Warum ich nicht mehr einschalten werde. Beim philosophischen Quartett.

24.1.2002

Ein bißchen hat es mich an diese talk show erinnert. Vor nun fast genau 2 Jahren. Als Böhme und Giordano und andere ehrwürdige Oldies Jörg Haider hierher kommen ließen. Nach Berlin. Und ihn vorführen wollten. Und es dann ganz anders kam. Damals redeten nachher alle davon, wie Jörg Haider als Sieger ausstieg. Diesmal ist es Reinhold Messner, über den so geredet wird.

Reinhold Messner. Durchaus ein weltanschaulicher Cousin von Jörg Haider. Der habe sich noch am klarsten geäußert. Der habe sich klar durchgesetzt. Gegen die Philosophen im philosophischen Quartett.

Das ist nicht verwunderlich. Im Ringen um gnostische Formulierungen sind handfeste Berichte aus der Männerunmittelbarkeit allemal das Griffigste. Bei Haider war das die entleerte Sprache populistischer Metaphernklitterung. Bei Messner ist das der Späher-Bericht von Jenseits der Grenze. Angebote an Überwindungsphantasien sind das. Verlockungen in das Sprechen von der Schlacht.

Das ist nicht verwunderlich in einem Land, das Krieg führt ohne das zu merken. Ohne das merken zu müssen. Beim Cocktail erklärt mir eine bekannte deutsche Autorin, der Krieg in Afghanistan müsse geführt werden. Sie wolle sich nicht wehrlos fühlen müssen. Wir stehen da. Mit Punsch vom Ka-de-We. Und petit fours von Le Notre. Und diese Frau ist für die Bomben auf Afghanistan, damit sie den Punsch ohne das Gefühl von Wehrlosigkeit trinken kann.

Eine  Wehrlosigkeit, die Krieg braucht, die muß zu Sprache kommen. Die muß den Krieg in Sprache entwerfen. Folgerichtig bemüht sich ein philosophisches Quartett in einer solchen Zeit um Metaphysik. Spricht von Gott. Holt sich einen Mann vom Berg, der sich selbst als Metapher anbietet. Der als Metapher sein Geld verdient. Als Metapher für unbeschädigte Männlichkeit.

Und es ist nicht verwunderlich, daß diese Metapher dann besser darzustellen ist. Es geht hier um Unterhaltungstext. Talk show. Männer, die  für etwas Außersprachliches stehen. Die als Metapher dieses Außersprachlichen auftreten, die kommen da besser. Sportler. Schauspieler. Politiker.  Da ist die Metapher immer nur die Leseanleitung für den Zuseher. Im Träger der Metapher können sich alle Wünsche des Zusehers bündeln. So sieht Führerideologie auf den Unterhaltungstext umgeschrieben aus. Auch nur noch Unterhaltungstext.

Aber.  Mit der Bezeichnung „philosophisches“ vor dem „Quartett“ werden alle angesprochenen Sinneinheiten auf die Ebene von hoher Sprache gehoben. Als hätte es die letzten 80  Jahre philosophischer Kritik der Macht und ihrer Sprachen nicht gegeben, wird vollkommen naiv hoher Text behauptet. Gott. Die Angst. Die Wehrlosigkeit. Grenzerfahrungen. Überschreitungen. Und die Ermächtigungen, die sich daraus konstruieren lassen. Das ist der ewige patriarchale Text der Religion.

Aber es ist zu sehen. Mit dem Blick der Kamera über ein solches Gespräch, ist es zu sehen. Mit der Kamera wird die Bemühung um Unmittelbarkeit sichtbar. Belauschbar. Wird zur life show. Dann vielleicht doch besser ein Schispringen. Oder ein 100 Meterlauf.

Diese 4 Männer, die sich vor der Kamera räkeln. Sie dürfen sich mit der Sprache räkeln. Sie müssen sich nicht ausziehen, wie die Susannas 2 oder 3 Kanäle weiter. Da haben diese Männer die strukturelle Gewalt auf ihrer Seite. Aber mehr ist es dann auch nicht. Die Sprache für die Verdinglichung, die 2 oder 3 Kanäle exemplarisch vorgeführt wird. Auch nur die andere Seite davon.

Ich dachte, es ginge darum, das zu überwinden. Aber. Eine Gesellschaft, die Krieg führt. In der herrscht Krieg. Da wird der Begriff Philosophie dem Fundametalismus preisgegeben.

Erschienen in DU, Januar 2002

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