Muttertagspastellpfirsich.

Und wieder Geschenke. Muttertag. Selbst bei größtem Widerstand gegen eine solche Nazierfindung gibt es kein Entkommen. Wie gesagt.

Geschenke sind Erzählungen des Familiären. Der Mutter nun kein Geschenk dafür zu machen, kommt einer Leugnung ihrer Mutterschaft gleich. In diesem immer lauernden schlechten Gewissen, die Familie zu kurz kommen zu lassen. Da ist das schlechte Gewissen den Müttern gegenüber führend.

Und sie kommen ja auch zu kurz. Die Mütter. Diese unglaubliche Leistung der beschützten Weltvermittlung an das kleine Kind und damit die Herstellung von Welt. Und das in jedem Augenblick. Selbstverständlich und nur im Scheitern besprechbar. Und dann. Ein Geschenk im Jahr. Na gut.

Eine Sprache, in der Elternschaft freundlich beschrieben werden könnte. Unbelastet. Wenn die Geschenke dann nicht symbolisch all das Unausgesprochene ablösen müßten und wirklich Geschenke sein könnten. Aber. Dann müssen es eben die Geschenke sagen. Und nicht immer muß das dann die Wahrheit sein. Und die Werbung drängt sich ja auch noch dazwischen und versucht diesen Erzählfaden aufzunehmen und diese Erzählung zu gestalten. Mittlerweile ist es mehr das Weibliche, das an den Müttern betont wird. Es sind nicht mehr die Haushaltsfunktionen, die da gefragt sind. Die Mixer und Staubsauger, die es zu früheren Muttertagen gab. Damit die “Mama” es leichter hat, hieß es da. Heute soll die “Mama” schöner werden. Mit Hilfe der Geschenke. Glamouröser.

Das Frau-Sein als Erholung vom Mutter-Sein. Als Belohnung. Das betont die Person. Hoffentlich. Das führt weg von diesem schematischen Mütter-Glück und Mutter-Leid, hinter dem die einzelnen Personen verborgen werden konnten. Hoffentlich. Und. Idealerweise fände sich in der hoffentlich überall erreichten Aufteilung der Elternpflichten dann wenigstens in den Partnerschaften der Eltern eine Sprache, die jeweiligen Kinder zu besprechen. Wenn schon der Zustand selber unbeschreibbar bleibt. Und hoffentlich sind dann die Ängste und das Glück nicht mehr in die Fiktion dieser alles beinhaltenden Mutterschaft gebannt. Mit der ganzen Last, die das der Einzelnen dann aufgebürdet hat.

Ich fände es schön, wenn der Satzanfang, “Ich, als Mutter” nicht mehr diese Verteidigungsreden einleiten müßte. Und immer gleich ganze Lebensentwürfe bedeutete. Und noch schöner wäre es, würde dann die Leistung für die Gesellschaft in gesellschaftlicher Anerkennung ohne Umstufung in diese Mutter-Kategorie belohnt. In Zeiten, in denen das Eltern Werden eine Entscheidung ist, die getroffen werden muß. Es stünde der Politik einer Gesellschaft gut an, diese Entscheidung nicht zur Lebensfalle für alle werden zu lassen. Oder zur Entscheidung, wer aufsteigt und wer hinunter muß. Mich hat es immer erstaunt, mit welcher Nonchalance das Desinteresse an der Kleinkinderwelt, den Müttern und wie sie das nun bewältigen sollen, vorgeführt wird. Täglich. Weiterhin. Kein Bereich unserer Leben ist Mutter-Kind-gerecht. Eltern-Kind-gerecht. Wirklich und selbstverständlich. Als Voraussetzung. Also wird es bei den Parfums und Pflegecremen und den Wellness-Angeboten bleiben. Wieder. Die Ablösung der Beziehungsleistung im Privaten der Familie. Wieder einmal muß sie für die Nichtexistenz einer gesellschaftlichen Lösung herhalten. Mütter sollten nur privat Luxusgeschöpfe sein müssen. Oder Väter. In der Öffentlichkeit sollten alle Möglichkeiten eingeräumt sein. Und selbstverständlich so. Kein Geschenk, sondern ein Recht.

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