Rechts und die Sprache
Wie Rechte die Sprache instrumentalisieren – Marlene Streeruwitz über den Zusammenhang von Rassismus, Antisemitismus und Frauenverachtung.
»Luxemburg Lecture« , Instituts für Gesellschaftsanalyse Kulturforums der Rosa-Luxemburg-Stiftung. am 15.Juni 2009 in Berlin
Ausschnitt des Vortrages, der gesamte Text wird bei der Rosa Luxemburg Stiftung veröffentlicht.
Rechts, das ist eine Männlichkeitskonstruktion, die ihre Überlegenheit aus einem wahnhaften, meist territorialen Gründungsmythos herleitet. Es ist die Abstammung, die Herkunft, die die Grundlage der so hergestellten Männlichkeit ist. Das Abstammen legt die Grundlage für die Organisation des Rechten in Form von Familienstrukturen. Der Vater als Führer und die Verbindung verschiedener Herkünfte über Brüderlichkeit zu einem größeren Verband des Rechten. Die Führungshierarchie formiert sich entlang der Vorstellung der Brüder des Vaters. Die Kommandokette kann dieser familialen Begründung entsprechend keinen bestimmten Kriterien folgen und sich jeweils auf Verdienst oder Laune des Führers berufen. Die Rotte der Söhne wird über Gewalt gebändigt und diszipliniert. Die Zuneigung des Führers, der auch eine Stellvertreterfigur sein kann, muß über Heldentaten verdient werden. Stammeskrieg wird gegen die Anderen geführt. Die Überfälle werden aus der eigenen Überlegenheit argumentiert. Sie dienen gleichzeitig zur weiteren Festigung dieser Überlegenheit. In der Form der Veteranenerzählung tradiert sich der Mythos der Überlegenheit wiederum aus Herkunft und Überlegenheit.
„Blood and Honour” nennt sich die Gruppe, aus deren Umgebung in Thüringen die Naziaufmärsche organisiert werden. Blut, das beschreibt den Abstammungsmythos. Ehre bezieht sich auf die Notwendigkeit, die Überlegenheit zu demonstrieren. Die Verwendung der englischen Sprache wird einerseits eine Tarnung sein, die sich das Deutsche „Blut und Ehre” der SS Parole überzieht. Gleichzeitig kann sich die Gruppe so in die internationale rechte Szene einklinken.
Sprachlich stellt sich diese rechte Männlichkeitskonstruktion in einem Zirkelschluß dar, der sich in eine Wiederholung rammt und darin seine Irrationalität beschreibt. Sprachlich geht das so.
Blut und Ehre, das kann nur Männer von da, von diesem Ort da, beschreiben, deshalb sind diese Männer von da im Besitz des Anspruchs auf Macht. Macht haben dann diese Männer, weil sie Männer von da sind. Männer von da sind also die Männer von da. Männer sind nur Männer, wenn sie die Männer von da sind.
Grammatikalisch ist das Subjekt „Männer” durch das Gleichsetzungsglied „Männer” beschrieben, wobei das „nur” den Bedingungssatz auslöst, der durch das Ortsadverb wieder die Bedingung für „Männer Sein” zu erkennen gibt. Das Subjekt und das Gleichsetzungsglied und das Subjekt des Bedingungssatzes addieren sich in der Repräsentanz eines einzigen Substantivs, Männer. Einschränkung und Emotionalität werden durch das „nur” eingeführt. Das Adverb schränkt auf einen einzigen Ort ein. Es ist ein grammatikalischer Vorgang, mit dem in diesem Ersten Hauptsatz des „Rechten” der Anspruch auf Vorherrschaft angemeldet wird. Das Ergebnis ist eine Aufhebung der Bedeutung durch das Einsetzen dieses einzigen Substantivs. Das bedeutet aber wiederum, daß die Sprache, so wie wir sie zur Kommunikation und damit zur Herstellung eines Gesellschaftlichen benutzen. Daß diese Sprache in sich implodiert wird. Es wird keine Bedeutung vermittelt, sondern reine Struktur. Der Herrschaftsanspruch wird in der Reduktion der Versprachlichung auf die Grammatik mit der Grammatik angemeldet. Wie die Bedeutungen formuliert werden, das behält sich diese Herrschaft vor. Diese Informationen sind im Besitz der Herrschaft und werden nur in den inneren Zirkeln der rechten Gruppen als Geheimwissen verkündet.
In diesen Bedeutungen offenbart sich der Rückgriff auf wahnhaft Esoterisches. Ob eine Ableitung aus dem Germanischen, dem Arischen, dem Britischen, dem Gallischen. Von einem Motorrad. Einer Marke. Einer Hautfarbe. Einer Religion. Einem Beruf. Einer Sprache. Einer Firma. Immer geht es darum, die eigene Seinsberechtigung aus dem Recht…. (Der gesamte Text wird von der Rosa Luxemburg Stiftung veröffentlicht)