ wurde gebraucht. „Unpatriotisch“ war eine fabelhafte Möglichkeit auszugrenzen. Das tat dem Beziehungswahn gut.</p>
<p>Dazu kam dann noch das Gebot, daß man Probleme in der Familie in der Familie löst. Die Kleinfamilie hat bei uns  ja monarchistischerseits schöne Tradition. Und wie die geprügelten Ehefrauen und blaugeschlagenen Kinder dann die Geschichte mit dem Treppensturz erfinden müssen, folgen dann doch alle dem Gebot des Verschweigens. Diesem „Halt den Mund, sonst&#8230;“. Solche  „sonsts“ sind in alle diese Begriffe eingebaut. Und wirken. Unbehagen als Reaktion ist noch ein Zeichen von Gegenwehr. Von Reflektion. Die meisten jedoch werden nur den Gebotsstrukturen dieses „sonst“ gehorsam gehorchen. Wie auch. Es wurde nie anders gelernt.</p>
<p>Und. Die 3 Weisen wollten darüber nichts erfahren. Dazu hätten sie sich mit Sozial- und Politikwissenschaften befassen müssen. Dazu hätten sie etwas vom Sprachklima begreifen müssen. Dazu hätten sie mit Personen außerhalb der Politstrukturen sprechen müssen. Das ist unsicherer Grund. Da hätten sie eine Meinung entwickeln müssen. Das war aber nicht gefragt. Schließlich sollten sie die überschießend emotionale Erstreaktion der EU 14 nach der Regierungsbildung  in die Normalität internationaler Verbindungen verwandeln. Diese Normalität beruht auf der Meinungslosigkeit gegenüber der Innenpolitik der anderen. Dahin sollte zurückoperiert werden. Normalisierung auch hier.</p>
<p>In den 7 Monaten der Maßnahmen, die in Österreich Sanktionen genannt werden, ist das weitergegangen und verstärkt worden, was wir Haider &amp; Co verdanken. Die Wiedereinführung von Begriffen, die irgendwie verschwunden waren. Es ist natürlich dieses „irgendwie“ und „verschwunden“, was diesen Gebrauch geradezu herausforderte. Die österreichische Kultur vergeßlicher Erinnerung ist dafür Voraussetzung. An der Oberfläche wird alles vergessen, ja geleugnet. Gleichzeitig werden die in diesen Begriffen verborgenen Aufträge erfüllt. Ja. Müssen erfüllt werden und erfüllen sich. Daß daraus dann auch noch eine befriedigende Bestätigung des arroganten Minderwertigkeitsgefühls im Österreichischen bezogen werden kann, beschreibt die Dauerhaftigkeit solcher Strukturen.  Daß der Widerstand sich Widerstand nennt, ist so als Antwort im subliminalen Umfeld dieses Sprachgebrauchs zu verstehen. Sprachloser Widerstand ist da eine Art erste Hilfe Maßnahme. Das Donnerstagsgehen darin auch eine Möglichkeit dieser Sprache zu entgehen. Die Frage ist doch, wie kommt die österreichische Gesellschaft zu einer politischen Kultur.</p>
<p>Erschienen als &#8220;Eine schrecklich nette Familie&#8221; am 13. September 2000 in Der Standard</p>
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		<title>Fünf Interview-Fragen.</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 11:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[1.8.2000 Liebe Frau Streeruwitz, ich schicke Ihnen hiermit, wie besprochen, die fünf Interview-Fragen. Da das Interview noch in der Ausgabe dieser Woche erscheinen soll, bräuchte ich die Antworten bis morgen 13.00 Uhr an die obengenannte Adresse. Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und hoffe, daß wir uns bei Gelegenheit auch mal persönlich kennenlernen werden &#8212; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1.8.2000</p>
<p>Liebe Frau Streeruwitz,<br />
ich schicke Ihnen hiermit, wie besprochen, die fünf Interview-Fragen. Da<br />
das Interview noch in der Ausgabe dieser Woche erscheinen soll, bräuchte<br />
ich die Antworten bis morgen 13.00 Uhr an die obengenannte Adresse.<br />
Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und hoffe, daß wir uns bei Gelegenheit auch<br />
mal persönlich kennenlernen werden &#8212; diese Art des Interviews ist mir<br />
