Depressivgrau.

Jetzt. In den letzten Wochen. Den Medien scheint es nun festzustehen, daß es mit dem Klima zu Ende ist. Gleich nach den Angaben, um wieviel Grade die Welt sich in welchem Zeitraum erwärmen wird.

Gleich nachdem in allen Nachrichtenbildern auf allen Sendern dann wieder eine riesige Eisscholle vom arktischen oder antarktischen Eis ins Meer abgebrochen ist, erfahren wir, daß die Gewinne der Ölmultis höher sind als je zuvor. Und das wird so bleiben. Die Eisschollen werden in der Unwirklichkeit der Medienbilder ins Meer stürzen und sich auflösen. Die Ölmultis werden immer mehr Geld verdienen, weil sie es schon haben. Niemand anderer wird in die Reparaturtechnologien investieren können, als die, die schon Geld haben. Die stillen Aufkäufe von nationengroßen Landstrichen in der Zweiten und Dritten Welt beschreiben die Möglichkeiten des Geldes bereits jetzt. Schweizer Banken kaufen österreichgroß Grund in Argentinien etwa. Da ließe sich dann eine nette gated community für die Superreichen einrichten. Das Geld wird nicht nur verdienen an den Schäden, es wird sich auch retten können. Zwar könnte man die Superreichen auch als Festhaltematrix des Geldes sehen. Das Geld braucht ja eine menschliche Repräsentanz. Menschen als Träger des Geldes. So gesehen könnte die Abhängigkeit auch anders herum gesehen werden. Aber Gerechtigkeit verspricht das alles nicht. Denn. Die Schäden haben sich in shareholder Gewinne verwandelt. Rückgängig machen werden wir sie müssen. Wir. Jeder und jede einzeln. Es werden Einschränkungen notwendig sein, die nur auf jeden und jede einzeln übertragen, eine Besserung bewirken können. Oder wenigstens keine weitere Steigerung. Daß wir die Medien der Veränderung sein werden und unsere Leben sich von Grund auf ändern werden müssen. Daß die Vermittlung dieser Änderungen ganz andere politische Gefüge nach sich ziehen werden und unsere Vorstellungen von Demokratie nicht erfüllen werden. Daß die Zukunft unserer Kinder sich nicht mehr darum drehen wird, etwas zu schaffen, sondern etwas mit äußerster Mühe zu bewahren. Daß Politik nicht mehr Entwicklung sondern Bewältigung bedeuten wird. Das alles ist schon unerträglich genug. Daß nun an unserer Mühsal dann doch wieder dieselben verdienen werden. Das ist vollends unerträglich und läßt das Gelingen eines solchen Projekts in düsterem Licht erscheinen. Der einfachste Weg zu einer gerechten und klugen Lösung wäre natürlich sich zu überlegen, ob das Geld, das ja nun schon dahin geführt hat, wo wir heute sind. Ob das Geld wirklich das richtige Medium des Bemessens von Wert ist. Ob es da nicht etwas Klügeres und Gerechteres geben könnte. Der um sich greifende Alarmismus in der Umweltfrage legte es nahe, eine andere Regelung der Beziehungen untereinander zu suchen. Bis jetzt ist ja nichts Kluges oder Gerechtes herausgekommen. Die Versuche in Umweltfragen zu Lösungen zu kommen, wie wir sie in den 80er Jahren begonnen haben. Diese Versuche sind ja geradezu durch das Geld erstickt worden. Da es nun scheint, daß wir aus den Schäden so rasch wie möglich klug werden sollten, ließe sich aus dieser Geschichte lernen. Und weil die Größe des Problems bisher unterschätzt wurde, sollte jetzt wenigstens die Dimension der Lösungen begriffen werden.

blank info