Zum Donnerstag, dem 25. Oktober 2007.
Wir leben in einer Immersionskultur, in der das vollkommene Eintauchen in die Ereignisse die Erkenntnis des Endes unmöglich macht. Was uns von der Philosophie und der Soziologie nun seit mehr als hundert Jahren angekündigt worden ist. Für uns ist es tägliche Wirklichkeit.
Wir haben nicht einmal die Möglichkeit, diese Augenblicke des Vorbei und des Endes von Konventionen und Vereinbarungen zu zelebrieren. Das Ende ist ja doch immer erst nach seinem Eintritt durch die ausgelösten Veränderungen wahrnehmbar und damit schon Vergangenheit.
So ist das nun auch mit den Donnerstags Wandertagen geschehen. Weil aber das Nicht Erkennen von Ende in Nostalgie führt. Und weil Nostalgie immer nur die Nostalgiker lähmt und die Andenkenindustrie und die Operette fördert. Deshalb ist es ästhetischer, dieses Ende klaren Blicks anzuschauen.
Diese Art der politisch künstlerischen Intervention hat sich überlebt, aber es sind die politischen Umstände ja auch andere. Die politischen Umstände sind nicht besser geworden, aber sie sind anders strukturiert. Andere Loyalitäten sind gefordert. Die unbearbeiteten Ressentiments gegen die Linke sind geblieben, die sich in einer verinnerlichten Selbstverachtung der Linken niedergeschlagen hat. Die Linke ist nun über die Sozialdemokratie im Besitz politischer Macht. Die Bindung an die, diese Verachtung der Linken zur Selbstdefinition benötigende Volkspartei, kann nicht zu einer Aufarbeitung dieses Ressentiments führen. Im Gegenteil. Die Unmöglichkeit politischen Verhandelns in einer Sprache, die den Hetzton von Wirtshausdiskussionen und Clubsitzungen überwinden kann, läßt keine klaren Lösungen zu. Keine Vereinbarung auf ein „common good“ liegt vor, von der aus eine demokratische Politik entwickelt werden könnte, die Nachhaltigkeit bedeutete. Die Privatisierungswelle aller Institutionen nach 2000 hat den Beziehungsrahmen aufgelöst, den die Institutionen für das Verständnis dieses Staats schafften. Die Trennung der Gewalten war nie vollkommen vollzogen. Die Krise der Polizei ist ein Symptom davon. Die Privatisierung der Politikerleben ein anderes.
Die Eindeutigkeiten politischer Kritik sind in die Koalition SPÖ/ÖVP verloren gegangen. Das einfache Davon Gehen, das die Donnerstags Wandertage bedeuteten. Ein solches Auf und Davon entspricht nicht mehr der gegebenen Wirklichkeit.
Die Donnerstags Wandertage bildeten eine eigene, neue und hoch individualisierte Kultur der Politisierung des Indivuellen, die in der Form gegen die Privatisierung und Ökonomisierung des Staates Einspruch erhob. Durch das Erscheinen der Person im demonstrierenden Gehen durch die Stadt wurde sichtbar gemacht, daß es Personen gab, die ihrer Einstellung als Antirassisten und Antirassistinnen Nachdruck verleihen wollten. Das war damals so möglich. Letzten Donnerstag zeigte es sich, daß die anderen politischen Umstände anderer ästhetisch politicher Interventionen bedürfen.
Die Donnerstags Wandertage reihen sich damit in die untergegangen Kulturen ein. Aber es hat diese Form der Politisierung gegeben. Ohne Alphatier und Sprachregelung fanden sich ähnlich Denkende zusammen und gingen redend die Straße besetzend friedlich dahin, von Polizisten und Polizistinnen begleitet. Das war für die Dauer des Gehens eine Überwindung vieler Grenzen und Begrenzungen. Das wird, wenn nötig, in anderer Form als Aussage zur Moral von Politik wieder zur Erscheinung gebracht werden.
Bis dann.