nämlich, so praktisch sie auch sein mag,  doch etwas zu unpersönlich.<br />
Falls Sie mal irgendetwas haben, was dringend veröffentlicht werden<br />
sollte, mailen Sie es einfach an meine Mail <a href="mailto:chilin@aon.at">chilin@aon.at</a>, und ich werde<br />
mich, soweit es mir möglich ist, gerne darum kümmern. Doch nun zu den<br />
Fragen:<br />
1) Ich möchte Sie, als eine der drei Weisinnen, gleich zu Beginn fragen,<br />
worin die Funktion der drei Weisinnen besteht und welche Aufgaben sie sich<br />
gesetzt haben?</p>
<p>Die drei „Weisinnen“ sind eine spontane Wandertagsidee vom Donnerstag vergangener Woche. Es geht um den Hinweis, daß es auch noch andere Österreicherinnen und Österreicher gibt, als die hierarchischen Spitzen der Politik, Religion und Verwaltung.</p>
<p>2) Das geplante Gespräch mit den &#8220;drei Weisen&#8221; fand nicht statt. Warum nicht? Und wie wird die Arbeit der drei Weisinnen nun weitergehen?</p>
<p>Das Gespräch fand nicht statt, weil es keine Reaktion der „Weisen“ gab. Das finde ich nicht bemerkenswert. Es hat sich doch hier eine Stimmung von Wichtigkeit hergestellt, die solche Kontakte ja geradezu ausschließt. Das heißt aber nun nicht, daß unsere Aktion umsonst war. Das seltsame ist doch, daß es immer und weiter darum geht, in Erinnerung zu bringen, daß es einzelne Personen sind, die hier als Objekte der Politik verhandelt werden. Das ist ja auch – für mich jedenfalls – einer der Gründe für die Donnerstagsdemos: es geht um jeden und jede. Das erstaunt in Österreich die Leute am meisten. Sich selbst um Politik kümmern zu müssen ist offenkundig weiterhin Mühe.</p>
<p>3) Sie sind regelmäßig auf den Donnerstagsdemos präsent und aktiv, veröffentlichen in der europäischen Presse Texte und Kommentare gegen Blauschwarz und sind nun eine der drei Weisinnen. Wie verträgt sich Ihr reges und bemerkenswertes  öffentliches Engagement mit ihrer Arbeit als Schriftstellerin?</p>
<p>4) Beispielsweise im Quarantanienband haben sie ihre Kritikpunkte an der FPÖ und der schwarzblauen Regierung deutlich formuliert. Sehen Sie in der Arbeit der drei Weisinnen und ihrem Engagement eine Möglichkeit, etwas zu bewirken, das über die bloße Aufklärung, die hierzulande schleppend vor sich geht, hinausläuft?</p>
<p>Mir geht es um den „autoritären Charakter“. Das ist jene Personenkonfiguration, die das Einfügen in Fremdentscheidung und Masse ermöglicht. Dieser Charakter ist demokratieunfähig, ja wird die Demokratie bekämpfen. Diese Personenform ist aus unserer Kultur nie ganz verschwunden. Das hat mit Verdrängung und  Erziehung zu tun. Während  der Nationalsozialismus Tugenden wie Ordnung, Sauberkeit mit der Zugehörigkeit zur richtigen Rasse verbanden, werden derzeit über die Diskriminierung der Ausländer diese Tugenden für die Inländer behauptet. Die klare Aussage, daß die Österreicher besser als die Ausländer sind, kann so umgangen werden und die in diese Behauptung eingegrenzten Österreicher können sich überlegen fühlen. Solche Behauptungen führen zu immer enger gefaßten Feindbildern. Ich denke, daß wir hier erst den Anfang erleben. Ich warte, bis es gegen die Frauen geht, als den inneren Feind.</p>
<p>5) Wie schätzen Sie als Aktivistin die Perspektiven des Widerstands gegen Blauschwarz ein?</p>
<p>Es gibt zwar konkrete Ziele. Also Rücktritt dieser Regierung. Aber natürlich ist es damit nicht getan. Seit ich begonnen habe zu schreiben, arbeite ich gegen den „autoritären patriarchalen Charakter“. Für mich ist die Beteiligung an dieser Widerstandform die Weiterführung meiner Arbeit und damit werde ich weiter machen.</p>
<p>Mit Dank und lieben Grüßen         Sabine Treude</p>
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		<title>„Gegen die tägliche Beleidigung.“* Oder. Wie läßt sich auf der Bühne politisch werden.</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 11:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung - Die Zeit danach]]></category>

