Kirschblütenrosa.

Es heißt Abschied nehmen. Endgültig Abschied. Wir haben es lange gemütlich gehabt. Mit dem öffentlich rechtlichen Fernsehen. Seit jeher war der ORF das staatlichste, was wir vorgesetzt bekamen. Das mit Auftrag Staatlichste.

Der ORF war die sehr österreichische Selbstverteidigung gegen sich selbst. Mehr Politik als Medium. Aber. Darin konnten wir uns mit allen Dafürs und Dagegen erkennen. Darin bändigte diese österreichische Version alles Selbstdarstellerische. Wir hatten die Barbara Karlich Show. Da war dann immer eine Fachperson zur Stelle, die Welt neben der naiv sich mit ihren Teilnehmern solidarisierenden Moderatorin auch noch professionell zu erklären. Eine Neigung zu Esoterischem auch in Willkommen Österreich. Aber das war immer einer öffentlichen Neugier unterstellt, die uns vor dem Schlimmsten bewahrte.

Nun ist es mit dem Fernsehen insgesamt aus. Die Zuschauerzahlen sinken. Das kostet Werbeeinnahmen. Die Privaten merken das am deutlichsten. Deshalb produzieren sie am billigsten. Billig ist Spott und Hohn und der daraus konstruierte Humor. In Österreich tritt das Privatfernsehen gerade da auf den Plan, wenn dieses Medium mit dem Überleben zu kämpfen beginnt. Die Auseinandersetzung zwischen öffentlich rechtlichem TV und privatem wird so gleich von Anfang an auf tiefstem Niveau begonnen. Und wird zum tiefsten Niveau führen. Führen müssen.

Als Marika Lichter die nackte dicke Frau aufforderte. Marika Lichter hat eine Privatfernsehanstaltsshow, in der sie jeder Person verspricht, sich so sexy fühlen zu sollen, wie sie sich selbst sexy fühlt. Als Marika Lichter die nackte dicke Teilnehmerin ihrer psychischen make over show zu einer Reihe nackter dicker anderer Frauen führte und die schluchzende Teilnehmerin aufforderte sich einzureihen. Sich an dem Platz in der Skala der Reihe der Dicken einzureihen, an dem sie sich selbst sah. Und wie sie die dicke Teilnehmerin dann von ihrem Platz wegführte und mit getragener Stimme der dicken Frau sagte, daß sie nicht zwischen diese ganz Dicken da gehörte. “Zu denen” gehörte sie nicht. Sie wäre um einiges nicht so dick wie die. Da denke ich war der Punkt, an dem der Abschied von der geschützten Landschaft der öffentlich Rechtlichkeit und ihren Mindeststandards stattfand. Endgültig. Das war Selektion. Das war esoterische Zurichtung. Das war Verachtung von allen. Von der dicken Teilnehmerin. Von den anderen dicken Teilnehmerinnen. Da wurde Herrschaft ganz altmodisch autoritär über Kleidung hergestellt. Die bekleidete Moderatorin. Die nackten spalierstehenden Frauen. Und immer der Hinweis, die dicke Frau sollte sich selber lieben.

Taschenklappaltarpsychologie in der Art der billigsten amerikanischen Familienfernsehserie.

Aber. Das viele Essen. Das grässliche Dick Werden. Es hat viel mit Fernsehen und dem passiven Konsum davon zu tun. So könnte diese Show dann doch ihr Gutes haben. Es wird noch einfacher werden, sich zu verabschieden und die Figur zu retten. Jedenfalls wird es an solchen Beispielen dann endgültig deutlich, daß Geld an den Sehern und Seherinnen verdient werden muß. Um jeden Preis. Würde. Persönliche Würde jedenfalls kostet es.

Die Intendanten und Politiker, die uns das private Fernsehen so lange ferngehalten haben. Die haben uns um die Auseinandersetzung gebracht, die eine mediale Kultur hervorbringen hätte können. So haben wir nur die halbstaatlich verordnete kennengelernt. Aber auch das ist vorbei. Wie in so vielen Dingen haben wir uns Demokratie nicht zugemutet und müssen nun mit den dekadenten Resten leben. Aber wie gesagt. Es macht ja ohnehin nur dick.

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