Das Leben geht weiter. Folge acht.
Die Tante Rosa hatte dann darauf bestanden, daß zur Barbara nach Duisburg gefahren wurde, um die kleine Anelka endlich zu begrüßen. Der Ali und der Alex hatten ihren Frisiersalon für eine Woche geschlossen und waren in der Türkei. Wegen der Sonne. Die Tante Rosa konnte im Frisiersalon wohnen. Da war alles zu ebener Erde und es gab kein Problem wegen des Rollstuhls von der Tante Rosa und am Tag kamen alle dahin. Die Tante Rosa und die Mutter von der Nadine übernahmen die kleine Anelka und Barbara konnte sich endlich hinlegen und schlafen. Zuerst waren alle dauernd den Tränen nahe. Weil die kleine Anelka so süß war. Weil sie alle nicht gewußt hatten, in welch schrecklicher Situation Barbara mit ihr war. Weil der Pauli nicht nach Österreich einreisen durfte und sein Kind noch nicht gesehen hatte. Weil es der Mutter vom Pauli so schlecht ging wegen der Kriege in Yugoslavien und jetzt wieder in Russland und Georgien. Weil der Tante Rosa wegen der Wirtschaftskrise in den USA nichts bleiben würde. Weil die Barbara nicht weiter wußte. Dann aber war das Leben im Frisiersalon gleich so praktisch für alle, daß nichts mehr so schwierig erschien. Die Mutter von der Nadine wollte dann aber unbedingt zurück. Sie hatte keine Wahlkarte, weil sie nicht mit dieser Reise gerechnet hatte und sie wollte auf jeden Fall zur Wahl gehen. Ob das denn wirklich notwendig sei, fragte die Tante Rosa. Was wolle sie denn wählen. Die Mutter von der Nadine sagte darauf nichts, aber die Barbara und die Tante Rosa wußten, daß sie wie immer wählen würde. Ob ihr nicht aufgefallen sei, daß das die Leute gewesen seien, die ihr immer eingeredet hätten, daß eine Frau die Kinder und den Haushalt machen sollte und daß diesselben Leute wären, die sie dann nicht für diese Arbeit entlohnt hätten. Die Barbara wurde richtig wütend auf die ÖVP und die Rechten. Aber die anderen hätten doch auch nie etwas eingehalten, rief die Mutter von der Nadine. Und es wäre halt so. Sie ginge ja auch in die Kirche. Die Tante Rosa mußte lachen. Ihr wäre aufgefallen, daß in dem ganzen Wahlkampf jeder nur so vor sich hingeredet hätte. Es käme ihr vor, als wäre noch die Monarchie und die ganze Politik wäre nur so ein Kasperltheater, weil der Kaiser dann sowieso machen werde, was er wolle. Aber es ginge schon um das Leben der Leute jetzt gerade bei allem, was da vorgeschlagen wurde. Ihr schienen die Grünen ja interessant, aber die hatten ja keine Behindertenpolitiker mehr. Ja, ob sie denn liberal wählen solle, fragte die Mutter von der Nadine. Unter keinen Umständen, sagte die Barbara. Das klinge gut. Das mit der Grundsicherung. Aber das wäre nur eine Abwehr einer Umverteilung. Da würden Menschen auf das nackte Leben reduziert. Würdelos, müsse man so etwas nennen. Die Tante Rosa schüttelte den Kopf. Das wäre ja wirklich wie in der Monarchie. Die Liberalen holten den Reichen die Kohlen aus dem Feuer. Die Christlich-Sozialen hielten dem Kaiser und der Kirche gegen jedes eigene Interesse die Treue. Die Nationalen wollten allen die deutsche Sprache aufzwingen. Und die Sozialdemokraten fänden keine klare Sprache. Ja, gut, rief die Mutter von der Nadine. Sie würde Grün wählen. Das wäre schon das, was sie wolle. Und die Tante Rosa könne dann diesen Faymann haben. Aber woher könne die Tante Rosa so viel über die Monarchie wissen. Ach, antwortete die Tante Rosa. Sie habe in Gainsville dann Geschichte studiert. In den USA könne man ja immer alles nachholen. Und dieser Faymann. Der schiene doch am ehesten das, was man einen Staatsmann nennen könne. Das müsse gefeiert werden, rief die Barbara. Das mit dem Studium und noch nicht der Faymann. Sie holte eine Flasche Prosecco aus Alis Eiskasten. Nein, sie sollten alle Mineralwasser trinken, sagte die Tante Rosa. Aus Solidarität. Mit der stillenden Mutter. Und für die kleine Anelka. Die Barbara legte sich dann wieder hin. Die Tante Rosa und die Mutter von der Nadine führten die kleine Anelka dann spazieren. In dem hübschen Restaurant im Park tranken sie dann aber doch ein Glas Wein. Weil es nichts zu feiern gab und das kein Grund sein sollte, sagte die Tante Rosa.
Fortsetzung folgt.