Frühlingsgrün.

Zu Ostern gab es eine Diskussion. Ob es zu Ostern Geschenke geben solle, wurde gefragt. Oder nur die traditionellen Osterzutaten. Gefärbte Eier. Ostersträuße. Schinken und Kren.

Und alles sehr bunt und frisch. Die allgemeine Meinung war dann, daß es kleine Geschenke geben solle. Für die Kinder. Und ganz kleine für die Erwachsenen. Geschenke gehörten zum Weihnachtsfest, sagten die einen. Es könne nicht zu jedem Anlaß Geschenke geben, sagten die anderen. Das Schenken würde dann zu einem Normalzustand und wären nichts Besonderes mehr. Ja. Im Gegenteil. Wenn nun auch zu Ostern die Geschenkberge aufgetürmt würden, dann könnte ein Anspruch abgeleitet werden und die Geschenke wären endgültig keine mehr.

Das mit den Geschenken. Jede Familie hat ihren eigenen Stil in dieser Frage. In jeder Familie haben Geschenke eine andere Funktion. Das Schenken ist eine Sprache, mit der sich die Familie selber erzählt. Ganz deutlich in unserer Ostergeschenksdiskussion war aber wieder, daß Geschenke sich auf das Familiäre beziehen. Also auch auf unsere patchwork Beziehungen. Und auf alle Personen, die wir in unsere mittlerweile selbstgemachten Familien einbeziehen. Immer aber betrifft das den privaten Bereich. Und da können Geschenke dann alle Funktionen ausüben. Freude. Willkommen. Wertschätzung. Lust. Anerkennung. Belohnung. Bannung. Friedensangebot. Friedenserhalt. Erpressung. Beurteilung. Einschätzung. Strafe. Gefühle werden ausgedrückt. Die Zustände beschrieben, in denen die Beziehungen gesehen werden. Oder in die sie kommen sollen.

Was bedeutet es dann, wenn mir ein Handynetzbetreiber ein “Geschenk” machen will. Welche der angeführten Gefühle sollen mit einem solchen Geschenk ausgedrückt werden. Soll mit dem Geschenk von Gebühren etwa Freude ausgedrückt werden. Oder ein Friedensangebot übergeben werden. Oder eine Einschätzung ausgesprochen werden. Und da findet sich schon der Unterschied. Während die Geschenke des Privaten die Gefühle ausdrücken. Für die auszudrückenden Gefühle stehen. Zeichen dieser Gefühle sind. Während das Geschenk also die Erzählung der Beziehung darstellt, sollen die Geschenke des Öffentlichen Gefühle auslösen. Im Öffentlichen werden Geschenke nur als Verführung eingesetzt. Als Anreiz. Als Auslöser. Weil es die gefühlsgeladene Beziehung zwischen Schenker und Beschenktem nicht gibt, die erzählt werden könnte. Ein Handynetzbetreiber oder ein Elektrowarengroßhandel baut ja nicht erst eine persönliche Beziehung zu mir auf, bevor man mir ein Geschenk anbietet, an das ohnehin Bedingungen geknüpft sind.

Nun versucht Werbung ja meist, die öffentlichen Zusammenhänge in private zu verwandeln. Die Werbung ist damit beschäftigt, uns die ganze Welt als Familie zu verkaufen. Nur so kommt eine Beschreibung der Welt zustande, die sich emotional fassen läßt. Und damit verkaufen. Wer wollte heute schon Unterwäsche kaufen, weil sie getragen werden muß. Weil Personen gekleidet sein müssen. Erst die Verschiebung des Vorgangs des Sich Kleidens in ein gefühlsaufgeladenes Beziehungsgeflecht stellt das Begehren nach dem Produkt her. Deshalb benutzt die Werbung das Geschenk, um im Vortäuschen einer Beziehung eine solche Beziehung zu behaupten. Verführung eben.

Wir haben Zurückhaltung beschlossen. Privat. Wie kann das im Öffentlichen aussehen?

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