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		<description><![CDATA[18.7.2000 Ein Theater der Katharsis ist unpolitisch. Wenn die stockende Masse Theaterbesucher in den einen gemeinsamen Seufzer ausbricht, dann ist das in dieser Entlastung die Zustände immer affirmierend. Geseufzt wird ja schließlich nach dem Dolchstoß und seinen Todesfolgen. Und. Wenn dieses „Ach. Wie tragisch!“ die Kehlen einschnürt. Und das Wieder Luft Holen danach dann so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>18.7.2000</p>
<p>Ein Theater der Katharsis ist unpolitisch. Wenn die stockende Masse Theaterbesucher in den einen gemeinsamen Seufzer ausbricht, dann ist das in dieser Entlastung die Zustände immer affirmierend. Geseufzt wird ja schließlich nach dem Dolchstoß und seinen Todesfolgen. Und.</p>
<p>Wenn dieses „Ach. Wie tragisch!“ die Kehlen einschnürt. Und das Wieder Luft Holen danach dann so ein Gefühl von Befreiung und Mut und Kraft auslöst. Wenn dann die Brust so weit wird. Wieder. Dann ist der Appetit wieder da. Der Appetit aufs Essen. Nie der auf Veränderung. Vanitas  und angenehm geseufzt und dann sehr gut gegessen. Und alles geht weiter. Wie immer.</p>
<p>Ein Theater der Provokation ist entpolitisierend. Der Akt der Provokation in sich schon Abwehr der Verständigung ist mittlerweile endgültig berechenbare Grenzziehung. Ist die Unterscheidung in Befürwortung und Ablehnung  und Langeweile. Die, die für die Provokation eintreten, die wissen sich in einem moralischen Vorsprung vor den Provozierten.  Die fühlen sich in diesem Vorsprung bestätigt. Die fühlen sich voraus und denken sich nichts. Längst nichts mehr. Ablehner und Ablehnerinnen der Provokation. Die wissen sich nun in der anderen Hälfte des moralischen Vorsprungs bestätigt und denken sich nichts. Ganz sicher nichts anderes. Die Gelangweilten wußten schon alles und müssen sich deshalb nichts mehr denken. Alte Grenzen werden so neu bestätigt. Immer wieder. Provokateure und Provozierte sind zufrieden. Ergänzen einander. Und es ändert sich nichts. Aufgeregteres Biedermeier seit dem Aktionismus und keine Bewegung. Im Denken nicht.</p>
<p>Ein politisierend politisches Theater muß sich auf die politische Situation beziehen und deren Wirklichkeit vermitteln. Ein solches Theater muß ohne den hohen Text auskommen und ohne den Seufzer der Bestätigung. Ein solches Theater muß sich in der derzeitigen österreichischen Situation mit der Frage beschäftigen, wie es zur „täglichen Beleidigung“ kommt. Wie Hierarchie, Führerprinzip, Ausgrenzung und Heimattümelei zu Sprache kommt. Wie unscheinbar die „tägliche Beleidigung „ daher kommt. Wie normal. Wie gewohnt. Wie fad. Wie mediengerecht. Wie weit verbreitet. Wie tief verankert.</p>
<p>In der Politik wird der Text von Personen interpretiert abgeliefert. Mehr noch als auf dem Theater beschränkt sich alles auf diesen zweidimensionalen  Informationstransport. Diese Konstruktion  auf „Figuren“ zu ergänzen wäre Taschenklappaltarpsychologisiererei. Und wieder im Erklären unpolitisch. Es kann nur darum gehen, die zweidimensionalen Texte der Politik zu untersuchen und politische Lesarten zu entwickeln. Das wiederum muß jeder Zusehen und jede Zuseherin für sich selbst tun. Der Überwältigung durch diese  plane Zweidimensionalität kann nur  die Entschlüsselung der Texte durch jeden und jede immer und immer wieder Widerstand leisten.</p>
<p>Text ist in diesem Spiel alles. Aussehen. Kleidung. Gesagtes und im Gesagten verborgene emotionale Aufladungen. Angedeutetes und Ungesagtes.</p>
<p>*Text eines Transparents. Gesehen bei den Donnerstag Wandertagen vom  13. und 19. Juli 2000.</p>
<p>Tagebuchnotiz</p>
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