Neonrosagoldglänzend.

In: Salzburger Nachrichten August 2007

Der Höhepunkt der Kinderjause ist erreicht. Nachdem die aus Steuergeld und Sponsormitteln bezahlten Canapés und der Prosecco oder Champagner der Eröffnungen von den Unterhaltungsvermittlern wie Intendanten, Festspielpräsidenten, Dirigenten und Regisseuren mit den, das Steuergeld verwaltenden Politikern und den Sponsoren verzehrt und getrunken wurden, treten nun die Protagonisten auf.

Die weibliche Form können wir uns hier ersparen. Die Salzburger Festspiele sind Dienst für die sich zulassenden Zugelassenen. Der Zutritt wird durch politische Macht oder Bedeutung durch Geld oder durch allgemeine Zustimmung zu beidem erworben. Die, die da teilnehmen. Die spielen mit. Mittlerweile ist das wörtlich zu nehmen. Und wenn Geschlecht gespielt wird, dann ist das auch nur noch eine der vielen Rollen.

Das hat auch damit zu tun, daß alle Grenzen aufgehoben werden, die Kultur herstellen könnte. Der erweiterte Kunstbegriff, der einmal eine Demokratisierung der Kunst herbeiführen hätte sollen. Dieser erweiterte Kunstbegriff wird von denselben Personen, die ihn einmal ausriefen, heute auf die Zugelassenen beschränkt. Es handelt sich um einen eingegrenzt erweiterten Kunstbegriff. Also auch nur um eine Spielform des Elitären, das bewußt auf eine Gruppe bezogen wird. Das kennen wir aus der Geschichte so.

Aber. Gegenüber damals. Die Aufhebung der Grenze zwischen Bühne und Publikum wird nicht zur Erweiterung der Kritik von der Bühne ins Publikum benutzt. Das Publikum der ausgewählt Zugelassenen versetzt sich in den Besitz der Bühne und verschafft sich so ein Erlebnis. Die Verschiebung der Berichterstattung über Festspiele von der Kultur zur Gesellschaftskolumne ist dann ein logisches Ergebnis dieses Vorgangs. Das Publikum selbst ist Mitspieler. Die Festspiele werden zur Bühne dieser Selbstdarstellung. Ohne jeden kritischen Impuls in einer ewigen Weiterschreibung des nicht begriffenen Elends tanzt das dahin. Wie gesagt. Das reichste Kind bekommt den Preis. Hier ist das der Auftritt vor der Kamera. Und. Kleiderkauf und Dirigieren werden dann gleich wichtig. Und wie immer ist auch hier eine der Wahrheiten dargestellt.

Die Abwesenden erst machen die Festspiele selbst zur Inszenierung. Die, die nicht eingeladen wurden. Die Abwesenden machen die Festspielmacher und die Festspielteilnehmer zu Figuren, wie sie dann in “Ein Fest für Boris” auf der Bühne auftreten. Es ist also alles richtig und alles wahr und durchaus im Sinn der Gründer. Gesellschaftsberichterstattung ist ganz ernsthaft die einzige Möglichkeit über die Gesamtinszenierung zu berichten. Es muß der Kuß des, einstmals linken Intendanten der Hand der, immer wertkonservativ gewesenen Festspielpräsidentin berichtet werden. Eine ästhetische Deutung kann nur noch aus diesen Beziehungen erfolgen und nicht nach dem, was auf den Bühnen präsentiert wird.

Kultur ist das nicht. Kunst war das im 19. Jahrhundert. Das bleibt alles im Quasifamilialen. Es wird ja auch von der Festspielgemeinde gesprochen. Von der Festspielfamilie, zu der zu gehören sich in Geld ausdrückt. Haben oder verdienen. Die Protagonisten und die Unterhaltungsvermittler jedenfalls kommen gern nach Salzburg. Es heißt, in Salzburg flösse das Geld wie nirgendwo. In dieser Erzählung von den Salzburger Festspielen steigt dann endlich ein richtig schwärmerischer, spätromantischer Ton auf. Ganz nach dem Gründungskonzept.

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