Yasminweiß.
Weihnachten. Ostern. Geburtstag. Muttertag. Vatertag. Jahrestag. Das sind die Gelegenheiten, zu denen wir Geschenke erwarten dürfen. Die Kinder große Geschenke. Die Erwachsenen Kleinigkeiten.
Der neuerdings auch bei uns wichtige Valentinstag. Es geht um die privaten Verhältnisse. Es geht einzig und allein um die Beziehungen. Um die Familie. Immer sind die Geschenke unverdient. Sie sollen dem oder der Beschenkten erzählen, wie willkommen man oder frau ist. Wie eingeschätzt. Es gibt kein Recht auf Geschenke. Es gibt Erwartungen. Hoffnungen. Befürchtungen. Die Gefühlswelt des Privaten beschreibt sich in den Geschenken.
Was bedeutet es nun, wenn eine Firma oder eine Bank etwas schenkt. Wenn das Geschenk ein Ausdruck des Privaten ist. Heißt das, daß die Bank, die zum Beispiel in Salzburg Kunstwerke aufstellt. Oder die Firma, die das Sponsoring eines Empfangs übernimmt. Heißt das dann nicht, daß dieses öffentliche Schenken private Beziehung nachstellt.
Wenn jemand sich freut, weil ihm sein Netzbetreiber die Grundgebühr schenkt. Versetzt die Person, die sich da freut, nicht in eine Kinderposition. Die Person bekommt etwas geschenkt. Ein Geschenk ist immer unverdient. Der Beschenker möchte eine Freude machen. Können wir nun annehmen, daß der Netzbetreiber der beschenkten Person ganz einfach eine Freude machen will. Selbstverständlich nicht. Aber. Die Verpflichtung, die in der Familie im Schenken ausgedrückt wird. Die Verpflichtung der beschenkten Person. Die wird vom Netzbetreiber hergestellt. Das läuft sehr lustig ab. Da wird dann gesagt, daß das eine klasse Firma ist, weil sie die Grundgebühr verschenkt hat. Und die beschenkte Person steht zum Netzbetreiber in einem persönlichen Verhältnis. Eine Phantasie von Familie bleibt das. Aufgehobenheit. Geborgenheit. Zuwendung. Interesse. Und. Die beschenkte Person stellt alle diese Beziehungsgefühle in der Annahme des Geschenks selbst her.
Wenn nun also zum Beispiel Personen auf dem Residenzplatz einer Videoübertragung einer Oper folgen. Und diese Übertragung ist von einer Firma gesponsert. Was bedeutet die Benutzung eines solchen Geschenks. Nun. Es wird ganz offensichtlich Kindergeburtstag gespielt, bei dem die lieben Kleinen unterhalten werden müssen. Die lieben Kleinen müssen dann aber auch anschauen, was ihnen vorgespielt wird. Sie sind ja eingeladen und haben keine Rechte. Die Gastgeber, die das Geschenk machen. Die müssen sehr höflich behandelt werden. Der öffentliche Ort. Er geht in den Besitz der Schenkenden über. Der Zuschauer läßt sich für die Dauer des Geschenks enteignen. Aber. Man wird sich an sie erinnern, wenn der Name fällt. Oder das Produkt angeboten wird. Dankbarkeit. Eines der privatesten Gefühle überhaupt wird hier vermarktet. Und. Im Augenblick der Geschenkannahme im öffentlichen Raum. Es werden auch noch andere Rechte aufgegeben. Das Recht der Kritik etwa. Alles muß toll und schön genannt werden. Es ist ja ein Geschenk und die Dankbarkeit dafür selbstverständlich.
Und ganz sicher findet dann keine Kultur mehr statt. Kultur kennt im Gegensatz zur Familie keine Geschenke, sondern Rechte und Verpflichtungen und die Auseinandersetzung darum. Jedenfalls soll sich keiner oder keine beim Achterl beim gesponserten Empfang mehr einreden, an Kultur teilzunehmen. Es ist alles Kinderjause. Und das reichste Kind gewinnt.